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Ein rauschhafter Zustand des Glücks


SIMsKultur - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 05.08.2021

Artikelbild für den Artikel "Ein rauschhafter Zustand des Glücks" aus der Ausgabe 2/2021 von SIMsKultur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: SIMsKultur, Ausgabe 2/2021

von links nach rechts: Carolin Walker, Christian Ludwig Attersee, Judith Walker

Im Kärntner Rosental, 17 Kilometer südlich von Klagenfurt, befindet sich ein faszinierender Ausstellungsort für zeitgenössische österreichische Kunst. Es handelt sich um das malerische Schloss Ebenau in Weitzelsdorf (Feistritz), wo seit 1996 spannende und hochkarätige Expositionen stattfinden, so etwa zuletzt eine umfangreiche Gruppenausstellung mit Werken von Max Weiler, Irene Andessner, Kiki Kogelnik, Maria Lassnig oder Peter Sengl. Als Kunstschauplatz aus der Taufe gehoben wurde das Schloss von Judith Walker, deren große Bedeutung für die österreichische Kunstszene hier explizit Erwähnung finden muss. Der Beginn der Galerie Walker datiert übrigens aus dem Jahr 1988: In einer kleinen überdachten Gartengalerie in Hermagor hatte Walker, immer schon kunstbegeistert, ihre ersten Ausstellungen organisiert, ein bemerkenswertes Unterfangen, das unter ande-rem von den richtungsweisenden österreichischen ...

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... Malern Max Weiler und Hans Staudacher unterstützt wurde. Ihnen schlossen sich damals auch weitere spannende Künstler und Künstlerinnen, wie etwa Meina Schellander und Reimo Wukounig, an. Es folgten „Gastspiele“ der Galerie Walker unter anderem im Schloss Reifnitz am Wörther See, auf der Hollenburg/Köttmannsdorf oder in Klagenfurt. Und dann, 1996, wurde eben mit Schloss Ebenau der ideale Ort gefunden, um zeitgenössische Werke adäquat zu präsentieren. Umgeben von einem romantisch verwilderten Rosen- und Skulpturengarten, bildet das Schloss einen hinreißenden Rahmen für die hochkarätigen Ausstellungen – und es entwickelte sich in den vergangenen Jahren auch zu einem spannenden Experimentierfeld für Carolin Walker, die schon früh in die Aktivitäten ihrer Mutter eingebunden wurde und auf 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche ganz eigene, themenbezogene Expositionen umsetzen konnte. Zudem bespielt die Galerie Walker auch einen kleinen Kunstraum in Klagenfurt und einen Pfarrhof in Saak/Nötsch, der sich zu einem reizvollen, offenen Ort der Begegnung entwickelt hat.

Mit großer Spannung blickt man daher einer umfangreichen Ausstellung im Schloss Ebenau entgegen, die ab 1. August 2021 stattfinden wird. Attersee | Neueste Bilddichtungen widmet sich den jüngsten Arbeiten von Christian Ludwig Attersee, einem der international bekanntesten österreichischen Maler, dessen Werk nicht zum ersten Mal im Schloss Ebenau zu sehen ist. „Attersee in seiner unbändigen Schaffenskraft“, so erzählen Carolin und Judith Walker, „zählt für uns zu den interessantesten Künstlerpersönlichkeiten, mit dem zusammenzuarbeiten wir seit vielen, vielen Jahren das Glück und die große Freude haben.“ Elementar zum Verständnis des Werks dieses einflussreichen Künstlers ist übrigens das faszinierende, im Brandstätter Verlag erschienene Buch Attersee. Die Biografie von Daniela Gregori und Rainer Metzger. Anlässlich des 80. Geburtstags von Christian Ludwig Attersee im August 2020 ist es in einer aktualisierten Auflage erschienen. Aus Anlass der großen Attersee-Ausstellung der Galerie Walker im Schloss Ebenau werden nachfolgend einige Textstellen daraus wiedergegeben.

