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EINANDER BESSER VERSTEHEN – MIT DER VIER-FARBEN-METHODE


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 17.03.2022

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Bildquelle: Grazia, Ausgabe 12/2022

HABEN SIE SCHON MAL MIT IHRER MUTTER, EINER FREUNDIN ODER EINEM KOLLEGEN GESPROCHEN – und hatten Sie hinterher (womöglich noch während der Unterhaltung) das ungute Gefühl, dass Sie gegen eine Wand reden? Dass man Sie nicht versteht? Oder schlimmer noch: einfach nicht verstehen will? Vermutlich ist Ihnen das sogar mehr als einmal passiert, stimmt’s?

Dann sind Sie richtig bei diesem Artikel, der sich damit beschäftigt, was für ein schwieriges, unfassbar komplexes Unterfangen zwischenmenschliche Kommunikation ist. Oft geht sie leider voll in die Hose. Wie kann es also gelingen, dass Missverständnisse, Fehlinterpretationen und Unzufriedenheit schon bald ein Ding der Vergangenheit sind? Das wichtigste Tool dabei: eine Methode, die der US-Psychologe William Moulton Marston (1893-1947) bereits in den Golden Twenties entwickelte und 1928 in seinem Buch „Emotions of Normal People“ vorstellte. Bis heute ...

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... nutzen Fachleute im Bereich der Psychologie und Psychotherapie Marstons sogenannte Vier-Farben-Methode, auch Life-Coaches wenden sie seit Langem erfolgreich an.

Das Puzzle mit den Farben Rot, Grün, Blau und Gelb, dass Sie auf der linken Seite sehen, symbolisiert die vier Persönlichkeitstypen, die dem Psycho-Doc zufolge (der nebenher auch Comics zeichnete – unter anderem erfand er Wonder Woman, die erste Superheldin überhaupt) die gesamte Menschheit ausmachen. Der rote Typus ist energiegeladen, autoritär und selbstsicher, grüne Zeitgenossen sträuben sich gegen Veränderungen, sind schweigsam, aber empathisch, blaue sind

Der Mann, der die Comic-Heldin Wonder Woman er fand, war Psychologe – und hat vor fast 100 Jahren eine Methode entwickelt, die Kommunikation verbesser t, Psycho-stress verminder t, das Miteinander fördert. Und ja, sie funktionier t auch heute noch – besser denn je. Hier steht, wie es geht

Control Freaks und gelbe eher Sensibelchen. Na, haben Sie sich erkannt? Wüssten Sie auf Anhieb, welcher Farbe Sie sich zuordnen müssen? Nun, dann wäre der erste Schritt ja getan. Zu erkennen, wie man selbst gestrickt ist und wie sein Gegenüber, befand Dr. Marston, erleichtert uns die Kommunikation mit Menschen um ein Vielfaches, die wenig bis gar nichts mit uns gemeinsam haben. Kurze Zwischenbemerkung: Sollten Sie Mühe gehabt haben, sich einer Farbe zuzuordnen, ist das keineswegs beunruhigend; die Erfahrung zeigt nämlich, dass die meisten Menschen sich gleich zwei Farben zuordnen. Letztlich könnte man also von insgesamt zehn Persönlichkeitsprofilen sprechen.

Nach Marstons Erkenntnissen – seine Typologie wird in Deutschland auch als DISG-Modell bezeichnet = Dominanz, Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit – benutzt jeder Typus seine ihm eigene Sprache, und deshalb kommen die Worte, die man im Lauf einer Unterhaltung formuliert, nicht unbedingt exakt so beim Gesprächspartner an, wie man sie meinte und wie sie eigentlich für den Adressaten gedacht waren. Nur ein Beispiel: Wenn alles, was Sie sagen, ernst gemeint ist, ihr Gegenüber seine Beiträge aber gern mit scharfer Ironie spickt, sind Schwierigkeiten programmiert. Jeder von uns nimmt die Realität (wozu natürlich auch Sprache gehört) mit seinem Wesen wahr – sprich: durch höchst individuelle Filter –, und deshalb muss die Wahrheit des einen noch lange nicht der des anderen entsprechen. Wir sähen es gern, wenn andere so mit uns sprächen, wie wir es mit ihnen tun – die aber wiederum am liebsten Worte hören, die sie selbst benutzen würden. Klingt nach einem schier unauflöslichen Dilemma. Und es besteht natürlich auch die Gefahr, dass man sich total verleugnet, weil man dem anderen um jeden Preis „gefallen“ und so die Kommunikation erleichtern will. Wobei das auch keine Lösung wäre.

Was nicht schaden kann, ist, seine emotionale Intelligenz zu steigern, indem man sich mit den verschiedenen Persönlichkeitstypen vertraut macht und zu begreifen lernt, wie man sie nehmen muss. Allerdings sollte man sich selbst und die eigenen Bedürfnisse dabei auf keinen Fall ignorieren oder gar verleugnen. Nur auf andere zu hören und nicht auf sich selbst, wäre ein großer Fehler. Wobei die Gefahr der absoluten Selbstverleugnung ohnehin am ehesten nur bei „grünen“ Persönlichkeiten besteht, die Konflikte bekanntlich tunlichst meiden und sich deshalb sehr gern mal verbiegen.

