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Ein perfektes Wochenende imChiemgau


Land & Berge - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 17.06.2020

Wie klingt das: ein lauschiger Grillabend auf einem wunderschönen alten Hof,eine aussichtsreiche Bergtour mit der nettesten Bergwanderführerin und ein Ausflug auf die Herreninsel im Chiemsee - perfekt? Sagen wir doch! Und mit etwas Glück genießen Sie das alles zusammen mit der „Land & Berge“-Redaktion


Artikelbild für den Artikel "Ein perfektes Wochenende imChiemgau" aus der Ausgabe 4/2020 von Land & Berge. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Land & Berge, Ausgabe 4/2020

Die Region Chiemgau bedeutet erst mal mächtige Berge und wunderschöne Seen (hier: der Chiemsee mit Fraueninsel). Aber vor allem lebt die Region von den Menschen - wie unsere drei Begleiterinnen,die uns in die Geheimnisse ihrer Heimat einweihen. Neugierig? Auf geht’s!


Na,läuft Ihnen das Wasser im Mund ...

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... zusammen? Dann können Sie sich ja vorstellen,wie so eine Brotzeit erst bei einer Wanderung schmeckt!


Es ist immer wieder erstaunlich,wie wenig es braucht fürs kleine Glück. Jetzt gerade sind es zum Beispiel ein Bier und eine Bank unter einem Nussbaum. Zugegeben: Es ist halt auch das richtige Bier (von der Schlossbrauerei Stein) - und der Nussbaum steht am richtigen Ort. Im Garten des Knallerhofs in Güßhübel im Chiemgau. Der wunderschöne,fast 400 Jahre alte Bauernhof hockt auf einem Hügel am Ende einer Sackgasse,der Blick kann ziellos übers Land streifen,man sieht über den Wald und die Felder - und bei Föhn sogar bis weit hinein nach Österreich zum Dachstein-Gletscher. Überall stehen unter Bäumen bunt hingewürfelt Tische und Stühle,hier eine Liege,da eine Bank … Und drüben,nicht weit von der ausgebauten Tenne,schürt Yvonne Liebl den Grill an.

Sie ist Genussbotschaft erin ihrer Region und zeigt uns,was hier alles angebaut und produziert wird. „Das verarbeite ich dann zu etwas G’schmackigem“,sagt sie und strahlt. „Wer mag,schnippelt mit,wer lieber ins Land schaut,der macht eben das.“ Yvonne hat bereits einen Purpurweizensalat mit Paprika und Gurken vorbereitet,an einem Tisch unterm Baum sitzen gemütlich ein paar Gäste,die das Gemüse für den Grill vorbereiten dürfen,und derweil holt jemand das Weißbier-Tiramisu aus dem Kühlschrank,damit es später zum Nachtisch nicht zu kalt ist. „Mir geht’s um die Gemeinschaft ,dass die Leut’ eine Gaudi miteinander haben. Dabei merken die Gäste dann ganz von allein,dass wir hier tolle regionale Erzeuger haben und kleine Manufakturen,die ihre Produkte mit viel Herzblut herstellen.“

Josefine Lechner liebt kleine Wege und abwechslungsreiche Routen,traditionelle Almen und Bauernhäuser. Diese Liebe teilt sie großzügig mit ihren Gästen …


„Auf an Ratsch“ zur Sennerin

Besser könnte das perfekte Chiemgau-Wochenende gar nicht starten - und auch nicht weitergehen,denkt man sich,als uns am nächsten Morgen Josefine Lechner in Seegatterl bei Reit im Winkl in Empfang nimmt. Die gut gelaunte Bergwanderführerin will erst mal wissen,was uns wichtig ist auf der „Heimat-Entdecker-Tour“,zu der sie uns mitnimmt. Das ist gar nicht so leicht zu beantworten,aber als Josefine anfängt zu erzählen,was ihr am Herzen liegt,will man immer nur „Ja genau!“ rufen. Sie will Tempo rausnehmen: „langsamer,tiefer,näher“ statt „höher,schneller,weiter“. Sie will mit uns durch den lichten Wald am Bach entlang genüsslich hinauf zu den Almen wandern - und stehen bleiben,wo und wann immer es passt. Und sie schlägt uns vor,erst mal ganz in Ruhe aufzubrechen,in einem entspannten Rhythmus: „I dad jetzt bitten,dass mer des erste Stück ned red’n,weil da gibt’s so vui zum Hör’n - und zum Schau’n“,sagt sie und lächelt.

