Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

»Eine Faust soll nicht Faust genannt werden«


Spiegel Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 26.11.2018

Das chinesische Shaolinkloster ist nicht nur für seinekämpfenden Mönche berühmt. Es gilt als Wiege des Chan-Buddhismus, einem Vorläufer des Zen.


Artikelbild für den Artikel "»Eine Faust soll nicht Faust genannt werden«" aus der Ausgabe 6/2018 von Spiegel Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Spiegel Geschichte, Ausgabe 6/2018

Tianhui meditierte um sein Leben. Sieben Tage hatte der Kaiser ihm gegeben, um eine Antwort auf diese Frage zu finden: Was ist das Ziel eines kaiserlichen Lehrers? Der Mönch war verzweifelt. Kaiser Yongzheng (1678 bis 1735) setzte doch so große Hoffnung in ihn. Er wollte den Mönch sogar zum kaiserlichen Chan-Meister ernennen. Aber noch, hatte er befunden, gäbe es einen letzten Schleier, der Tianhuis Durchbruch zur Weisheit entgegenstehe, ähnlich einer dünnen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 6,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Spiegel Geschichte. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2018 von DER SPIEGEL GESCHICHTE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER SPIEGEL GESCHICHTE
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von VOM FERNEN OSTEN IN DIE WELT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VOM FERNEN OSTEN IN DIE WELT
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Die Ur-Erleuchtung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Ur-Erleuchtung
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Heilsweg für alle. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Heilsweg für alle
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Ein Monster der Frömmigkeit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Monster der Frömmigkeit
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Dokument: »Besser als tausend Reden«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Dokument: »Besser als tausend Reden«
Vorheriger Artikel
Oxford in Indien
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Das Geheimnis des Dalai-Lama
aus dieser Ausgabe

... Wolkendecke vor dem hellen Mond. Sieben Tage also hatte Tianhui Zeit, diesen Schleier zu vertreiben. »Wenn du mir danach keine Antwort geben kannst«, hatte der Herrscher gedroht, »schlage ich dir den Kopf ab.«

Von Angst gepackt, meditierte der Mönch Tag und Nacht. Doch statt der Weisheit kam die Müdigkeit. Da stand Tianhui auf und begann, im Kreis zu laufen, schneller und schneller, bis er am Ende fast rannte. Am Morgen des siebten Tages war die Müdigkeit trotzdem so stark, dass sein Kopf fast aufs Kissen sank.

Bevor dies aber geschehen konnte, schlug die Glocke, und Tianhui schreckte hoch, stieß sich den Schädel an einem Balken – und wusste plötzlich die Antwort. Er stürmte ins Schlafgemach des Kaisers und rief: »Eine Faust soll nicht Faust genannt werden. Es liegt im Auge des Betrachters. Alle großen Weisen sind wie ein Blitz, wie der Schaum auf dem Meer des großen Universums!« Kaiser Yongzheng lachte glücklich, legte dem Mönch den purpurfarbenen Umhang um und machte ihn zum kaiserlichen Chan-Lehrer.

So geht zumindest die Legende, die in verschiedenen Versionen überliefert ist. Kaiser Yongzheng beschäftigte sich ausgiebig mit dem Chan-Buddhismus und verfasste auch selbst Schriften dazu. Auf der Prüfung des Tianhui baut ein Ritual auf, dem sich auch heute noch die Mönche des Shaolinklosters im Herzen Chinas unterziehen müssen. Chan Qi heißt die Übung, die für viele schwerer zu ertragen ist als die körperlichen Anstrengungen, die das Kampftraining ihnen abverlangt, mit dem das Kloster weltweit bekannt wurde.

