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Ein Retter ohne Skrupel


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Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 30/2022 vom 23.07.2022

Der große abgeschlossene

Mit einem guten Kaffee sollte jede Frühschicht anfangen. Lea kam dafür extra zehn Minuten eher zum Dienst, um sich in Ruhe auf den Tag vorzubereiten. Besonders, seit es diese tolle Kaffeemaschine im Schwesternzimmer gab.

„Ah, da kommt ja dein Satellit“, flachste Tine, als Lea gerade beim letzten Schluck war. Sie hob den Kopf und sah in das Grinsen von Marek, der eben hereintrat. „Guten Morgen“, grüßte er nur an Lea gerichtet. „Bin ich zu spät?“

„Nein, alles gut“, beschwichtigte sie. „Zieh dich erst mal um.“

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Er verschwand im Nebenraum, und Tine verzog spöttisch den Mund. Marek war der neue Krankenpfleger. Lea hatte sich bereit erklärt, seine Einarbeitung zu übernehmen, nicht ahnend, wie eifrig er sich zeigen sollte. Übereifrig fast. Er wollte alles genau wissen, alles richtig machen, und bisweilen hatte sie das Gefühl, es ging ihm nur darum, in ihrer Nähe zu sein. Eben ganz wie ...

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... ein Satellit.

Wenig später begaben sie sich auf die Runde durch ihre Station. Das Haus war Seniorenheim, Pflegeeinrichtung und Klinik in einem. Sie deckten die komplette medizinische Versorgung der Bewohner ab. Ärzte, Schwestern und Pfleger waren rund um die Uhr erreichbar.

Jetzt hieß es für Lea Medikamente ausgeben, Blutdruck messen oder nur Kissen aufschütteln. Marek schob den Wagen so dicht neben ihr, dass Lea manchmal zur Seite treten musste, damit er ihr nicht über die Füße rollte.

Sie liefen durch alle Zimmer, und Lea hatte für jeden Bewohner ein freundliches und persönliches Wort. Mit ihrer offenen und warmherzigen Art war sie bei den Patienten sehr beliebt. Marek klebte die ganze Zeit an ihr und vergewisserte er sich immer wieder, ob er auch alles richtig machte. Wie ein Kind, dachte Lea, das nach Lob und Anerkennung giert.

„Wir beide sind ein tolles Team, nicht?“, fragte er, als sie wieder am Schwesternzimmer ankamen.

„Wir sind alle ein tolles Team“, korrigierte Lea möglichst sachlich. „Wir alle arbeiten gut zusammen.“

Marek lachte. „Ja, schon klar.

Aber mit dir funktioniert es besonders gut. Wollen wir uns nicht mal so auf einen Kaffee treffen?“

Es war nicht das erste Mal, dass er das fragte. Und bisher hatte Lea es nicht übers Herz gebracht, Klartext zu reden. Er war nett, nun ja. Aber als Mann so gar nicht ihr Typ. „Wir trinken doch sowieso fast täglich zusammen Kaffee“, meinte sie ausweichend. Und mit einem Blick auf die Uhr setzte sie hinzu: „Gleich steht Physio an. Schau mal, wer an der Reihe ist, dann kannst du die Patienten runter in den Sportraum bringen.“

„Wird gemacht“, grinste Marek. „Wir sehen uns dann später.“

Lea nickte nur und ging über den Flur davon. Dass sein Blick ihr folgte, fühlte sie. Wie dieses begehrliche Glitzern in seine Augen trat, das sah sie aber nicht.

Auch nachdem die Einarbeitungsphase abgeschlossen war, schlich Marek ständig in ihrer Nähe herum. Lea blieb freundlich, fand seine Anhänglichkeit aber zunehmend nervig. Von ihren Absagen ließ er sich auch nicht beirren Er fragte regelmäßig, ob sie mit ihm ausgehen wolle. Sie müsste wirklich mal deutlicher werden.

Dann aber ergab sich ein anderer Ausweg. Als Lea zufällig hörte, wie eine Kollegin ein paar private Termine mit ihren Arbeitszeiten vereinbaren musste, nutzte sie kurzerhand die gute Gelegenheit und tauschte ihren Dienst. So konnte sie wenigstens ein paar Tage aus Mareks Dunstkreis entkommen. Er im Frühdienst, sie im Spätdienst. Das war ein schlauer Schachzug.

