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EINE GANZ SOLIDE SACHE


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 20.01.2022

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Seit 2018 läuft die vierte Auflage des Kölner Kompakten, das bereits vorgestellte Facelift startet demnächst

100 000 km

Ford Focus Turnier 2.0 EcoBlue

150 PS/Achtstufenautom. ab 31 200 Euro

NICHTS IST SO BESTÄNDIG WIE DER WANDEL. Und das ist auch gut so. Denn wo sich nichts ändert, gibt’s keinen Fortschritt. Manchmal scheint eine neue Entwicklung allerdings nur besser als die alte, überstrahlen Image und Design der modernen Machart die Qualitäten der etablierten Lösung. Etwa bei den SUV, die vor allem die kompakten Kombis in der Käufergunst längst überholt haben, ohne allzu viele Vorteile zu bieten. Zu den Leidtragenden dieser Entwicklung zählt der Ford Focus Turnier, der uns in den vergangenen zwei Jahren im Dauertest über 100 000 Kilometer begleitet hat – und manchen Hochsitz in unserem Fuhrpark zur zweiten Wahl degradierte. Doch der Reihe nach.

Als der Kölner Kompakt-Kombi am 17. November 2019 in die Tiefgarage des Axel-Springer-Verlags rollt, sind die Erwartungen zunächst gedämpft. Nervöse ...

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... Vorfreude will so ein braves Brotund-Butter-Auto einfach nicht auslösen. Völlig zu Unrecht, wie wir noch am selben Tag feststellen müssen. In Dynamic-Blau metallic für 800 Euro sieht der Turnier richtig lecker aus. Und ein Blick nach drinnen zeigt, dass uns hier keine karge Kassenkost erwartet, sondern eher solide und souverän verarbeitetes Wohlfühlambiente. Verwöhnt unser Titanium ohnehin schon mit schlüssellosem Zugang, Lendenwirbel stütze auch für den Beifahrer, Zweizonen-Klimaautomatik und Navigationssystem, machen Anhängerkupplung (880 Euro), Head-up-Display (450 Euro), B & O-Soundsystem (700 Euro) sowie Winterpaket (400 Euro/ Vordersitze, Lenkrad, Frontscheibe beheizt) und Technologie-Paket II für teilautomatisiertes Fahren (500 Euro) die Sache richtig rund. Aber auch zu einem teuren Vergnügen. Fast 40 000 Euro kostet der Focus Turnier in voller Montur. Oder wie AUTO BILD KLASSIK-Redakteur Martin Puthz es ausdrückt: „Geht’s noch?! Ungeachtet seiner Qualitäten steht das in keinem Verhältnis.“

! Autos wie der Ford Focus Turnier erweisen sich im Alltag als echter Glücksgriff

Reisen mit dem Focus bedeuteten ungeachtet der Preisfrage aber großen Genuss. Der kraftvolle Diesel erledigt alle Einsätze im Dienst der Redaktion souverän, die Lenkung gefällt mit ausgewogener Servounterstützung und präziser Rückmeldung , bis auf die teils schnarchige Fernlichtautomatik arbeiten die Assistenzsysteme unauffällig gut. Äußerst nützlich: die Warnung vor rückwärtigem Querverkehr beim Ausparken – wer hat schon immer einen Einweiser dabei. Ein Smartphone ist da wohl öfter an Bord. Und das sollten Sie nutzen. Stauwarnung und Ausweichrouten des werkseitigen Navis sind, sagen wir mal, nicht optimal. Das kann Google Maps besser.

SCHNELLER CHECK

Kaufen oder nicht kaufen?

Der Focus Turnier überzeugt als praktischer Alltagsheld, die 100 000 Kilometer steckt er souverän weg. Er empfiehlt sich sowohl Familien als auch Freizeitaktiven.

SOLIDE TECHNIK GEPAART MIT GERINGEM VERBRAUCH – DER FOCUS ÜBERZEUGT

1. DAS GETRIEBE Die Achtstufenautomatik offenbart nach dem Öffnen kaum Verschleißerscheinungen. Einzig an der Entlüftung ist eine geringe Menge Öl ausgetreten.

2. DIE KAROSSERIE zeigt an mehreren Stellen Scheuerspuren von losen Halteklipsen, die teils bis aufs blanke Blech gehen. Noch ist kaum Korrosion sichtbar.

3. DER VENTILTRIEB Nockenwellen, Ventile und Zahnriemen präsentieren sich in sehr gutem Zustand. Die Ventile zeigen extrem wenig Antragungen und Ablagerungen.

4. DER ANSAUGTRAKT zeigt für einen Direkteinspritzer wenig Ablage­ rungen. Einlasskanäle, Ansaugbrücke und Drosselklappen sehen überdurchschnittlich gut aus.

