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EINBLICKE: Im Lustschloss am Rande des Spreewalds


SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 14/2019 vom 28.03.2019

Sie kennen sich aus in Sachen Sex: Seit 15 Jahren betreibt das EhepaarRené und Sabine Geisler das Schloss Milkersdorf, einen exklusiven Club. Ein Blick hinter geheimnisvolle Kulissen.


Artikelbild für den Artikel "EINBLICKE: Im Lustschloss am Rande des Spreewalds" aus der Ausgabe 14/2019 von SUPERillu. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 14/2019

René und Sabine Geisler auf dem Bett in einem der Zimmer, in denen geswingt werden darf … Wenn die Paare das wollen


J edes Wochenende geht es heiß her auf dem platten Land. In der Gemeinde Kolkwitz bei Cottbus steht das Schloss Milkersdorf, eine Art Lustschloss. Wir durften es besuchen. Das Besondere: Hier haben Pärchen miteinander oder mit anderen Sex. Oder auch nicht. Denn hier gilt: Alles kann, nichts muss! „Gerade ...

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J edes Wochenende geht es heiß her auf dem platten Land. In der Gemeinde Kolkwitz bei Cottbus steht das Schloss Milkersdorf, eine Art Lustschloss. Wir durften es besuchen. Das Besondere: Hier haben Pärchen miteinander oder mit anderen Sex. Oder auch nicht. Denn hier gilt: Alles kann, nichts muss! „Gerade Paare, die zum ersten Mal zu Gast bei uns sind, lassen sich lieber von der Atmosphäre und den Eindrücken inspirieren und fahren wieder nach Hause. Dort wackeln dann die Wände“, weiß René Geisler, Chef des exklusiven Clubs. Den Begriff „Swingerclub“ mag der gebürtige Cottbuser nicht. „Denn Sex wird immer mehr konsumiert, verkommt zu einer Ware, findet unter Druck oder gar nicht statt. Wir verstehen uns mehr als Begegnungsstätte! Uns besuchen Paare, die eine knisternde, erotische Atmosphäre genießen und die gemeinsam etwas Besonderes erleben wollen. Wir bieten unseren Gästen den perfekten Rahmen, sich kennenzulernen, gut zu essen und zu trinken, zu tanzen. Darüber hinaus ist alles möglich. Wir haben hier zwei Grundsätze. Der erste ist: Nie gegen den Willen eines anderen! Wenn wir so etwas mitkriegen, endet das sofort mit einem Hausverbot. Der zweite Grundsatz: Keine Prostitution!“


„Uns besuchen Paare, die etwas Besonderes erleben wollen“


Ursprünglich entstand die Idee, ein Lustschloss zu eröffnen, aus einer Laune. „Ich stamme aus der Gegend, kann te das Schloss und wollte eigentlich Mietwohnungen reinbauen. Doch vom Denkmalschutz gab es so viele Auflagen, dass es sich nicht gerechnet hätte. Eine Pension oder eine Gaststätte hätte hier auch nicht funktioniert. ,Wie wäre es mit einem Swingerclub‘, fragte ein Freund.“ Daraufhin schauten sich die Geislers erst mal in Holland, den USA und Frankreich verschiedene Clubs an, übernahmen die Dinge, die ihnen gefielen. „In Deutschland treffen viele Klischees über Swingerclubs leider tatsächlich zu. Wir wollen uns abheben, bei uns steht kein Gast mit dickem Bauch in Badelatschen und Leo-Stringtanga am Büfett! Unsere Gäste tragen gepflegte Abendgarderobe, nur im oberen Stockwerk, wo es in verschiedenen Räumen zur Sache gehen darf, kann abgelegt werden. Zudem haben wir super Barkeeper, ein köstliches Büfett und verschiedene Partyreihen.“ Sechs Festangestellte und zwölf Servicekräfte kümmern sich um die Gäste.

Im Kaminzimmer lernen sich die Gäste kennen


Im oberen Bereich gehen verschiedene Zimmer ab


Überall zu finden: Präservative, an denen die Gäste sich bedienen können


Wichtigste Regel: Keine Fotos! Kamera und Handy bleiben in den Umkleide. Suiten werden nackt betreten, sonst herrscht Abendgarderobenpflicht


„Der Mensch ist nicht monogam“, sagt Sabine


Aber zu Anfang ging das Konzept nicht auf, drei Jahre lang schrieben die Geislers tiefrote Zahlen, wollten schon schließen. Doch nach und nach kamen mehr Gäste. Zu Spitzenzeiten sind es rund 100 Paare, die freitags oder samstags ihren Spaß suchen – und auch finden.

Ganz fremd ist den Geislers, die auch zwei Küchenstudios betreiben, das Thema Swingen nicht, wenngleich sie sich nicht als Swinger bezeichnen würden. „Aber wir waren immer offene, neugierige Menschen, sehen uns als Freigeister! Und haben sicherlich das eine oder andere in Sachen Sexualität probiert“, so René. Sabine fügt hinzu: „Der Mensch ist nicht monogam!“ Sex im eigenen Club hatte das Paar aber nie. „Das hier ist unser Arbeitsplatz, auch wenn er anderen Vergnügen beschert! Wir sind die Gastgeber.“ René: „Ich begrüße die Gäste, Sabine kassiert, vergibt Garderobenschlüssel, bei mir gibt es dann ein Glas Prosecco. Auf Wunsch stelle ich Gäste einander vor. „Die meisten haben eine erotische Fantasie, die sie mal umsetzen möchten“, erzählt Sabine.

Das Paar kennt sich vom Schulhof, sie sind seit 25 Jahren verheiratet. „Wir haben den Eindruck, dass hier 90 Prozent der Frauen mal etwas mit einer anderen Frau erleben möchten! Dementsprechend haben wir eine Partynacht der weiblichen Gelüste, in der es Bereiche nur für Frauen gibt.“

Ganze 49 Prozent der Deutschen fühlen sich, einer Umfrage von Statista von 2017 zufolge, eher unzufrieden mit ihrem Sexleben. Ob da ein Besuch im Lustschloss helfen kann? René: „Wenn eine Partnerschaft nicht stabil ist, kann man sie durch einen Besuch hier nicht kitten. Doch macht die Sexualität in der Beziehung nur eine Art ‚Dornröschenschlaf‘, kann man sie vielleicht wieder erwecken und interessant machen!“

Nur eins sollte man nicht sein: zu eifersüchtig. „Eifersucht hat etwas mit Kommunikation, Ehrlichkeit, Liebe und Selbstbewusstsein zu tun! Ein bisschen Kribbeln ist okay, man darf den Partner aber nicht besitzen wollen. Ich rate jedem: Wer eifersüchtig ist, sollte nicht hierherkommen.“ Einmal in all den Jahren sei es vorgekommen, dass eine Handtasche als Wurfgeschoss benutzt wurde. Das Paar bekam sofort Hausverbot.

Wo haben eigentlich die (S)experten Sabine und René am liebsten Sex? „Zu Hause! In unserem eigenen Bett!“

katja.malich@superillu.de

WAS IST WAS? Partnertausch im Swingerclub

Laut Definition ist ein Swingerclub ein Ort, wo sich Menschen treffen, die ihre Sexualität frei ausleben. Das kann mit verschiede- nen Partnern und jenseits konventioneller Moralvorstellungen sowie gesellschaftlicher Tabus passieren. Das Schloss Milkersdorf ist ein Paarclub, bei ausgewählten Partys sind aber auch Singles und Trios willkommen.

Unter Swingern bestens bewertet: Schloss Milkersdorf


FOTOS: SUPERillu/Anja Jungnickel