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Eine bewegende Geschichte


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The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 11.10.2022
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Bildquelle: The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe, Ausgabe 11/2022

STRASSE DES ERFOLGS Luwam Russom macht seit 22 Jahren Street Dance ? hier beim Shooting in Berlin.

Wer an Hip-Hop denkt, hat als Erstes Rap-Musiker vor Augen, denen die, nun ja, salopp sitzenden Hosen bei sohin freigelegter Underwear bis in die Kniekehlen hängen. Aber was hat es mit dem Schlabber-Look auf sich? Und überhaupt: Was ist Hip-Hop eigentlich? Die Antwort: Ein popkultureller Lifestyle. Und zwar einer der verbreitetsten der Welt.

Luwam Russom kam das erste Mal damit in Berührung, als ihr Vater sie zu einem Jugendtreff in Nürnberg mitnahm, wo er sich engagierte. „Da lief immer diese Musik“, erinnert sich Luwam. Im Alter von vier Jahren begann sie mit dem Hip-Hop-Tanz, heute zählt die 26-Jährige zu den besten Tänzerinnen ihres Fachs. Sie gibt selbst Tanzunterricht in Fürth, arbeitet als Choreographin und war im vergangenen Jahr in dem Tanzfilm „Fly“ im Kino zu sehen. Im Juni gewann sie die Deutsche Hip-Hop-Meisterschaft, und Ende Oktober (21. bis 23.) strebt sie den nächsten Triumph an: ...

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... beim Red Bull Dance Your Style National Final im Frankfurter Palmengarten. Kurz gesagt: Luwam ist die ideale Expertin, um Hosen-Normalträgerinnen und -trägern den Hip-Hop-Lifestyle zu erklären.

1 Die Gruppe The Sugarhill Gang machte den Begriff „Hip-Hop“ weltbekannt.

„Wer den Begriff ‚Hip-Hop‘ erfunden hat, ist nicht eindeutig belegt. Manche glauben, es war DJ Afrika Bambaataa, der den Ausdruck erstmals gebrauchte, um die Lebenseinstellung zu beschreiben. Andere sagen, es sei Keith ‚Cowboy‘ Wiggins von der Band Grandmaster Flash and the Furious Five gewesen, als er mit den Worten ‚Hip‘ und ‚Hop‘ das Marschieren von Soldaten beschrieb, um einen Freund in der Armee aufzuziehen.

Fest steht: Populär wurde der Name 1979 durch The Sugarhill Gang mit ihrem Hit ‚Rapper’s Delight‘. Der Song ist ein Klassiker und beginnt so: ‚I said a hip hop the hippie to the hippie to the hip hip hop and you don’t stop …‘“

2 Hip-Hop entstand 1973 in der South Bronx auf einer netten Party.

„Angefangen hat alles in einem Sozialbau mit 18 Stockwerken in der Sedgwick Avenue 1520 in New York. Ein Teenager namens Cindy Campbell wollte dort im Aufenthaltsraum am 11. August 1973 eine Party feiern. Sie malte Einladungen auf linierte Karteikarten und lud 300 Menschen ein. Die Party sollte von 21 Uhr bis 4 Uhr morgens dauern, und der Eintritt kostete 25 Cent für Frauen und 50 Cent für Männer.

Für die Musik sorgte ihr Bruder Clive Campbell alias DJ Kool Herc. Sein Musikstil war so ungewöhnlich, dass er am nächsten Tag in der ganzen Bronx bekannt war.“

3 DJ Kool Herc erfand auf zwei Plattentellern die Hip-Hop-Musik.

„Hip-Hop fußt auf fünf Säulen: DJing, Rap, Tanz, Graffiti und Werten (siehe auch Punkt 4). DJing bedeutet im Hip-Hop, aus alten Stücken einen neuen Track zu produzieren, zum Beispiel durch Scratching (das Vorund Zurückschieben der Platte) oder Breakbeats. Hauptsache, es entsteht etwas Neues (siehe Punkt 4).

Der Vater dieser Breakbeats ist DJ Kool Herc. Sein Trick beim Auflegen bestand darin, dass er zwei Plattenspieler benutzte – und auf beide die gleiche Platte legte. Durch das geschickte Hin- und Herwechseln der Funk-Stücke wiederholte er immer wieder die Passagen, zu denen man am besten tanzen konnte. Diese Breakbeats waren der Beginn der Hip-Hop-Musik.“

4 Im Hip-Hop geben wir unser Wissen weiter und helfen anderen.

„Hip-Hop ist eine Kultur mit eigenen Werten. Die zwei wichtigsten lauten: Kopiere nicht von anderen, sondern erschaffe etwas Neues – und unterrichte die anderen, sobald du was Neues hast. Der Hintergrund: Die Jugendlichen in der South Bronx hatten früher kaum Chancen auf eine vernünftige Schulbildung und gute Jobs. Der Hip-Hop gab ihnen die Möglichkeit, sich mit ihren Fertigkeiten (z. B. Graffiti oder Beatboxing, mehr dazu auf der nächsten Seite) trotzdem Respekt zu verschaffen. Und durch die Weitergabe ihres Wissens halfen sie sich gegenseitig.

