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Ein Meister der Kacheln


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Land Zauber - epaper ⋅ Ausgabe 58/2022 vom 09.11.2022
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Bildquelle: Land Zauber, Ausgabe 58/2022

Der Staub kitzelt einen in der Nase, wenn man die lichtdurchflutete Halle der Kachelmanufaktur betritt – vor allem in der Nähe des Brennofens, der an sich schon etwas Besonderes ist. In der Rekordzeit von 23 Stunden brennt er nicht nur Kacheln, auch regionale Künstler nutzen ihn, um ihre Tonarbeiten zu vollenden.

Mit Sorgfalt

Beim Befüllen des riesigen Brennofens gilt es, besondere Sorgfalt walten zu lassen, damit wirklich jedes Eckchen genutzt und keines der wertvollen Stücke womöglich während des Brennvorgangs im 1080 Grad heißen Ofen beschädigt wird. Kachelofenbauer Axel Eisenack befüllt ihn heute persönlich und ist deshalb erst entspannter, als er dasgroße Ofentor sorgfältig zuschiebt und die Temperatur samt Zeit eingestellt hat. Mit leuchtenden Augen erzählt er dann von seinem Beruf, der vielmehr eine Berufung ist. Dabei führt er durch seine Hallen, Lager und Werkstätten, die über kleine und ...

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... große Treppen und fünf Stockwerke verbunden sind. Die Manufaktur auf dem großzügigen Gelände an der Güterbahnhofstraße in Baden-Baden wirkt auf den Besucher fast wie ein Labyrinth aus unzähligen Gängen und noch mehr Räumen, was Axel Eisenack schmunzeln lässt: »Ich habe schon als Kind meine Nachmittage hier verbracht. Das ist mein zweites Zuhause.«

Wie alles begann

Der gebürtige Sinzheimer absolvierte nämlich bei der alteingesessenen Firma Löw seine Lehre zum Formenund Modellbauer, schulte schließlich zum Ofenbauer um und finalisierte seinen Berufsweg mit der Ausbildung zum Kachelofenluftheizungsbaumeister. Dadurch kennt er nicht nur jeden Prozess, den ein Kachelofen bis zu seiner Fertigstellung durchläuft, sondern auch jeden Winkel der Firma. Vor genau zwanzig Jahren bekam Eisenack schließlich die Chance, den Betrieb, den es seit 1867 gibt, zu übernehmen und führt ihn seitdem wieder zu den alten Traditionen des Kachelbaus zurück. Auch seine fünf Mitarbeiter sind mit Herzblut dabei und lassen viele Jahre Erfahrung in ihre Arbeit einfließen. Eisenacks Manufaktur hat heute zwei Standbeine: die Konstruktion von neuen Kachelöfen und die Reparatur und Restaurationen alter Öfen. Im Sortiment gibt es auch noch Grillund Pizzasteine und sogenannte Bettsteine. Man meint fast, auf der Reise durch die Welt der Keramikmanufaktur scheine die Zeit still zu stehen. Hier in den Hallen der ehemaligen Firma Löw verbergen sich wahre Schätze. »Manchmal bekommen wir eine Kiste zerbrochener Kacheln mit der Bitte, daraus den Ofen wieder aufzubauen«, berichtet Eisenack. Das kostet dann vor allem eines: Zeit. Manchmal mehrere Monate. Diese Zeit nimmt sich Axel Eisenack aber gern und unterstreicht: »Die Leute kommen zu uns, weil wir noch Qualität machen. Das ist uns am wichtigsten.«

