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Eine Frage der Haltung


DECO HOME - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 24.10.2019

Weihnachten? Für die Hamburger Einrichterin Sabine Stelling geht es dabei nicht um ständig neue Dekorationen, sondern überraschende Geschmackserlebnisse


Artikelbild für den Artikel "Eine Frage der Haltung" aus der Ausgabe 5/2019 von DECO HOME. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: DECO HOME, Ausgabe 5/2019

Dem Retro-Sessel vor dem Kamin hat Sabine Stelling ein flauschiges Outfit verpasst, der Tisch ist eine Eigen-anfertigung


Der lange Holztisch ist das Herzstück der Wohnung, die mit läs-siger Eleganz gestaltet ist


Festlich auch ohne Tischdecke – das „Lengsfeld“-Service mit Golddekor hat Sabine Stelling auf dem Flohmarkt entdeckt, sogar komplett


Die großen Räume gehen ineinander über, die warmen Wandfarben fassen optisch alles zusammen


Auch wenn Sabine Stelling ...

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... zu Weihnachten leiden-schaftlich gerne dekoriert, hat das Fest für sie vor allem etwas mit einer inneren Haltung zu tun. „Da geht es um Nächstenliebe und Toleranz, bei-des sollte uns sowieso das ganze Jahr über wichtig sein“, sagt die Einrichterin. Und spricht ein weite-res Thema an: „Nachhaltigkeit, darauf achte ich auch, indem ich beispielsweise nicht jedes Mal eine neue Deko in der Trendfarbe kaufe, sondern Vorhandenes neu mische. Im Moment bin ich total begeistert von der Kombination von Schwarz und Gold mit Akzenten in Rot.“

Den zweieinhalb Meter langen Esstisch schmückt sie in diesem Jahr opulent mit einem Strauß aus japanischer Schirmtanne und bizarren Lebensbaum-zweigen. Ihr Konzept ist einfach und funktioniert: „Ich mag zu Weihnachten alles, was echt ist, dann entsteht sofort ein Gleichklang. Ich mische am liebsten unterschiedliche Nadelbaumarten. Dazu gibt es jede Menge Kerzen – eine flimmernde Lichterkette hat bei mir keine Chance. Ich bin ein echter Kerzenfreak“, stellt sie fest. Dabei achtet sie sehr auf Qualität und kauft bei ihrem Lieblingshändler auf dem Wochenmarkt gleich um die Ecke, der auch besondere Maße und Farben anbietet.

Es ist für vier Personen gedeckt, sie und Ehemann Andreas erwarten zwei enge Freundinnen. Seit Sabine Stelling ihr Einrichtungsgeschäft aufgegeben hat, das sie bis vergangenes Jahr nahe ihrer Wohnung im Hamburger Stadtteil Eppen-dorf führte, kann sie ihre Zeit wieder flexibler einteilen. Mittlerweile arbeitet sie als Interiorberaterin. Und freut sich heute auf ihre Gäste. Suppe und Hauptgericht hat sie vorbereitet, der Besuch bringt den Nachtisch mit. „Für uns ist eine Feier inzwischen meist eine Gemeinschaftsproduktion mit überraschenden Geschmackserlebnissen. Den schweren Gänsebraten machen wir schon lange nicht mehr“, erzählt sie.

Im besten Sinne markant ist die Ahornkonsole mit gedrechselten Beinen aus der Werkstatt von Ehemann Andreas


Der Sessel von Finn Juhl ist ein Erbstück. Das Wandobjekt hat Andreas Stelling aus Holz gefertigt


Ihr heutiger Arbeitsplatz ist nur ein paar Schritte entfernt, im Nebenzimmer hat sie ein kleines Atelier mit vielen Stoffmustern und Möbelkatalogen eingerichtet. An einem Moodboard hängen Fotos von Projekten aus der Holzmanufaktur ihres Mannes. Gemeinsam entwerfen sie individuelle Möbelstücke wie Tische oder Sideboards für Sabine Stellings Kunden, die sie daheim empfängt. „Einen besseren Showroom als unser Zuhause kann ich mir nicht wünschen“, stellt sie fest. „Hier sieht man sofort, für welchen Stil wir stehen.“

Vor über zehn Jahren mietete die dreiköpfige Familie die 180 Quadratmeter große Altbauwohnung mit fast vier Meter hohen Decken, prächti-gem Stuck sowie altem Parkett- und Dielenboden. Nach einer aufwendigen Renovierung übernahm Sabine Stelling die Gestaltung – das war genau ihr Ding.

