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Ein Platz an der Sonne


Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 27.07.2020

Viele Nordeuropäer träumen davon, als Rentner in wärmeren Gefilden zu leben. Diese neun Senioren haben sich ihren Traum erfüllt


Artikelbild für den Artikel "Ein Platz an der Sonne" aus der Ausgabe 8/2020 von Reader´s Digest Deutschland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 8/2020

EINE DÄNIN IN FRANKREICH

Ulla Brink, 70, pensionierte Lehrerin aus Kopenhagen, lebt heute in Félines-Minervois, einem kleinen Dorf im Südwesten Frankreichs.

Ich bin gern Lehrerin gewesen.

Mit 51 spürte ich langsam mein Alter und dachte, wenn ich etwas Neues anfangen will, dann jetzt - solange ich noch fit bin. Eine Kollegin fragte: „Warum ziehst du nicht nach Südfrankreich?” Ich war zuvor erst zweimal in Frankreich gewesen, in Paris, dachte aber: „Warum nicht?” Außerdem würde mir ...

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... die Veränderung guttun.

Also verkaufte ich meine Wohnung in Kopenhagen, lagerte meine Möbel ein und fuhr nach Carcassonne im Südwesten Frankreichs. An meinem letzten Tag dort besichtigte ich in Félines-Minervois ein Haus im Schatten einer Platane. Als ich es betrat, fühlte ich mich sofort wohl. Ohne lange zu überlegen, kaufte ich das Haus.

Drei Monate später, im November 2002, zog ich ein. Am ersten Abend saß ich heulend mit einer Flasche Rotwein in der Küche und fragte mich: „Was hast du getan?” Doch schon am nächsten Morgen klopften meine französischen Nachbarn an die Fensterläden und fragten, ob ich Kleiderbügel bräuchte. Danach ging es mir gleich besser.

Ich war allein hergekommen - mit einer großen Portion Selbstvertrauen ausgestattet. Obwohl ich mein Französisch seit der Schulzeit nicht mehr aufgefrischt hatte, setzte ich mich bester Laune auf eine Bank, redete mit den Leuten und machte viele Fehler.

Zu einem gut gekleideten Mann sagte ich, ihm fehle eine crevette. Er lachte schallend - korrekt wäre cravate gewesen, also Schlips. Ich hatte ihm geraten, eine Garnele umzubinden! In den ersten vier Jahren fuhr ich im Februar nach Dänemark, um einen Monat lang als Vertretungslehrerin zu arbeiten. Heute kann ich von meiner Rente leben und bin in Vereinen aktiv.

In Félines-Minervois habe ich Dinge gelernt, für die ich mich in Dänemark nie interessiert hatte - so lernte ich von einer alten Dame das Sticken.

2008 fragte man mich, ob ich für den Gemeinderat kandidieren wolle.

Weil ich mir große Mühe gegeben hatte, Teil der Dorfgemeinschaft zu werden, erhielt ich die zweitmeisten Stimme nach dem Leiter der örtlichen Feuerwehr. Alle meine Freunde hier sind Franzosen. Natürlich vermisse ich meine zwei Kinder und die Enkel. Deshalb besuche ich sie dreibis viermal im Jahr. Wenn ich einmal nicht mehr Auto fahren kann, gehe ich zurück nach Dänemark. Wäre Félines-Minervois nicht so abgelegen, würde ich für immer hier bleiben.

Dieser Ort ist mein Leben.

Erna und Peter mit ihren Hunden


FOTO: MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON PETER UND ERNA BROER

NACH ITALIEN UND WIEDER ZURÜCK

2014 sagten Peter Broer, 59, und seine Frau Erna, 65, dem hektischen Stadtleben in Rotterdam Ade und zogen in ihr Feriendomizil in Umbrien.

Italien lernte ich in den 1980er-Jahren kennen. Danach träumte ich davon, dort zu leben und zu arbeiten. Stattdessen baute ich in den Niederlanden eine Firma auf und dachte nicht mehr daran. Später verliebte sich auch Erna in Italien.