Wenn in der großen Chan-Halle das Chan Qi stattfindet, ist es sehr still. »So still, dass es schon stört, wenn jemand den Arm anhebt oder seinen Speichel schluckt«, schreibt Shi Yongxin in seiner Biografie, der heute als Abt das Shaolinkloster leitet. »So still, dass sogar die Zirkulation des Blutes zu hören ist.«

Sieben mal sieben Tage dauert das Chan Qi. In dieser Zeit stehen die Mönche um 4.30 Uhr morgens auf und gehen erst um 23.45 Uhr zu Bett. Zwei Übungen bestimmen ihren Tag: die »sitzenden Räucherstäbchen«, bei denen die Mönche in völliger Stille im Lotossitz meditieren, und die »laufenden Räucherstäbchen«, bei denen sie eine Buddha-Statue umkreisen – erst sehr langsam, dann, wie Tianhui, immer schneller.

Ein Räucherstäbchen definiert die Zeit für die jeweilige Übung; bis es herunterbrennt, vergehen rund 45 Minuten. Zwölf laufende Räucherstäbchen absolvieren sie an einem Tag während des Chan Qi, etwa 30 Kilometer, 49 Tage hintereinander. Zur Stärkung gibt es nur Tee und dünne Suppe. Dazu kommen täglich zwölf Räucherstäbchen Meditation. Wer dabei einnickt oder auch nur den Kopf senkt, wird mit einem Holzlattenklaps auf die Schulter wieder aufgeweckt.

Die exzessive Meditation hat Tradition im Shaolinkloster. Der Legende nach meditierte dort bereits Bodhidharma, der Begründer des Chan-Buddhismus. Er kam im 6. Jahrhundert nach China, ein Mann mit struppigem Bart und starker Körperbehaarung. Bilder von ihm betonen stets seine ausländische Herkunft; große, runde, manchmal blaue Augen und exotische Ohrgehänge charakterisieren ihn als Barbaren. Ganz einig sind sich die Quellen nicht, woher Bodhidharma stammt. Manche wollen in ihm einen Inder sehen, möglicherweise sogar »den dritten Sohn eines mächtigen Indischen Königs«, andere einen Perser.

Disziplin
Mithilfe meditativer Konzentration verschieben die Shaolinmönche auch heute noch die Grenzen des physisch Mög lichen.


Als Bodhidharma jedenfalls im Jahr 527 nach dreijähriger Reise am Berg Song Shan nahe der heutigen Stadt Dengfeng in der Provinz Henan ankam, gab es dort bereits mehrere buddhistische Klöster. Der Song Shan galt als heiliger Berg, er hatte schon seit dem 3. Jahrhundert buddhistische Missionare angezogen.

Bei einem dieser Klöster, dem Shaolinkloster, bat Bodhidharma um Aufnahme. Doch die Mönche verwehrten dem Fremden den Zutritt oder warfen ihn nach wenigen Tagen wieder hinaus. Daraufhin zog der Verschmähte sich in eine nahe Höhle zurück, setze sich vor eine Wand – und begann zu meditieren. Neun Jahre lang soll er sich nicht von der Stelle bewegt haben.

Nach etwa sieben Jahren, geht die Legende, drohte der Schlaf, Bodhidharma zu übermannen. Verärgert schnitt der Mönch sich daraufhin die Augenlider ab und warf sie auf den Boden. Dort aber schlugen sie Wurzeln und wurden zu den ersten Tee pflanzen, deren Blätter künftig den meditierenden Mönchen dabei helfen würden, wach zu bleiben.

Tradition
Die Mönche bewahren die Tradition des Klosters, leben jedoch auch von deren Vermarktung an Touristen und Kampfsportschüler.


Eines Tages kam Huike zu ihm, der sein wichtigster Schüler werden sollte. Geduldig blieb der junge Mönchsanwärter vor der Höhle stehen und wartete darauf, dass der Meister ihm Aufmerksamkeit schenken würde. Es begann zu schneien. Als der Schnee Huike bis zur Hüfte reichte, schritt er zu drastischeren Maßnahmen, um die Gunst Bodhidharmas zu erlangen – er schnitt sich einen Arm ab.

