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EIN NEUES KARPFENJAHR


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 40/2019 vom 08.03.2019

Unsere Serie geht in die zweite Runde! KarpfenexperteTobias Steinbrück stellt seinen Lieblingen ab dem Frühjahr nach, sobald die Gewässer eisfrei sind. Wie er dabei vorgeht, verrät er hier.


TEIL 2 FRÜHJAHR & SOMMER

Artikelbild für den Artikel "EIN NEUES KARPFENJAHR" aus der Ausgabe 40/2019 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Auch im zeitigen Frühjahr lassen sich Karpfen fangen – wenn man weiß wie.


Im Frühjahr ist man mit der Pose erfolgreich, sobald die Sonne das Flachwasser erwärmt hat. Manchmal stehen die Karpfen noch nicht einmal einen Meter tief.


FOTOS: T. STEINBRÜCK

Eine Hand voll kleiner Partikel wie Hanf und Weizen reicht im Frühjahr völlig aus, um das Interesse der Karpfen zu wecken.


Lebhaftes und ...

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... natürliches Futter, so wie diese Mehlwürmer, lockt ebenfalls die Karpfen an.


Weil nicht weit entfernt vom Ufer geangelt wird, kann mit der Futterschleuder punktgenau angefüttert werden.


KARPFENANGELN IM FRÜHJAHR (MÄRZ–MAI)

Ich suche die Fische im zeitigen Frühjahr an Altarmen von Flüssen, Plateaus und in flachen Buchten von Kiesgruben sowie flachen Stauseen und Torfstichen. Die Flachwasserzonen erwärmen sich zuerst, zu Beginn nur an sonnigen Tagen, später wenn die Nächte milder sind auch dauerhaft in der Nacht. Fischnährtiere wie Wasserschnecken und Larven sowie Laich (zum Beispiel von Kröten) verleiten unseren Zielfisch zur Nahrungsaufnahme. Gezielt patrouillieren die hungrigen Fische in der Uferzone und an den Schilfbänken und Krautfeldern entlang. Überhängende Bäume und Sträucher, die ins Wasser ragen, sind in keiner anderen Jahreszeit als im Frühjahr so große Karpfenmagneten.

FRÜHJAHRSTAKTIK

Leichte Posenmontagen mit Wagglern bis sechs Gramm oder die freie Leine mit einem ultrascharfen stabilen Haken, der direkt an die Hauptschnur geknotet wird, sind ideal, um Karpfen in Ufernähe zu überlisten. Sie sollten sich an die Fische anpirschen, deshalb brauchen Sie unauffällige Kleidung und einen sanften Tritt. Karpfen verraten sich durch eingetrübtes Wasser, Blasenteppiche oder sie springen bzw. buckeln. Sie dürfen die scheuen Fische auf keinen Fall verschrecken. Halten Sie ausreichend Abstand zum Ufer und bewegen Sie sich nicht hektisch. Ein laut klingelndes Handy sowie elektronische Bissanzeiger könnten Sie verraten. Lassen Sie diese technischen Instrumente am besten zu Hause.

Karpfen finden im Frühjahr natürliche Nahrung, wie Wasserschnecken, Dreikantmuscheln, Schlammröhrwürmer und Bachflohkrebse. Im Vergleich zu den beliebten Boilies ist diesese Nahrung viel kleiner. Dementsprechend sollten Sie auch Ihre Hakenköder wählen: Dosenmais, Maden, Miniboilies oder auch ein Tauwurm sind ideale Frühjahrsköder. Ist das Wasser noch kalt (unter zehn Grad) reicht eine Hand voll Futter aus, um die Aufmerksamkeit der Fische zu erregen. Eine Futterschleuder zum Anfüttern ist ratsam. Eine leichte Posenrute oder eine leichte Karpfenrute sind ideal. Eine Polarisationsbrille erleichtert das Auffinden der Fische in Ufernähe. Ein Monofil zwischen 0,20 und 0,30 Millimetern ist unauffällig und stabil genug, um selbst große Karpfen zu bezwingen. Als Haken verwende ich gerne spitze teflonbeschichtete Modelle in den Größen 6 bis 8. Teflonbeschichtete Haken glänzen im flachen Wasser nicht so sehr. Haken, die das Sonnenlicht reflektieren, können erfahrene und scheue Fische alarmieren.

