Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Eine Frage der Brennweite


CHIP Foto-Video - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 05.02.2020

Vom Weitwinkel bis zum Teleobjektiv: Wir erklären, wie mit unterschiedlichsten Brennweiten ausgezeichnete Aufnahmen gelingen.


Artikelbild für den Artikel "Eine Frage der Brennweite" aus der Ausgabe 3/2020 von CHIP Foto-Video. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: CHIP Foto-Video, Ausgabe 3/2020

ILLUSTRATION: ANDY MCLAUGHLIN

Zu einem guten Foto-Equipment zählt nicht nur eine Kamera mit einem leistungsstarken Sensor, sondern auch ein gut abgestimmtes Sortiment an Objektiven. Vom Weitwinkel bis zum Tele, vom Reisezoom über die Festbrennweite bis zu Spezialisten wie einem Makro-Objektiv: Die Auswahl ist groß und ganz schön verwirrend.

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Brennweite, die in Millimetern („mm“) angegeben wird: Je länger sie ausfällt, desto näher kann der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von CHIP Foto-Video. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2020 von Die besten Fotos der Welt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die besten Fotos der Welt
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von NEWS:. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS:
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von NEWS: Nikon D780 (ca. 2.500 Euro): Neuer Serienstar mit Ultra-HD-Video. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: Nikon D780 (ca. 2.500 Euro): Neuer Serienstar mit Ultra-HD-Video
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von FOTOFEHLER: 7 typische Fotofehler und wie Sie sie vermeiden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTOFEHLER: 7 typische Fotofehler und wie Sie sie vermeiden
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von Fehler 1: Zu viel Geld in Technik investiert. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fehler 1: Zu viel Geld in Technik investiert
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von Fehler 2: Kamera falsch eingestellt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fehler 2: Kamera falsch eingestellt
Vorheriger Artikel
Fehler 7: Nicht auf die Farbe geachtet
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Profi-Tricks für Tele und Weitwinkel
aus dieser Ausgabe

... Fotograf sein Motiv „heranholen“ und es entsprechend groß abbilden. Je kürzer dagegen die Brennweite, desto mehr Umgebung passt auf die Aufnahme. Tier- und Sportfotografen haben also ein Teleobjektiv oder -zoom mit 200 mm - gerne auch länger - in der Fototasche, Landschaftsfotografen dagegen möchten ein Weitwinkel unter 20 mm nicht missen, um Gebirgszüge oder ein Flussdelta in epischer Breite darzustellen.

Ein 50-mm-Objektiv gilt als „Normalbrennweite“, weil hier die Staffelung der Objekte im Raum ähnlich ist, wie wir sie mit unseren Augen wahrnehmen. Ein solches Objektiv wird gerne als „Immer- drauf“-Linse eingesetzt oder ist die erste Wahl, wenn ein Porträt-Shooting ansteht.

Angaben vergleichen

Gut zu wissen: Die auf der Objektivfassung eingravierten Brennweiten-Angaben beziehen sich so gut wie immer auf Kleinbild (KB), also auf Kameras mit Vollformat-Sensor. Wer also, wie so viele Fotografen, mit einer APS-C- oder MFT-Kamera (Micro-Four-Thirds-Sensor) arbeitet, nutzt nur den zentralen Teil des vom Objektiv projizierten Bildkreises, er fotografiert quasi nur einen Ausschnitt. Dadurch wird z. B. ein Vogel im Bildausschnitt der APS-CKamera größer dargestellt als im Sucher einer Vollformatkamera. Was Tierfotografen freut, ist für Landschaftsfotografen weniger schön, denn auf Panorama-Aufnahmen ist längst nicht so viel zu sehen wie das bei einer Vollformat-Kamera der Fall wäre. Zum Problem kann die Vergrößerungswirkung auch in Innenräumen werden, denn hier kann der Fotograf nicht beliebig weit zurücktreten, um die komplette Großfamilie in einer einzigen Aufnahme abzubilden.

Um die Vergrößerungswirkung vergleichen zu können, wird die Brennweite mit dem Crop-Faktor des Sensors multipliziert. Für APS-C-Systemkameras liegt dieser bei 1,5 (Ausnahme: Canon mit 1,6), für die noch kleineren MFT-Sensoren gilt der Faktor 2,0. Wer also an eine Canon EOS 90D ein 100-mm-Objektiv anschließt, erhält de facto denselben Bildausschnitt wie mit einer Vollformat-Kamera und einem 160-mm-Objektiv. Man spricht deshalb auch von einer Brennweitenverlängerung.