Dann endlich akzeptierte der Meister ihn als seinen Schüler. Auch die eigenen Extremitäten soll Bodhidharma bei seiner Wand-Meditation eingebüßt haben. Da er sie neun Jahre lang nicht bewegte, fielen sie irgendwann einfach ab. Doch nach Ablauf der neun Jahre nahm das Shaolinkloster ihn endlich auf.

Auch wenn spätere Quellen Bodhidharma andichten wollten, dass er den Shaolinmönchen das Kämpfen beibrachte, war sein Verdienst in Wahrheit ein anderes: Er machte das Kloster berühmt als Wiege des Chan-Buddhismus.

Denn erst mit der Ankunft Bodhidharmas war die Zeit gekommen, in der der chinesische Daoismus und der aus Indien mit Mönchen eingewanderte Buddhismus miteinander verschmelzen sollten. Aus dieser Verbindung entstand der Chan-Buddhismus.

Chan ist neben der Meditation vor allem geprägt von Koans, paradoxen oder sinnfreien Fragen und Anekdoten. Das wohl bekannteste Koan lautet: »Wenn man in beide Hände klatscht, entsteht ein Ton. Wie ist der Ton beim Klatschen einer Hand?«

Gibt ein Meister seinem Schüler ein Koan zu lösen, wissen beide, dass es keine Antwort gibt. Trotzdem begibt der Schüler sich auf die Suche danach – oft jahrelang. Die Lösung ist in der Regel ebenso unsinnig wie der Koan selbst. Und doch bringt die Suche ihn weiter.

Niemals ist eine Antwort vorgegeben. Im Gegenteil, die richtige Antwort im Chan-Buddhismus ist die Abwesenheit von Antworten – hier wird der Einfluss des Daoismus besonders deutlich.

Im Chan-Buddhismus gibt es kein Lernen aus Schriften, sondern die Meister geben ihre Weisheiten an die Schüler »von Herz zu Herz« weiter. Lernen, so glauben sie, lässt sich nur aus der direkten Erfahrung. Entsprechend häufig kam es in der Geschichte vor, dass Chan-Meister religiöse Schriften in Flammen aufgehen ließen und Statuen zerstörten.

Seine Blütezeit erreichte der Chan-Buddhismus zur Zeit der Tang- und Song-Dynastien zwischen 618 und 1279. Im 12. Jahrhundert brachten buddhistische Mönche ihn dann nach Japan, wo er als Zen eine weitere Karriere startete und sich von dort auch nach Europa und Nordamerika ausbreitete.

Wie aber wurden die rätsellösenden Medita - tionsfreunde zu Kampfmönchen? Den Weg dort- hin beschreiben Mythen und Legenden. Heute gilt das »Yi Jin Jing«, die »Methode zur Trans - formation der Muskeln, Sehnen und Bänder«, als eine der bedeutendsten Schriften der Shaolin - mönche.

Regelmäßig angewendet, stärkt die darin beschriebene Form von Bewegungsabläufen die Muskulatur, sie fördert Geschwindigkeit und Ausdauer. Sie geht, so behauptet es der Autor des Textes im Vorwort, auf Bodhidharma zurück. Die Technik sei dann von buddhistischen Heiligen und großen Kämpfern weitergereicht und schließlich aufgeschrieben worden.

Athletik
Tausende Schüler – längst nicht alle von ihnen sind Mönche – lernen rund um das Kloster die Körperbeherrschungstechniken des Kung-Fu.


Mittlerweile allerdings ist die Forschung sich einig: Yi Jin Jing ist das Werk eines daoistischen Mönches des frühen 17. Jahrhunderts, der Bodhidharma als Autor nur vorschob. Warum er den Eindruck erwecken wollte, der barbarische, exzentrische Begründer des Chan-Buddhismus sei der Urheber seines Textes gewesen, ist unklar. Möglicherweise griff er Halbwissen auf und verstrickte es zu einer attraktiven Legende.