„Marek hat das sehr gut gemacht“, lobte die Oberschwester

Als sie eines Tages ihren Dienst antrat, spürte sie gleich die gespannte Atmosphäre im Schwesternzimmer. Ein paar Pflegekräfte und zwei Frauen aus dem Reinigungsteam redeten lebhaft durcheinander, alle in Aufregung. Lea sah verwundert in die Runde. „Was ist denn hier los?“, fragte sie.

Eine Kollegin hob den Kopf. „Wir hatten heute Morgen ziemlich Stress“, antwortete sie. „Und hätten um ein Haar jetzt ein freies Bett mehr.“ Sie erzählte, was passiert war, immer wieder unterbrochen von Einwürfen aus der Runde.

Es dauerte eine Weile, bis Lea sich ein Bild von dem Vorfall machen konnte. Marek hatte wohl eine Patientin auf einem Spaziergang durch den nahen Park begleitet, als die Frau unvermutet zusammenbrach. Bewusstlosigkeit, Atemstillstand – es war hoch dramatisch. Nur dank Mareks umsichtigem Einsatz war die Sache noch glimpflich ausgegangen.

„Dabei war sie ganz munter, als ich das Zimmer sauber gemacht hab“, warf eine der Putzfrauen ein.

„Und bei der Visite war auch noch alles unauffällig“, ergänzte eine Krankenschwester.

„Sonst wäre ich ja nicht mit der Frau losgegangen“, meldete sich Marek bedröppelt. „Aber sie war immer so dankbar für einen Spaziergang. Ich konnte ja nicht wissen, dass sie plötzlich umkippt.“ „Natürlich nicht“, sagte jemand. „Du hast alles richtig gemacht“, lobte die Oberschwester.

Marek grinste und streifte Lea mit einem intensiven Blick. Zufriedenheit lag darin, aber auch etwas Forderndes. Als wollte er von ihr eine Belohnung für seine Tat. „Ja, wow“, murmelte Lea nur.

Während sie sich im Nebenraum umzog, drehte sich draußen das Gespräch weiter um diesen Vorfall.

Plötzlich stand Marek neben ihr. „Das war echt heftig“, sagte er und sah sie wieder so seltsam an.

„Hm, kann ich mir denken“, erwiderte Lea. Sie wollte an ihm vorbei, doch Marek machte einen Schritt zur Seite, so dass er direkt vor ihr stand. „Was machst du heute nach deinem Dienst?“, fragte er.

Lea schluckte ihren Unmut weg. „Schlafen gehen“, sagte sie. „Du weißt doch, wie spät es dann ist.“

Er lachte. „Na und? Wir könnten doch noch irgendwo hingehen.“

War jetzt der Augenblick, ein paar Dinge klarzustellen? Dass sie nicht vorhatte, jemals mit ihm privat auszugehen? Schon legte sie sich die passenden Worte zurecht, als eine Kollegin den Raum betrat. Marek wich zurück. Und Lea ließ ihn ohne Antwort stehen.

Ein paar Tage lang war der Zusammenbruch der Frau noch Gesprächsstoff. Sie war gründlich untersucht worden, wobei jedoch keine Ursache festgestellt werden konnte. Nach zwei weiteren Tagen Beobachtung auf der hauseigenen Intensivstation konnte sie wieder auf ihr Zimmer, und die Gemüter beruhigten sich allmählich – bis der nächste Notfall geschah.

Es war der letzte Tag von Leas eingetauschter Spätschicht. Nach den zwei freien Tagen würde sie im regulären Dienst wieder auf Marek treffen. Sie war nicht froh darüber. Es war sehr angenehm gewesen, ihm immer nur kurz zu begegnen. Aber vielleicht riss er sich ja am Riemen? Wenn er ihr zu sehr auf den Geist ging, könnte sie ja überlegen, dauerhaft in eine andere Schicht zu wechseln.

Mit diesen Gedanken im Kopf traf Lea in der Klinik ein. Und wieder war das Schwesternzimmer ungewöhnlich voll, die Mienen der Kollegen voll Bestürzung und Betroffenheit, aufgeregte Gespräche rauschten durcheinander. Und mittendrin Marek. Sie musterte ihn scharf. Was war das für ein Ausdruck auf seinem Gesicht? Selbstzufriedenheit? „Ist irgendwas passiert?“, wollte Lea wissen.

„Frau Brunner aus der sieben, du weißt schon“, sagte Tine. „Sie hatte einen heftigen Krampfanfall. Und damit haben sie auch noch über eine halbe Stunde im Aufzug festgesteckt! Aber Marek hat sich wirklich wacker geschlagen.“

Lea fragte sich, ob das Problem mit Marek bei ihr lag?

