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EIN SYMBOL DER MACHT UND DES REICHTUMS


Antike Welt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 23.07.2021

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Bildquelle: Antike Welt, Ausgabe 4/2021

Abb. 1 GrabstättevonKaiserNintoku.

Nach der Wiederherstellung des Kaisertums im Jahr 1868 schrieb die japanische Regierung Ende des 19. Jhs. viele Gräber Persönlichkeiten zu, die die alten Chroniken, das Kojiki (712; «Aufzeichnung alter Geschehnisse») und das Nihonshoki (720; «Chronik Japans in einzelnen Schriften»), erwähnen. Da der Kaiser als göttlich galt, kam diesen Gräbern eine besondere religiöse Bedeutung zu. Im Zuge der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg und dem Verzicht des Shōwa-Kaisers auf seine Göttlichkeit kamen die etwa 900 Gräber, die den kaiserlichen Vorfahren zugeschrieben wurden, als Privatgräber unter die Obhut der kaiserlichen Haushaltsbehörde. Der Zugang zu diesen Gräbern war aber weiterhin untersagt, worum sich im Folgenden eine Kontroverse entspann. Wer war darin bestattet? Enthielten die Gräber Belege dafür, dass die japanische Kaiserfamilie in Wirklichkeit koreanischer Abstammung war? Warum gestattete ...

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... man nun, da dies keine heiligen Orte mehr waren, keine normalen archäologischen Untersuchungen? 2019 wurden zwei große Gruppen von Kofun in der Ebene von Osaka, darunter massive Exemplare mit schlüssellochförmigem Umriss, die den halblegendären Kaisern Nintoku und Ojin zugeschrieben werden, in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Mit 486 m Länge ist das Nintoku zugeschriebene Hügelgrab eines der größten Grabmonumente der antiken Welt (Abb. 1). Der bei der UNESCO eingereichte Nominierungsantrag verwendete sowohl die Namen der angeblich darin bestatteten Personen als auch die von den Archäologen bevorzugten örtlichen topographischen Namen (im Fall von Nintokus Grab «Daisen» und im Fall von Ojins Grab «Konda Gobyoyama»), allerdings wurde Ersteren im gesamten Dossier der Vorzug eingeräumt. Trotz jüngster offizieller Erklärungen, die eine Änderung der Haltung der Regierung suggerieren, wird der Zugang zu den Gräbern Personen, die nicht der kaiserlichen Haushaltsbehörde angehören, weiterhin größtenteils verweigert.

China als Vorbild

Die beiden Gräbergruppen von Mozu und Furuichi umfassen insgesamt 49 Kofun. Die riesigen Hügelgräber gelten als deutlicher Ausdruck königlicher Macht, die sich in diesem Teil Japans vom 5. bis 8. Jh. herausbildete und schließlich die Oberherrschaft über die anderen regionalen Gemeinwesen erlangte, die sich in der späteren Phase der Yayoi-Zeit entwickelten (Abb. 2). So entstand die erste Gesellschaft auf staatlicher Ebene in Japan, mit Hauptstädten in Asuka, Naniwa (Osaka) und Heijo (dem heutigen Nara). Die in den Kofun bestatteten Eliten kannten ihre Kollegen auf dem Kontinent – Yamato war damals geopolitisch mit den Königreichen Baekje, Goguryeo und Silla auf der koreanischen Halbinsel und den Dynastien, die zwischen dem Fall der Hanund der Gründung der Tang-Dynastie China regierten, vernetzt. Die koreanischen und japanischen Herrscher eiferten dem chinesischen Hof nach. Sie übernahmen aus China die Schrift und das Rechtssystem sowie (ab Mitte des 6. Jhs.) den Buddhismus, die Palastarchitektur und vieles mehr. Japanische Eliten wurden mit aufwendigen Grabbeigaben beigesetzt, deren Wert man auch in Korea sofort erkannt hätte: mit Bronzespiegeln, prestigeträchtigen Accessoires und (insbesondere ab dem 5. Jh. n. Chr.) Rüstungen, Waffen und Pferdegeschirr aus Eisen, deren Mengen staunen lassen, bedenkt man, dass das Land sein Eisen weitgehend von der koreanischen Halbinsel importieren musste.

