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Ein Palast in den Bergen


Land & Berge - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 14.08.2019

Sie ist nicht nur die größte Schutzhütte Tirols, sondern auch die schönste. Keine Alpenvereinshütte ist so prachtvoll ausgestattet wie die Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen. Seit 1912 quasi unverändert, verkörpert sie nicht nur ein Stück Berlin in den Alpen, sondern spiegelt auch Größe und Glanz der Kaiserzeit. Ein Besuch ist auch heute noch etwas Besonderes


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Bildquelle: Land & Berge, Ausgabe 5/2019

Im oberen Zemmgrund steht groß und stolz die Berliner Hütte, umgeben von mehreren Dreitausendergipfeln. Der offizielle Name des Dreitausenders, an dessen Fuß das Bauwerk liegt, ist III. Hornspitze. Seit mehr als 100 Jahren allerdings bevorzugen ...

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... gletschergängige Bergsteiger den Namen Berliner Spitze (3254 m)


Fotos: mauritius images/Allan Hartley/Alamy (2), Tirol Werbung

Vor 140 Jahren wurde die Berliner Hütte als erste Schutzhütte in den Zillertaler Alpen erö. net. Das läutete dort eine neue Ära ein …


…, denn die Pioniere des Alpinismus waren gleichzeitig die ersten Touristen. Der Fremdenverkehr wurde schnell zu einem willkommenen Zusatzverdienst für die Bergbauern


Die Atmosphäre der denkmalgeschützten Hütte versetzt Wanderer immer wieder in Staunen – vor allem der fünf Meter hohe Speisesaal mit seinen hölzernen Kronleuchtern. Da schmeckt der hausgemachte Kaiserschmarren gleich doppelt gut


Fotos: Tirol Werbung (3), Andrea Buchmann

Nein, aufs Foto möchte sie auf keinen Fall, beharrt Hüttenwirtin Kerstin Schöneborn. „Ich bleibe lieber im Hintergrund”, sagt die schlanke, blonde Frau, während sie uns durch das eindrucksvolle Gebäude führt, das für gut vier Monate im Jahr ihr Zuhause ist. Wegen des he. igen Winters ist in diesem Jahr die Saison spät gestartet. Das 15-köp. ge Hüttenteam hat alle Hände voll zu tun, die Bergunterkun. für den großen Ansturm im Hochsommer vorzubereiten. Auch Rupert Bürgler, der Lebensgefährte von Kerstin Schöneborn, schüttelt uns nur kurz die Hand – zu beschä. igt, um sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Ein Elektriker tauscht hier oben auf 2042 Metern gerade den uralten Sicherungskasten aus, was zur Folge hat, dass der Betrieb in der größten Schutzhütte Tirols am Nachmittag zeitweise ohne Strom funktionieren muss.

Schon immer eine Attraktion

Seit 17 Jahren bewirtscha. et das Paar die Berliner Hütte auf der Schwarzensteinalm im oberen Zemmgrund. Das feudale Schutzhaus in den Zillertaler Alpen war schon immer eine Attraktion. Eine gewisse Zurückhaltung stellt sich da vielleicht zwangsläu . g ein. Denn das Gebäude braucht „kein uriges Original als Zugpferd hinterm Tresen. Die Hütte ist selbst Star genug”, bemerkt die „Süddeutsche Zeitung”. Und jeder Wanderer, der zum ersten Mal die Eingangshalle betritt und große Augen bekommt, weiß, was gemeint ist: Das aufwendig mit Zirbenholz vertäfelte Foyer mit seinem aufsehenerregenden Treppenaufgang erinnert eher an ein nobles Herrenhaus als an eine Unterkun. für Bergwanderer.

Das Herzstück der Berliner Hütte ist der riesige Speisesaal mit einer fünf Meter hohen Decke und detailverliebten Tischlerarbeiten. Vier große, hölzerne Kronleuchter dominieren den Saal, sodass man sich in die Kaiserzeit zurückversetzt fühlt, als die feine Gesellscha. rauschende Feste gefeiert hat. Der Blick aus den großen Fenstern holt einen in die Gegenwart zurück: Kaum vorstellbar, wie in dieser kargen Gebirgswelt am Rand der naheliegenden Gletscher so viel Prunk entstehen konnte.