Sie sorgte für den harmonischen Farb-Look und eine passende Dekoration mit Stoffen. Gerade erst hatte sie ihr Einrichtungsgeschäft eröffnet und zog daheim begeistert alle Register – bis heute ver-ändert sie die Wohnung immer wieder aufs Neue. „Ursprünglich komme ich ja aus der Mode, schon als Kind hatte ich einen absoluten Stofffimmel. Ich bin ein Fan von aufwendigen Webtechniken sowie außergewöhnlichen Dessins und Texturen. Textilien setze ich gezielt und wohldosiert ein“, erzählt sie. Exklusive Marken wie Jim Thompson, Élitis, Gastòn y Daniela oder Lelièvre finden sich in ihrem Portfolio. Es fasziniert sie jedes Mal: „Ein Bezug für den Sessel, ein paar neue Kissen, und schon verändert sich der ganze Look. Ich kombiniere Dinge, die mir gut gefallen. Wenn ich etwas sehe und der Funke überspringt, passt das Stück in der Regel auch zu unserer Einrichtung, das habe ich im Gefühl.“

Allüberall gekonnt inszenierte Arrangements.


Wie der Terrazzoboden sind auch die Fliesen in der Küche original erhalten. UNTEN: Der alte Aga-Herd bekam eine Schichtstoffplatte, die zu den roten Möbelfronten passt


Gedeckte Töne im Schlafzimmer mit textilem Wandbild. Das Kaschmirplaid von Begg & Co setzt einen Kon-trast.


Sabine Stelling. LINKS: Kerzen, Gold-glanz und Koniferenäste machen die Kaminecke weihnachtlich


Der eigenen Intuition zu vertrauen, das empfiehlt sie übrigens auch ihren Kunden. In ihrer Wohnung finden sich gesammelte Gemälde, Reisemitbringsel wie eine marokkanische Holztür oder eine indonesi-sche Maske, dazu Einzelstücke aus der Werkstatt von Andreas Stelling wie der dreibeinige Beistelltisch mit Messingplatte und auch der Esstisch. Zusammen mit geerbten Designklassikern und Möbelraritäten entsteht ein organisch gewachsenes und stimmiges Ge-samtbild. Dafür wird auch schon mal das Geflecht der Thonet-Freischwinger schwarz lackiert.

Weiße Wände sucht man hier vergeblich. „Die wird es bei mir nie geben!“ In den Räu-men, die teilweise ineinander übergehen, dominieren warme, gedeckte Farben wie ein mattes Rosé im Esszim-mer, lichtes Grau im Wohnbereich, sanftes Grün im Schlafzimmer und ein stumpfer Granitton in der Küche. Vor dieser Kulisse kommen einzelne opulente Stillleben gut zur Geltung – im Ganzen jedoch prägt elegante Zurückhaltung das gut aus-balancierte Interieur.

Sabine Stelling legt im Kamin einen Holzscheit nach und zündet die Kerzen an – gleich wird es an der Tür klingeln und die gemütliche Runde vollständig sein. |Info: www.stelling-interiors.com

„Easy Chair“ von Desig-nerin Grete Jalk bezog Sabine Stelling mit einem Jim-Thompson-Stoff


Fotos: MIRJAM FRUSCELLA

Fotos: Gabino Ubeda, Amadeo: Werk, Sempere, Eusebio: Werk, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 (2)