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Ein perfekter Tag … auf der Reichenau


Schöner Südwesten - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 02.07.2021

INSELBUMMEL

Artikelbild für den Artikel "Ein perfekter Tag … auf der Reichenau" aus der Ausgabe 4/2021 von Schöner Südwesten. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Schöner Südwesten, Ausgabe 4/2021

Die Kloster-, Gemüse- und Urlaubsinsel aus der Adlersicht. Links führt der Damm vom Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried auf die Insel .

Hohe Pappeln säumen den befahrbaren Dammweg, der seit fast zwei Jahrhunderten Besucher vom Festland auf die Insel Reichenau bringt.

Das imposante Spalier bildet auch die Südspitze der deutschen Alleenstraße, quasi die letzten 1.300 Meter von Rügen bis an den Bodensee. Baumstamm um Baumstamm fliegt im Vorbeifahren in unser Sichtfeld und wieder hinaus. Dazwischen blicken wir links wie rechts des Damms auf die geschützte Ufernatur des Wollmatinger Rieds.

Schutzkammer der Natur

Es ist früh, noch ruht der See. Stand-Up-Paddler gleiten über seine glatte Oberfläche, das Morgenlicht reflektiert auf ihr – eine Bilderbuchstimmung in Pastell. Ein paar frühe Vögel auf E-Bikes und Inline-Skates rollen neben uns auf dem gut ausgebauten Radweg zum selben Ziel. Andere stehen mit Feldstechern auf der Aussichtsplattform der Ruine Schopflen, die wir auf dem Damm passieren, und schauen in die gute Stube ...

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... echter Vögel. Unzählige seltene Arten – vom Alpenstrandläufer bis zur Zwergdommel – nisten im Ried, dessen Schilf Schutz und dessen Schlick mit Kleinkrebsen, Muscheln und Insektenlarven ein reichhaltiges Büfett bietet.

Wir hingegen freuen uns auf knusprig gebratenen Saibling mit Inselgemüse von Fischer Riebel. Doch unser Gaumenschmaus will erst verdient sein – und zwar mit einem ausgedehnten Spaziergang auf dem Uferweg um die 4,5 Kilometer lange und 1,6 Kilo - meter breite Reichenau. Strammen Schrittes wäre die Route über Asphalt, Kies und Wiesen in zweieinhalb Stunden geschafft. Doch eilen werden wir uns nicht, wir wollen in reichlich Mittelalterambiente, Blumenpracht und Seewasser baden. Letzteres ist am sonnenverwöhnten Untersee bis weit in den September möglich.

Unterwegs auf dem Inselrund

Wir parken am Inselzugang: bei St. Georg in Oberzell. Die dreischiffige Basilika aus dem 9. Jahrhundert ist eine von drei berühmten romanischen Kirchen auf dem Eiland. Im Frühsommer ist sie in Kornblumenblau und Klatschmohnrot getaucht und ein beliebtes Postkartenmotiv. Von innen gleicht sie einem mittelalterlichen Bildband: Ihre Wände erzählen auf über tausend Jahre alten Fresken aus der Bibel.

Auf alten Pilgerpfaden starten wir von hier aus ins Inselleben mit seiner eindrücklichen Klostergeschichte, die mit dem Benediktinermönch Pirmin anno 724 begann. Sie gipfelte darin, dass die Insel eines der kulturellen und wissenschaftlichen Zentren des Mittelalters wurde. Wir laufen gen Westen, Allensbach am gegenüber - liegenden Ufer im Blick. Das Wasser des Gnadensees spült ans Ufer.

Warum der Untersee am Nordufer der Insel so genannt wird, überliefert eine Legende: Auf der Reichenau wurden im Mittelalter Todesurteile gefällt, doch vollstreckt wurden sie nur auf dem Festland. Läutete während der Überfahrt zum Galgenberg ein Glöcklein, wurde der Verurteilte über Bord geworfen. Konnte er an Land schwimmen, war er begnadigt. Wir hören kein Glöcklein, aber sehen einige Schwimmer, die die Gnade des erfrischenden Augenblicks auskosten.