Und in der Tat ist es ein wunderschöner Aufstieg durch diesen herrlichen Mischwald. Man hört die Vögel zwitschern,rechts unten plätschert der Dürrnbach und der Weg steigt nur langsam an. Es ist ein uralter Pfad,erfahren wir später,„da steckt eine lange Tradition dahinter“,erklärt Josefine fast andächtig. „Seit zig Jahren werden die Küh’ da auf d’Alm getrieben. Des is ned so a hie’ g’hauter Forstweg.“ Nicht so ein hingeklatschter Forstweg also,mehr ein über viele Jahrzehnte entstandener Pfad. Die Genossenschaft ,die die Hochflächen der Dürrnbach- und der Winklmoosalm bewirtschaft et,gibt es seit 160 Jahren. Seitdem verbringt das Vieh den Sommer in der Höhe. „Das Jungvieh wird viel gesünder durch die Almsommer“,weiß Josefine. Und als wir nach einiger Zeit den Wald verlassen und hinaus auf die große,freie Almwiese kommen,ist es ein bisschen,als tauchten wir auf in eine andere Welt. Die Kühe lagern am Waldrand im Schatten,und wir spüren,dass es ihr Reich ist und wir die Gäste sind. „Das ist die Speisekammer der Tiere“,so Josefine. Wir spazieren quasi über deren Esstisch.

Chiemgauer Produkte jetzt auch im Flachland

Yvonne Liebl bietet nicht nur Koch-Events und einen regionalen Catering-Service an. Die besonderen Chiemgauer Produkte,die sie dabei verwendet,versendet sie auch in ihrer „BioGenusskiste“,die viermal im Jahr,also jeweils zur aktuellen Jahreszeit,erscheint. Herzstück der Pakete sind die dazu passenden,liebevoll gestalteten Rezeptkarten. Infos:www.esspedition-liebl.de

Unser Quartier für das perfekte Wochenende liegt im herrlichen Talkessel von Ruhpolding,umrahmt von den imposanten Bergen der Chiemgauer Alpen


Willkommen in den Bergen!


Um 60 Stück Jungvieh und vier Kühe kümmert sich die Sennerin der Dürrnbachalm,die wir wenig später „auf an Ratsch“ - auf ein Schwätzchen - besuchen. Sie rückt unser verklärtes Bild vom Almleben ganz charmant zurecht,als sie erzählt,wie sie morgens um fünf Uhr aufsteht,zweimal am Tag über die steilen Almwiesen zieht,um all das ihr anvertraute Vieh gesehen zu haben,und wenn’s dunkel wird,todmüde ins Bett fällt. Luxus bedeutet für sie,die Haare mit warmem Wasser zu waschen oder die aktuelle Tageszeitung zu lesen

Beim Abschied fragt Josefine: „Habt’s Lust,sing mer oan?“ Und sie legt los mit dem Jodler „Drei hoe über d’ Alm her“. Am Anfang sind wir alle noch recht zaghaft ,schauen vorsichtig nach rechts und links,um zu sehen,was die anderen machen. Doch bei der dritten Strophe hat Josefine uns fast alle angesteckt: Befreiend fühlt sich das an,es vibriert so schön im Bauch - und irgendwie passt es einfach hierher. „Merkt ihr’s? Beim Jodeln braucht man den Kopf nicht,bloß das Herz“,sagt Josefine und strahlt.

Die zwei Welten des Ludwig II.

