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Ein Schüler steht im Kreis


didacta - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 09.09.2020

Das Corona-Virus hat die Schule und das Lernen verändert, nichts ist mehr so wie früher. Das kann auch neue Wege ebnen. Ein Schulbericht.


30. Dezember 2019

Das neue Corona-Virus wird in Wuhan entdeckt.

28. Januar 2020

Das Corona-Virus erreicht Deutschland. 14 Mitarbeiter einer bayerischen Firma sind infiziert. Zwischenzeitlich sind in China die Infektionen auf 4500 angewachsen.

6. März 2020

Sachsen verbietet Klassenfahrten.

16. März 2020

In den meisten Bundesländern sind Schulen und Kitas bereits geschlossen.

Raphael*, Zwölftklässler an der Ernst-Göbel- Schule in Hessen, klappt seinen Laptop auf, öffnet die ...

Artikelbild für den Artikel "Ein Schüler steht im Kreis" aus der Ausgabe 3/2020 von didacta. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: didacta, Ausgabe 3/2020

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... Arbeitsaufgabe „Die Lehren aus Weimar“, die er von seinem Geschichtslehrer Matthias Trumpfheller via Messengerdienst bekommen hat. „Welche Lehren aus Weimar fallen Ihnen ein?“ Raphael und seine Klasse sind auf Discord – einem Onlinedienst für Sprach- und Videokonferenzen – zugeschaltet. Zusammen mit seinen Klassenkameraden beginnt er, in Gruppenarbeit die Frage zu bearbeiten. Trumpfheller teilt die Schülerinnen und Schüler in kleine Chaträume ein, damit sie in Ruhe arbeiten können. „Zudem gebe ich ihnen die Aufgabe, Google Docs zu benutzen, um kollaborativ in einem Dokument ihre Ergebnisse zusammenzutragen“, erzählt er.

17. März 2020

Schulschließungen in Baden-Württemberg.

25. März 2020

Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, bestätigt, dass die Kultusminister der Bundesländer sich geeinigt haben, dass die Abitur-Prüfungen in Deutschland 2020 stattfinden werden.

„Zum Glück hatten wir Telegram“

Matthias Trumpfheller ist Geschichtslehrer an der Ernst-Göbel-Schule, EGS, in Höchst im Odenwald und betreut hauptsächlich die gymnasiale Oberstufe. Insgesamt 1200 Schülerinnen und Schüler werden in den Schulzweigen Haupt-, Real- und Förderschule sowie in der gymnasialen Sekundarstufe I und II unterrichtet. Der studierte Medienpädagoge entwickelt seit 2016 schulmediale Konzepte für digitales Lernen. Anfangs mit zwei Computerräumen ausgestattet, verfügt die EGS inzwischen in fast jedem Klassenzimmer über einen Computer sowie über Beamer, Activeboards, Laptops, schuleigene Server und ein ausgebautes WLAN. „Zum Glück hatten wir bereits vor Corona und den bundesweiten Schulschließungen den Messengerdienst Telegram, um sich schnell auszutauschen – mit Lehrkräften oder Schülerinnen und Schülern“, sagt er. Corona hat die deutsche Schullandschaft stillgelegt. Nachdem auch das Land Hessen am 16. März 2020 die Schulen schloss, führte die EGS die kostenfreie Lernplattform Moodle ein, bewilligt vom Kultusministerium Hessen. Jede Schülerin, jeder Schüler erhält einen personalisierten Zugang. Die Lehrer hinterlegen dort Arbeitsaufträge. Über Moodle nutzen sie auch Bigbluebutton, ein Webkonferenzsystem. Einige verwenden andere Systeme für die Schulklassen vie Onlinesitzungen, beispielsweise Zoom oder Skype.

Unterricht im Chatraum

Zurück zur den Lehren aus Weimar. Trumpfheller kündigte die 90-minütige Geschichtsstunde zuvor in Telegram an, sie findet zur normalen Unterrichtszeit statt. „Alle 20 Schülerinnen und Schüler aus meinem Leistungskurs sind in den diversen Chaträumen, ich springe von Raum zu Raum, um bei Fragen zu helfen und den Schülerinnen und Schülern individuell Feedback zu geben“, sagt er. „Das hat vor allem in der gymnasialen Oberstufe gut funktioniert." Anders in der Mittelstufe und in anderen Schulzweigen: Schülerinnen und Schüler hatten teilweise technische Probleme, sich in den Chaträumen einzuloggen. „Zudem erreichten wir sie nicht immer“, erklärt Trumpfheller. Die Schülerinnen und Schüler reagierten nicht auf Nachrichten und Telefonanrufe der Lehrer.