Der heftete seinen Blick auf Lea und setzte ein bescheidenes Grinsen auf. „Ja, ich konnte ihr zum Glück helfen. Auch wenn es erst gar nicht gut aussah. Sie ist ganz blau angelaufen. Und ich war ja allein mit ihr da im Aufzug.“ „Wieso im Aufzug?“, fragte Lea.

Er sollte die Frau von der Physiotherapie im Untergeschoss abholen, erzählte Marek. Sie fühlte sich müde und wollte zurück aufs Zimmer, hätte der Therapeut berichtet. Im Aufzug dann hatte sie Atemnot bekommen, in Panik um sich geschlagen und dabei den Nothalt ausgelöst. Schließlich war sie zusammengebrochen.

Wie er versucht hatte sie zu stabilisieren, gleichzeitig den Lift ans Laufen zu bekommen und selbst einen kühlen Kopf zu bewahren, schmückte Marek detailliert aus.

„Wie geht es ihr jetzt?“, unterbrach Lea seine Schilderung.

„Sie liegt auf der Intensiv“, antwortete Tine. „Anfangs wurde sie noch beatmet. Ich glaube, inzwischen hat sie sich etwas gefangen.“

Lea nickte nachdenklich. Sie mochte Frau Brunner. Eine humorvolle alte Dame, im Kopf noch völlig klar, nur ausgebremst von den Gebrechen ihres Körpers. „Schön. Ich schau später mal nach ihr“, sagte sie, mehr zu sich selbst.

„Lass uns doch gleich gehen“, schlug Marek vor. „Ich würde auch gerne sehen, wie es ihr geht.“

„Nein!“ Das kam so schnell, dass sich ein paar Köpfe erstaunt zu Lea hin drehten. „Also, ich hab erst noch zu tun“, setzte sie halbherzig hinzu und wich Mareks Blick aus. Das unwillige Aufblitzen in seinen Augen entging ihr trotzdem nicht. Und sie fragte sich, wie er reagiert hätte, wenn sie jetzt allein gewesen wären.

„Klar, wie du meinst“, sagte er gleichmütig. Allerdings hatte sie den Eindruck, hinter der netten Fassade steckten ganz andere Gefühle. Oder bildete sie sich das ein?

Diese Frage wälzte Lea noch ein paarmal hin und her an diesem Tag. Lag es an ihr, dass sie mit Marek nicht zurechtkam? Er hatte sich mittlerweile gut eingearbeitet, war engagiert und auf seine etwas unbeholfene Art durchaus freundlich. Die anderen Kollegen hatten kein Problem mit ihm. Die löcherte er allerdings auch nicht ständig mit Fragen nach einem privaten Treffen.

Okay. Sie würde jetzt endlich ganz deutlich werden. Wenn er einsah, dass er sich keine Hoffnung machen konnte, würden sie vielleicht wieder entspannt zusammenarbeiten. Oder sie würde eben doch die Schicht wechseln.

Diese Aussicht hob ihre Laune wieder und begleitete sie durch den Tag, der ohnehin eigentlich keine Zeit zum Nachdenken ließ. Bis zum Abendessen war sie voll beschäftigt. Als dann mal etwas Luft war, nutzte Lea die Gelegenheit, um nach Frau Brunner zu sehen.

Die Intensivstation lag im obersten Stockwerk. So hätten die Patienten wenigstens einen schönen Ausblick, hatte einer der Ärzte mal gescherzt. Und Frau Brunner saß auch halb aufgerichtet in ihrem Bett und sah aus dem Fenster.

Lea musste schmunzeln. „Hallo, Frau Brunner“, sagte sie mitfühlend. „Sie machen vielleicht Sachen. Wie geht es Ihnen?“

„Das müssen Sie den Arzt fragen“, kam es prompt zurück.

Lea lächelte. „Okay, mach ich.

Und wie fühlen Sie sich?“

„Ach, schon wieder besser. Ich weiß ohnehin nicht, was da mit mir los war.“ Die Frau schüttelte verwundert den Kopf. „Das hatte ich noch nie, dass es mir so die Füße weggezogen hat …“

Lea holte sich einen Stuhl heran und setzte sich neben das Bett. Dabei musterte sie die alte Dame aufmerksam. Sie sah mitgenommen aus. Aber das war ja auch kein Wunder. „Was ist denn genau passiert?“, erkundigte sie sich.

