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EIN PIONIER MIT STECKER


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 18/2020 vom 30.04.2020

Dieser Mitsubishi kann auch elektrisch. 50 000 Kilometer im Outlander PHEV decken Stärken, aber auch Schwächen auf


Artikelbild für den Artikel "EIN PIONIER MIT STECKER" aus der Ausgabe 18/2020 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 18/2020

Selbstbewusste Front mit üppigem Chromschmuck. Der Outlander beherrscht auch den großen Auftritt


Zwei Ladeanschlüsse. Der kleine Anschluss für Hausstrom und Ladesäulen. Der große für CHAdeMOSchnelllader


NEUES AUS DEM DAUERTEST

Normalerweise laufen Dauertests bei uns über 100 000 Kilometer. Mitsubishi stellte uns den Outlander für ein Jahr zur Verfügung. Hier lesen Sie, was wir auf 50 000 Kilometern erlebten.

Sauber eingerichteter Motorraum: Unter der Haube weist nichts auf die aufwendige ...

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... Plug-in-Technik h


ES HAT GEDAUERT,bis sich Mitsubishi mit dem Outlander Plug-in-Hybrid in den AUTO BILD-Dauertest getraut hat. Die erste Generation wurde bereits 2003 in Europa angeboten, war damals der Zeit weit voraus. Plugin- Hybrid schon vor 17 Jahren! Trotzdem landete Mitsubishi einen Treffer und zeigte, dass alternativer Autoantrieb nicht in kurioser Hülle stecken muss. Doch erst mit der dritten Generation kam, dank Umweltprämie und 0,5-prozentiger Dienstwagensteuer, der Verkaufserfolg. Bereits 54 382 Neuzulassungen vermeldet Mitsubishi in Deutschland. Insgesamt haben sie seit Beginn 91 632 Outlander bei uns verkauft. Natürlich nicht nur als Plug-in. Anfangs überwog der Anteil des günstigeren Benziners ohne Stecker. Doch 2019 entschieden sich 64 Prozent für die Plug-in- Variante.

Am 15. April 2019 startete der, nun ja, nicht Dauer-, sondern Jahrestest. In strahlendem Perlmuttweiß, mit üppiger Ausstattung. Kostenpunkt: 49 990 Euro. Weiteres Extra auf der Preisliste ist ein Navi für 600 Euro. Kann man sich aber sparen, das ist nämlich lahm, umständlich, nicht konkurrenzfähig. Daher beschloss man bei Mitsubishi, den Testern stattdessen auch noch Apple CarPlay und Google Maps zu gönnen. Wichtiger sind Antrieb sowie Platzverhältnisse und Fahrverhalten. Damit kommen wir zu den Eindrücken, die der Outlander hinterlassen hat. Überzeugen kann er mit seiner Geräuschkulisse. Keine Spur von Aufjaulen des Verbrenners beim Beschleunigen wie etwa bei einem Toyota Prius. Dezent in Ton und Verhalten schaltet er sich im Bedarfsfall unauffällig dazu.

Sehr angenehm. Wie die gesamte Geräuschdämmung. Dazu passt das gut gedämpfte, aber dennoch feste Fahrwerk, von dem nur auf miesen Pisten mal Poltern der 18-Zöller durchdringt. Insgesamt empfiehlt sich der große Weiße auch mit bequemen Sitzen und viel Platz innen als entspannter Reisewagen. Und offenbart gerade auf Strecke seine größten Schwächen: Verbrauch und Reichweite. Elektrisch sollen nach Mitsubishi- Vorgabe bis zu 54 Kilometer drin sein. Wir haben bei Testbeginn 50 Kilometer geschafft, ein Jahr später immerhin noch 45. Okay für fast zwei Tonnen Leergewicht, aber nicht überwältigend.

