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Ein neues Leben


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St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 101/2022 vom 07.10.2022

TIERSCHUTZ EIN LEBEN LANG

Artikelbild für den Artikel "Ein neues Leben" aus der Ausgabe 101/2022 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Willkommen, Baby! Dieses hier gewann übrigens drei Jahre nach dieser Aufnahme das berühmteste Galopprennen der Welt, den Prix de l?Arc de Triomphe in einer Zeit, die bis heute ungeschlagen ist: die Stute Danedream, inzwischen selbst Mutter.

Dr. Christa Finkler-Schade von der Fachberatung Schade & Partner betont: „Die Verantwortung beginnt schon mit der Frage, mit welcher Stute man züchten sollte.“ Und einer Idee, was mit dem Fohlen passieren soll – will man es behalten, oder soll es verkauft werden? Ist letzteres der Fall, ist es von Vorteil, wenn die Abstammung gewissen Anforderungen des Marktes entspricht. Ganz wichtig ist die Gesundheit der Stute. Scheidet sie verletzungsbedingt aus dem Sport aus, ist das nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium. Bringt sie jedoch eine genetische Prädisposition für bestimmte Krankheiten mit – etwa erblich bedingte OCD, bestimmte Lungenkrankheiten etc. –, ist davon abzuraten. Ist die Stute nicht hundertprozentig fit, stellt sich außerdem die Frage, wie sich die Trächtigkeit auf ihren Zustand auswirkt.

Ob die Stute sich – von ihrer sportlichen Begabung und ihrer Abstammung ...

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Ob die Stute sich – von ihrer sportlichen Begabung und ihrer Abstammung mal abgesehen – aus medizinischer Sicht zur Zucht eignet, sollte man im Zweifelsfall mit einem zuchterfahrenen Tierarzt besprechen. Auch erfahrene Züchter und die Berater der Verbände wissen oft Rat. Das gilt übrigens nicht nur in dieser Frage, sondern vor allem auch in Sachen passende Anpaarung. Aber: „Das A und O ist es, selbst Wissen zu erwerben“, betont Dr. Finkler-Schade. „Ich muss mir vorher Gedanken darüber machen, wie die Phase der Trächtigkeit, die Geburt und die Aufzucht des Fohlens vonstatten gehen sollen.“ Denn der Pensionsstall mit der gemischten Herde, in dem die Stute jahrelang gut untergebracht war, eignet sich nicht zwangsläufig auch als Heimat für eine Stute mit Fohlen.

Die Geburt

Die Zeiten, in denen man im Stall übernachten musste, um im Falle des Falles zur Stelle zu sein, wenn die Stute fohlt, sind vorbei. Es gibt inzwischen verschiedene Geburtsmelder, die sich auch in großen Betrieben als zuverlässig erwiesen haben. Dr. Christa Finkler-Schade erklärt einige Optionen: „Viele professionelle Betriebe lassen der Stute vom Tierarzt einen Chip setzen, der meldet, wenn es losgeht. Zusätzlich haben sie Kameras und Nachtwachen. Es gibt aber auch ein neues Verfahren, das mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Eine Kamera erfasst das normale Verhalten des Pferdes und speichert es. Bei Abweichungen schlägt das System Alarm. Das funktioniert zum Beispiel auch bei Koliken und wird von der Firma ACARiS angeboten.“

Dr. Finkler-Schade sagt allerdings auch: „Wer keine Geburtserfahrung hat, sollte sich vorher dringend beraten lassen – vom Tierarzt, der ohnehin bei Bevorstehen der Geburt Bescheid wissen und erreichbar sein sollte, vom Tierarzt und anderen Experten. Es gibt auch hier Vorbereitungskurse.“ Am besten sei es, wenn der Mensch so wenig wie möglich eingreift. Aber beim geringsten Zweifel sollte man eher zu früh als zu spät den Tierarzt hinzuziehen. Und zwar einen, der sich mit Geburtshilfe gut auskennt. Wer zum ersten Mal eine abfohlende Stute hat, holt sich am besten einen erfahrenen und besonnenen Züchterfreund hinzu. Das könne auch ein Rinderzüchter sein, sagt Dr. Christa Finkler-Schade. „Hauptsache es ist jemand, der Ruhe bewahrt.“ Ist das Fohlen auf der Welt, sollte man nicht zu früh eingreifen, warnt sie: „Die Verlockung ist groß, aber die ersten Momente sollten Mutter und Kind gehören! Auch sollte man die Nabelschnur nicht eigenständig durchtrennen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sie eine Sollbruchstelle ca. drei Zentimeter vom Bauch entfernt hat, wo sie von alleine abfällt, wenn die Stute aufsteht, oder wenn das Fohlen erste Aufstehversuche macht.“

