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Ein starkes Bündnis


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 02.03.2022

Paarportät

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Auf Augenhöhe, auch beim Bundespresseball 2012: Britta Ernst und Olaf Scholz

Es ist ein paar Monate her, dass sich Olaf Scholz seiner Frau öffentlich zu Füßen legte. Ein Talk auf der Bühne eines altehrwürdigen Kinos in Berlin, Scholz ist Kanzlerkandidat. Dieser emotionale Moment ist anders als das, was man sonst von ihm kennt, gleichzeitig ist es typisch Olaf Scholz, als er sagt: „Ich glaube, dass ich ein ganz anderer Mensch wäre, wenn ich nicht mit Britta Ernst verheiratet wäre.“ Sie sei die Frau, die ihn in seinem Leben am meisten geprägt habe, „eindeutig“ zum Besseren. Es hört sich an, als sei Olaf nicht vorstellbar ohne Britta. Und Britta ohne Olaf?

Anfang August fragt man nach. Nein, sagt die Dame am Telefon, Britta Ernst will nichts zu Olaf Scholz sagen. Auch wenn sie mit dem Kanzlerkandidaten verheiratet ist und er ihr gerade eine öffentliche Liebeserklärung gemacht hat. Reden würde sie schon: über Bildungspolitik in Brandenburg. Die Stimme am Telefon ...

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... gehört der Sprecherin des brandenburgischen Bildungsmi­ nisteriums. Im Auftrag der Chefin, die das Ministerium seit 2017 leitet, überbringt sie die Absage.

Olaf Scholz, 63, und Britta Ernst, 61, hat die Bundestagswahl zum politischen Vorzeigepaar der Deutschen aufsteigen lassen, der Bundeskanzler und die Bildungsministerin. Sie lernten sich bei den Jusos kennen, seit 1998 sind sie verheiratet, Kinder gibt es keine, Politik ist so etwas wie das Lebenselixier der beiden. „Olaf Scholz und ich engagieren uns seit unserer Jugend in der Politik “, schreibt Britta Ernst vor elf Jahren in einer persönlichen Erklärung an den Hamburger Senat, in den sie beide gerade gewählt worden sind. „Dieses Engagement und der Austausch darüber spielen in unserer Partnerschaft eine Rolle.“ Es klingt nach einer Ehe, die ihre Stärke daraus zieht, dass beide dem jeweils anderen ermöglichen, die eigenen beruflichen Ziele zu verfolgen. Einer, in der vereinbart ist, nicht nur gleichberechtigt den Haushalt, sondern auch politische Karriere machen zu können. Es klingt auch, als wüssten beide, wie schnell es passieren kann, dass man als ein Ganzes wahrgenommen wird, obwohl da zwei Menschen sind mit jeweils eigenen Ambitionen und Zielen statt eines verschmolzenen Duos.

Machtvolle Politikerehen wie die von Britta Ernst und Olaf Scholz sind keine Seltenheit. In den USA waren Bill und Hillary Clinton ein erfolgreiches Paar – sie die starke Frau, die erst ihrem Mann den Rücken freihielt und später selbst als US-Außenministerin Karriere machte. Ihre Partnerschaft war auch ein politisches Projekt, bei dem sie sich gegenseitig unter stützt haben, gelegentlich bis zur Selbstaufgabe. Die Obamas gehören in diese Kategorie, genau wie die Blairs aus Großbritannien. Lauter Paare, die Mitte-links orientiert sind, sie gehören den Demokraten in den USA an oder den Sozialdemokraten in Europa. Das Politische ist in diesen Beziehungen offenbar auch privat.

Wie sehr er sich von ihr mitreißen lassen kann, ist nahezu unbekannt

Ihr falle keine bessere Ehe ein als die von Scholz und Ernst, sagt die Scholz-Vertraute Andrea Nahles, man kenne sich „schon ewig“. Als Scholz noch Erster Bürgermeister von Hamburg war, haben sie im engsten Kreis zusammengesessen und sich eine politische Zukunft in Berlin vorgestellt. Als Britta Ernst 2011 nach dem Sieg ihres Mannes bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg bekannt gibt, ihr Mandat in der Bürgerschaft niederzulegen und für die SPD-Bundestagsfraktion in Berlin zu arbeiten, sind Witzeleien zu hören – sie sei die Vorhut, er werde später nachkommen in die Hauptstadt, als Kanzler. Witzeleien lassen schwere Entscheidungen leichter erscheinen. Fakt ist aber: Britta Ernst ändert damals der Karriere des Ehemanns zuliebe ihre eigenen Pläne und verzichtet auf den Platz in der Hamburger Bürgerschaft, den sie sich erkämpft hat. Weil der Bürgermeister Olaf Scholz heißt.