Die Brennweite eines Objektivs bezieht sich in der Regel aufs Kleinbild.


Extreme Bildwinkel

Etwas versteckter in den technischen Daten eines jeden Objektivs findet sich eine weitere Angabe, die eng mit der Brennweite zusammenhängt und die ebenfalls dem Crop-Faktor unterliegt: der Bildwinkel (siehe nächste Seite). Er wird in Grad angegeben und bezieht sich auf den diagonalen Winkel, der den abgebildeten Raum begrenzt. Bei 50 mm beispielsweise entspricht der Bildwinkel ca. 40°, extreme Weitwinkel, wie etwa das Fisheye 8 mm f/3,5 EX DG von Sigma, erfassen sogar 180° und damit einen Halbkreis.

Die große Herausforderung bei Weitwinkel-Objektiven besteht darin, dreidimensionalen Raum auf eine zweidimensionale Fläche zu projizieren. Das funktioniert nur um den Preis, dass Motivbereiche verzerrt erscheinen. Im Falle von Landschaften muss das nicht weiter auffallen und lässt sich sogar kreativ nutzen, um den Vordergrund zu betonen und so mehr Tiefenwirkung zu erreichen. Bei einem Gruppenbild hingegen führt die Verzeichnung zu dem bekannten Effekt, dass am Rand stehende Personen plötzlich übergewichtig wirken. Noch extremer wird es beim Fisheye: Der diagonale Bildwinkel von 180° bedingt, dass alle Linien, die nicht durch die Bildmitte führen, gebogen dargestellt werden.

Tele oder Weitwinkel?

Die Wahl der Brennweite (KB) hängt von der gewünschten Vergrößerung des Motivs (1), aber auch von subtileren optischen Effekten ab (2 und 4).

Für Teleobjektive ist dagegen ein wesentlich kleinerer Bildwinkel charakteristisch, weshalb optische Verzeichnung kaum ein Problem darstellt. Mit langer Brennweite aufgenommene Landschaftsdetails oder Stadtansichten scheinen weniger „auseinanderzufallen“, sondern wirken sehr kompakt. Ein Tele kann aber in anderer Hinsicht zur Herausforderung für Kamera und Fotograf werden, denn: Je länger die Brennweite, desto geringer ist die Schärfentiefe und desto größer die Gefahr einer Fehlfokussierung. Das bedeutet, dass der Autofokus der Kamera einwandfrei funktionieren sollte und dass der Fotograf ganz besonders sorgfältig auf die wichtigen Motivdetails scharf stellen muss.


Zooms kranken häufiger an Abbildungsfehlern als Festbrennweiten.


Abbildungsfehler korrigieren

Die meisten Objektive werden als Zoom konstruiert. Über einen Objektivring lässt sich der Tubus inklusive der Linsengruppen aus- und einfahren, was es dem Fotografen erlaubt, unterschiedliche Brennweiten einzustellen. Das beliebte Fuji XF 18-55 mm f/2,8-4 R LM OIS bietet im Weitwinkelbereich kurze 27 mm (KB) und im ausgefahrenen Zustand ein leichtes „Tele“ von 84 mm (KB). Das ist für Amateure sehr praktisch und zudem preisgünstig, da man nicht mehrere Objektive erwerben und auf Fototouren mitführen muss. Kein Wunder, dass Zooms zu den beliebtesten Objektiven von Hobbyfotografen zählen. Das Problem dieser Optiken: Die Konstrukteure müssen Kompromisse eingehen, denn eine gleichmäßig hohe Bildqualität über die gesamte Brennweitenspanne zu realisieren, ist physikalisch unmöglich. Abbildungsfehler wie Vignettierung, chromatische Aberration oder eben auch Verzeichnung lassen sich bei Festbrennweiten viel leichter korrigieren.

Auf die Sensorgröße kommt es an

Diese Tabellen zeigen, an welchem Bajonett welche nominelle Brennweite nötig ist, um große oder kleine Bildwinkel zu erhalten.