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Ein neues Outfit für meine Piper


FMT Extra - epaper ⋅ Ausgabe 18/2019 vom 11.09.2019

Vor drei Jahren habe ich mir die Big Piper von Pichler Modellbau gekauft und sie für den Vereinsschleppbetrieb mit einem kraftvollen 60 ccm Saito Benzin-Boxermotor ausgestattet. Die Piper fliegt wirklich gut und ich kann Segler bis 10 kg Abfluggewicht problemlos schleppen. Jedoch nervte mich die ständig wiederkehrende Frage: „Deine Folie wirft ja richtig Falten, kannst Du die nicht nachbügeln? Weil ich die Beantwortung leid war, das Nachbügeln nicht wirklich zur Besserung führte und mir das Resultat auch nicht gefiel, beschloss ich, das Modell neu zu bespannen.


Tipps zum Bespannen von Flugmodellen ...

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Bildquelle: FMT Extra, Ausgabe 18/2019

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Die Piper Cub im neuen Outfit-startbereit für die neue Flugsaison.


KLAUS CONZELMANN


Kein schöner Anblick: Die Tragfläche mit welliger Bespannfolie.


Auch Rumpf und Leitwerk werfen bei Sonneneinstrahlung Falten.


Vorbereitung

Das Abziehen der Folie geht ganz leicht. Einfach mit dem Messer an unbeplankten Stellen aufschneiden und dann die Folie vorsichtig flach abziehen. Da wo die Folie stark haftet, habe ich sie mit dem Folien-Föhn leicht erwärmt und schon löste sie sich von der Holzoberfläche und ich konnte sie einfach abziehen. Kleine verbliebene Folienstellen rubbelte ich ab. Unebenheiten spachtelte ich jetzt mit einem weißen Ein-Komponenten-Spachtel, der in jedem Baumarkt erhältlich ist, aus. Anschließend habe ich das Rohbau-Modell mit 280er-Schmirgelpapier abgeschliffen. Den Schleifstaub habe ich zuerst mit einer feinen Bürste abgewischt und anschließend das ganze Modell mit einem mit Spiritus getränkten Leinentuch abgerieben. Damit bekomme ich den restlichen Schleifstaub gut aus den Balsa-Poren und der Spiritus verdunstet rasch vom Holz.

Ich beschloss, die Piper mit ORATEX-Gewebefolie von Oracover zu bespannen und anschließend zu lackieren. Das Bespannen eines Flugmodells ist nicht schwer, wenn einige Punkte beachtet werden. Die Verarbeitungsweise von Bügelfolie und Gewebefolie unterscheidet sich nicht wesentlich. Das Gewebe bringt gegenüber Bügelfolie eine höhere Festigkeit mit sich und die Gewebestruktur entspricht in seiner Optik mehr dem Original.

Die Leitwerke

Ich beginne zuerst mit der Höhen- und Seitenruderbespannung, um mich an die Verarbeitung des Materials zu gewöhnen. Wichtig ist, dass die Laufrichtung des Gewebes von Unterund Oberseite der zu bespannenden Flächen eingehalten wird, um Verzüge zu vermeiden. Ich bügele Unter- und Oberseite getrennt und schneide zunächst die Gewebefolie mit 20 mm Übermaß an allen Seiten grob zu. Ich beginne mit der Unterseite des Höhenleitwerks. Dazu lege ich das Ruder kopfüber auf meine blau gelochten Schaugummi-Unterlagen. Diese sichern die Balsakonstruktion gegen Verrutschen und verhindern Macken. Zuerst bügele ich die Kanten mit dem Folienbügeleisen ringsum an, damit das Gewebe fixiert ist und nicht mehr verrutschen kann. Anschließend bügele ich an Nasen- und Endleiste einen ca. 2 cm breiten Streifen an. Danach folgt das gleiche an Wurzelrippe und Randbogen. Das Gewebe hat jetzt so viel Halt, dass ich mit dem Folienföhn gleichmäßig über die gesamte Fläche gehen kann, um die Gewebefolie zu spannen.