2005 verbrachten wir unseren Urlaub in Umbrien. Im Internet hatten wir viele Häuser gesehen, die zum Verkauf standen: Wir planten, in zehn oder 20 Jahren ein Haus zu kaufen und dort zu leben. Doch es kam anders. Am zehnten Tag entdeckten wir das Haus, in dem wir jetzt leben. Es ist ein großes altes Landhaus mit herrlichem Blick, umgeben von Olivenhainen und Gärten.

In den ersten acht Jahren machten wir dort Urlaub. Zu Hause nahmen wi r Italienischunterricht, und 2014 zogen wir nach Umbrien. Ich hatte meine Baufirma verkauft, und Erna, die als Kundenbetreuerin gearbeitet hatte, war in Rente.

Was wir hier am meisten lieben? Das Klima, das Essen, die saubere Luft, unsere schönen Hunde und die Freunde, die wir hier gefunden haben.

Aber die italienische Bürokratie ist furchtbar. Als wir vor Kurzem ein Bankkonto auflösen wollten, dauerte das drei Stunden, und wir mussten zehn Unterschriften leisten! Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn - die meisten unserer Freunde sind jedoch Niederländer oder gemischt-nationale Paare. Es ist schwierig, als Ausländer in Italien einheimische Freunde zu finden. Ich glaube, das liegt daran, dass bei den Italienern die eigene Familie immer an erster Stelle steht.

Aus diesem Grund haben wir beschlossen, in die Niederlande zurückzukehren, sobald unser Haus verkauft ist. Wir hatten nicht erwartet, dass es so schwierig sein würde, sich in Italien zu integrieren. Ich wollte immer wie ein Italiener sein, aber heute fühle ich mich mehr denn je als Niederländer.

Unsere Zeit in Italien haben wir sehr genossen und bereuen es nicht, denn man kann nur das bereuen, was man nicht getan hat.

UNSER TRAUM AUF DEN KANAREN

2013 verkauften John Parker, 65, und seine Frau Sue, 68, ihr Haus in Northamptonshire in Großbritannien und zogen auf die Kanarischen Inseln nach Fuerteventura.

WIR SIND hauptsächlich wegen des Klimas hierhergezogen.

Ich wollte als Rentner nicht acht Monate im Jahr drinnen bleiben müssen. Nun gehe ich jeden Nachmittag mit unseren beiden Hunden spazieren und bin seit anderthalb Jahren kein einziges Mal nass geworden.

Fuerteventura lernten wir in den 1990er-Jahren im Winterurlaub kennen.

2008, während unserer Flitterwochen, kauften wir uns ein Apartment.

Ich leitete ein Unternehmen, das Offshore-Firmen gründete, und Sue ein Weiterbildungsunternehmen.

Sue und John mit einem ihrer Hunde auf Fuerteventura


FOTO: MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON JOHN UND SUE PARKER

Jeden Winter verbrachten wir zwei oder drei Monate auf der Insel. 2012, nachdem es in Großbritannien zwei Monate lang nur geregnet hatte, beschlossen wir, unserer Heimat den Rücken zu kehren, um uns auf Fuerteventura zur Ruhe zu setzen. Wir verkauften unser Apartment und erstanden ein Haus in Lajares, im Norden der Insel.

Da wir anfangs fast kein Spanisch sprachen, nahmen wir Privatunterricht.

Es ist wichtig, die Sprache des Landes zu sprechen, in dem man lebt.

Ein bisschen mehr Praxis würde uns allerdings guttun.

Wir haben einen gestor engagiert, der für uns alle Formalitäten mit den Behörden erledigte. Ausländer, die länger als sechs Monate hier leben, brauchen eine Aufenthaltserlaubnis.

Die haben wir nun, und deshalb kann uns der Brexit nichts anhaben.