„Ja, wenn ich das wüsste“, erwiderte Frau Brunner ratlos. Dann erzählte sie, dass der Tag mit der morgendlichen Routine begonnen hatte. Sie bekam Hilfestellung beim Waschen und Anziehen, danach Frühstück – dann Medizin.

„Heute war meine Spritze wieder fällig. Der neue Pfleger hat genau zugesehen, wie die Schwester sie gesetzt hat. Richtig andächtig.

Ich musste schon schmunzeln.

Später hat er mich dann ja zu meiner Bewegungsstunde gebracht, aber da hab ich mich schon irgendwie komisch gefühlt. Und als er mich dann wieder abgeholt hat – einfach puff.“ Sie machte eine Geste, als würde sie rückwärts umfallen. Dabei wirkte sie auch jetzt noch ratlos und erschrocken.

Aus dem Mund der Patientin klang die Sache ganz anders!

Lea nickte teilnahmsvoll. „Das war bestimmt schlimm.“

„Ja. Ich hab mich noch an die Wand gelehnt. Meine Beine waren weich wie Gummi. Ich bin einfach so zusammengerutscht.“

„Ausgerechnet gegen den Knopf für den Notstopp“, sinnierte Lea.

Frau Brunner blinzelte. „Wie?

Nein. Ich stand ja auch ganz hinten in der Liftkabine. Die Knöpfe sind doch vorne neben der Tür.“

„Hm, ja schon. Aber der Aufzug ist doch steckengeblieben – weil der Notstopp gedrückt war.“

Sie tauschten einen fragenden Blick, bis die alte Dame die Schultern zuckte. „Also, wie auch immer. Ich bin jedenfalls froh, dass ich wieder aufgewacht bin.“

Lea sah sie einen Moment nachdenklich an. Dann setzte sie ein glattes Lächeln auf und streichelte die welke Hand. „Ja, Frau Brunner. Darüber sind wir alle froh.“

Zurück auf ihrer Station ging Lea dieses Gespräch nicht aus dem Kopf. Wenn Frau Brunner hinten an der Wand gestanden hatte, wie konnte sie dann vorn den Knopf drücken? So aber hatte Marek es geschildert. Und wie sie im Krampf um sich geschlagen hatte … Das klang aus dem Mund der Patientin ganz anders. Dass sie nämlich einfach zusammengesackt war. Hatte Frau Brunner vielleicht nicht mehr mitbekommen, wie sie sich in Panik gebärdete? Oder entsprach Mareks Version nicht den Tatsachen?

Diese Frage stieg immer wieder hoch. Lea gab sich Mühe, alles Persönliche außen vor zu lassen und Marek sachlich einzuschätzen, doch irgendwas stimmte bei der Sache nicht. Hatte er gelogen?

Aber warum sollte er das tun?

Darüber dachte sie lange nach, während sie ihre Routine abspulte. Als sie einmal in dem Raum stand, in dem der gesamte Bestand an Medikamenten der Station aufbewahrt wurde, kam ihr plötzlich etwas anderes in den Sinn.

Vor ein paar Tagen hatte sie aufgeschnappt, wie zwei der Schwes-tern über Marek sprachen. Er würde schon sehr selbständig arbeiten, hatte die eine gesagt, und hätte es auch gerne übernommen, die Medikamente für die morgendliche Runde zu richten. Ob er denn auch gewissenhaft wäre, hatte die andere gefragt. Und zur Antwort erhalten, dass er sich sehr für alles Medizinische interessierte und immer ganz genau wissen wollte, wer was bekommen musste.

Bei Frau Brunners Injektion hatte er ja auch … wie hatte sie es formuliert? Andächtig. Er hatte andächtig zugesehen. Kurz darauf war sie kollabiert. So wie wenige Tage zuvor die andere Frau. Und beide Male war Marek zur Stelle gewesen, hatte gleich eingegriffen und sich dann als Held des Tages feiern lassen. Das war aber sicher nur Zufall. Oder etwa nicht?

Eine eigentümliche Empfindung wehte Lea an, wie ein kühler Hauch. Sie starrte einen Moment nachdenklich ins Nichts. Dann trat sie näher an den Schrank und ließ den Blick über die einzelnen Fächer wandern. Dicht gepackt lagerte hier alles, was auf der Station so benötigt wurde. Auch Adrenalin, Insulin, Morphin und andere starke Medikamente. Deshalb hatten hier auch nur die Ärzte und Krankenschwestern Zugang. Oder ein Pfleger, der mit dem Vorbereiten der Medizin betraut wurde …

Leas Gedanken rasten durcheinander. Hatte Marek womöglich die Medikamente verwechselt?