Nun drehe ich das Leitwerk und lege es mit der Unterseite auf eine Schneideunterlage. An Nasen- und Endleiste sowie an Wurzelrippe und Randbogen lege ich jeweils eine 8×8-mm-Kiefernleiste an und schneide den überstehenden Rand mit einem Balsamesser ab. Den 8-mm-Rand bügele ich jetzt um die Nasen- und Endleiste und anschließend um Wurzelrippe und Randbogen. Nun wende ich erneut das Leitwerk auf die Oberseite und föhne die gesamte Gewebefolie, bis diese gleichmäßig gespannt ist und keine Falten mehr aufweist. Zum Abschluss bügele ich mit dem Bügeleisen die Folie an den Rippenkanten fest. Im gleichen Ablauf bügele ich das Gewebe auf der Oberseite des Leitwerkes auf. Die Folienüberlappung ist nun auf der Unterseite und fällt somit nicht groß auf, da das Modell in der Regel von oben betrachtet wird.

Der Rumpf, nachdem die alte Bespannung abgezogen wurde.


Um ein gutes Ergebnis zu erhalten, sollte man beim Werkzeug keine Abstriche machen.


Die Landeklappe wird wechselseitig straff gebügelt, damit kein Verzug entsteht


Wichtig: Die Gewebefolie muss fest mit den Rippen und Rändern verbunden sein.


Die Scharniere werden eingepasst, bevor es zum Lackieren geht.


Die Tragflächen

Da die Arbeitsschritte eingeübt sind, geht es in gleicher Weise an den Tragflächen weiter. Auch die Querruder und Landeklappen werden so bespannt. Hier ist es noch bedeutend wichtiger, dass die Laufrichtung eingehalten wird. Da die Ruderklappen in der Regel in sich nicht so verwindungssteif sind, sollte die Bespannung von Ober- und Unterseite zuerst mit geringer Hitze vorgenommen werden, um dann wechselseitig an Ober- und Unterseite mit dem Folien-Bügeleisen die endgültige Spannung des Gewebes mit größerer Hitze zu erreichen. Mit dieser Vorgehensweise verhindert man das Verziehen der Ruderklappen.

Das mit Gewebefolie bespannte Flächenpaar der Piper.


Der Rumpf

Etwas anspruchsvoller ist die Bespannung des Rumpfes und im Speziellen des Rumpfhecks. Denn dieser Teil ist unbespannt nicht besonders verwindungssteif, da er ja leicht sein muss, damit man mit dem Schwerpunkt gut hin kommt. Ich habe mir deshalb die Gewebefolie so zurechtgelegt, dass ich den Rumpfrücken und die zwei Seitenwände am Stück bespannen kann. Bei einem so großen Modellen wie bei der Big Piper reicht die Folienbreite nur für max. drei Seiten aus, was jedoch nicht von Nachteil ist. Ich lege die Gewebefolie wie ein Hausdach über den Rumpfrücken und fixiere sie mit dem Folienbügeleisen punktuell an den seitlich verlaufenden Kieferholzgurten. In diesem Zustand hat die Gewebefolie noch einige Falten, was jedoch nicht schlimm ist. Dann schneide ich die Gewebefolie mittig auf, von der Auflage der Endleiste bis nach vorne zur Motorhaube.

Nach dem Einpassen der Scharniere wird die Leichtgängigkeit der Ruder geprüft.


Der Rumpf mit bereits bespanntem Höhen- und Seitenleitwerk.


Der fast fertig bespannte Rumpf, es fehlt nur noch die Oberseite des Rumpfvorderteils.


Jetzt lege ich den Rumpf seitlich auf die blauen Schutzmatten und bügle die Seitenfläche punktuell mit dem Bügeleisen an. Die Gewebefolie wird nun ebenfalls auf den unteren Längsholmen des Rumpfes angebügelt. Auch am Rumpfheck wie an der Rumpfvorderkante wird die Gewebefolie punktuell angebügelt, damit sie nicht mehr verrutschen kann. Nun gehe ich mit dem Folienföhn über die gesam-te Seitenfläche und achte darauf, dass das Material nur soweit schrumpft, bis die Falten verschwunden sind. Um Verzug zu vermeiden, darf die Seide in diesem Bauschritt noch nicht sehr spannen.