Sue musste wegen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung für sechs Tage ins Krankenhaus, als wir gerade einen Monat auf Fuerteventura waren. Die Kosten übernahm die gegenseitige EU-Vereinbarung zur Gesundheitsversorgung für Besucher. Alle Zimmer waren Zweibettzimmer und hatten ein eigenes Bad. Welch ein Unterschied zu den überfüllten Krankenstationen in Großbritannien! Danach schlossen wir eine private Krankenversicherung ab, denn damals waren wir noch nicht im Rentenalter und konnten nicht vom Gesundheitsversorgungssystem nach EU-Recht profitieren. In der Zwischenzeit sind wir Rentner und über das spanische Gesundheitssystem versichert.

Man soll zwar nie nie sagen, aber ich habe nicht vor, jemals nach Großbritannien zurückzukehren. Wenn Freunde zu mir sagen: „Ihr habt es gut auf Fuerteventura!”, dann antworte ich: „Weil wir es geplant haben - und das könnt ihr auch.”

HERZLICH WILLKOMMEN IN PORTUGAL

Nach 16 Jahren auf Tahiti genießen Dominique Le Tohic, 59, und ihr Mann Philippe, 66, ihre Rente in Sesimbra, einem Fischerdorf bei Lissabon.

Philippe und Dominique vor ihrem neuen Zuhause CasaMar


FOTO: MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON DOMINIQUE UND PHILIPPE LE TOHIC

WARUM PORTUGAL? Wir wollten zurück nach Europa.

In Tahiti hatte Philippe als Schmuckhändler gearbeitet, und ich hatte eine Firma, die Ersatzteile für Militärflugzeuge verkaufte. Unser Leben war wunderbar, doch wir hatten drei erwachsene Kinder und Enkel, die 24 Stunden entfernt in Frankreich lebten. Für sie ist es jetzt viel einfacher, uns zu besuchen.

Ursprünglich sind wir aus Nîmes in Südfrankreich, aber ein Haus mit Meerblick konnten wir uns dort nicht leisten. Außerdem fühlten wir uns in Frankreich nicht mehr zu Hause.

Die Algarve gefiel uns seit den 1980er-Jahren, doch die Region war uns inzwischen zu überlaufen. Da wir mehr Kultur wollten und viel reisen, sollte in der Nähe ein Flug hafen sein. Also zogen wir einen Kreis um Lissabon und suchten nach einem Haus, in dem wir Bed and Breakfast (Zimmer mit Frühstück) anbieten konnten. So würden wir neue Menschen kennenlernen und nebenher etwas Geld verdienen.

Während ich noch auf Tahiti arbeitete, fand mein Mann die CasaMar.

Unser neues Zuhause in Sesimbra ist groß, mit Pool, Meerblick und einem tollen Strand.

Der Kauf war kein Problem. Philippe sprach Portugiesisch, und wir fanden einen Notar, der in Frankreich gearbeitet hatte. Er empfahl uns einen Bankberater, der Französisch sprach und uns half, ein Konto einzurichten.

Nachdem CasaMar renoviert war, eröffneten wir im Juni 2016 das Bed and Breakfast (B&B). Seitdem ist es von Mai bis Oktober belegt, und bislang hatten wir immer nette Gäste.

Unser B&B lässt uns genügend Freizeit und wir unternehmen viel.

In 40 Minuten sind wir im Zentrum von Lissabon, wo wir häufig ins Theater oder ins Kino gehen. Die meisten unserer Freunde sind Franzosen. Philippe hat für Französisch sprechende Menschen einen Klub gegründet, der mittlerweile 150 Mitglieder zählt.

Wir spielen Pétanque (Boule), Bridge oder gehen wandern. Das hilft französischen Neuankömmlingen, sich hier einzuleben, denn es ist nicht leicht, Anschluss an portugiesische Familien zu finden.

Anfangs sprach ich kaum ein Wort Portugiesisch, aber mittlerweile komme ich in meiner Pilates-Gruppe und beim Einkaufen zurecht. Das ist das Mindeste, was man tun sollte.