Mit ebensolcher Leidenschaft brennt Susanne Pfliegl,die uns am nächsten Tag begleitet,für die Geschichte ihrer Heimat: Sie geht in Prien mit uns an Bord des alten Schaufelraddampfers „Ludwig Fessler“,der über den Chiemsee auf die Herreninsel zusteuert. Es bläst ein starker Ostwind,der dem See diese ganz besondere Farbe verleiht. Ein Petrolblau,das er sonst so nicht hat,wie Susanne versichert. Während wir auf die bewaldete Herreninsel schauen und am Horizont die Silhouetten von Hochfelln,Kampenwand und Wendelstein bewundern,erzählt sie von König Ludwig II. (1845-1886),der sich auf der Insel den Traum vom bayerischen Versailles erfüllt hat. „Zum Teil ist das Neue Schloss auf Herrenchiemsee sogar prunkvoller als sein französisches Vorbild,auch wenn es nie fertig geworden ist“,weiß sie. Am faszinierendsten findet sie,wie der „Kini“ in verschiedenen Welten lebte: Einerseits verehrte er den Sonnenkönig Ludwig XIV. von Frankreich (1638-1715) und hätte liebend gern 200 Jahre früher gelebt. Andererseits war er ein wahrhaft er Technik- Fan. „Er fuhr mit einer prächtigen Kutsche,die vollkommen altmodisch daherkam,aber die barocke Laterne enthielt bereits eine Glühbirne,einzigartig für diese Zeit - und Ludwig II. saß quasi auf der Batterie.“

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Die Gartenfassade des Schlosses Herrenchiemsee mit dem Fortuna- Brunnen


Kennt sich auf der Herreninsel bestens aus: Susanne Pfliegl


Der historische Raddampfer „Ludwig Fessler“

Seit fast 100 Jahren kreuzt der elegante Salondampfer nun schon über den Chiemsee: 1926/27 wurde das 53 Meter lange und 11,60 Meter breite Schiff in Prien zusammengesetzt,um im Frühjahr 1927 in Dienst gestellt zu werden. Seit 1973 fährt die „Ludwig Fessler“ nun mit Diesel statt Kohle,was der Schaufelraddampfer-Romantik aber keinen Abbruch tut. Weitere Infos und aktuelle Fahrpläne:www.chiemsee-schiff fahrt.de

Als wir auf der Insel ankommen,werden in der Schlosswirtschaft gerade die Chiemsee-Renken angeliefert,die später mit feinen Salzkartoff eln zu Mittag gereicht werden,und wir machen uns auf den Weg zum Schloss. In Teilen ist es immer ein Rohbau geblieben,aber die fertiggestellten Räume sind an Prunk nicht zu überbieten: So birgt das Badezimmer ein Bassin mit 60 000 Litern Fassungsvermögen. „Vermutlich hat er hier jedoch nie gebadet,denn die Heizung hat nicht funktioniert“,weiß unsere Begleiterin. Der prächtige Spiegelsaal ist sogar länger als der in Versailles. Susanne schildert in schillernden Farben,wie König Ludwig,verkleidet in Kostüme,die er sich vom Hoft heater in München liefern ließ,nachts durch den Saal gewandelt sein mag. „Könnte das Schloss vielleicht sogar als Kulisse interpretiert werden,vor der Ludwig II. in die Rolle des Sonnenkönigs schlüpft e?“,sinniert sie. „Und das Verrückteste: Man verortet den Kini ja gern in der falschen Zeit,weil er eben stets dieses Louis-XIV.-Stück spielte. Dabei,halten Sie sich fest,wurden noch zu seinen Lebzeiten die Wolkenkratzer in Chicago erbaut - und Coca-Cola erfunden!“

Am Ende der Führung muss man sich fast schütteln,um nach dieser Zeitreise wieder in der Gegenwart zu landen. Doch inzwischen knurrt der Magen - ein sicheres Zeichen,dass wir uns in der Realität befinden. Susanne winkt einen Planwagen herbei,den zwei Pferde ziehen. Wir steigen ein - und auf geht’s zum Mittagessen in die Schlosswirtschaft ! Susanne Drießle

INFOYvonne Liebl(www.esspedition-liebl.de)hat für und mit uns auf dem Knallerhof gekocht(www. knallerhof.de),Josefine Lechner ist mit uns auf die Alm gewandert(www.heimat-entdecker-touren.de)und Susanne Pfliegl hat uns Herrenchiemsee gezeigt(www.chiemsee-gästeführer.de).Mehr Infos zur Region gibt es aufwww.chiemsee-chiemgau.info


Fotos: Chiemgau Tourismus e. V. (3),lookphotos/Jalag/Natalie Kriwy

Fotos: Yvonne Liebl (3),Chiemgau Tourismus e. V.,Josefine Lechner,aja Ruhpolding