Zuletzt ein konkretes Beispiel, wie die Kenntnis um das DISG-Modell zwischenmenschliche Kontake verbessern kann. Stellen Sie sich vor, im Job arbeiten Grün (ruhig und ausgeglichen) und Rot (aktiv und erfolgsorientiert) zusammen. Spontan dürften die Eigenschaften des einen dem anderen zunächst negativ aufstoßen, besteht die Gefahr, dass Rot über Grün triumphiert. Wenn man jedoch um die Motivationen und Beweggründe weiß, die sich im Verhalten und der Kommunikation des anderen ausdrücken, wächst das gegenseitige Verständnis. Sieht man anfangs nur die Unterschiede, gelingt es zunehmend, diese zu schätzen. Und zu erkennen, dass sie sich sogar ergänzen. Denn letztlich trägt jede Farbe ihr Teil zum Gesamtpuzzle bei. ■

WARUM MISSVERSTEHEN WIR UNS SO HÄUFIG?

Wie kommt es, dass zwischen dem, was jemand sagt und was sein Gegenüber versteht, oft eine riesige Diskrepanz besteht? Missverständnisse resultieren aus nicht klar kommunizierten Wün-schen und Bedürfnissen. Wir Menschen sagen häufig nicht di-rekt und deutlich, was wir meinen. Manchmal, weil wir uns nicht trauen. Oft allerdings, weil wir glauben, dass unser Gegenüber uns doch verstehen muss. Doch jeder kommuniziert so, wie er es gelernt hat, wie er es gewohnt ist und wie es ihm am leichtesten fällt. Kommunikation ist immer auch nonverbal. Das bedeutet, dass auch nichts sagen oder tun eine Botschaft sendet. Jedes Verhalten ist Kommunikation, die von ande-ren interpretiert wird.

Gibt es Unterschiede zwischen (Fehl-)Kommunikation im Job und im Privatleben?

Nein, das denke ich nicht. Vielmehr glaube ich, dass die Unterscheidung zwischen Berufs-und Privat-leben nicht hilft und nicht real ist. Wir sind immer dieselbe Person, ob im beruflichen oder privaten Umfeld. Ob wir (miss-)verstanden werden oder nicht, hängt von unserer Fähigkeit zur klaren Kommunikation und von unserem Gegenüber ab.

Wie finden wir denn heraus, welchem Farbkreis und damit welcher Persönlichkeit jemand zuzuordnen ist?

Das Vier-Farben-Modell basiert auf der Unterteilung in Sach-und Menschenorientierung und der Typenlehre, die von dominanter, initia-tiver, stetiger und gewissenhafter Verhaltensweise ausgeht. Es gibt verschiedene Versionen und demnach Tests, die die Ausprägung der vier Farben in der eige-nen Persönlichkeit aufzeigen. Viele davon sind im Internet frei verfüg-bar. Wichtig ist zu verstehen, dass jeder Mensch Anteile von jedem Typ in sich trägt. Diese sind jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt, und so tendieren wir eher zum einen oder anderen Verhalten.

Nehmen wir an, zwei miteinan-der sprechende Menschen besitzen – nach dem Vier-Farben-Modell – konträre Persönlichkeiten, also die rote Auto-ritätsperson vs. den blauen Control Freak. Was können/ müssten diese beiden tun, damit sie sich (besser) verstehen?

Wie gesagt, ist niemand nur einem Typ zuzuordnen. Um einander zu verstehen, ist es wichtig, sich seines eigenen bevorzugten Verhal-tens bewusst zu sein. Außerdem sollte man sich ins Bewusstsein rufen, dass andere Menschen anders ticken. Der beste Tipp, den ich geben kann, ist: Hören Sie genau hin, was Ihr Gegenüber sagt – und fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind, ob Sie ihn richtig verstanden haben. Leider neigen wir dazu, das Verhalten anderer zu interpretieren. Lassen Sie das und fragen Sie lieber!

NACH-GEFRAGT

Im Alltag kann man sein Gegenüber kaum spontan dazu be-fragen, welcher Farbe er/sie entspricht. Genügt es also viel-leicht schon, wenn man genug über sich selbst weiß, um Kommunikation entsprechend zu steuern und zu verbessern?

Das ist auf jeden Fall enorm hilf-reich! Ebenso hilft es, die anderen Ausprägungen des Vier-Farben- Modells zu kennen. Mit Aufmerksamkeit und etwas Übung erken-nen Sie diese bei den Menschen in Ihrem Umfeld und können sich so besser auf sie einstellen.

Theoretisch müsste – wenn man diese Methode anwendet – jeder mit jedem klarkommen. Oder ist das zu naiv gedacht?

Das ist es leider. In der Theorie mag das stimmen, doch wir sind sehr emotional gesteuerte Wesen. Die meisten können sich selbst nur schwer kontrollieren. Andere haben bereits einige Zeit darauf verwendet und gelernt, Muster in der menschlichen Kommunikation und Psychologie zu erkennen. Sobald in uns ein Schmerz, ein sogenannter Trigger, durch Worte oder Verhalten aktiviert wird, löst er eine unkontrollierte Reaktion aus. Oft ist das der Selbstverteidigungs-instinkt, der uns vor Gefahr und Verlust schützen will. Wer in weniger Konflikte geraten will, dem empfehle ich, sich das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun anzusehen. In Verbindung mit dem Vier-Farben-Modell erklärt sich dadurch eine ganze Menge, und Sie werden sofort gezielter Ihre Anliegen ansprechen können. Versprochen!

Interview: Kalle Schäfer