Die richtige (Auf-)Zuchtstätte

Grundsätzlich ist es möglich, die Stute im heimischen Stall abfohlen zu lassen, sofern dafür eine mindestens 4x4 Meter große Box zur Verfügung steht. Es müssen aber auch andere Voraussetzungen stimmen. Sind die anderen Pferde verträglich, mit denen die Stute auf der Weide steht? Welchen Rang bekleidet die Stute in der Herde? Eine tragende Stute sollte sich keine Sorgen um ihre Sicherheit machen müssen, geschweige denn, dass sie in Rangeleien verwickelt wird. Am besten ist es, wenn die werdende Mutter mit anderen tragenden Stuten zusammensteht. Auch später für die Fohlen, denn spätestens drei bis vier Wochen nach der Geburt sollten sie einen oder besser noch mehrere Freunde in ihrem Alter haben.

GESUNDHEITSCHECKLISTE*…

… für das Neugeborene

Einsetzen des Saugreflexes nach max. 20 Minuten

Aufstehen ca. 1 bis max. 2,5 Stunden

Trinken innerhalb der ersten 2 Stunden

Körpertemperatur (messen!) 37,2° bis 38,9° C in den ersten 4 Tagen

Atemfrequenz 20 bis 40 Züge/ Minute in der ersten Woche, danach maximal 30 Züge/Minute

Herzfrequenz direkt nach der Geburt 70 Schläge/Minute, eine Stunde danach 130 Schläge/Minute, danach 90 bis 100 Schläge/Minute

Erster Harnabsatz 6 bis 10 Stunden nach der Geburt

Absetzen des Darmpech innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt

*Mit freundlicher Genehmigung von Fachtierärztin Dr. Ida P. Leendertse

Ehe man die Stute besamen lässt, sollte man sich daher entweder nach einem Züchter umsehen, der in einer ähnlichen Lage ist und mit dem man sich zusammenschließen kann, oder aber man gibt die Stute gleich in einen Stall, der sich auf Zucht und Aufzucht spezialisiert hat. Der Umzug sollte allerdings mindestens acht Wochen vor errechnetem Geburtstermin erfolgen, damit die Stute sich an die neue Umgebung gewöhnt und vor allem, damit sie an die Umwelt angepasste Immunglobuline (= Abwehrstoffe) bilden kann. Die gibt die Stute nämlich über die Erstmilch nach der Geburt, das sogenanne Kolostrum, auch an ihr Fohlen weiter, das ja noch keine eigenen Abwehrkörper hat entwickeln können und für sein Überleben auf die der Mutter angewiesen ist. Nach der Geburt sollte eine Reise mit Fohlen – ob nun zur Besamung oder tatsächlich in einen anderen Stall – frühestens nach drei bis vier Wochen erfolgen.

Bewegung, Bewegung, Bewegung

Dr. Christa Finkler-Schade sieht auch Risiken für Mutter und Kind durch Stuten, die nur herumstehen und immer dicker werden, als durch solche, die weiter geritten werden. „Früher haben die Stuten ja auch bis zum Schluss den Pflug gezogen“, erinnert sie. „Wenn die Stuten es gewohnt sind, können sie bis zum Schluss geritten werden.“ Allerdings natürlich in angemessenem Rahmen, so dass es die Stute nicht stresst.

Gefährlicher ist es, wenn die Stuten zu fett sind, warnt die Expertin. „Die Bewegung der Stute ist wichtig für den Stoffwechsel und die skelettale Entwicklung des Fohlens“, erinnert sie. „Ist die Stute gegen Ende der Trächtigkeit zu fett, schränkt das die Bewegungsmöglichkeit des Fohlens im Mutterleib ein. Das Risiko für skelettale Fehlentwicklungen steigt“. Daher lautet Finkler-Schades Appell: Tragende Stuten müssen bewegt werden! Nicht notwendigerweise unter dem Sattel, aber Longe, Führmaschine etc. ergänzend auch zum Weidegang sind wichtig.