11. Mai 2020

In Thüringen dürfen viele Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule.

9. Juni 2020

Sachsens Kindergärten und Krippen nehmen wieder den Regelbetrieb auf.

3. August 2020

Hamburg und Nordrhein- Westfalen führen mit dem Schulbeginn eine Mundschutzpflicht an Schulen ein.

Matthias Trumpheller ist Medienbeauftragter an der EGS und zuständig für das Medienkonzept.


Kreidekreise mit Sicherheitsabstand

Ab dem 27. April kehrten die ersten Schülerinnen und Schüler zurück: im Wechsel, maximal 300, zuerst die Abschlussklassen. „Wir versuchten tunlichst, die Hygieneregeln einzuhalten. Ein Kollege malte mit Kreide Kreise auf den Boden im Schulhof, damit die Schülerinnen und Schüler den Mindestabstand hielten. Sie mussten sich in die Kreise stellen“, sagt er lächelnd. Durch den Sonderstundenplan hatten die Schülerinnen und Schüler zu unterschiedlichen Zeiten Pausen. Schnelles Laufen, wenn die Schulglocke läutet, gibt es nun auch nicht mehr. Das Schulkollegium und die Schülerschaft müssen die Pfeile und Schilder in den Fluren beachten, wie bei einem Einbahnstraßensystem. Trumpfheller gesteht: „Ich war verwirrt, als ich aus Gewohnheit den falschen Weg zur Toilette nahm.“ Weitere Maßnahme des strikten Hygieneplans, neben Desinfektionsfläschchen, die jede Lehrkraft im Klassenzimmer dabei hatte, und Alltagsmasken außerhalb der eigenen Schulbank, ist die begrenzte Personenanzahl in Räumen: Es dürfen maximal 14 Menschen im gleichen Raum sein. „Wir mussten erfinderisch sein“, sagt Trumpfheller. Er stand während des Unterrichts auf der Türschwelle zwischen zwei Klassenzimmern. Links und rechts hörten ihm Schülerinnen und Schüler zu. Die Verbindungstür ermöglichte, dass er alle gleichzeitig unterrichten konnte, und die Klasse trotzdem in zwei Hälften geteilt wurde. Referendare halfen zusätzlich aus. Für Abschlussgespräche musste die Klasse nach draußen, in das Atrium, unter freiem Himmel, umziehen.

Kein Schülerkontakt ist auch keine Lösung

Jetzt, zum Schulstart, sind wieder alle Schülerinnen und Schüler da. Darüber sind die Lehrkräfte froh. „Obwohl der Distanzunterricht gut funktioniert hat, fehlt der persönliche Kontakt der Jugendlichen untereinander. Das kann auch kein Videochat ersetzen!“, so Trumpfheller. Klassenfahrten und Exkursionen finden frühstens ab Februar 2021 statt. Auch einige Schülerinnen und Schüler litten darunter: Manche waren damit überfordert, im Kinderzimmer die Schulaufgaben zu lösen. Der Unterricht verlief zwar in der gymnasialen Oberstufe sehr gut, umso jünger die Schüler waren, umso schlechter klappte jedoch das Fernlernen. Bei den Hauptschülern lief es deutlich weniger gut als im Gymnasialzweig. Ein positiver Aspekt für den Geschichtslehrer war, dass er Schülerinnen und Schüler eine Eins-zu-eins-Betreuung bieten konnte. „Ich konnte online einen Schüler einfach in einen separaten, digitalen Chatraum schieben“, beschreibt er, wie er sich mit einem Schüler während der Unterrichtsstunde in einem gesonderten Chatraum traf. Aber selbst wenn der Präsenzunterricht nach den Ferien wieder anfängt, Trumpfheller wird weiter digital unterrichten. „Das soll nicht die Ausnahme bleiben, aber auch nicht die Regel werden. Sondern ein ausgewogenes Miteinander.“

* Name von der Redaktion geändert


Illustration: © Natasha Pankina/Shutterstock.com; Robert Dicks