Wir fühlen uns hier sicher. Die Portugiesen sind freundlich, fleißig, das Essen ist gut. So gesehen vermissen wir Frankreich nicht. Und sollte es uns nicht mehr gefallen, ziehen wir weiter.

Portugal ist unser Abenteuer. Wenn es nicht klappt, ist das kein Fehlschlag, sondern eine Erfahrung.

RUHIGER LEBEN IN GRIECHENLAND

Anna Hallonlof, 69, pensionierte Krankenschwester aus Helsingborg in Schweden, lernte Korfu in den 1970ern kennen. Sie und ihr Mann Bas Gialopsos, 53, Elektroingenieur, zogen im Oktober 2018 auf die Insel.

ALS ICH KORFU zum ersten Mal besuchte, arbeitete ich noch als Hebamme in Schweden.

Mir gefiel die Insel sehr - es war, als wäre die Zeit stehen geblieben. Alles schien so friedlich und ruhig. Ich kam wieder, lernte meinen ersten Mann kennen, wir heirateten, ich zog nach Korfu und bekam eine Tochter.

Nach 22 Jahren ließen wir uns scheiden, und 1998 lernte ich auf Korfu meinen zweiten Mann Bas kennen.

Ein Jahr später heirateten wir in Schweden. Seine Eltern stammten aus Korfu, er war aber in Wales, Großbritannien, geboren und aufgewachsen.

Dort lebten wir und wollten genug Geld verdienen, um als Rentner auf die Insel zurückzukehren. Daraus wurden 20 Jahre, und bis heute haben wir ein Haus in der Nähe von Cardiff, das wir jetzt vermieten.

Im August 2018 kam ich nach Korfu, um eine Wohnung zu mieten. Das war schwierig, denn viele Griechen verdienten gut mit Airbnb (Online-Plattform für private Vermietungen). Zum Glück sprach ich fließend Griechisch.

Bas und Anna: Alles ist gut, bis auf die Infrastruktur


FOTO: MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON ANNA HALLONLOF UND BAS GIALOPOS

Zwei Monate später brachte ein Lastwagen unser ganzes Hab und Gut von Cardiff nach Korfu. Dann fuhren wir mit unserer Katze im Auto quer durch Europa. Als wir schließlich auf der Fähre Korfu erblickten, spürten wir, wie sich die Ruhe der Insel auf uns übertrug.

Da wir Korfu beide gut kennen, warteten nicht viele Überraschungen auf uns - bis auf die Lebensmittelpreise.

Die Mehrwertsteuer für Genussmittel beträgt 24 Prozent, und selbst Grundnahrungsmittel wie Tee werden mit 13 Prozent besteuert.

In Griechenland ist nichts einfach, manchmal jedoch wird Hartnäckigkeit belohnt. Als ich mich bei der Krankenversicherung anmelden wollte, sagte mir die Dame am Schalter, sie würde gleich Feierabend machen. Worauf ich antwortete: „Aber ich bin jetzt hier.” Der Papierkram war noch am selben Tag erledigt.

Der Zustand der Straßen lässt sehr zu wünschen übrig, der Strom fällt oft aus, und im Sommer wird das Wasser knapp. Dennoch lebt man hier besser als in Großbritannien oder Schweden.

Auch spät abends wird man auf Korfu nicht belästigt. Familien sorgen für einander - das kennen wir von Schweden oder Großbritannien nicht.

Die Menschen hier sind sehr freundlich und viel hilfsbereiter.

Tritt ins Haus und sei mein Gast, draußen ist es schwüle, gönne deinem Herzen Rast, deinem Scheitel Kühle.

Magst du sein von fremdem Blut oder armer Gilde - Blumen trägst du auf dem Hut, und im Auge Milde.

JOHANN FERCHER VON STEINWAND, ÖSTERR. DICHTER (1828-1902)