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Ein Wettbewerb mit Folgen


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Ratgeber Frau und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 28.01.2022

Am Tag des Wettbewerbs war Katrin doch nervöser, als sie es jemals erwartet hätte. Sie stand in ihrer strahlend weißen und gestärkten Uniform vor ihrem Tisch, auf dem sich neben den Backutensilien ein Umschlag befand mit den Anforderungen für den Wettbewerbskuchen.

Sie vertrat ihren Betrieb, die Konditorei Seemann, beim Wettbewerb „Konditor der Jahres“. Es war eine Auszeichnung, hier mitmachen zu dürfen. Man konnte sich nicht bewerben, die Teilnahme erfolgte nur dank einer Nominierung.

Von den anderen vier Kandidaten waren bisher nur drei anwesend.

Vor dem für die Konditorei Tortenparadies reservierten Tisch herrschte nach wie vor gähnende Leere. Katrin überlegte, ob der größte Konkurrent etwa kneifen würde, als ein dunkelhaariger, groß gewachsener Mann hereinkam. Er sah schlecht gelaunt aus und grüßte kaum.

Katrin musste zweimal hinsehen und konnte es nicht fassen: Hannes! Hannes Wagner, einer der ...

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Bildquelle: Ratgeber Frau und Familie, Ausgabe 2/2022

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... beiden Brüder, die vor einigen Wochen das Tortenparadies von ihren Eltern übernommen hatten. Aber das war ja nicht das Schlimme daran. Das Schlimme war, dass Hannes Wagner so ziemlich der eingebildetste Mensch war, der ihr je im Leben begegnet war. Nun, das konnte ja heiter werden. Ach, was sollte es – sie durfte hier ihr Können zeigen und nur das zählte.

„Gewonnen hat in diesem Jahr das Tortenparadies“, lauter Applaus folgte, der nicht verstummen wollte, und die Gesichter der Seemanns bekamen einen enttäuschten Ausdruck. Von links und rechts kamen Gratulanten zu Hannes, klopften ihm auf die Schulter. Doch er schien sich überhaupt nicht zu freuen. Fast lustlos ging er auf die Bühne und sagte ausschließlich: „Danke“. Katrin war fassungslos, wie undankbar er war. Der Vorsitzende wandte sich wieder den Zuschauern zu: „Doch wie erwähnt, wir haben zwei Gewinner in diesem Jahr. Mit der gleichen Punktezahl hat auch die Konditorei Seemann gewonnen!“

Katrins Gesicht glühte, als sie in Richtung Bühne eilte. Überglücklich nahm sie ihre goldene Statuette in Form einer Torte entgegen. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist eine wunderbare Überraschung und ein Beweis dafür, was für ein hervorragender Betrieb die Konditorei Seemann ist. Vielen Dank!“ Ihr war nicht entgangen, wie entnervt Hannes geschaut hatte.

Nach der Preisverleihung versammelten sich die Gäste zu einer Feier in der großen Marmorhalle, wo alle die Backwerke erst bewundern und später auch kosten durften. Katrin sah, wie Hannes auf einen der Balkone ging und folgte ihm. „Sag mal, was ist eigentlich los mit dir? Wenn du auf das Ganze keine Lust hast, dann geh doch heim und hör auf, allen die Laune zu verderben.“ Er sah sie mit großen Augen überrascht an und antwortete patzig: „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“ Er drehte sich auf dem Absatz um. Sie sah ihn den Rest des Abends nicht mehr.

Katrin plagten Gedanken an die Konditorei

Am nächsten Morgen wurde Katrin in der Backstube mit Applaus empfangen. „Halt!“, rief sie allen zu. „Das war nur möglich, weil ich die besten Lehrer hatte.“

„Unsinn, weil du sehr talentiert bist!“ Frau Seemann strahlte über das ganze Gesicht und hielt Katrin die Morgenausgabe der Zeitung vors Gesicht. Ein großer Beitrag über den Wettbewerb wurde von einem Foto gekrönt, auf dem die Teilnehmer vor ihren Torten zu sehen waren. Katrin stand genau in der Mitte und war am deutlichsten zu erkennen. Doch viel mehr noch: „Katrin Falk von der Konditorei Seemann backt gegen vier Mitstreiter an“, lautete die Bildunterschrift. Was für eine Werbung für den Betrieb!

Am Nachmittag kam Frau Seemann auf Katrin zu. Ihr Gesicht hatte einen verschwörerischen Ausdruck. „Katrin, du weißt doch, dass Onkel Johannes am Wochenende seinen Geburtstag feiert.“

Onkel Johannes war der Bruder von Herrn Seemann senior. Niemand nannte ihn bei seinem Nachnamen, er stellte sich jedem grundsätzlich auch nur als Onkel Johannes vor.