Und das gleich zwei Mal? Aber er wusste doch so gut Bescheid, wer was zu bekommen hatte. Und plötzlich war da diese andere Überlegung in ihrem Kopf, so ungeheuerlich, dass Lea unwillkürlich nach Luft schnappte. Hatte er vorsätzlich etwas Falsches verabreicht?

Sie fühlte ein unangenehmes Prickeln im Nacken und fixierte den Inhalt des Schrankes so gebannt, als könnte sie daraus eine Antwort lesen. Als plötzlich jemand neben sie trat, fuhr sie vor lauter Spannung richtig zusammen.

Der junge Arzt sah Lea fragend an. „Stimmt was nicht?“

„Hallo, Schwester Lea. Sorry, ich wollte Sie nicht erschrecken.“

Es war einer der jungen Ärzte, dem sie schon oft bei der Visite assistiert hatte. Thomas Dilling. Freundlich, engagiert, sympathisch. Jetzt sah er sie amüsiert an. „Haben Sie aber“, mumelte Lea.

Er lachte. Dann wurde sein Blick fragend. „Stimmt was nicht?“

Lea atmete tief durch. „Ja. Nein.

Ich war nur … ganz in Gedanken.“

„Offensichtlich“, meinte er augenzwinkernd, trat an den Schrank und nahm ein Medikament heraus.

Lea beobachtete ihn abwesend, während es in ihrem Kopf immer noch wirbelte. Schließlich wandte er sich zum Gehen, war schon fast an der Tür, da platzte es aus ihr heraus. „Dr. Dilling? Würde es auffallen, wenn aus diesem Schrank hier ein Medikament fehlt?“

Er blieb stehen, drehte sich um. „Das sollte auffallen, ja.“

„Und könnte von diesen Medikamenten eines zu Atemnot und Bewusstlosigkeit führen?“

„Sicher“, erwiderte er langsam. „Je nach Dosierung oder als Wechselwirkung mit anderen Substanzen.“ Lea biss sich auf die Lippen.

Da kam er auch schon zurück und sah sie forschend an. „Warum fragen Sie?“, wollte er wissen. Einen Moment rang sie mit sich.

Dann erwiderte sie seinen Blick. „Das klingt jetzt vielleicht etwas überdreht“, begann sie zögernd. „Aber es gibt da etwas, worüber ich mit jemandem reden muss.“

Möglichst sachlich berichtete Lea nun von ihrem Gespräch mit Frau Brunner, dass Mareks Schilderung des Vorfalls ganz anders geklungen hatte, und dass er kürzlich erst in eine ähnliche Situation verwickelt war. Sie scheute sich, ihren Verdacht direkt auszusprechen, doch er klang wohl zwischen den Worten durch.

Thomas Dilling hörte aufmerksam zu. „Dieser Pfleger arbeitet erst ein paar Wochen hier, sagen Sie? Und wie macht er sich sonst?“

Lea zögerte. „Fachlich gut …“ „Aber?“, hakte Thomas nach.

Sie zuckte ratlos die Schultern. „Ich weiß nicht, wie ich sagen soll.

Er ist vordergründig freundlich.

Aber hin und wieder denke ich, das ist nur Fassade, und dahinter sieht es ganz anders aus. Manchmal ist er mir fast ein wenig unheimlich.“

Sie tauschten einen langen Blick.

Dann nickte Thomas nachdenklich. „Ja, man kann niemandem in den Kopf sehen. Nun, ich werde die Bestände hier überprüfen. Und vielleicht behalten Sie den Kollegen ein wenig im Auge.“

„In Ordnung.“ Lea brachte ein Lächeln zustande. In der nächsten Schicht würde sie zwangsläufig mit Marek zusammenkommen. Mal sehen, wie er sich dann gab.

Erst aber folgten drei wohlverdiente freie Tage, in denen Lea ganz bewusst nicht an die Arbeit dachte. Gut aufgetankt erschien sie danach wieder zum Dienst. Wo sie als erstes gleich auf Marek traf. „Na?“, machte er fragend. „Was hast du so getrieben an den freien Tagen?“ Und ohne eine Antwort abzuwarten setzte er hinzu: „Ich hab ständig an dich gedacht.“

Sein Tonfall und auch sein zudringlicher Blick waren Lea unangenehm. Da überging sie dieses Gefühl noch. Später aber an diesem Tag, als er sie einmal so anzüglich ansah und dazu eine Bemerkung über ihre Figur machte, platzte Lea der Kragen. Zum ersten Mal fand sie wirklich klare Worte.

