Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Ein Tanz für die Unsterblichkeit


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 90/2021 vom 16.08.2021

DRESSUR

Artikelbild für den Artikel "Ein Tanz für die Unsterblichkeit" aus der Ausgabe 90/2021 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Der Moment, in dem die Wertung von Isabell Werth kam und klar war: Das ist Gold! Jessica von Bredow-Werndl

JESSICA VON BREDOW-WERNDL

Golden Girls

Jahrgang 1986, lebt in Aubenhausen bei Rosenheim und kommt aus einer sportlichen Familie. Ihr Vater wäre 1972 beinahe als Olympia-Segler dabei gewesen, ihre Mutter war als Juniorin in der Ski-Nationalmannschaft. Als Juniorin und Junge Reiterin gewann Jessica von Bredow -Werndl u. a. vier EM-Goldmedaillen. Seit 2009 wird sie von der Schweizerin Beatrice Bürchler-Keller unterstützt. Sie war fünfmal für das Weltcup-Finale qualifiziert, ritt 2015 bei den Europameisterschaften, gewann 2018 WM- und 2019 EM-Gold mit der Mannschaft und ist Deutsche Meisterin. Die Trakehner Stute Dalera, über Vater Easy Game eine Halbschwester zum Hengst Millennium, aus der Zucht von Silke Druckenmüller kam 2015 zu ihr. Mit ihrem Mann Max hat Jessica von Bredow-Werndl einen Sohn, Moritz.

So selbstverständlich wie sich das Fazit aller drei Prüfungen in Tokio liest (siehe Seite 34), ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von St.GEORG. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 90/2021 von Was bleibt von Olympia?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was bleibt von Olympia?
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von Pferd des Monats. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Pferd des Monats
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von Trauer um Dr. Björn Nolting. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Trauer um Dr. Björn Nolting
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von Medaillenregen bei Nachwuchs-EM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Medaillenregen bei Nachwuchs-EM
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von Auslaufmodell Stutenschau?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Auslaufmodell Stutenschau?
Vorheriger Artikel
Namen des Monats
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Germany –grandioses Gold
aus dieser Ausgabe

... war die Goldmedaille von Jessica von Bredow-Werndl und Dalera nicht. Nach dem deutschen Teamgold hatte Isabell Werth die Jagd für eröffnet erklärt.

La La Land, das Musical-Märchen, und Jessica von Bredow-Werndl und Dalera BB – das war das kompletteste Paket der Nacht in Tokio. „Jessica und Dalera, das geht nicht einzeln, das gehört unbedingt zusammen, das ist diese Entwicklung, wenn ein Paar derart zusammenwächst und sich gegenseitig vertraut“, brachte Bundestrainerin Monica Theodorescu auf den Punkt, worin die nochmalige Leistungssteigerung der Trakehner Easy Game-Tochter begründet ist. So beschwingt, wie das Liebespaar in La La Land vor der nächtlichen Kulisse von Los Angeles (USA) tanzt, schwerelos, leicht, schwebend, ohne Grenzen, so entrückt ritten „Jessi“ und ihre „Queen“ sich in das Geschichtsbuch des Reitsports.

Für die Statistiker: In der A-Note lag Dalera in den Noten mit Multiplikator zwei (zwei Pirouetten (9,0/8,5), Piaffen (9,64), Passagen (9,14)) lediglich in der Linkspirouette hinter Bella Rose (8,71). In der B-Note, künstlerischer Eindruck, gab es im Schwierigkeitsgrad im Durchschnitt einen Hundertstel Punkt mehr für Isabell Werth, in der Choreographie acht Hundertstel. In Sachen Takt, Schwung und „Energie“ lag Dalera bei 9,18, Bella Rose bei 8,64. In Harmonie stand es 9,91 zu 9,58 und bei der Interpretation der Musik war es eng: 10,0 für die Olympiasiegerin, 9,92 für Isabell Werth, die damit ihre zwölfte Olympische Medaille, das fünfte Silber gewann. Mit sieben Gold-medaillen ist sie an Dr. Reiner Klimke vorbeigezogen als erfolgreichste deutsche Olympiareiterin.