Die Kofun reichen von riesigen Grabanlagen in Schlüssellochform, die noch heute in vielen Teilen Japans die Landschaft prägen, bis hin zu sehr viel bescheideneren Strukturen, wie sie gegen Ende der großen Zeit der Hügelgräber selbst für bedeutende Herrscher errichtet wurden (Abb. 3). Lange Zeit galten sie als charakteristische japanische Bestattungsform, doch in den vergangenen Jahren hat man auch auf der koreanischen Halbinsel Beispiele für schlüssellochförmige Hügelgräber gefunden. Bei früheren Beispielen befand sich die primäre Bestattung in der Spitze des Hügels, der ausladende untere Teil war eine Plattform für verschiedene Zeremonien. Viele andere Hügelgräber enthielten gewaltige, oft megalithische Grabkammern, die man durch Gänge in der Seite des Hügels betreten konnte. In China war die Bestattung von Herrschern oft von einer großen Anzahl Menschenopfer begleitet. Es gibt keine archäologischen Belege für solche Praktiken in Japan, aber Hinweise in den antiken Chroniken lassen vermuten, dass es sie so lange gab, bis der legendäre 11. Tennō, Suinin, sie dadurch ersetzte, dass er in großer Zahl Grabfiguren aus unglasiertem Ton, sog. Haniwa, aufstellen ließ (Abb. 4). Die Kofun waren monumentale Demonstrationen von Macht, mitten in der Landschaft. Von breiten Gräben umgeben und mit einer Oberfläche aus glänzenden Steinen versehen, waren sie schon von Weitem sichtbar. Goshikizuka, ein riesiges Hügelgrab in einem westlichen Vorort des heutigen Kobe, das so rekonstruiert wurde, dass es wie im 5. Jh. aussieht, sieht man sofort, wenn man vom Binnenmeer aus in den Hafen von Naniwa einfährt (Abb. 5). Überall in Japan errichteten regionale Anführer große Grabanlagen.

Ausgrabungen von Kofun stoßen auf großes öffentliches Interesse. Eines der aufsehenerregendsten Exemplare entstand in Fujinoki in der Präfektur Nara, unweit des Tempels Hōryū-ji, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Von außen wirkte dieses Grab, das ursprünglich einen Durchmesser von 48 m hatte und 9m hoch war, im Gegensatz zu den massiven schlüssellochförmigen Gräbern, wie sie in den Präfekturen Nara und Osaka in großer Zahl zu finden sind, relativ unscheinbar (Abb. 6). Mitte der 1980er Jahre stellte sich jedoch heraus, dass das Grab im Gegensatz zu so vielen anderen in der Antike nicht ausgeraubt worden war. Im Inneren einer 6m langen megalithischen Steingrabkammer stand ein sog. hausförmiger Steinsarkophag. Erste Untersuchungen, bei denen Lichtleiterkabel eingeführt wurden, um zu verhindern, dass sich durch Öffnen des Sarkophags dessen Inhalt schneller zersetzte als nötig, bestätigten, dass das Grab unberührt war. Die Grabkammer enthielt tausende Fragmente von Gegenständen aus vergoldeter Bronze, Stücke von Seidenbrokat sowie die sterblichen Überreste von mindestens zwei Personen. Die konservierten und restaurierten Grabbeigaben umfassten graue Sue-Keramik und rote, bei niedrigeren Temperaturen gebrannte Haji-Keramik, Spiegel, Perlen und außergewöhnliche, atemberaubende Gegenstände aus vergoldeter Bronze. Besonders erwähnenswert sind übergroße Grabschuhe, eine Krone und ein u. a. mit Fischen, Elefanten, Phönixen und Kaninchen verziertes Set aus Pferdegeschirr und Sattel. Es ist mit Artefakten vergleichbar, die im Nördlichen Yan-Reich im Nordosten Chinas gefunden wurden, aber nie zuvor in Japan oder Korea aufgetaucht sind. Die Bestatteten waren höchstwahrscheinlich kaiserliche Prinzen, von denen einer möglicherweise während einer berüchtigten politischen Säuberung, die auf Juni 587 n. Chr. datiert wird, ermordet wurde.

Prunkvolle Ausstattung

Eine kleine Anzahl Gräber war mit Wandmalereien auf Putz verziert. Eine der großen Herausforderungen für die Archäologen, die nach dem Tōhoku-Erdbeben im März 2011 mit der Konservierung der Ausgrabungsstätten in der Sperrzone um das havarierte Kernkraftwerk in Fukushima beauftragt waren, war die Konservierung der verzierten Gräber.