Denn die Shaolinmönche waren damals in der Tat für ihre Kampfkunst bekannt, und Bodhidharma war untrennbar mit der Geschichte des Klosters verbunden. Was lag da näher, als im Begründer des Chan-Buddhismus auch den Vater der Kampfkunst zu sehen?

Ob es aber tatsächlich eine historische Person gab, die den Shaolinmönchen die Kampfkunst brachte, ist eher fraglich.

Immerhin berichtet bereits im 6. Jahrhundert das »Xu gaoseng zhuan« (»Fortsetzung der Biografien berühmter Mönche«) von einem Mönch namens Sengchou. Angeblich konnte er waagerecht an der Wand entlanglaufen, bis zur Decke hochspringen und extrem schwere Gewichte stemmen. Spätere Überlieferungen dichten ihm zusätzlich eine 50 Mann starke Kampftruppe an.

Ein weiterer Hinweis auf die Wehrhaftigkeit der Shaolinmönche ist eine Inschrift aus den letzten Jahren der Sui-Dynastie um 610, die erwähnt, wie die Mönche ihr Kloster erfolgreich gegen Raubüberfälle verteidigten.

Nur wenig später unterstützten mit Stöcken kämpfende Mönche des Shaolinklosters den späteren Kaiser Taizong (599 bis 649) in einem Erbfolgekampf der Tang-Dynastie (618 bis 907). Damit hatten sie endgültig ihren Ruf als legen - däre Kampftruppe zementiert. Denn der Kaiser war den Shaolinmönchen so dankbar, dass nicht nur er, sondern auch seine Nachfolger schützend die Hand über das Kloster hielten und den Mönchen eine Reihe von Privilegien gewährten. Dazu gehörten neben dem Genuss von Fleisch und Alkohol angeblich auch die Erlaubnis, eine Truppe von 500 Kampfmönchen unterhalten zu dürfen.

Ein Gedenkstein im Kloster aus dem Jahr 728 listet nicht weniger als sieben Vorfälle auf, bei denen wehrhafte Mönche des Shaolinklosters die Truppen der Tang-Dynastie unterstützten. Interes - santerweise taucht dieser Sachverhalt in der buddhistischen Literatur jener Zeit kaum auf. Da buddhistische Mönche üblicherweise strikten Gewaltverzicht praktizieren, passten die kämpfenden Shaolinmönche wohl nicht ins Bild und wurden von den zeitgenössischen Autoren meist verschwiegen.

Zumindest mündlich aber wurden die Geschichten doch überliefert. In dem 294 Bände umfassenden Geschichtswerk »Zizhi Tongjian«, das im 11. Jahrhundert verfasst wurde, taucht eine Anekdote aus der Tang-Zeit auf: Im Jahr 815 war ein kämpfender Mönch namens Yuanjing aus einem Nachbarkloster von Shaolin in eine Revolte gegen den Kaiser verwickelt.

Der Staatsstreich schlug fehl, und Yuanjing geriet in die Fänge der kaiserlichen Soldaten. Einer seiner Peiniger versuchte erfolglos, ihm mit dem Vorschlaghammer die Schienbeine zu brechen. Hilfsbereit positionierte Yuanjing daraufhin seine Beine in einem besseren Winkel und verhöhnte den Soldaten: »Du kannst mir nicht einmal die Beine brechen, und du willst ein harter Kerl sein, ha!«

Das Shaolinkloster war nicht das einzige chinesische Kloster, das seine Mönche in der Kampfkunst ausbildete. Klöster in Funiu in der Provinz Henan und in Wutai in der Provinz Shanxi stellten ihre Mönche den Herrschern als Söldner zur Verfügung. Sie kamen gegen marodierende Piraten und Räuberbanden ebenso zum Einsatz wie gegen hungernde Bauern, die den Herrschern unbequem wurden.