Dabei waren die Anfänge eher bescheiden: 1879 wurde das erste kleine Schutzhaus erbaut, gerade einmal zehn mal sechs Meter groß, ausgestattet mit Küche, Aufenthaltsraum und Strohlager unter dem Dach. Zu dieser Zeit war die bloße Existenz einer Hütte bereits Luxus genug. Doch die Ansprüche wuchsen schnell. In der Kaiserzeit sollte dieses „Stück Berlin in den Alpen” Größe und Glanz verkörpern. Allein in den ersten 20 Jahren wurde das Gebäude vier Mal erweitert. 1898 hatte die Berliner Hütte einen eigenen Telefonanschluss. Später kamen noch ein Fotolabor, eine Schuhmacherwerkstatt und ein eigenes Postamt dazu. 1910 wurde das erste Wasserkra. werk zur Stromerzeugung errichtet, kurze Zeit später folgte eine elektrische Heizung. Solch einen unglaublichen Komfort hat es zur damaligen Zeit in keiner anderen Alpenvereinshütte gegeben.
Bitte umblättern

Oberhalb des Zemmgrunds erheben sich eindrucksvoll die Gipfel des Zillertaler Hauptkamms. Die Berliner Hütte lohnt sich nicht nur für eine Tagestour, sie ist auch ein beliebtes Etappenziel auf dem anspruchsvollen, mehrtägigen Berliner Höhenweg


Die Berliner Hütte gleicht mit ihren vielen Anbauten einer Trutzburg, die aus manchen Blickwinkeln mit Erkern und Vordächern wie ein Herrenhaus wirkt


Mit treuherzigen Augen nach Essen betteln kann anstrengend werden: Mara ist einer von drei Hüttenhunden und macht gerade ein kleines Nickerchen unterm Tisch


Die sanfte Rebellion der Frauen

„Sicherlich hat die Sache auch eine gehörige Portion Eigendynamik entwickelt”, ist in der Festschri. zum 125-jährigem Bestehen der Berliner Hütte über diese einzigartige Ansammlung von Luxus zu lesen. Diese Einzigartigkeit ist jedoch auch der Grund, warum das Gebäude als erste Hütte des Deutschen Alpenvereins 1997 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Seit 1912 blieb sie im Wesentlichen unverändert. Heute machen vor allem die kleinen Details den authentischen Charakter der Hütte aus: etwa die Emailschilder über der Rezeption mit der Au¨ orderung „Die Schlafgelder sind abends bei der Kasse zu bezahlen”. Oder die unscheinbaren Klingelknöpfe in den Doppelzimmern: Die Hütte hatte früher sogar einen Zimmerservice, den man herbeiklingeln konnte, um den Nachttopf zu leeren. Viele Bergtouristen waren vermögende Städter, die auf ihren gewohnten Komfort ungern verzichten wollten.

Heute ist das Publikum bunt gemischt: Schulklassen auf Exkursion im Naturpark, Gletscherforscher und Geologen auf Forschungsreise, Aus§ ügler, die von der Terrasse aus bei Ka¨ ee und Kuchen das Hochgebirge bestaunen, und natürlich Bergwanderer, die den anspruchsvollen Berliner Höhenweg gehen wollen. 180 Schlafplätze hat die Hütte o© ziell zu bieten. In manchen Nächten hat Kerstin Schöneborn jedoch schon weit mehr als 200 Personen untergebracht. „246 war bisher die höchste Zahl”, erzählt sie. Dann bleibt der Hüttencrew nichts anders übrig, als auch den Damensalon auszuräumen und zum Schla§ ager umzufunktionieren. Damensalon? Schon wieder so eine Besonderheit der Berliner Hütte. Frauen waren früher per Satzung von der Mitgliedscha . im Alpenverein ausgeschlossen. Das war auch in Berlin nicht anders. Doch hier spülten der beliebte Alpenball und die Volkstanzgruppe während der Ballsaison „erhebliche Einnahmen in erfreulicher Höhe” in die Vereinskasse. Die Damen waren also unverzichtbar. Man weiß nicht, ob es Einsicht oder einfach nur Unaufmerksamkeit bei der Abfassung der Satzung war, jedenfalls hatte die Sektion Zillertal keine Beschränkung auf männliche Mitglieder in ihren Statuten. Und so traten die Berliner Alpenvereinsgattinnen (samt Ehemännern) in breiter Front der Sektion Zillertal bei. Und auch die Erlöse der Volkstanzgruppe traten die Reise ins Zillertal an, wo der 1898 erbaute Damensalon und der über dem nördlichen Fenster angebrachte Spruch „Grüß Gott – die Damen der Section Zillerthal” noch heute an die san. e Rebellion der Frauen erinnern.