Damals veröffentlicht sie ebenjene Erklärung, die Einblick gewährt in das Binnenverständnis ihrer Ehe. „Nicht nur in Unternehmen, auch in politischen Zusammenhängen gibt es Paare, die ähnliche Wege gehen“, schreibt sie. „In keinem Bereich ist es richtig, dass Veränderungen bei einem Partner mit dem Verzicht des anderen begleitet werden. Im Gegenteil. Es ist eine neue Aufgabe, genau das zu verhindern, und längst in der Wirtschaft oder Wissenschaft auf der Tagesordnung.“ Britta Ernst macht klar, dass sie nie wieder verzichten will. Es erklärt, warum sie im Bundestagswahlkampf 2021 rigoros ablehnt, über die Rolle als mögliche Kanzlergattin zu sprechen.

Olaf Scholz und Britta Ernst sind sich in Temperament und Denkweise ähnlich. Manche sagen, der Jurist und die Sozialökonomin lebten wie ein privater Zwei-Personen-Thinktank. Andrea Nahles sagt, das Paar habe seine festen Rituale. Dass sie immer zur Documenta nach Kassel fahren – schon als sie noch frisch zusammen waren. Dass sie an Architektur interessiert sind. Man hat sie auf Bällen getroffen und Festen der Hamburger Bürgerschaft. Olaf Scholz hat oft erzählt, wie Britta Ernst ihm geraten hat, mit dem Joggen anzufangen und aufs Gewicht zu achten. Nahezu unbekannt ist, wie sehr er sich von seiner Frau mitreißen lassen kann.

Vergangenen Sommer ist Scholz als Vizekanzler in Washington. Die Delegation ist auf dem Weg zurück ins Flugzeug, man wartet auf die üblichen Sprengstoff kontrollen am Gepäck. Er steht auf dem Rollfeld, allein mit seinen Gedanken, ein guter Augenblick, um ihn nach einem Aufstieg zu fragen, den er schon hinter sich hat, jenen auf den Kilimandscharo Ende der 1990er: Haben Sie den kurzen oder den langen …?

Gerade noch einsam sinnierend, fängt Olaf Scholz unvermittelt an zu strahlen. „Ja, wissen Sie, also, meine Frau hat uns einfach diesen Urlaub gebucht“, sprudelt es aus ihm heraus. „Du bist ja verrückt, habe ich zu ihr gesagt“, sie aber habe sich nicht abbringen lassen, „den Aufstieg zum Kilimandscharo, den schafft fast jeder, du auch.“ Scholz kichert: „Ja, so etwas Verrücktes.“ Teile der Delegation schauen erstaunt rüber. Den Urlaub haben sie dann gemacht, mit der obligatorischen Wanderung durch die letzte Nacht, um den Sonnenaufgang zu erleben. Ein Foto davon hat er rahmen lassen, es hängt im Arbeitszimmer seiner Frau. Als Erinnerung und Dankeschön.

Er will nicht, sagt Andrea Nahles, dass alle diese Seite von ihm kennen. Da sei er ein Politiker alten Schlags. Seine Frau sei in dieser Hinsicht wie er. Im Wahlkampf hatten er und sie mit der Familie verabredet, nichts Privates zu erzählen. Britta Ernst tritt auf am Abend des Wahlsiegs. Und sie nimmt teil am letzten Akt der Kanzlerwerdung, der Wahl im Bundestag.

Am 8. Dezember 2021 sitzt sie um zehn Uhr morgens auf der Tribüne des Hohen Hauses, zwischen Altkanzler Gerhard Schröder und seiner Ehefrau So-yeon auf der einen und ihren Schwiegereltern Christel und Gerhard Scholz auf der anderen Seite. Wie ihr Ehemann zum neunten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wird, das will sie nicht verpassen. Was sie nicht will: Kanzlergattin alter Schule sein, weder karitativ tätig werden noch am Damenprogramm teilnehmen: „Ich bin Ministerin in Brandenburg, das ist eine große Ehre.“

„Schlag nach bei Sauer“, verlautet aus dem Umkreis von Olaf Scholz, wenn man nach der Rolle von Britta Ernst als First Lady fragt. Joachim Sauer, Ehemann von Angela Merkel, hat sich rargemacht bei offiziellen Anlässen, Britta Ernst wird es auch tun. Die Bildungsministerin will es halten wie der Quantenchemiker – im eigenen Beruf weiterarbeiten. Wobei: Joachim Sauer hat seine Frau gelegentlich begleitet. Von ihm ist die Anekdote überliefert, dass er sich auf dem Weg zu einem Staatsbesuch in den USA mal im Flieger ein Plätzchen im Besprechungsraum gesucht hatte. Acht Stunden, da kann man gut was wegarbeiten. Seine Frau hatte vergessen, ihm zu sagen, dass genau dort ein Hintergrundgespräch mit Journalisten stattfinden sollte. Sauer soll den Laptop zusammengeklappt haben und geflohen sein.

Anfang Februar ist der neue Kanzler Olaf Scholz zum Antrittsbesuch nach Washington geflogen. Britta Ernst war auf der Reise nicht dabei.

Was sie nicht will: Kanzlergattin alter Schule sein, karitativ tätig werden, Damenprogramm