In den 1970er-Jahren gründete der DJ Afrika Bambaataa die Jugendorganisation Zulu Nation, um Jugendliche von der Straße zu holen. In der Gruppe vermittelte er die Werte des Hip-Hop und trug dazu bei, dass sie sich verbreiteten. Heute gibt es Chapters der Zulu Nation auf der ganzen Welt.“

„Keith ‚Cowboy‘ Wiggins wollte einen Kumpel aufziehen – und erfand dabei den Hip-Hop.“

5 Graffiti ist die Straßenkunst des Hip-Hop – und sprüht vor Phantasie.

„Graffiti hat wohl jeder schon mal gesehen. Das sind diese bunten Zeichnungen mit Sprühfarbe an Hausfassaden, Brücken, U-Bahnen und anderen öffentlichen Wänden. Die Idee dahinter: Kunst sollte nicht in Museen versteckt werden, sondern jedem zugänglich sein, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Steuerklasse. Street-Art-Künstler Demetrius, ein New Yorker Teenager mit griechischen Wurzeln, begann 1969 damit, an Hydranten und Laternen in verschiedenen Stadtteilen ‚Taki183‘ zu taggen, eine Kombination aus seinem eigentlichen Namen, Demetaki, und seiner Straße, der 183rd Street. Bei diesem sogenannten ‚Taggen‘ schreibt der Künstler sein Pseudonym an möglichst viele Stellen, um den Namen in der Stadt zu verbreiten. Das Pseudonym dient dabei zum Schutz vor der Polizei, da es sich beim Sprayen formal meistens um Sachbeschädigung handelt.

Mitte der 1970er-Jahre entwickelten sich dann die simplen Tags immer mehr zu Kunstwerken, die es dank Banksy, einem britischen Street-Art-Künstler, sogar zu kommerziellem Erfolg brachten. 2019 wurde ein Bild Banksys für elf Millionen Euro versteigert.“

6 Beatboxen entstand aus einer Not heraus.

„Zum Element Rap gehört auch das Beatboxen. Dabei erzeugt man mit der Zunge, den Lippen und dem Mundraum rhythmische Klänge. Ursprünglich kommt der Begriff von elektronischen Beat Boxen – „Drumcomputern“ –, die in den 1980er-Jahren benutzt wurden, um die Töne von Schlaginstrumenten zu erzeugen. Die wiederum waren für die Hip-Hop-Musik wichtig, um den Takt für die Rap-Einlagen vorzugeben. Das Problem: Die Computer waren teuer. Manche imitierten die Geräusche deshalb mit dem Mund.

Später beschränkten sich die ‚Human Beatboxes‘ dann nicht mehr auf das Nachahmen des Schlagzeugs, um Rapper zu begleiten – sondern sie erklangen in verschiedenen Sounds: Klicklauten, blubbernden Unterwasserklängen, aber auch nachgeahmten Tönen von Videospielen.“

7 Eigentlich war der MC nur so was wie ein Handlanger des DJs.

„Der MC (Master of Ceremonies, zu Deutsch ‚Zeremonienmeister‘; Anm.) war früher eigentlich nur so was wie ein Hiwi – ‚Hilfswissenschaftler‘ – des DJs. Seine Aufgabe bestand darin, auf Partys das Publikum mit seinen reimenden Sprecheinlagen aufzuheizen und den DJ in den Himmel zu loben. Mit den Jahren hat sich das Stellenprofil dann weiterentwickelt, und die MCs bekamen mehr Freiheiten am Mikrofon.

Im Unterschied zum gewöhnlichen Rapper ist der MC ein Entertainer, der nicht nur seine Zeilen runterrappt, sondern das Publikum unterhält. Bekannte MCs sind zum Beispiel Eminem oder Jay-Z.“

„Hip-Hop kann auch ein Kampf um Respekt sein – aber einer ohne Blut und Gewalt.“

8 Hip-Hop-Kleidung hatte vor allem eine Aufgabe: lange zu halten.

„Die Familien in New Yorks Stadtteil Bronx waren in der Regel arm und hatten wenig Geld für neue Kleidung. Die Jugendlichen mussten die Klamotten der älteren Geschwister oder der Eltern auftragen, die oft nicht richtig passten – oder Arbeitskleidung, die nicht so schnell kaputtging.

Mit der Zeit wurde die übergroße Mode zu einem Markenzeichen, das man heute als ‚Baggystyle‘ bezeichnet (vom englischen Wort ‚baggy‘, zu Deutsch ‚sackartig‘, weil sie wie ein Sack am Körper runterhängt; Anm.). Modemarken wie Dickies, Timberland oder Carharrt kennt heute jedes Kind.“

9 Tanz-Battles haben ihren Ursprung in Afrika.

„Der Hip-Hop-Tanz setzt sich aus verschiedenen Stilen zusammen: Neben Breakdance wäre da zum Beispiel noch ‚Locking‘: Dabei führen die Tänzerinnen und Tänzer schnelle Bewegungen aus, um plötzlich in einer bestimmten Position für einen Augenblick zu verharren (die Position sozusagen einzusperren), ehe sie fortfahren.

Tanzen ist im Hip-Hop ein Mittel, um sich gewaltfrei Respekt zu verschaffen. Die Tänzer und Tänzerinnen klärten auf diesem Weg in sogenannten ‚Cyphers‘ ihre Differenzen. Dabei bildet das Publikum einen Kreis, und im Zentrum stehen die Performer. Der eine tanzt vor – und der andere antwortet tanzend. Diese Cypher gehen zurück auf afrikanische Traditionen.“

Die deutsche Hip-Hop-Meisterin Luwam Russom (Foto) tanzt zwischen 21. und 23. Oktober in Frankfurt um den Sieg beim Red Bull Dance Your Style National Final. Beim packendsten Dance-Battle des Jahres treten die besten Tänzerinnen und Tänzer im K.-o.-Modus gegeneinander an. Der Clou: Sie haben keine Ahnung, zu welchem Song sie tanzen müssen. Vorbereitung? Praktisch unmöglich.