„Ich habe gedacht am Ende, vielleicht hat’s gereicht, aber egal, ich war einfach nur glücklich über diese Prüfung!“

Isabell Werth über Bella Rose

Sie hätte gerne Gold gewonnen, aber dass die achte Medaille sie gleichauf mit der Kanutin Birgit Fischer gebracht hätte, interessiert nur Sportreporter: „Wenn du dann rausgehst und sagst, es war so, ich wüsste nicht, was ich hätte anders, besser, machen können, dann bin ich total happy und zufrieden, dass es Silber ist“.

Abschied von „Bella“

Es war die letzte Prüfung von Bella Rose. Ein letztes Mal durften Richter angesichts der weit greifenden Traversalen überlegen: 9 oder 10? Das letzte Mal die Fächerpiaffe zur italienischen Opernarie. Zum letzten Mal dieses triumphierende Gesicht der Belissimo M-Tochter, wenn sie sich aus der Piaffe-Pirouette in die Passage gen Schlussgruß herausgleiten ließ.

Die Westfalen-Stute wird nun verabschiedet, die Rente genießen und idealerweise Mutterfreuden entgegenblicken.

Die Überraschungen

Die Britin Charlotte Dujardin gewann überraschend Bronze. Ihr Gio, klein von Statur, wuchs über sich selbst heraus.

Wie die Britin es schafft, Pferde in Balance zu halten, ist bewundernswert. Ein gewisser Promibonus mag ihr aber geholfen haben. Der Apache-Sohn, zehn Jahre jung, vermag nicht wirklich versammelt zu galoppieren. Was Dujardin dann aber im forschen Vorwärts alles bewerkstelligte – Chapeau!

(Bronze-)Medaillengewinnerin der Herzen war die für die USA reitende Sabine Schut-Kery mit dem Hannoveraner Sanceo v. San Remo. Ihre Biografie ist anders: jugendliche Pferdebegeisterung, das Leben – ein Ponyhof. Kompliment und Steigen wichtiger als Skala der Ausbildung. Friesen und Pferdemusical „Zauberwald“, das war ihre Welt. Dann entschied sie sich für eine Ausbildung bei Jean Bemelmans. Über einen Friesen, den sie in die USA verkaufte, kam sie nach Amerika, nach Texas. Das war 1998, seit 2007 ist sie US-Bürgerin.

Heute lebt sie mit ihrem Mann, einem erfolgreichen Stuntman, der schon seinen Kopf für Orlando Bloom, Colin Farrell und Antonio Banderas hingehalten hat, in Kalifornien. Sanceo hat sie als dreimal gerittenes Pferd in Deutschland entdeckt. Der Wallach war an Leichtigkeit und feiner Anlehnung kaum zu überbieten, seine Piaffen und Passagen eine Augenweide. Platz fünf mit 84,3 Prozent, knapp vor dem Niederländer Edward Gal – der reiterlich auf das krasse Gegenteil setzte – waren für das Paar ein furioses Finale beim Championatsdebüt.

„Ich habe, als ich geweint habe, gemerkt, dass ich es doch so sehr wollte“

Jessica von Bredow-Werndl

Cathrine Dufour und Bohemian wurden als beste Dänen Vierte. Hatten die Küren der sportlichen Skandinavierin sonst immer einen modernen Touch, Hits aus den Charts, setzte sie diesmal auf das Musical Les Miserables mit Streichern, Bläsern und Gesang. Diese orchestrale Beliebigkeit, die mit der Totilas-Kür, die Gal immer noch reitet, vor 15 Jahren Einzug in die Dressur genommen hat, ist eigentlich ein Auslaufmodell.

Pech hatten Dorothee Schneider und Showtime. Sie begannen so, dass Freddie Mercury vermutlich im Himmel eine Flasche Schampus köpfte und von oben live sein „The Show must go on“ mitschmetterte. Doch im Galopp zog der Hannoveraner die Zunge hoch, es kam zu Fehlern, sodass für das tolle Paar diesmal leider nicht mehr als Platz 15 drin war, schade!

Autor Jan Tönjes

Die Kür von Dalera hat ihn einmal mehr fasziniert. Aber eines stört: „Ich habe noch drei Tage später La La Land unter der Dusche gesungen.“