Dass er sie in Ruhe lassen sollte.

Sie würde nicht mit ihm ausgehen und auch sonst keinen privaten Kontakt wollen. Ihre Verbindung wäre rein dienstlich und würde es auch bleiben. Kollegen. Punkt.

Vielleicht hätte es sie stutzig machen sollen, wie unbewegt Marek ihre Ansage aufnahm. Er sah sie nur stumm an und zuckte dann die Schultern. „Schon gut“, meinte er. „Ich wollte dich nicht stressen,

Kollegin. Alles klar.“ Er setzte ein so harmloses Grinsen auf, dass Lea fast ein schlechtes Gewissen bekam. War sie zu ruppig gewesen?

Egal. Die Botschaft war angekommen, auch wenn er jetzt vielleicht sauer auf sie war. Was tatsächlich in Marek vorging, das ahnte Lea nicht im Geringsten. Sie war froh, die Sache geklärt zu haben, machte ihre Arbeit und begegnete ihm mit freundlicher Distanz.

Im Internet stieß Thomas auf ein Foto, das Marek zeigte!

Zur gleichen Zeit saß Thomas Dilling zu Hause vor dem Rechner und scrollte durch einen Zeitungsartikel. Dieses Gespräch mit Lea hatte ihn noch lange beschäftigt.

So sehr, dass er sich selbst ein Bild von Marek machen wollte und auch seine Personalakte eingesehen hatte. Beides war unauffällig.

Doch ein komisches Bauchgefühl hatte ihn veranlasst, ein wenig im Internet zu stöbern. Nach Mareks Namen, seinem früheren Wohnort und Kliniken dort in der Nähe.

Nun war er auf diesen Bericht über ein Pflegeheim gestoßen. Es ging darin um ungeklärte Vorfälle, Notsituationen aus heiterem Himmel, bei denen Patienten beinahe verstorben wären. In dem Zusammenhang war auch gegen einen Pfleger ermittelt worden, hieß es, dem jedoch nichts nachgewiesen werden konnte. Thomas überflog den Bericht, bis ihn das dazugehörige Foto fast aus dem Stuhl riss!

Ungläubig starrte er auf den Bildschirm. Seine Gedanken rasten. Das Bild zeigte Marek, ohne Zweifel. Gegen den Ermittlungen wegen irgendwelcher Vorfälle gelaufen waren. Und hier bei ihnen war er ebenfalls in Vorfälle mit Patienten verwickelt. Zufall?

Thomas hatte plötzlich ein ganz ungutes Gefühl. Und Leas Worte wieder im Ohr, dass Marek ihr manchmal fast unheimlich war.

Er warf einen Blick auf die Uhr.

Die beiden waren jetzt gemeinsam im Spätdienst! Und getrieben von einer seltsamen Unruhe, machte er sich auf den Weg in die Klinik …

Lea hatte einen erfreulich ruhigen Dienst verbracht. Marek war recht einsilbig, doch damit konnte sie gut leben. Auch dass er an diesem Tag nicht ständig um sie herum wuselte, war ihr angenehm.

Kurz vor Feierabend sah sie ihn aus dem Raum mit dem Medikamentenschrank kommen, dachte aber nicht weiter darüber nach.

Weil sie gerade überlegte, wie sie es am besten anstellen sollte, nicht mit ihm gemeinsam hier aufzubrechen und Seite an Seite in der Enge des Lifts zu stehen. Das ging dann leichter als gedacht. Sie müsste noch etwas Papierkram erledigen, gab sie vor, und Marek verabschiedete sich knapp und ging.

Die Tiefgarage lag verlassen, als Lea zehn Minuten später aus dem

Lift stieg. Zügig ging sie auf ihren Wagen zu, wühlte mit gesenktem Kopf in ihrer Tasche nach dem Schlüssel. In Gedanken war sie schon voraus zu Hause – noch eine Kleinigkeit essen, vielleicht ein bisschen fernsehen oder lesen.

Dann ging alles blitzschnell.

Ein Geräusch ließ sie aufblicken. Zugleich nahm sie die Gestalt wahr, die hinter einem der Pfeiler hervorsprang, und erkannte im selben Moment Marek. Bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte, hatte er sie von hinten gepackt, riss sie herum und drückte sie mit seinem ganzen Gewicht gegen den Pfeiler. Dabei bog er mit einer Hand ihren Kopf in den Nacken.