Blick aus der ersten Etage auf das Foyer der Berliner Hütte: Innen ist die Hütte aufwendig vertäfelt und wirkt mit der Empfangspforte tatsächlich wie ein Hotel. Seit 1912 hat sich hier im Wesentlichen nicht viel verändert


Fotos: Tirol Werbung (2), Andrea Buchmann (2), mauritius images/Allan Hartley/Alamy

„Wir sind nicht das Hotel Berlin”

Immer wieder wird die Berliner Hütte mit einem Grandhotel verglichen. Kein Wunder, dass manche Gäste mit falschen Erwartungen hier ankommen: Das Pärchen, das hier oben gern ein Doppelzimmer mit WC und eigener Nasszelle erwartet, ist keine Seltenheit, verrät Kerstin Schöneborn und räumt gleich mal mit einem Missverständnis auf: „Das können wir nicht bieten.” Die Zimmer und Schla§ ager sind einfach und schlicht. „Wir sind nicht das Hotel Berlin, sondern eine Berghütte.” Wenn auch eine ganz besondere …
Andrea Buchmann

INFO & SERVICE

● Die Hütte: Gut 180 Wanderer haben auf der Hütte Platz. Es gibt neben Mehrbettzimmern mit Stockbetten auch einige kleine Ein-und Zweibettzimmer sowie ein Doppelzimmer. Die Einrichtung ist im Gegensatz zum Eingangsbereich und den Sälen eher schlicht gehalten. Dafür wird ein einzigartiger Ausblick auf die Zillertaler Bergwelt gratis mitgebucht. Die Hütte ist je nach Wetterlage von Anfang Juni bis Ende September bewirtschaftet. Kontakt: Hüttenwirt Rupert Bürgler, Tel.: 00 43/6 76/7 05 14 73,www.berlinerhütte.at
● Der Weg hinauf: Der Aufstieg beginnt am „Gasthaus Breitlahner” bei Ginzling (www.breitlahner-zillertal.at, mit Pkw oder Linienbus erreichbar), in dem man auch übernachten kann. Der einfach zu gehende Weg führt durch den malerischen Zemmgrund – das Tal des oberen Zemmbachs, an dem auch die Berliner Hütte liegt. Erst die letzten gut 160 Höhenmeter geht es auf einem etwas steileren Steig aufwärts. Einkehrmöglichkeiten gibt es unterwegs jede Menge: an der Klausenalm kurz nach dem Start, an der Grawandhütte nach gut der Hälfte der Strecke und an der Alpenrosenhütte vor dem letzten Anstieg. Dauer: Aufstieg ca. 3 Std. (Abstieg ca. 2 Std.). Strecke: 8,6 Kilometer, 800 Höhenmeter.
● Weitere Infos zur Region: Zillertal Tourismus GmbH, Tel.: 00 43/52 88/8 71 87,www.zillertal.at

Die Einrichtung der Zimmer ist eher schlicht gehalten. Dafür wird ein einzigartiger Ausblick auf die Zillertaler Bergwelt (den auch Hüttenwirt Rupert Bürgler schätzt) gratis mitgebucht


Anfangs war die Berliner Hütte wirklich nur eine kleine Hütte, die aber in den Folgejahren immer wieder erweitert wurde. In diesem Teil be-¢ ndet sich der sogenannte Damensalon, der im Jahr 1889 gebaut wurde


Darf auch in der Berliner Hütte nicht fehlen: ein Trockenraum für Wanderschuhe. Im Gebäude herrscht – wie auf allen Berghütten – Hausschuhp ¤ icht