In einem ganz anderen Teil Japans, in der Region Asuka am südlichen Ende des Nara-Beckens, befinden sich zwei der berühmtesten dekorierten Gräber aus der Endphase der Hügelgräberzeit, der sich mit dem Bau der frühesten Kapitelle im chinesischen Stil überschnitt. 1972 wurde bei Ausgrabungen innerhalb des Takamatsuzuka Kofun, der 5m hoch ist und einen Durchmesser von 20 m hat, eine steinerne Grabkammer entdeckt, die aus 16 Platten aus bearbeitetem vulkanischem Tuff, einem örtlich verfügbaren Material, besteht und die man durch einen Seitengang betrat. Weitere Ausgrabungen in den 2000er Jahren enthüllten Details der Struktur: eine Reihe von dünnen, gestampften Erdschichten, zwischen denen Strohmatten platziert waren, vermutlich um die Schichten zusammenzuhalten und einen Einsturz zu verhindern, was in dieser Gegend besonders wichtig war, in der es öfter zu Erdbeben kommt, die bereits mehrere Risse in der Struktur der Grabanlage verursacht haben. Die Innenwände der Kammer waren verputzt und trugen gemalte Darstellungen von in chinesischem Stil gekleideten Höflingen und vier mythologischen Kreaturen (Abb. 7). An der östlichen Wand waren der Blaue Drache und die Sonne im Zentrum sowie zwei Gruppen von Menschen zu sehen, vier Frauen im Hintergrund und vier Männer im Vordergrund. An die westliche Wand waren der Weiße Tiger, der Mond und wieder zwei Gruppen von Menschen gemalt, Frauen auf der rechten und Männer auf der linken Seite. Alle Menschen trugen Kleidung, wie man sie von Grabmalereien aus dem Königreich Goguryeo kennt, das den Norden der koreanischen Halbinsel und einen Teil des Nordostens des heutigen China einnahm. An der nördlichen Wand befand sich die Schwarze Schildkröte, eine Kombination von Schildkröte und Schlange, auch bekannt als der Schwarze Krieger. Die südliche Wand wurde offensichtlich in der Antike durch Grabräuber beschädigt; sie trug höchstwahrscheinlich eine Darstellung des Roten Vogels des Südens. An der Decke des Grabes befand sich eine Sternenkarte, bei der die Sternbilder in Blattgold dargestellt waren, verbunden durch zinnoberrote Linien. Ähnliche Malereien kennen wir aus einem Grab in der Mongolei. In der Kammer befanden sich die Reste eines schwarz lackierten Holzsargs, in den Grabbeigaben gelegt worden waren, darunter ein kunstvoller mit Meeressäugern verzierter Spiegel, Bernsteinperlen und ein einschneidiges Langschwert. Dies war eindeutig das Grab einer sehr bedeutenden Person, möglicherweise eines kaiserlichen Prinzen.

Unweit von Takamatsuzuka liegt das kleine Hügelgrab von Kitora, etwa 3m hoch und 14 m im Durchmesser, das ebenfalls auf das späte 7. oder frühe 8. Jh. datiert. Auch hier wurde die kleine steinerne Grabkammer verputzt und mit den gleichen mythischen Geschöpfen wie in Takamatsuzuka bemalt; statt mit Menschengruppen war der untere Teil der Wände mit Tierkreisfiguren mit Tierköpfen auf menschlichen Körpern gemalt. An der Decke der Kammer fand sich wiederum eine Sternenkarte in Gold. Und wieder barg man Reste eines Sargs aus lackiertem Holz, ein Schwert und Fragmente der Knochen eines erwachsenen Mannes. Es gibt verschiedene Vorschläge, wer die Inhaber dieser Gräber waren. Zunächst galt Takamatsuzuka als Grab von Kaiser Monmu, aber schon im 19. Jh. kam man zu dem Schluss, er müsse anderswo begraben sein. Andere Kandidaten sind ein Sohn eines der letzten Herrscher des koreanischen Königreichs Baekje, ein wichtiges Mitglied des einflussreichen Mononobe-Klans, dem die alte Hauptstadt Fujiwara-kyo überlassen wurde, als die Hauptstadt nach Heijo im Norden verlegt wurde, oder einer der drei Söhne von Kaiser Tenmu. Tenmu selbst, so nimmt man an, wurde in einem separaten, achteckigen Hügelgrab ein Stück nördlich von Takamatsuzuka bestattet, das ursprünglich in Nord-Süd-Richtung 45 m lang und 9m hoch war. Dies ist eines der Gräber, die sich in der Obhut der kaiserlichen Haushaltsbehörde befinden, und daher sind wir auf Berichte aus dem Jahr 1235 angewiesen, als das Grab ausgeraubt wurde. Diese besagen, dass hinter einer Tür aus vergoldeter Bronze eine rot bemalte innere Kammer lag, die Tenmus Sarg aus lackiertem Leinen enthielt und eine Urne mit der Asche seiner Frau Jito, der ersten Person aus dem Kaiserhaus, die eingeäschert wurde. Zu den Grabbeigaben zählte ein buddhistischer Rosenkranz aus einem Kupferdraht mit Bernsteinperlen. Leider wurden die Malereien in Takamatsuzuka von Schimmel befallen, so dass sie bei den sorgfältigen Ausgrabungen im Jahr 2007 alle entfernt werden mussten und immer noch konserviert werden.