Tester Stefan Novitski verortet den Einsatzzweck als „Allesschlepper für Heim- und Handwerker ohne Langstrecken-Ambitionen.“ Alle anderen setzen am Ende der kurzen E-Strecke auf den Verbrenner. Doch der ist durstig (9,8 Liter Super im Dauertest-Durchschnitt, bei sportlicher Gangart über 12 Liter) - und der Tank ist klein (43 Liter). Daran ändert auch nichts, dass Mitsubishi den Benziner nach dem Atkinson-Prinzip werkeln lässt. Ohne tief in Motorentechnik einzusteigen, soll damit der Benziner in Verbrauch und Abgasverhalten gezügelt werden. Was ihm gleichzeitig Leistung raubt. Fazit von KLASSIK-Autor Martin Puthz nach 3000 Kilometern: „Sparsam ist der Outlander nur da, wo ich keinen schweren SUV mit Allradantrieb brauche, nämlich auf Kurzstrecken im Stadtbetrieb.“ Diesen Hybrid sollte man so verstehen, wie sein Konzept gedacht ist: entwickelt für tempolimitierte Straßen. Tempomat auf 130 km/h und entspannt gleiten. Dann sind Verbräuche unter neun Liter möglich. Haben wir probiert: Zu dritt mit reichlich Gepäck von München nach Hamburg, in vielen Autos wäre das eine Qual. Die Redakteure Branke und Klangwald sowie Fotograf Ruddies stiegen in Hamburg entspannt aus. Selbst auf der Rückbank wurde der Trip nicht zur Tortur. Zwei Boxenstopps (kleiner Tank!) wurden gern für Kaffeepausen genutzt. Entspannung auch bei der Zuverlässigkeit: null Problemo. Das Team Verbrenner plus zwei E-Motoren harmoniert perfekt. Ebenso wenig gab es Klagen über die Verarbeitung. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die teilweise willkürliche Anordnung und Verteilung diverser Schalter im Cockpit. Bleibt noch die Kostenseite. Wer stromert und zwischenlädt, sollte für 100 Kilometer mit knapp 23 kW rechnen. Macht rund 7,59 Euro auf der Stromrechnung. Mit dem Benziner werden bei zahmem Gasfuß für 100 Kilometer rund 12 Euro fällig. Bei forscherer Gangart sind es eher 14 Euro.


„Klassischer Japaner, solide, sympathisch, zuverlässig. Mit einem schlauen Konzept - man muss sich nur drauf einlassen.“



Redakteur Dirk Branke

Der kann auch ziehen. Bis zu 1500 kg darf der Hybrid an den Haken nehmen


TECHNISCHE DATEN

Motor Vierzylinder, vorn quer • Hubraum 2360 cm3 • Leistung 99 kW (135 PS) bei 4500/min • max. Drehmoment 211 Nm bei 4500/min
E-Motoren jeweils einer an Vorderund Hinterachse • Leistung vorn 60 kW (82 PS)/hinten 70 kW (95 PS) max. Drehmoment vorn 137 Nm/ hinten 195 Nm • max. Systemleistung 165 kW (224 PS) • Batterie Lithium-Ionen • Kapazität 13,8 kWh
Antrieb Allradantrieb/Eingangautomatik • Länge/Breite/Höhe 4695/1800-2121 mm*/1710 mm Radstand 2670 mm • Spurweite vorn 1540/hinten 1540 mm • Leergewicht 1951 kg • Zuladung 439 kg
Anhängelast 1500/750 kg
Kofferraum 463-1602 l • Spitze elektrisch 135 km/h - Hybrid 170 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h in 10,5 s (Werksangabe) • Verbrauch 1,8 l S (EU-Mix) • Abgas CO2 46 g/km E-Reichweite 54 km

Breite mit Außenspiegeln

MOTOREN

Die Zeit ist reif für Plug-in. 0,5 Prozent Dienstwagensteuer und höhere Umweltprämie gaben dem Teilstromer 2019 Anschub.

FAZIT MANFRED KLANGWALD


Mitsubishi baut schon seit 2003 Plug-in-Hybrid-SUV, die Japaner waren damit der Zeit voraus. Die dritte Generation ist routiniert gemacht, problemlos und zuverlässig. Allerdings ist die reine E-Reichweite inzwischen nicht mehr zeitgemäß, Multimedia können andere

Lenkradtasten für Telefon, Audioanlage, Kamera und Temporegler/-Limiter. Schaltwippen zur Einstellung der Rekuperation


AUSSTATTUN

Die Basisausstattung ist vielen Käufern zu mager. Trotz deftiger Aufpreise ordert die Mehrheit Plus (8000) oder Top (13 000 Euro)

Ordentlich: Ablagefach für Ladekabel unter der Laderaumabdeckung


Kleine Schaltzentrale: rechts EV-Taste für rein elektrische Fahrt, links Regelung Normal - Snow - Lock


Offroad kann er auch. E-Motoren an beiden Achsen machen es möglich. Aber eher für Sandkiste als für Wüste geeignet


FOTOS: T. BADER (3)

FOTOS: T. BADER (7), U. SONNTAG, S. HABERLAND