Lea keuchte erschrocken auf. „Spinnst du?“, stieß sie hervor. „Lass mich sofort los!“

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie er seine freie Hand an ihren Hals hob. Sie konnte nicht gleich erkennen, was er in der Faust verbarg, irgendeinen Gegenstand … dann sah sie die Nadel aufblitzen.

„Ich lass dich gleich los“, raunte Marek ihr ins Ohr. „Sobald du schön schläfst. Und wenn du wieder aufwachst, machen wir zwei es uns ein bisschen gemütlich.“

Die Panik schnürte Lea die Kehle zu. Mit aller Kraft versuchte sie sich gegen seinen Griff zu wehren, doch Marek hielt sie fest wie ein Schraubstock. Den Einstich selbst spürte sie kaum. Erst als ihr Sichtfeld an den Rändern verschwamm und die Wirklichkeit sich aufzulösen begann, realisierte sie die Wirkung der Spritze. Lea wurden die Knie weich. Sie spürte noch, wie

Marek seinen Griff lockerte, doch sie hatte nicht mehr die Kraft, sich gegen ihn aufzulehnen.

„Was … hast du mir gegeben?“, murmelte sie. Lichter tanzten vor ihren Augen, waberten, pulsierten.

Und langsam erfasste sie von unten aufsteigend ein stickiges, dumpfes Gefühl. Es kroch ihre Beine hoch und hüllte sie ein wie ein schwarzes Tuch. Das letzte was sie sah, waren Lichtfinger, die leuchtende Spuren über die Wand der Zufahrt zogen. Dann nur noch tiefdunkle Schwärze. Körperlose Leichtigkeit.

Bilder, sorgenvolle Gesichter … wieder driftete Lea weg …

Irgendwann verschwommene Empfindungen, Bilder, Licht. Gesichter, die sich über sie beugen, dunkel, sorgenvoll. Sie will bleiben, kann nicht, driftet wieder weg.

Als sie das nächste Mal auftauchte aus dem purpurnen Nebel, wurden die Bilder klarer. Weiße Wände, praktisch nüchterne Einrichtung – eines ihrer Krankenzimmer, wo sie nun selbst im Bett lag.

Da schob sich ein Gesicht in ihr Blickfeld. „Wie fühlen Sie sich?“, fragte Thomas Dilling.

„Ziemlich seltsam“, antwortete Lea matt. „Was ist denn passiert?“

Er schmunzelte. „Nun, sagen wir, ein Junkie vom Bahnhof hätte viel Geld für diesen Trip bezahlt.“

Sie blinzelte verständnislos. Und plötzlich kam die Erinnerung zurück. Die Tiefgarage. Marek. Er hatte sie gepackt und ihr irgendwas in den Hals gespritzt. Lea sah erschrocken zu Thomas auf. „Das war Marek“, murmelte sie dumpf. „Er hat mich überfallen.“

Sie versuchte sich hochzurappeln, doch ein Drehschwindel erfasste sie und drückte sie zurück in die Kissen. Lea stöhnte. „Schscht“, machte Thomas und legte eine Hand auf ihre Schulter. „Sachte.

Am besten still liegen.“

„Er hat mir in der Tiefgarage aufgelauert“, erzählte Lea benommen. „Er hatte eine Spritze in der Hand. Er hat mich gepackt, und mir die Nadel in den Hals gejagt.“

Sie stöhnte wieder, und Thomas verstärkte beruhigend den Druck seiner Hand. „Ich weiß“, sagte er.

Und weil sie ihn so fragend ansah, erzählte er: Wie er zu Hause auf den Bericht über dieses Pflegeheim gestoßen war und das Bild von Marek. Wie er eins und eins zusammengezählt hatte und seiner Intuition gefolgt war, hierherzukommen. Und wie er dazukam, als sie in der Tiefgarage in Mareks Armen zusammensackte.

„Im ersten Moment dachte ich, Sie hätten ein Problem und Marek würde Sie stützen. Doch schnell war klar, dass hier irgendwas oberfaul war. Ich habe gefragt, ob ich helfen kann, und statt einer Antwort ist er auf mich losgegangen.“

„Auf Sie ist er losgegangen?“, rief Lea entsetzt dazwischen.

„Ja. Er stand völlig neben sich. Eindeutig einer, dem sämtliche Sicherungen durchgebrannt sind.“ „Und …?“, fragte Lea atemlos.