„Was hältst du davon, eine Torte für ihn zu backen, die etwas mit seinem Beruf zu tun hat?“

Onkel Johannes war Uhrmacher gewesen, einer mit Leib und Seele. Solange es seine Augen zugelassen hatten, hatte er noch im Ruhestand für Freunde und Bekannte alte Uhren repariert und instandgesetzt. Sogar Katrin hatte er mal zum Geburtstag ein zauberhaftes Stück geschenkt, das er auf dem Flohmarkt gefunden und wieder auf Vordermann gebracht hatte. „Ja natürlich. Das mache ich gerne“, stimmte Katrin sofort zu. Da würde sie sich etwas einfallen lassen. Ganz bestimmt. Jetzt hatte sie schließlich auch einen Ruf zu verlieren. Außerdem mochte sie den älteren Herrn. Sie überlegte sich die Basis, Füllung und Form. Es würde ein Schokoladenkuchen werden, mit Kaffeefüllung und in Form einer Kaminuhr. Am Tag vor der Feier machte sie sich an die Arbeit, viele Stunden lang. Das Ergebnis war eine Wucht – das musste sie selbst sagen. Aus Marzipan hatte sie kleine Holzschnitzereien nachgeahmt und jetzt blieb nur noch das Zifferblatt übrig. Sie klebte den großen und den kleinen Zeiger dran. Hier hatte sie sich etwas Besonderes einfallen lassen: Dort, wo eigentlich die Drei stehen sollte, prangte jetzt eine große 85 und Katrins Uhr zeigte die volle Stunde 85 an.

„Katrin, wie schön der Kuchen geworden ist.“ Katrin zuckte zusammen. Sie hatte Frau Seemann gar nicht bemerkt. Frau Seemann hatte Katrins Einfall entdeckt und lächelte.

„Katrin, ich will mit dir sprechen.“ Die junge Frau sah überrascht ihre Chefin an und erst jetzt fiel ihr auf, dass Frau Seemann, die für ihre 65 Jahre so jung ausgesehen hatte, plötzlich sehr gealtert zu sein schien. Ihr Gesicht wirkte eingefallen und um ihre Augen hatten sich zahlreiche Falten gebildet, die vorher nicht da gewesen waren.

„Wir sind in einem Alter, in dem wir an Ruhestand denken, aber leider haben wir keine Kinder. „Du bist ein großes Talent und wir haben volles Vertrauen in dich. Willst du nicht die Konditorei übernehmen?“

Katrin hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit. Sie? Sie sollte einen Betrieb mit zehn Mitarbeitern übernehmen? Wann sollte sie dann noch backen? Das war doch das, wofür sie lebte. Du musst nicht jetzt antworten. Überleg es dir und gib uns Bescheid.“

Auf dem Nachhauseweg war Katrin so sehr in Gedanken versunken, dass sie gar nicht bemerkte, wie sie vor ein Fahrrad lief. Der Fahrer bremste zu scharf und stürzte. „Haben Sie keine Augen im Kopf ?!“, rief er barsch. Und als Katrin ihm half aufzustehen, stellte sie fest, dass es Hannes war. „War dieser Mensch denn überall?“, dachte sie.

Da muss wohl ein Fehler passiert sein

„Tut mir leid“, sagte sie zu ihm. „Das bringt mir auch nichts. Meine Hand blutet. Du bist ja eine Gefahr für den Straßenverkehr!“, schimpfte er. Katrin schaute empört auf das Fahrrad. Es lag weit weg vom vorgeschriebenen Weg. „Also, hör mal, du bist nicht auf dem Radweg gewesen. Du bist die Gefahr.“ Sie drehte sich um und ging.

Abends konnte Katrin nicht einschlafen. Sie war wieder aufgestanden, hatte heiße Milch getrunken, einen Käsekuchen fast zur Hälfte gegessen, ein Buch gelesen und war um drei Uhr morgens noch immer wach. Auch sie plagten Gedanken an die Konditorei. Wenn sich keiner fand, der den Betrieb übernahm, mussten die Seemanns ihn verkaufen – „und wer weiß, was für eine Backbude sie dann daraus machen“, würde Herr Seemann dann wieder schimpfen. Oder, was noch schlimmer schien, sie würden schließen müssen.

Die Seemanns waren seit über vierzig Jahren ein perfektes Team. Aber Katrin fühlte sich mit ihren 35 Jahren einfach zu jung, um einen Betrieb ganz allein zu führen. Wenn sie wenigstens jemanden an ihrer Seite hätte, der ihr Mut und wenn nötig Rat zusprechen würde. Jemanden, der so clever war wie Robert, nur netter und ehrlicher; einer, dem sie nicht einen Korb geben musste, weil er nur an sich selbst dachte. Doch leider war ihr, seit Robert vor einem Jahr ausgezogen war, noch niemand begegnet, der auch nur ansatzweise nett gewesen wäre. Grübelnd schlief sie irgendwann ein.