Kinderturnen

Wenn das Wetter es zulässt, können und sollten neugeborene Fohlen von Tag eins ihres Lebens an raus. Allerdings gibt es dabei zwei Dinge zu beachten: Zum einen dürfen neugeborene Fohlen nicht auf kaltem Boden liegen. Sie schlafen anfangs viel und können sich dann einen Infekt einfangen. Zum anderen sollte man verhindern, dass die Stute zu sehr ins Laufen kommt. Das Fohlen wird versuchen, mit ihr Schritt zu halten und kann sich dabei leicht überanstrengen. Daher ist es in den ersten Tagen besser, Mutter und Kind zwei- bis dreimal für je eine Stunde rauszuholen, als sie drei Stunden am Stück draußen zu lassen. Dabei sollte die Fläche, auf der sie stehen, nicht zu groß sein, damit die Stute nicht zu rennen beginnt.

Kleinere Paddocks sind anfangs zudem förderlich für die Bindung von Mutter und Kind. Hat man nur große Flächen, die nicht unterteilt werden können, kann man die Stute zunächst an die Longe nehmen. In einer Herde mit erfahrenen Stuten ist das anders. Die älteren wissen, wo die Grenzen ihrer Kinder sind und die jüngeren lernen von ihnen. Die Zeitspanne der Bewegung kann täglich ein wenig ausgedehnt werden. Wenn alle Beteiligten gesund sind und die Temperaturen Tag und Nacht mindestens 10° Celsius betragen, ist es das Beste, wenn sie 24 Stunden rauskommen. Einmal täglich Kontrolle ist Pflicht. Ein Problem ist jedoch in mehreren Regionen der Wolf. Dr. Christa Finkler-Schade: „Viele Züchter holen ihre Fohlen deshalb nachts rein. Ihre Sorge ist berechtigt. Und Wolfszäune kann sich kaum jemand leisten.“

Was gilt es beim Saugfohlen zu beachten?*

Herdenhaltung bringt die Fohlen dazu, sich mehr zu bewegen und schult das Sozialverhalten

Das Fohlen braucht eine ausgewogene Fütterung mit angepassten Mineralstoffgaben

Bewegung ist das A und O, am besten auf unterschiedlichen Böden. Das gesunde Fohlen kann schon kurz nach der Geburt raus, braucht aber nach ca. 20 Minuten auch wieder Ruhe und einen geschützten Rahmen, um sich auszuruhen. Die Zeit wird täglich etwas ausgedehnt. Schließlich können Stute und Fohlen 24 Stunden auf der Weide verbringen.

Es muss jeden Tag beobachtet werden! Bewegt es sich steifer als sonst, oder lahmt es gar? Dann sollte ein Tierarzt kommen, es kann ein Anzeichen für Entwicklungsstörungen sein. Stellt man eine Fehlstellung fest, müssen Schmied und Tierarzt gemeinsam besprechen, wie man vorgeht.

Das Fohlen sollte von Anfang an täglich Kontakt mit Menschen haben – berührt werden, Hufe aufheben, Aufhalftern, kurz fixieren, führen usw.

Spätestens nach acht Wochen sollte erstmals ein Hufschmied das Fohlen begutachten.

*Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Christa Finkler-Schade

Fütterung der Stute

In der idealen Pferdewelt können werdende Mütter über viele Kilometer umherziehen und sich gezielt diejenigen Gräser, Kräuter etc. suchen, die sie brauchen, um ein gesundes Fohlen zur Welt zu bringen. Die Natur hilft ihnen, denn im Frühjahr ist das Gras am eiweißhaltigsten und hochwertige Aminosäuren sind – zusammen mit Mineralstoffen – das, was die Stute im letzten Trächtigkeitsdrittel braucht, damit sich das Fohlen in ihrem Leib optimal entwickeln kann. Dr. Christa Finkler-Schade: „Bis zum siebten Trächtigkeitsmonat ist die Gewichtszunahme des Fohlens minimal. Da hat die Stute noch keinen erhöhten Nährstoffbedarf. Ab dem siebten Monat ändert sich das jedoch rapide. 45 Prozent des gesamten Fohlengewichts werden im zehnten und elften Trächtigkeitsmonat ausgebildet.“

Gegen Ende der Trächtigkeit liegen Energie- und Nährstoffbedarf der Stute um fast 40 Prozent über dem Erhaltungsbedarf. Das Ziel bei der Fütterung sollte es sein, dass die Stute nicht weniger als 15 und nicht mehr als 20 Prozent ihres Normalgewichts zunimmt. Bei einem Warmblut bewegt man sich da zwischen 510 und 720 Kilogramm. Bei einer defizitären Versorgung greift der Körper der Stute seine eigenen Reserven an. Schlimmstenfalls kommt es zum Abort. Die Überversorgung schränkt nicht nur den Bewegungsspielraum des Fohlens ein, sondern wirkt sich auch negativ auf die Fohlenrosse aus und führt eventuell sogar zu Schwangerschaftsdiabetes. Noch ist nicht ganz sicher, ob sich diese bei Pferden genauso entwickelt wie bei Menschen.