Natürliches Wohlfühlklima

Da die Keramikmassen, so wie früher üblich, selbst hergestellt werden, kann der Meister darauf achten, dass die Kacheln über 50 Prozent Schamottanteil haben. Verarbeitet werden roter und weißer Ton aus Europa. Diese so hergestellten Kacheln nehmen die Wärme des Ofens dann exzellent auf, speichern sie und geben sie über einen langen Zeitraum wieder ab. So ergibt sich ein natürliches Wohlfühlklima, das nicht ständig nachgeregelt werden muss und am besten über Nacht langsam abkühlt. Die Kacheln bestehen aus Rauton, der mit einer dünnen Schicht Feinton überzogen wird – dem Untergrund für die Glasur. Angemischt wird der Ton im Keller der Manufaktur, wo die Masse in Platten ein Jahr lang feucht gehalten werden kann, bis sie in die Produktion kommt. Immer mal wieder kommt es auch vor, dass bei der Kachelherstellung keine neue Form nötig ist, sondern man nur wissen muss, wo die richtige Form liegt. In seinem riesigen Lager hat Axel Eisenack nämlich mehrere tausend Muster und Motive vorrätig, viele davon über hundert Jahre alt. Doch nicht nur in Privathäusern und auf Höfen arbeitet Eisenack teilweise Jahrhunderte alte Öfen auf – auch in Kirchen, Hotels und Schlössern ist seine Arbeit gefragt. Besonders stolz ist er auf einen kleinen weißen Ofen in Schloss Versailles, der mit seinen rekonstruierten Louis Seize-Kacheln wieder wie neu aussieht.

Individuelle Kacheln

In seiner Baden-Badener Manufaktur führt uns der Meister auf einer engen weißen Wendeltreppe jetzt nach oben ins Reich der Künstler. Wir sind im lichtdurchfluteten Zimmer von Keramikerin Claudia Steinicke angekommen, die gerade dabei ist, eine weiße Kachel mit zarten Pinselstrichen zu bemalen. Eine Spezialität der Manufaktur sind nämlich individuelle Kacheln, die genau nach den Wünschen des Kunden gefertigt werden. Dabei geht es nicht nur um Formen und Muster, sondern vor allem um die Motive. Dabei kommt es auch mal zu kleinen Fehlern, die aber mit Humor genommen werden, wie der Firmenchef einräumt: »Wir haben einmal eine Kachel mit einem

Motiv aus Biederbach angefertigt – und uns dann bei der Inschrift vertan. Als Bierbach auf der Kachel stand, mussten wir eine neue herstellen«. Die Bierbach-Kachel wird heute übrigens in seinem Ausstellungssraum ausgestellt. Bei Axel Eisenack werden nicht nur sämtliche Keramiken von Hand bemalt, auch die Farben der Glasuren werden nach eigenen Rezepturen selbst gemischt und entwickelt, sodass noch Jahre später auf sie zurückgegriffen werden kann. Über 12.000 Rezepte kamen so im Lauf der Jahre zusammen. Die Glasur ist übrigens neben der Beschaffenheit der zweite Maßstab für die Qualität der Kachel, wie Axel Eisenack deutlich macht: »Eine perfekte Glasur anzumischen geht nicht nach Augenmaß, weil die Glasur beim Brennen ihren Farbton verändert. Alte Farben lassen sich nur mit viel Mühe rekonstruieren, weil die alten Mischungen mit viel Blei heute nicht mehr erlaubt sind«. Der Arbeitsplatz, an dem die Glasuren hergestellt werden, sieht aus wie die Werkstatt eines Alchimisten:

Überall stehen Pulver, Schippchen, Waagen und Gefäße. Erst wenn die Glasur mit ruhiger Hand auf die Kachel gegossen wurde und tatsächlich alles perfekt abgelaufen ist – dann brennt die Glasur glatt und glänzend aus. Deshalb ist Axel Eisenack jedes Mal froh und dankbar, wenn sich sein riesiger Ofen wieder öffnet und er wunderschön gebrannte Kacheln in genau dem Farbton herausbefördert, den sie haben sollen.

Manufaktur für Ofenkacheln Axel Eisenack

Güterbahnhofstraße 9, 76532 Baden-Baden Telefon 07 22 1/91 770 E-Mail: info@kachelmanufaktur.de