Am Nachmittag fuhr Katrin ihre Kuchen-Uhr persönlich zum Schlosshotel am Stadtrand, wo die Feier für Onkel Johannes stattfinden sollte, und wollte bleiben, bis der Kuchen angeschnitten war. Diese Überraschung würde sie sich nicht entgehen lassen. Sie parkte das Auto und hob vorsichtig den Karton mit der Torte aus dem Wagen. Dabei sah sie sich um, ob Onkel Johannes nicht irgendwo auftauchte. Doch die Feier war bereits in vollem Gange, daher war die Wahrscheinlichkeit eher gering.

Sie sprang ins Hotel und gab die Torte an der Rezeption ab. Es war bereits geklärt, dass der Kuchen nach der Rede von Herrn Seemann hineingeschoben werden sollte. Das wäre in ungefähr 30 Minuten. Katrin nahm ihr Kleid aus dem Auto und ging sich umziehen.

Auf dem Weg zum Waschraum ging sie an einem Schild vorbei, das auf eine andere Veranstaltung verwies: „100-Jahr-Feier“.

Nachdem sie sich umgezogen hatte, schlich sie leise in den Saal. „… und so wollen wir alle, lieber Johannes, heute mit dir feiern. Und, da wir alle wissen, wie groß deine Leidenschaft für deinen Beruf war, haben wir für dich etwas ganz Besonderes zubereitet.“ Herr Seemann gab das Zeichen, die Torte könne kommen. Katrin stand am Eingang zum Saal und schaute gespannt auf Onkel Johannes, der sichtlich gerührt neben seinem Neffen stand. Einer der Kellner schaltete das Licht aus und ein Walzer ertönte. Ein Sektkorken knallte, alle applaudierten und das Licht ging wieder an.

Der Applaus verhallte ein wenig, Herr Seemann stand mit der offenen Sektflasche in der Hand und einem Glas vor einem großen braunen Hund aus Biskuit. Onkel Johannes ging um die Torte herum und sah irritiert zu seinem Neffen.

„Nein, das ist die falsche!“, rief Katrin und alle Köpfe drehten sich in ihre Richtung. „An der Rezeption muss ein Fehler passiert sein“, sagte Katrin hastig und schob den Wagen mit dem braunen Hund wieder heraus. „Das ist mir fürchterlich unangenehm“, stotterte der Mann an der Rezeption, der sich offensichtlich gerade bei einem dunkelhaarigen Herrn entschuldigte. „Das kann ja mal passieren“, beschwichtigte dieser und drehte sich zum Gehen um, als er Katrin sah. „Ach, Sie haben unseren Hektor!“, rief er froh.

Katrin blickte ihn erstaunt an. „Der Kuchen, das ist Hektor“, erklärte er. „Der erste Hund in unserem Hundeverein. Wir feiern heute das 100-jährige Bestehen.“ Katrin schob den Wagen zu ihm. „Ist Ihnen bei der Gelegenheit vielleicht eine Kaminuhr in die Hände gefallen?“, fragte Katrin und hoffte inständig, dass die Torte noch ganz war. „Oh ja, sie steht dort. Ich wollte sie gerade abholen lassen.“ Er zeigte auf eine offene Tür. Zum Glück, dachte Katrin, und lief in den Raum, aus dem Stimmengewirr kam. Sie atmete richtig auf, als sie auf einem Tisch ihre Torte sah. Mehrere Personen standen um sie herum, und als einer der Gäste sich umdrehte – um Himmels willen, was sah sie da?! –, hatte er auf dem Teller ein großes Stück Schokoladentorte mit Kaffeecreme-Füllung. Genüsslich schob er sich eine voll gehäufte Gabel in den Mund und versicherte allen, wie köstlich der Kuchen wäre. Katrin wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen. Sie lief nach vorn und stellte sich schützend vor ihre Torten-Uhr. „Niemand fasst den Kuchen an!“, rief sie und die Gäste schauten sie erstaunt an. „Das ist nicht Ihr Kuchen!“ „Wie – was – warum?“, fragten die Gäste durcheinander.

„Hat Ihnen denn niemand gesagt, dass es eine Verwechslung gab?“ Das war doch zum Verzweifeln. Ihre so sorgfältig ausgearbeiteten Verzierungen waren zerstört! Betrübt schauten die Gäste auf das klaffende Loch im Biskuitsockel und der Mann, der gerade noch den Kuchen gelobt hatte, schaute schuldbewusst auf seinen Teller. Katrin schob den Wagen hinaus und als sie vor der Tür das Desaster betrachtete, sagte eine männliche Stimme: „Komm, das kriegen wir wieder hin.“ Hannes! Schon wieder. Warum nur tauchte dieser Mensch überall auf ? Sie hatte wahrlich schon genug Sorgen. Neben Hannes stand immer noch der Wagen mit Hektor, den gerade einer der Kellner in den richtigen Raum schieben wollte.