Von Ober- nach Niederzell

Drei Ortsteile teilen sich kaum voneinander abgrenzbar die Inselfläche. Von unserer Perspektive aus entlang der Wasserkante ohnehin nicht. Schilf flankiert unseren Weg, Jogger überrunden uns, Fischernetze trocknen am Ufer in der Sonne. Auf dem Wasser sammeln sich ein paar Jollen, vermutlich mit Segelschülern an Bord, die hier ihr Bodenseeschifferpatent erwerben. Das erste Kursschiff setzt von Allensbach über und entlädt Passagiere samt Fahrrädern am Yachthafen Herrenbrücke in Mittelzell – unmittelbar vor der Kulisse des Münsters St. Maria und Markus und dem altem Klosterbezirk.

Hier, zwischen Ufer und Münster, feiern die Insulaner ihre zahlreichen Feste. Das geselligste ist das Wein- und Fischerfest am ersten Augustwochenende. Dann kommen Urlauber und Tagesgäste mit den 3.500 Urreichenauern und „Agschwemmte“ zusammen, wie man auf dem Eiland jene nennt, deren Familien nicht mehrere Generationen auf der Insel verwurzelt sind. Essensbuden flankieren den Platz, in denen Dünnele gebacken, Gemüseallerlei gegart, Fischfilets gebrutzelt und zu Reichenauer Inselbier oder einem Viertele Grauburgunder oder Gutedel verspeist werden.

Die guten Tropfen lagern im benachbarten Weinkeller der Reichenauer Genossenschaft, in dessen Gewölbe schon seit dem 16. Jahrhundert Rebsäfte reifen. Er verdient ebenso unseren Besuch wie der Würz- und Heilkräutergarten, der nach historischem Vorbild des „Hortulus“ von Walahfrid Strabo neu angelegt worden ist, und die restaurierten Gemälde in Chor und Klostergang von St. Maria und Markus, die den Heilig-Blut-Zyklus illustrieren.

Carpe Diem nach Reichenauer Art

Genug der Historie. Wir entscheiden uns gegen einen Besuch des Museum Reichenau, das nur eine Seitenstraße vom Münster entfernt erreichbar wäre und nehmen dafür Kurs auf die Inselspitze, zum Campingplatz Sandseele. Dort gönnen sich auch viele Konstanzer nach Arbeitsende zwischen Palmen und Schwemmholz einen Aperol Spritz und sehen dem See dabei zu, wie er die Sonne verschluckt. Dafür ist es aber noch zu früh. Der Tag feiert eben Bergfest, wie uns die Glocken der Basilika St. Peter und Paul verraten. So packen wir fünfhundert Ufermeter weiter die Badesachen aus, schwimmen ein paar Züge Richtung Schweizer Ufer und wieder zurück.

Nach einem kurzen Sonnenbad wandern wir vorbei am Schiffsanleger Reichenau, an dem die Flotte der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen patrouilliert. Bislang war unser Weg nicht herausfordernd. Wir entscheiden, die finale Etappe um 43 Höhenmeter hinauf zum Hohenwart zu bereichern.

Jetzt haben wir den Salat

Der höchste Punkt der Insel liegt 441 Meter über dem Meeresspiegel. Auf seiner Spitze steht ein ehemaliges Teehaus aus dem 19. Jahrhundert. Heute ist darin eine kleine Galerie für Keramik und ein Café untergebracht. Von dort oben schweift der Blick weithin bis zu den Vulkanhügeln des Hegau und auf die vielen Felder und Gewächshäuser der Insel. Das milde Klima der Reichenau schätzen nicht nur 200.000 Gäste pro Jahr, auch Tomaten, Salat, Gurken & Co, die diese Wärme mit bis zu drei Freilandernten pro Jahr goutieren.

Mehr als 160 Hektar der Inselfläche werden landwirtschaftlich genutzt, ein Viertel davon in Gewächshäusern. Über 60 Familienbetriebe pflegen die gärtnerische Kompetenz auf der Insel. Viele davon machen seit Generationen in Gemüse, nur vermarkten sie es heute gemeinsam in einer Erzeugergenossenschaft. Deren Felder passieren wir auf unseren letzten Schritten zurück zum Auto. Dass wir mit dem eigenen Fahrzeug angereist sind, macht sich nun bezahlt.