Wie lebten die Bestatteten?

Was das häusliche Leben der frühen japanischen Eliten betrifft, so ist nach wie vor vieles unklar. In anderen Teilen Japans, z. B. in Mitsudera in der Präfektur Gunma, hat man unter vulkanischen Ablagerungen, die vom Ausbruch des Haruna Mitte des 6. Jhs. herrühren, eine vornehme befestigte Wohnanlage entdeckt. An einer anderen Stelle in dieser durch den katastrophalen Vulkanausbruch verschütteten Gegend, in Kuroimine, wurden die Überreste eines Gehöfts mit Pferdekoppeln und Reisfeldern entdeckt. Gebäude werden manchmal in Form von Haniwa dargestellt, wie in Kanakurayama in der Präfektur Okayama, wo bei der Untersuchung eines großen Kofun ein Modell einer Wohnanlage der Elite gefunden wurde. In der Region Kansai gibt es keine groß angelegten Ausgrabungen von Siedlungen aus der Zeit der Kofun, aber Stätten in anderen Regionen weisen darauf hin, wie sie organisiert waren, z. B. in Irinosawa in der Präfektur Miyagi, der nördlichsten großen Siedlung aus der frühen Kofun-Zeit. Die Siedlung Makimuku in Nara wurde zwar nur stückweise ausgegraben, wenn kleine Grundstücke zur Bebauung zu Verfügung standen, aber sie lieferte dennoch Belege für größere, palastähnliche Gebäude. Sie lag im Zentrum von Tauschnetzwerken, die sich über ganz Westjapan erstreckten, und besaß Handwerkerviertel mit spezialisierten Werkstätten, wie wir sie auch aus regionalen Zentren aus der Yayoi- Zeit kennen. Als die Nachfrage nach Eisen für Waffen und landwirtschaftliche Geräte zunahm, entwickelten sich spezielle Stätten, wo in großem Maßstab Eisen verarbeitet wurde, beispielsweise in den Kofun-Clustern Kamiya und Kajiyasako in der Präfektur Okayama. In der Nähe der Kofun wurden große Brennöfen errichtet, in denen Haniwa (wie in Nita in der Präfektur Saga) und graue Gefäße aus Sue-Keramik gebrannt wurden, einer neuen, von der koreanischen Halbinsel eingeführten Technologie, bei der man bei langwierigen Brennvorgängen Temperaturen von über 1000 °C erreichte; ähnliche Prozesse verwenden die Töpfer in Japan heute noch. Die meisten Gefäße aus Sue-Keramik waren dazu gedacht, als Bestandteil der Bestattungsriten im Kofun beigesetzt zu werden.

Haniwa bieten einen hervorragenden Einblick in verschiedene Aspekte des Lebens zur Zeit der Kofun (vgl. Abb. 4). In einigen Gegenden wurden insbesondere in der späteren Kofun-Zeit Haniwa in Menschengestalt um die Gräber herum aufgestellt, darunter Darstellungen von Kriegern, Schaustellern, Höflingen, möglicherweise sogar Sumo-Ringern und kürzlich im Kabutozuka-Kofun in Tochigi zwei Weberinnen. Trotz der aktuell ziemlich schlechten Bilanz Japans, was die Gleichstellung der Geschlechter angeht (bis hin zum Verbot für Frauen, den Chrysanthementhron zu besteigen), übten zumindest in der Kofun-Zeit einige Frauen Macht aus, wie das Grab einer Angehörigen der Elite im Kofun Inuyama-Tenjinyama in der Präfektur Tokushima auf der Insel Shikoku zeigt, und Kaiserinnen spielten im alten Japan eine wichtige Rolle.

Adresse des Autors

Prof. Dr. Simon Kaner Executive Director and Head of Centre for Archaeology and Heritage Sainsbury institute Centre of Japanese Studies 64 The Close GB-norwich nR1 4DH

Übersetzung

Dr. Cornelius Hartz, Hamburg

Bildnachweis

Abb. 1: sazanka; 2: Peter Palm, Berlin; 3: nisseikikaku; 4: akg-images / De Agostini Picture lib. / G. Dagli orti; 5: Toru Kimura; 6: beibaoke; 7: akg-images / Pictures From History.

Literatur

T. KnoPF / W. STEinHAuS / S. FuKunAGA (Hrsg.), Burial Mounds in Europe and Japan (2018).

T.M. loo, The politics of Japan’s use of World Heritage: from ratifying the World Heritage Convention to the Mozu-Furuichi tumulus clusters, in: A. Rots / M. Teeuwen (Hrsg.), Sacred Heritage in Japan (2020) 18−43.

J. PiGGoTT, The Emergence of Japanese Kingship (1997).