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Eine Aktion, die viel leicht mehr schadete als half


Welt am Sonntag Gesamtausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 36/2021 vom 05.09.2021

Am Flughafen von Kabul herrschte Mitte vergangener Woche der Ausnahmezustand, die Bilder davon gingen um die Welt: Hunderte verzweifelter Afghanen, die sich vor den Toren drängten, Soldaten, die Einzelne aus dem Pulk über Mauern zogen, dazwischen Konvois von Regierungen, die in all dem Trubel versuchten, ihre Ortskräfte auszufliegen. Bei den Verantwortlichen vor Ort lagen die Nerven blank, auch bei den Mitarbeitern des Auswärtigen Amts (AA), die versuchten, der Lage Herr zu werden. Und nun galt es, eine weitere Herausforderung zu bewältigen: Eine private Initiative aus Deutschland schickte einen gecharterten Airbus A320 auf den Flughafen, um auf eigene Faust Menschen zu retten.

Das AA warnte die Aktivisten im Vorfeld: Es werde mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gelingen, die vorgesehenen Passagiere an den Flughafen zu transportieren – zumal genau dann, wenn das Flugzeug ankäme. Stattdessen bot man ...

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Bildquelle: Welt am Sonntag Gesamtausgabe, Ausgabe 36/2021

Erik Marquardt, Aktivist und Grünen-Europaparlamentsabgeordneter
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... an, jene, die auf den Listen der Aktivisten standen, in den Evakuierungsflügen der Regierung unterzubringen. Die Initiative „Luftbrücke Kabul“ aber zog es durch. Doch eines nach dem anderen ging schief: Erst gelangte der Airbus nach der Landung nicht zum militärischen Teil des Flughafens, stand lange auf dem Rollfeld – und schließlich gelangten jene 170 Gefährdeten, die als Passagiere vorgesehen waren, tatsächlich nicht zum Flughafen. Denn die Botschaft von Katar, die zuvor zugesagt hatte, die Menschen sicher dorthin zu leiten, hatte nicht Wort halten können. Das Flugzeug musste fast leer, mit 18 eilig herangeschafften Ersatzpassagieren, abheben. Erst in einem weiteren Charterflug gelang die ursprünglich geplante Evakuierung.

Die fragliche E-Mail gab es sehr wohl, WELT AM SONNTAG konnte sie und weiteren Schriftverkehr dazu einsehen. Zwei Tage vor dem Charterflug schrieb Maas in dieser Sache an den katarischen Außenminister. Am selben Tag übersandte die deutsche Botschaft in Katar die Liste mit den Namen der zu Evakuierenden an die dortige Regierung und das zuständige Koordinierungszentrum. Am Tag des geplanten Fluges schickte ein leitender Mitarbeiter des Krisenstabs im AA die Listen noch einmal per E-Mail an die Verantwortlichen in Katar. Auch der zweite Vorwurf lässt sich nicht halten: Nach Informationen dieser Redaktion telefonierte der leitende Mitarbeiter des AA- Krisenstabs allein binnen jener 24 Stunden, in denen sich die Rettungsaktion abspielte, 22-mal mit Marquardt.

Darauf angesprochen, sagt dieser: Das stimme, man habe viel miteinander telefoniert. Ihm gehe es aber auch eher um den Gesamtablauf. Darum, dass das AA nicht eine konkrete Ansprechperson für alle Anliegen der Initiative benannt habe. Zu seiner Aussage, die entscheidende E-Mail sei nicht geschrieben worden, schreibt er: Seinem Kenntnisstand nach sei die Mail nicht an die richtige Stelle bei den Kataris geleitet worden.

Sicherheitsexperte Krause kommt zu diesem Urteil: Die „Luftbrücke“ sei „vornehmlich politischer Aktivismus, bei dem auch die Beeinflussung der Bundestagswahl zugunsten der Grünen eine große Rolle spielt“.