Thomas schmunzelte. „Dann ist mir zugutegekommen, dass ich seit vielen Jahren Kampfsport betreibe.

Eigentlich als Ausgleich. Aber heute hat sich das Training erstmals wirklich bezahlt gemacht.“

Er hätte Marek von den Füßen gerissen und ihn bis zum Eintreffen der Polizei fixiert, erzählte er weiter. Und sich anschließend um sie gekümmert. Die leere Spritze lag nur ein Stück entfernt auf dem Boden. Und weil er seit ihrem Gespräch die Medikamentenbestände akribisch dokumentiert hatte, wusste er gleich, wie viele Ampullen Morphium fehlten. So konnte er abschätzen, wie viel Naloxon er verabreichen musste, um die Wirkung des Opiats zu hemmen.

Während er sprach, kroch Lea die Gänsehaut über den Rücken.

Was für eine Verkettung von Zufällen! Wenn Thomas nicht auf den Bericht gestoßen wäre, wenn er nicht entschieden hätte noch mal in der Klinik vorbeizuschauen, selbst wenn er nur fünf Minuten später in der Tiefgarage angekommen wäre … Sie schauderte. Nein.

Nicht daran denken, was Marek vielleicht mit ihr angestellt hätte.

„Hey. Es ist vorbei“, sagte Thomas. Dabei strich er über ihre Wange. Die Berührung hinterließ eine prickelnde Spur auf ihrer Haut.

Erst dann merkte Lea, dass ihr Tränen über die Wangen liefen. Rasch wischte sie sie weg und versuchte ein Lächeln. „Danke“, sagte sie.

Thomas hatte darauf bestanden, dass sie diese Nacht über hier in der Klinik blieb. So könnte er am nächsten Morgen gleich nach ihr sehen. Seine Fürsorge fühlte sich gut an. Auch die warme Zuwendung in seinem Blick und die Erinnerung an das Gefühl seiner Hand an ihrer Wange, die Spur auf ihrer Haut. Die ganz besonders.

Vielleicht waren es all diese Eindrücke, die Aufregung der letzten Stunden oder auch der Rest der Drogen in ihrem Blut. Jedenfalls durchlebte Lea in dieser Nacht einen wunderschönen und sehr plastischen Traum, in dem Thomas mehr war als nur ein Kollege …

In Thomas’ Augen blitzte etwas auf – so wie in Leas Traum

Wie versprochen erschien er am Morgen noch vor der Visite. Und er hatte einiges zu berichten. Dass Marek noch in der Nacht festgenommen worden war, dass jetzt auch die beiden jüngsten Vorfälle hier untersucht würden, und die früheren Verdachtsfälle ebenfalls wieder aufgerollt werden sollten.

Lea schüttelte betroffen den Kopf. „Es ist schon erstaunlich“, meinte sie, „wie man sich in einem Menschen doch täuschen kann.“

„Ja. So ein skrupelloser Fiesling.

Aber ein Glück, dass er jetzt aus dem Verkehr gezogen ist.“

„Und ein Glück auch, wie das gestern gelaufen ist. Ich meine, dass Sie da waren, in letzter Sekunde …“ Sie schüttelte sich, wie um die Bilder loszuwerden, und sah ihm dann fest ins Gesicht. „Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken kann.“ Thomas lächelte weich.

Zugleich blitzte etwas in seinen Augen auf, das Lea komisch kribbelnd in den Bauch fuhr. Genauso hatte er in ihrem Traum ausgesehen, kurz bevor er sie küsste … Sie senkte verwirrt den Blick. Hilfe, wurde sie etwa auch noch rot?

„Wir könnten ja bald mal gemeinsam darüber nachdenken“, sagte er so beiläufig, dass es schon wieder bedeutsam klang.

Und wie er sie dabei ansah, ließ ihre Fantasie wilde Blüten treiben.

War das etwa gar kein Traum gewesen, sondern – eine Vision? Lea musste ein überdrehtes Kichern bremsen. So eine verrückte Idee!

„Vielleicht bei einer Tasse Kaffee?“, setzte Thomas hinzu.

Sie hielt seinen Blick fest, versuchte sich wieder einzukriegen.

Vision hin oder her. Ein Kaffee mit ihm war eine beflügelnde Vorstellung. Und alles andere würde sich finden… Endlich nickte sie, beschwingt und immer noch grinsend. „Aber ja. Das machen wir.“

ENDE

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LIEBES-ROMAN