FÄNGIGE BEDINGUNGEN

Wie bereits erwähnt, sollten Sie im frühen Jahr in flachem Wasser angeln, da es sich schneller erwärmt. Entscheidend ist aber auch, an welcher Uferseite Sie ansitzen. Grundsätzlich beeinflussen Wind- und Wassertemperatur das Beißverhalten der Fische. Ist die Windtemperatur höher als die des Wassers, sollten Sie ihre Angelstelle an der windzugewandten Seite des Gewässers wählen. Im Frühjahr sorgen meist Südwest-Strömungen für eine milde Lufttemperatur.

Ist allerdings der Wind kälter als das Wasser, sollten Sie Ihre Ruten in geschützten Bereichen des Gewässers ausbringen oder die windabgewandte Seite des Sees aufsuchen. Im Frühling sorgen vor allem Ostwinde für kalte Luft. In der Nacht, wenn sich die erwärmten Flachwasserzonen wieder abkühlen, verlassen die Fische diese Bereiche und suchen etwas tiefere Zonen mit konstanter Wassertemperatur auf. Erst im späten Frühjahr verlassen sie die Flachwasserzonen kaum, schließlich wollen sie dort später auch laichen.

Bei heißem Sommerwetter braucht man nicht viel Futter – eine Hand voll Boilies reicht aus.


KARPFENANGELN IM SOMMER (JUNI–SEPTEMBER)

Im Sommer, wenn das Wasser warm ist, sind die Karpfen sehr aktiv, ganz gleich ob im Fluss oder im offenen Wasser von Kiesgruben und Stauseen. Die Aktivität der Fische ist extrem hoch. Vor und nach der Laichzeit kommt es zu richtigen Fressattacken. Die Sommerzeit hat jedoch auch ihre Tücken. Der Erfolg hängt vom Sauerstoffgehalt des Wassers ab. Was im strömungsreichen Fluss eine untergeordnete Rolle spielt, ist im See oder Teich ein wichtiger Faktor. Um auf fressende Fische zu treffen, sollten Sie im Sommer in stehenden Gewässern nach Wasserpflanzen, also Kraut, Ausschau halten. Diese produzieren am Tage viel Sauerstoff. Aus diesen Gründen finden sie die Fische hier tagsüber zuhauf. In der Nacht zehren Wasserpflanzen jedoch den Sauerstoff auf. Suchen sie also nachts Stellen, wo keine oder nur wenige Wasserpflanzen zu finden sind. Hier ist der Sauerstoffgehalt höher.

SOMMERTAKTIK

Das Karpfenangeln im Sommer unterteile ich in das Grund- und Oberflächenangeln. Am Tage stehen die Karpfen oft in den oberen Wasserschichten dicht unter der Oberfläche. Da Sie diese Fische nicht mit Bodenködern fangen können, ist Anpassung gefragt. Mit einer Wasserkugel oder einer „Bolt Machine“ (ähnlich einem schwimmenden Sbirolino) ist es möglich, die Karpfen am Tage an der Oberfläche zu beangeln. Füttern Sie erst an und warten Sie, bis sich erste Karpfen an der Wasseroberfläche zeigen. Dann werfen Sie die Montage aus.

Pellets und Hundfutter-Imitationen am Haar werden nicht einfach vom Haken geklaut.