Wir füllen den Kofferraum mit Reichenauer Erzeugnissen und holen uns „Bei Riebels“ den lang ersehnten Saibling mit Bratkartoffeln und Kräutersalat zum Mitnehmen. Weit geht es damit nicht. Wir genießen ihn am Ufer des Sees, aus dem er tags zuvor gefangen wurde. Und dann führt uns die Pappelallee wieder zurück aufs Festland.

ALLES ZU FUSS ERKUNDEN

Reichenau auf einen Blick

Anreise

Per PKW gelangt man auf der B33 von Allensbach nach Konstanz zur Pappelallee. Optional ist auch eine Anreise per Bus oder Schiff möglich. Von Allensbach aus setzen von April bis Oktober mehrmals täglich Kursschiffe auf das Eiland über. Fahrplaninformationen: www.schifffahrtbaumann.de

1 Reichenau Tourismus Eine Übersicht zu Öffnungszeiten der Hot Spots und zu Führungen sind nur hier kompakt zu bekommen. Einzelführungen in den drei romanischen Kirchen St. Georg (Oberzell), Münster St. Maria und Markus (Mittelzell), Basilika St. Peter und Paul (Niederzell) sind hier buchbar. Die drei Kirchen dürfen nur begleitet besichtigt werden. Mehr dazu: www.reichenau-tourismus.de

2 Führung „Raum und Klang“ in St. Peter und Paul Ein Hochgenuss ist die klassische Führung durch die von Bischof Egino von Verona gegründete Kirche in Verbindung mit 20 Minuten Orgelmusik an der historischen Lang-Orgel von 1783. Dauer: 115 Minuten.

Kosten: für 25 Personen pauschal 115 Euro. Buchung über Reichenau Tourismus.

3 Museum Reichenau Komprimiertes Wissen über die Baugeschichte von Münster und Kloster, Einblicke in die Dichtungen des Mönchs Walahfrid Strabo, den auf der Reichenau entstandenen St. Galler Klosterplan, die Reliquienverehrung und die einzigartige Reichenauer Buchmalerei. Mehr dazu: www.museumreichenau.de

4 Aussichtspunkt Hohenwart Der höchste Punkt der Reichenau erhebt sich 43 Meter über den See. Von hier aus hat man einen herrlichen Panoramablick über die Insel und den Untersee. In dem ehemaligen Teehaus aus dem 19. Jahrhundert sind eine kleine Galerie für Keramik und ein Café untergebracht.

5 NABU-Bodenseezentrum Wer sich die Artenvielfalt im Naturschutz -gebiet Wollmatinger Ried-Untersee-Gnadensee, dem mit 774 Hektar größten Naturschutzgebiet am Bodensee, gerne von kundigen Guides erläutern lassen möchte, kann sich zu diversen Führungen anmelden. Unter: www.NABU-Bodenseezentrum.de

6 Strandbad Das Strandbad Baurenhorn in der Gnadenseebucht verfügt über eine große Liegewiese und einen Wasserspielplatz. Es ist von Mitte Mai bis Mitte September geöffnet. Mit der BODENSEECARD WEST zahlen Erwachsene 1,50 Euro Eintritt. Kinder müssen für den Badespaß nichts bezahlen.

7 Sandseele Urig gemütlich ist das Ambiente im Restaurant und auf der Sonnenterasse der Sandseele, dem größten Campingplatz auf der Insel. Auch das Baden ist hier erlaubt. www.sandseele.de

8 Bei Riebels Wer gern direkt beim Fischer fangfrisch isst, wird „Bei Riebel“ nicht enttäuscht. Gäste können in der offenen Küche zuschauen, wie der Familienbetrieb kreativ Leckeres komponiert. www.riebels-fischdelikatessen.de

9 Winzerverein Reichenau Wer sich vom südlichsten Anbaugebiet Deutschlands ein paar Flaschen mitnehmen möchte, sollte vor Anreise eine Weinprobe für 10 bis 14 Euro p. P. vereinbaren oder vor Abreise am Münsterplatz 2A vor Abfahrt Halt machen. www.winzerverein-reichenau.de

10 Bootsvermietung Wer die Insel von der Seeseite aus erkunden oder umrunden will, kann sich bei LaCanoa (www.lacanoa.de) an der Schiffslände 1 ein Kanu leihen. Ein Segelboot bekommt man bei der Segelschule Insel Reichenau am Yacht -hafen, auch einen Segelturn samt Skipper. www.segelschule-insel-reichenau.de