Auch der Wasserbedarf steigt enorm. Laktierende Stuten trinken im Durchschnitt 48 Liter. Basis für eine angemessene Fütterung, die dem gerecht wird, ist Gras oder hochwertiges Raufutter. Das ist allerdings gar nicht so leicht zu bekommen. Daher empfiehlt es sich, die zur Verfügung stehende Charge im Labor untersuchen zu lassen und dann anhand des Ergebnisses mit einem Fütterungsexperten zu besprechen, ob und wenn ja was die Stute an Getreide, Eiweiß, Zuchtfutter und Mineralien benötigt. Ist das Fohlen auf der Welt, steigt der Energie- und Proteinbedarf der säugenden Stute enorm. Wer Mütter und Fohlen auf der Weide hält, sollte mit 50 bis 60 Kilogramm Gras pro Tag und Stute kalkulieren. Dazu brauchen sie unbedingt Mineralien, an die man auch das Fohlen schon früh gewöhnen kann.

Ernährung des Fohlens

Lebenswichtig ist die Aufnahme des bereits erwähnten Kolustrums für das Fohlen. Das sind ein bis zwei Liter Milch, die in den letzten zwei bis vier Wochen der Trächtigkeit produziert und im Euter der Stute gespeichert werden. Diese Erstmilch sollte das Fohlen normalerweise nach ca. einer, spätestens aber 2,5 Stunden nach der Geburt gesoffen haben, denn sie ist voller Abwehrstoffe, die das Fohlen schützen. Hat das Fohlen diese „Biestmilch“ getrunken, wird sie innerhalb von zwölf Stunden durch Milch mit einem geringeren Gehalt an Immunglobulinen ersetzt. Die ersten vier Monate seines Lebens ist das Fohlen durch die Abwehrstoffe im Kolostrum gut gewappnet gegen allgegenwärtige Krankheitskeime. Und während dieser Zeit kann sich sein eigenes Immunsystem ausbilden.

In den ersten zwei bis drei Wochen sind Fohlen so über die Muttermilch bestens versorgt. Aber nach dieser Zeit sollte man anfangen, das Fohlen an Zusatzfutter zu gewöhnen. Steht es auf einer üppigen Weide, reichen Mineralfutter vermischt mit wenig Fohlenstarter oder gequetschtem Hafer. Steht wenig Gras zur Verfügung, muss die benötigte Energie durch Fohlenstarter oder Quetschhafer ergänzt werden, ggf. mit Mineralfutter. Auch wenn die Stuten wenig Milch haben, brauchen die Fohlen zusätzliche Nahrung. Dabei ist eine Unterversorgung ebenso schädlich wie eine Überversorgung. In dem Fall wächst das Fohlen zu schnell, was sich negativ auf die Knochengesundheit auswirkt. „Chips“, also Osteochondrosis Dissecans, kurz „OCD“, können erblich bedingt sein, aber entstehen auch durch Fütterungsfehler.

„OCD kann erblich bedingt sein. Aber der Einfluss von zu wenig Beweg ung und falscher Fütterung ist höher.“

Dr. Christa Finkler-Schade

Bei Mineralstoffmangel (z. B. zu wenig Kupfer) wird der Gelenkknorpel nicht hinreichend versorgt. Es können sich Fragmente lösen, der Beginn von OCD. Ähnliches passiert aber auch bei zu viel energiereichem Futter. Das führt zu einem zu schnellen Wachstum, bei dem die Knochendichte nicht hinterherkommt. Dr. Christa Finkler-Schade berichtet: „OCD kann etwa beim Fesselgelenk in circa 30 Prozent der Fälle erblich bedingt sein. Aber der Einfluss von zu wenig Bewegung und falscher Fütterung ist höher!“ Gewichtskontrolle hilft dabei, die Versorgungslage des Fohlens zu erkennen. Ein Warmblutfohlen, das später rund 600 Kilogramm auf die Waage bringen wird, kommt mit ca. 55 Kilogramm Gewicht zur Welt. Nach den ersten 30 Tagen hat es sein Gewicht bereits verdoppelt. Innerhalb dieses ersten Lebensmonats nimmt ein Fohlen bis zu zwei Kilogramm täglich zu!