Erst in der späten Ming-Zeit verbanden sich Kampfkunst und Meditation. Es waren die Jahre, in denen sich die Shaolinmönche mehr und mehr vom traditionellen Stockkampf abwandten und begannen, mit bloßen Händen zu kämpfen. Eingewobene Elemente von daoistischer Gymnastik, Atemübungen und traditioneller Heilmethoden gaben den Kampftechniken religiöse Tiefe und meditative Qualität.

Die Zeit der Mönchsoldaten war vorbei. Mit dem Stock hatten sie auf dem Schlachtfeld noch effektiv kämpfen können. Mit bloßen Händen aber war kein Mönch den scharfen Klingen und den Schusswaffen der Berufsheere in der späten Ming-Zeit gewachsen.

Die Einbindung der Kampfkunst in die Religion aber gab den Kampfmönchen etwas Mystisches. Sie waren nun keine Kriegshelden mehr, sondern von religiöser Erleuchtung erfüllte Superhelden mit übermenschlichen Kräften. Kampfmönche trugen keine Rüstung, sondern nur ihr Mönchs - gewand. Den einzigen Schutz gegen die Schläge des Gegners boten ihre harten Muskeln.

Als zur Zeit der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) die Druckkunst zu einer Schwemme an literarischen Texten führte, war der Superhelden-Mönch bereits ein beliebter Charakter in Märchen, Kurzgeschichten, Gedichten, und selbst in militärischen Abhandlungen kam er vor. Bald entwickelte sich sogar ein eigenes Genre: Wuxia. Protagonist in den Wuxia-Romanen ist immer ein unbescholtener Kämpfer, der vor einem historisch-fantastischen Hintergrund gegen das Böse antritt und dabei viele Hürden zu überwinden hat.

Nicht allen gefiel das neue Image der Shaolinmönche und der damit einhergehende Ruhm. Im frühen 17. Jahrhundert beschwerte sich ein Magistrat aus Dengfeng: »Die herrschaftlich anmutenden Gebäude und die luxuriöse Ausstattung des Shaolinklosters erinnern an den Palast eines Regierungsbeamten. Wahrhaft, der Niedergang der buddhistischen Lehre ist allgegenwärtig. In Erinnerung an die alten Weisen kann man nur noch tief seufzen!«

Dennoch hat das Genre Wuxia in China bis heute nichts an Popularität eingebüßt. Im Jahr 2001 bekam der Film »Tiger and Dragon« vier Oscars und infizierte auch die westliche Welt mit dem Wuxia-Fieber. Einem Kampfsportfilm ist es zu verdanken, dass das Shaolinkloster heute überhaupt noch existiert: »Shaolin – Kloster der Rächer« mit Jet Li.

Denn im vergangenen Jahrhundert war der Ort bereits zur Ruine verkommen. Erst hatte 1928 ein Feuer die Gebäude weitgehend zerstört, 1966 dann trieben die Roten Garden des Mao Zedong die letzten noch verbliebenen Mönche aus dem Kloster und durch die Straßen, wo Schaulustige sie johlend mit Müll bewarfen.

Nachdem aber 1982 Jet Li als Shaolinmönch die Filmbesucher in aller Welt begeistert hatte, reisten die Touristen an – und auch die Mönche kehrten in die Ruinen zurück. Während das Kloster heute seinen Mythos vermarktet, besinnen sich die Mönche, die hier leben, wieder auf den Ursprung: auf den Chan. In der großen Chan-Halle, die ihr Abt Shi Yongxin bauen ließ, meditieren sie im Sitzen und im Laufen, stundenlang, während die Räucherstäbchen brennen.

Tempel
Das Shaolinkloster wurde seit seiner Gründung mehrmals zerstört, die meisten heute sicht - baren Gebäude sind Rekonstruktionen.