Malen …

Dabei beginnt jedes Bild mit einer Horizontlinie aus der Perspektive eines Vogels. Die Linie, die in vielen meiner Bilder vorkommt, ist das Meer und sind die beiden großen Blaus: Wasser und Wetter. Wenn Attersee malt, greift er auch mal kräftig in die Tube, wie er sagt, egal, wie viel es, auch pekuniär, kostet. Da immer nur an einem einzigen Werk gemalt wird – erst wenn es vollendet ist, wird das nächste in Angriff genommen –, haben sich Acrylfarben, die schnell trocknen und auch eine höhere Leuchtkraft besitzen, als praktikabel erwiesen. Die Linie, die die Maloberfläche in zwei Teile trennt, ist dabei noch lange nicht der einzige Untergrund. Was ich noch tue: Ich male mir meistens am Anfang ein abstraktes Bild, das kann ich sehr gut. Diese Abstraktion kann alles Mögliche meinen, ein informelles Gemälde, ein Gitter, oft sind Muster und Rapporte eingelegt, Kreise oder plastische Formen. Vielleicht scheint später ein Blau oder ein Grün durch. Ich mag nicht auf Weiß arbeiten, ich muss mit einem Farbstück kämpfen. Aus der Vogelperspektive malt Attersee auch weiter, wie im Sturzflug auf das Thema zu, und es ist in diesem Akt des Malens dem Künstler völlig einerlei, ob er den Pinsel in der rechten oder der linken Hand hält. Die Rechte, meint er, wäre etwas sicherer, doch allein die Beidhändigkeit würde potenziellen Fälschern eben ihr Handwerk legen. Was er ad hoc vor der Leinwand vollführt, sind auch weniger, wie man meinen könnte, kreisende Malbewegungen als Schnitte. Es habe ihn als Kind immer sehr beeindruckt, wie der Vater, der Architekt, die Pläne beschriftet hatte: Diese Blockschrift wollte ich für mich erobern, auch dieses stechend Scharfe, diese Schrift ist ja eigentlich wie mit dem Messer geschrieben. Die Schrift hat sich Attersee erhalten, von der Einkaufsliste bis zur Signatur verwendet er ausschließlich Blockbuchstaben, ebenso definiert er sich auch als der Künstler, der nicht mit dem Pinsel malt, sondern mit dem Messer. Couper fin: schneiden, aber fein.

Malen ist ihm stets aufs Neue ein Erlebnis, ein rauschhafter Zustand des Glücks: Es geht mir um die Stunden, die ich damit erlebe. Sie führen mich zu einem Zustand zwischen Meditation und Gesamtkörper orgasmus und einem Ausblenden des sogenannten Sorgenalltags. Ich komme in eine Stimmung, in eine Abreaktion, die mich von der Umwelt befreit, auch von der optischen natürlich und ihrer Inhalte. Bei der Bildjagd, wenn ich das so nennen kann, passiert dann ein Punkt, wo ich ein Automat werde. Das Interessante dabei ist, dass ich bei meiner Bildfindung meistens mit einer Idee herangehe, die nicht das Endergebnis ist. Es ist ein Grundprinzip, ich fange mit irgendetwas an, um es wieder zu vernichten, daher gibt es unter vielen Bildern zwei, drei andere Bilder, weil sie mir nicht ausgereicht haben, um diesen Endpunkt meines „Abreaktionsspiels“ innerhalb meiner Kunstfindung zu erreichen. Das heißt, ich übermale immer wieder, setzte neue Dinge ein und suche dieses Ende, das ein Körpergefühl ist, ein kurzes Glück, das ich sonst nicht habe – das mich zum wirklichen Weltschöpfer macht, gottgleich. Dieses Körpergefühl ist zugleich die Kontrolle meiner Bildfindung.

Auf dieser Suche nach Schöpfung und Befriedigung, dieser Jagd nach Vielheit und Ganzheit, hat er eine eigene Begrifflichkeit gefunden.

… und Schönheit

Was bei Attersee speziell noch hinzukommt, oder besser: ganz originär in seinem Werk angelegt ist, das ist die Idee der Schönheit. Die Leiblichkeit wird mit einer Vorstellung zusammengebracht, die man landläufig, gewissermaßen aus dem Bauch heraus, ohnedies mit ihr verbindet, aber aus dem Verfügungsbereich des spezifisch Künstlerischen als eine Errungenschaft der Moderne eliminiert hat. 1. August bis 10. Oktober 2021

Alle Textstellen stammen aus: Daniela Gregori, Rainer Metzger, Attersee – Die Biografie.

Die kursiv gesetzten Begriffe und Zitate stammen vom Künstler selbst.

Attersee. Die Biografie 2., aktualisierte Auflage, Brandstätter Verlag ISBN 978-3- 7106-0468-3 360 Seiten, ca. 300 Abbildungen, 40 Euro

Informationen: Galerie Walker 10.-Oktober-Straße 7, A-9620 Hermagor Tel. +43 (0) 650/213 05 05 mobil: +43 (0) 664/345 32 80 office@galerie-walker.at www.galerie-walker.at