Früh übt sich …

Das Zufüttern der Fohlen, und sei es nur mit ein paar Bröckchen Mineralfutter, stärkt außerdem die Bindung zum Menschen. Die sollte man früh aufbauen, rät Dr. Christa Finkler-Schade: „In der allerersten Phase nach der Geburt sollte man Mutter und Kind in Ruhe lassen, damit sie eine Bindung zueinander aufbauen können. Das sogenannte Imprinting, das mal propagiert wurde, ist Tierquälerei. Dennoch sollte man das Fohlen von klein auf daran gewöhnen, dass es überall berührt wird, dass seine Hufe kurz aufgehoben werden – anfangs nur ganz kurz und nicht hoch, so dass es problemlos sein Gleichgewicht halten kann – und dass es ein Halfter übergestreift bekommt.“ Der Umgang mit dem Fohlen ist ruhig, liebevoll, aber konsequent. Das Fohlen soll merken, dass alles, was der Mensch von ihm will, nicht weh tut, aber unausweichlich ist. Und dass es für Kooperation sofort belohnt wird. Eine Belohnung ist in dem Fall die sofortige Wegnahme des Drucks bei Nachgeben oder auch die Stimme oder ein Kraulen und Kratzen an der Lieblingsstelle. Das mögen die meisten Fohlen. Übermütigen Fohlen, die ausprobieren wollen, wer der Stär- kere ist, setzt man Grenzen, indem man sie wegschiebt und sich danach wieder neutral verhält. Unter Umständen ist auch ein Klaps in Ordnung, sofern die Reaktion für das Fohlen eindeutig zuzuordnen auf die Aktion folgt.

Das Fohlen sofort an Hufe aufheben etc. zu gewöhnen, ist schon deshalb ratsam, weil spätestens nach acht Wochen zum ersten Mal ein Hufschmied schauen sollte, ob er mit der Raspel nachkorrigieren muss, damit Hufe und Gliedmaßen gleichmäßig wachsen. Außerdem sollte man die Gesundheit des Fohlens durch tägliches Fiebermessen im Auge behalten. So kann man eine nahende Infektion frühzeitig erkennen. Dafür muss das Fohlen auch lernen, festgehalten, geführt und angebunden zu werden. Auch hier hilft einem das Futter. Dr. Christa Finkler-Schade: „Ich bin ein Verfechter davon, Fohlen schon früh kurzzeitig zu fixieren und sie dabei etwas aus der Hand etwas fressen zu lassen. Wenige Minuten reichen aus, die man nach und nach ausdehnt.“

In großen Betrieben ist es gängig, die Fohlen bei den Stuten mitfressen zu lassen. Das hat Nachteile: Man hat keine Kontrolle darüber, welche Mengen die Fohlen zu sich nehmen und man verpasst die Chance, sie stressfrei an das Angebundenwerden zu gewöhnen. Darum empfiehlt Dr. Finkler-Schade dringend die individuelle Fütterung: „In den ersten ein bis zwei Wochen üben wir zu zweit. Eine Person steht vorne am Kopf, die andere hinten, um das Fohlen am Rückwärtsgehen zu hindern. Auf keinen Fall darf es hohen Druck im Genick bekommen! Das kann schwere Verletzungen nach sich ziehen. Um dem vorzubeugen, nutze ich entweder ein Pressband, das ich lose zur Schleife binde, oder aber einen elastischen Gürtel. Parallel wird Futter gereicht. Die meisten Fohlen hinterfragen das gar nicht. Nach 14 Tagen ist das Anbinden zur Selbstverständlichkeit geworden. Das ist aufwändiger, aber die Mühe macht sich hinterher bezahlt!“

Gesundheitsprophylaxe

IMPFEN: Dr. Annette Wyrwoll empfiehlt bei Stuten, die regelmäßig alle sechs Monate gegen Herpes (EHV) geimpft werden, diesen Rhythmus beizubehalten. Wer zu Weihnachten und im Juni impft, hat in der Regel genügend Abstand zum errechneten Geburtstermin. Kommt das Fohlen im Juni zur Welt, sollte die Herpesimpfung nach der Geburt erfolgen. Stuten ohne sicheren EHV-Impfschutz sollten im 5., 7. und 9. Monat der Trächtigkeit geimpft werden. Fohlen werden normalerweise mit sechs Monaten erstmals gegen Tetanus, Influenza und Herpes geimpft. Zweite Impfung im Abstand von vier bis sechs Wochen, dritte nach sechs bis sieben Monaten. Anschließend im Halbjahresrhythmus gegen EIV und EHV impfen und ca. ein Jahr nach der Zweitimmunisierung Auffrischung gegen Tetanus. Bei Fohlen von ungeimpften Müttern: Erstimpfung nach vier Monaten.