Hannes schnappte sich den mit braunem Fondant überzogenen Napf, der neben Hektor stand, nahm den mit weißer Schokolade überzogenen Kuchenknochen heraus und legte ihn zurück neben den Hund. Den Wagen mit Katrins Kuchen schob er eilig in Richtung Küche.

Dort entfernte Hannes vorsichtig den Fondant vom Napf, der glücklicherweise nahezu die gleiche Farbe hatte wie die Kaminuhr-Torte. Einen Teil des Fondants gab er Katrin. „Hier schneide du die Verzierungen zurecht.“ Er selbst schnitt das Biskuit vom Napf auf die Größe der Lücke zu, drückte es rein und bedeckte es, so gut es ging, mit dem braunen Fondant. Katrin platzierte die Verzierungen darauf. Sie musste zugeben, wer nichts von dem Zwischenfall wusste, dem würde schwerlich etwas auffallen. „So, und jetzt raus mit dem Kuchen, wohin er gehört“, sagte Hannes zu dem Kellner. Katrin und Hannes verließen langsam die Küche und achteten darauf, dass der Kellner dieses Mal die richtige Tür nahm. „Danke“, sagte Katrin und streckte versöhnlich ihre Hand aus. „Ist doch selbstverständlich“, antwortete Hannes freundlich und drückte ihre Hand. In diesem Augenblick verließ Herr Seemann den Festsaal und sah erstaunt zu Hannes. „Nanu, Hannes. Was machst du denn hier?“ Katrin sah ihn an. „Ja, genau. Was machst du hier eigentlich?“ Er lachte. „Ich habe einen Auftrag für den Hundeverein abgegeben und einen alten Kollegen getroffen. Wir haben uns lange nicht gesehen und hatten uns einiges zu erzählen. Zum Glück.“ Er zwinkerte Katrin zu.

Katrins Herz raste wie ein Sekundenzeiger

„Wo ihr beide schon mal hier seid. Ich hätte da was vorzuschlagen.“ Er warf beiden einen bedeutungsvollen Blick zu. „Nun ja, meine Frau und ich haben uns nicht abgesprochen gehabt, bevor wir … Also: Du Katrin würdest den Betrieb übernehmen, wenn du die Leitung der Backstube hättest. Stimmt’s? Du Hannes willst mit der Backstube nichts zu tun haben und lieber für die Organisation zuständig sein. Oder?“ Er sah zwischen den beiden hin und her, die nicht wussten, was er ihnen eigentlich sagen wollte. „Also, was haltet ihr davon, euch zusammenzutun?“ Katrin war perplex. „Aber was ist mit dem Tortenparadies?“, fragte sie sofort und wusste selbst nicht recht, an wen von beiden sich die Frage richtete. „Dort bin ich gänzlich ausgestiegen. Mein Bruder und seine Frau werden den Betrieb alleine weiterführen.“ Katrin wusste nicht, was sie sagen sollte. „Warum hast du denn dann bei dem Wettbewerb mitgemacht?“ Sie sah ihn an und auf einmal schienen seine dunklen braunen Augen sie freundlich anzulächeln. „Ich hatte es meinem Bruder zugesagt, bevor klar war, dass ich aussteigen werde. Und um es klarzustellen: Ich hasse Backen.“ Zum ersten Mal lachte er herzhaft auf. „Herr Seemann und ich sind schon länger im Gespräch, aber ich hatte gesagt, ich übernehme den Betrieb nur dann, wenn ich nichts mit der Backstube zu tun haben werde. Und Frau Seemann hatte dich im Auge. Aber du hattest eben deine Bedingungen.“ Vielleicht war Hannes doch netter, als sie immer gedacht hatte. Sie schaute in seine Augen und er zwinkerte ihr zu. „Eigentlich sind wir doch ein ziemlich gutes Team, oder?“ Dabei legte er seinen Arm um sie und strahlte sie an. Ihr Herz raste wie ein Sekundenzeiger, als sie sagte: „Zumindest scheinen wir uns hervorragend zu ergänzen. Wir sollten das mal genauer besprechen.“ „Wenn das so ist: Was hältst du davon, wenn ich dich zum Abendessen einlade. Ich bin nämlich auch ein ziemlich guter Koch. Aber du bringst den Nachtisch mit.“ Sie musste nicht antworten. Ihr strahlendes Lachen sagte alles.