An der Oberfläche haben sich trockene Hunde- oder Katzenfutterbrocken mit Fisch- oder Rindanteilen bewährt. Schwimmendes Forelli oder Brotstücke sind ebenfalls geeignet. Es gibt sogar spezielle schwimmende Karpfenpellets (Riser Pellets). Diese werden zum Anfüttern und auch als Hakenköder eingesetzt. Bis auf das Brot sind alle Oberflächenköder an einer dünnen monofilen oder geflochtenen Schnur am Haar hinter dem Haken befestigt. Hunde- und Katzenfutter kann einfach mit einem Boiliebohrer aufgebohrt werden.

FEIN AM BODEN

Nachts macht es Sinn, mit dem Method Feeder oder einem Futterkorb auf Grund zu angeln. Futterkugeln, denen Partikel und Boiliestücke beigemengt werden, sind ideal, um einen Angelplatz anzufüttern. Nicht selten kommt es vor, dass die Karpfen mit Sonnenuntergang von der Oberfläche verschwinden und aktiv am Grund fressen. Dort muss der Tisch dann bereits gedecktsein. Der Method Feeder ist ein vorgebleiter Futterkorb, der fest auf dem Wirbel sitzt, der Hauptschnur und Vorfach verbindet. So funktioniert er nach dem Prinzip der Festbleimontage und lässt sich bis zu 100 Meter weit werfen. Er nimmt wie ein Standardfutterkorb eine Hand voll Grundfutter auf. Ihm vorgeschaltet wird ein Hair Rig (Haarmontage). Für den Method Feeder und die Futterballen eignet sich gut bindendes Grundfutter, dem noch Boiliestücke und Partikel beigemengt werden. Die Futterballen dürfen, wenn sie mit dem Futterschaufel gefüttert werden, nicht in der Luft aufplatzen. Als Hakenköder nutze ich Partikel wie Tigernüsse, Hartmais oder Boilies.

Ein Karpfenrute mit einer Testkurve von 2,75 lbs reicht zum Oberflächenangeln aus. Für den Einsatz mit einem Method Feeder oder einem Futterkorb sind Karpfenruten mit einer Testkurve von 3 lbs empfehlenswert. Eine monofile 0,35er Hauptschnur ist ratsam. Zum Oberflächenangeln nutze ich eine dünnere Monofilschnur von maximal 0,25 Millimetern Durchmesser.

Beim Angeln an der Oberfläche dient eine Bolt-Machine, eine besondere Art von Sbirolino, als Wurfgewicht. Das Brot wird in einen Gummiring eingeschlauft.


FOTOS: T. STEINBRÜCK

Zum Grundangeln im Sommer bietet sich der Method-Futterkorb an. Er wird mit einem stark bindenden Futter gefüllt und lässt sich bis zu 100 Meter weit werfen.


Wo viel Kraut am Boden wächst, braucht man einen PVA-Stick als Hakenschutz. Er wird so eingesteckt, dass die Hakenspitze nicht verdeckt wird und sicher fassen kann.


AUCH AM TAG!

Grundsätzlich kann im Sommer zu jeder Zeit mit fressenden Fischen gerechnet werden. Wichtig ist es zu wissen, wo sich die Fische aufhalten, um sie effektiv beangeln zu können. Oft habe ich Karpfenangler erlebt, die der Meinung waren, die Fische würden in bestimmten Gewässern in den warmen Sommermonaten nur nachts fressen. Ein gravierender Fehler, da sie an vielen Karpfen vorbeiangeln. Die Fische fressen auch am Tage sehr gut und nicht nur am Grund, wo viele Karpfenangler ihre Montagen platzieren. Oft ist es auch der Wind, der die Fische zum Fressen am Tage aktiviert. Ist das Wasser sauerstoffarm, fressen die Fische sehr wenig. Kommt Wind auf, reichert sich das Wasser mit Sauerstoff an. Am windzugewandten Ufer können sie dann wahre Sternstunden erleben. Angeln Sie also im Sommer mit der Nase im Wind auf Grund oder bei spiegelglattem Wasser am Tage an der Oberfläche.


FOTOS: T. STEINBRÜCK