ENTWURMUNG: Ihre eigenen Stuten entwurmt Dr. Wyrwoll drei- bis viermal pro Jahr. Dieser Rhythmus sollte beibehalten werden, die letzte Entwurmung sollte dicht am Geburtstermin liegen. Das Fohlen wird nach ein bis zwei Wochen zum ersten Mal entwurmt. Da für die Jüngsten vor allem Spulwürmer relevant sind, ist Panacur hier im ersten Lebensjahr das Mittel der Wahl, alternativ Pyrantel. Erste Wiederholung erfolgt nach sechs Wochen. Die folgenden Intervalle richten sich nach verschiedenen Faktoren. Neigt ein Fohlen zu Durchfall, Gabe einer weiteren Wurmkur nach vier Wochen, danach den Sechs-Wochen- Rhythmus beibehalten. Das gleiche gilt, wenn Mutter und Kind in einer Herde stehen, in der der Hygienestatus der anderen Pferde nicht klar ist und/oder, wenn die Weide nicht regelmäßig abgeäppelt wird. Bei einer Gruppe regelmäßig entwurmter Stuten auf einer gepflegten Weide, wo Mütter und Kinder einen gut genährten Eindruck machen, glänzendes Fell, feste Äppel und keine gescheuerten Schweifrüben haben, kann man die Intervalle ab der dritten Wiederholung ausdehnen auf Acht- Wochen-Abstände.

Das Absetzen

Der sechste Lebensmonat ist meist der, in dem die Trennung von der Mutter ansteht. „Zu diesem Zeitpunkt sind die Fohlen schon so selbstständig und selbstbewusst, dass das problemlos möglich ist“, weiß Dr. Christa Finkler-Schade. Sie rät dazu, die Fohlen ihrer gewohnten Herde mit ihren Freunden zusammen zu lassen und stattdessen die Mutter wegzunehmen und so weit wegzubringen, dass das Fohlen sie weder sehen, noch hören, noch riechen kann. „Wenn die Fohlen mit ihren Freunden zusammenbleiben, ist das meist recht schmerzlos“, so Dr. Finkler-Schade. Sie rät dringend dazu, das Absetzen so stressfrei wie möglich zu gestalten. Meist ist es dann ja schon Herbst, eine Zeit, in der es ohnehin leichter zu Infektionen kommt und Trauer schwächt das Immunsystem zusätzlich. Im übrigen entstehen stressbedingte Magengeschwüre schon innerhalb weniger Stunden.

UNSERE EXPERTEN

Dr. Christa Finkler-Schade Agrarwissenschaftlerin, Gründerin der Fachberatung für Pferdebetriebe, Schade & Partner, Promotion zum Thema Zucht und Aufzucht, heute auch als Sachverständige für Pferdezucht und -haltung sowie als Gastdozentin an Fachhochschulen und Universitäten im Einsatz.

Dr. Annette Wyrwoll (FEI-)Tierärztin mit eigener Praxis, Pferdewirtschaftsmeisterin Reiten sowie Zucht und Haltung. Internationale Vielseitigkeitsreiterin, Teilnahme an Olympia Sydney 2000, heute begeisterte Züchterin vielseitig veranlagter Trakehner Blutpferde.

Prof. Dr. Uta König von Borstel Professorin für Tierhaltung und Haltungsbiologie an der Universität Gießen, hat unter anderem als wissenschaftliche Vertreterin in der Arbeitsgruppe des Bundeslandwirtschaftsministerium zur Überarbeitung der nationalen Tierschutzrichtlinien im Pferdesport gewirkt.

Georg W. Fink Dipl. Agraringenieur und öffentlich bestellter Sachverständiger für „Reitanlagen und Stallbau in der Pferdehaltung“, der als Berater, Planer und Gutacher von Reitanlagen tätig ist.