Jetzt schneide ich die Gewebefolie an den Umschlagstellen gleich breit ab und bügele die Umschläge an. Nun lege ich den Rumpf auf die bespannte Seitenfläche und bespanne die zweite Seitenfläche im gleichen Ablauf. Nachdem der Rumpf an Ober- und den beiden Seitenflächen bespannt ist, lege ich den Rumpf auf den Rücken und bespanne die Unterseite des Rumpfes. Nun beginne ich abwechselnd jede Seite gleichmäßig mit dem Folienföhn zu erhitzen, bis die Folie sich vollends spannt. In diesem Arbeitsschritt ist es sehr wichtig, dass sich kein Verzug des Rumpfhecks ergibt. Deshalb alle Seiten gleichmäßig und abwechselnd erhitzen, damit kein einseitiger Zug der Gewebefolie entstehen kann.

Letzter Arbeitsschritt der Rumpfbespannung ist das Nachbügeln an den Holmen und Kanten mit dem Bügeleisen. Mit einem Leinentuch drücke ich die erhitzten Stellen zusätzlich an den beplankten Stellen fest. Bei den Überlappungen der Gewebefolie ist jedoch etwas Vorsicht geboten. Ist man hier zu lange mit dem Bügeleisen drauf, riskiert man eine zusätzliche Verschrumpfung, was dann einen unschönen Rand geben kann. Ich überprüfe den sicheren Kontakt der Gewebefolie auf beplankten Stellen, in dem ich mit dem Finger leicht darüber rubble. Wirft das Material dann noch leichte Falten, muss es an dieser Stelle nochmals erhitzt und gegebenenfalls mit einem Leinenlappen angedrückt werden, bis es fest mit der Oberfläche versiegelt ist. Sind Stöße durch Überlappungen der Gewebefolie erkennbar, schleife ich ganz leicht mit einem 400er-Schleifpapier darüber.

Die Gewebefolie wird wie ein Tuch über den Rumpf gelegt. Auf dem Bild ist sie bereits an den Holmen des Rumpfrückens angebügelt.


Das Finish

Obwohl ich weiße Gewebefolie verwendet habe, versiegele ich die Oberfläche mit einem Farbanstrich. Ein Fliegerkamerad übernahm freundlicherweise die Lackierung meiner Piper – mit meiner klaren Vorgabe, so wenig Farbe wie möglich aufzutragen, damit zum einen kein unnötiges Gewicht entsteht und zum anderen die Gewebestruktur noch gut zu sehen ist. Verwendet wurde ein 2-Komponenten-Autolack, sowohl für die Grundfarbe weiß als auch für die Zierfarben weinrot und grau.

Alternativ kann das Farbfinish mit Oracal-Selbstklebefolie hergestellt werden. Diese Folie ist ebenfalls langlebig und UV-beständig. Die Piper-Cub-Schriftzüge, die Flugzeugkennung und die Deutschland-Flagge habe ich bei PK-Foliendesign bestellt, der diese exakt plottet und auf Trägerfolie fixiert liefert. Ich habe mir zuvor viele Fotos von originalen Piper Maschinen im Internet angesehen und bin auf diese Farbgebung gestoßen, die doch etwas ausgefallener ist, aber den Charakter der Piper nicht verfälscht.

Die komplett bespannte Piper vor der Lackierung.


Inzwischen habe ich weitere Modelle mit Gewebefolie bespannt und selbst mit Auto Spraylack grundlackiert, was problemlos auch ohne Spritzkabine funktionierte. Das Farbfinish habe ich seither immer mit geplotteter Oracal-Selbstklebefolie erstellt. Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesen Praxistipps Modellbauer dazu anregen kann, doch auch mal Ihr Modell selbst zu bespannen und mit einem individuellen Outfit zu versehen.