5. DER KURBELTRIEB ist robust ausgeführt, Lagerschalen und Pleuel zeigen keine Auffälligkeiten. Allerdings ist der Simmerring an der Riemenscheibe undicht.

6. DER UNTERBODEN weist an einer Naht am Kofferraumboden, an diversen Haltebolzen und an einem Schweißpunkt Korrosion im Anfangsstadium auf.

Eine Kooperation von

DAS FIEL UNS AUF

Wo wir gerade beim Meckern sind: Die grundsätzlich nervenschonende Achtstufenautomatik zeigt in den kleinen Gängen eine gewisse Ruppigkeit, besonders im Stadtverkehr setzt der Kraftschluss nach kurzer Unterbrechung beim Fahrstufenwechsel teils recht ruckartig wieder ein.

Anerkennung erfuhr der Focus vor allem bei Fernreisenden und Kilometerschrubbern. Handliches Format und trotzdem viel Platz, flotte Fahrleistungen und trotzdem kein Trinker – was will man mehr? Oder wie Holger Karkheck es ausdrückt: „Warum hat Ford eigentlich so ein Langweiler- Image? Dieses Auto macht Spaß, sieht gut aus, bietet Platz.“ Solche und ähnliche Einträge ziehen sich wie ein roter Faden durch das grüne Dauertest-Buch.

Je nach Fahrerstatur und -vorlieben gab es dann aber auch noch ein bisschen Schelte. Die Genießer- und Gemütlichkeitsfraktion störte das insbesondere auf Querfugen zu steif ansprechende Fahrwerk. „Zu hart für einen Familienlaster. Ist doch kein ST!“, monierte der damalige Dauertest-Chef Manfred Klangwald. Auch die Sitze fanden nicht überall Anklang, besonders kräftig gebaute Redaktionsmitglieder wünschten sich mehr Format und mehr Halt. Dazu AUTO BILD KLASSIK-Redakteur Martin Puthz: „Die Sitze sind zu weich gepolstert, kräftigen Staturen drückt der Rahmen seitlich auf die Oberschenkel.“ Und das, obwohl für 400 Euro extra der Ergonomiesitz verbaut war.

Wiedergutmachung leistete der Turnier dann mit seinem betont praktischen Wesen. Tanken, ohne einen Deckel abzuschrauben, automatisch ausklappende Rammschutzleisten beim Türöffnen oder eine Heizung für die Frontscheibe sorgten im Alltag immer wieder für glückliche Gesichter und zufriedenes Kopfnicken. Transportaufgaben erledigte das Kastenheck ebenfalls gern und gut. Die nur 63 Zentimeter hohe Ladekante und die topfebene Ladefläche schätzten nicht nur Fotografen mit schwerem Equipment. Die vom Heck aus zu entriegelnden Rücksitzlehnen, Taschenhaken sowie die weitgehend fummelfreie Befestigung von Isofix-Kindersitzen im Fond machen den Ford zum echten Familienfreund. Und 12-Volt-Dose, das leicht ein- und auszubauende Heckrollo sowie Zurrösen erfreuen das Herz des Hobbyspediteurs.

TECHNISCHE DATEN

Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Hubraum 1998 cm 3 • Leistung 110 kW (150 PS) bei 3500/min • max. Drehmoment 370 Nm bei 2000/min Antrieb Vorderradantrieb/Achtstufenautomatik • Leergewicht 1588 kg Zuladung 517 kg • Kofferraum 575– 1620 l • Höchstgeschwindigkeit 205 km/h • Verbrauch* 5,7 l D/ 100 km • Abgas* CO 2 152 g/km * nach WLTP

! Der Betrieb des Focus kostete 14 Cent pro Kilometer – angesichts der Gegenleistung ein sehr fairer Preis

Bei der Abschlussuntersuchung herrscht dann ebenfalls gute Laune. Ja, die Tankklappe sitzt etwas zu tief, die Radhausabdeckung vorne rechts zeigt deutliche Kontaktspuren vom Reifen, am Kurbelwellendichtring schwitzt Motoröl aus, und es gibt vereinzelt dezenten Oberflächenrost. Ansonsten steht der Focus aber topfit und erstaunlich frisch da. Der Innenraum wie auch die Technik zeigen sich von den 100 000 Kilometern weitgehend unbeeindruckt. Was uns beeindruckt.

DIE WERTUNG

Hier gibt es nicht nur für Ausfälle Minuspunkte. Unser Dauertest- Team bepunktet auch den Zustand bei Demontage sowie die Eigenschaften im Test. Die Punkteaddition führt gemäß Schlüssel zur Gesamtnote.

Note 1- 0 Punkte 1+; 1–4 Punkte 1; 5–8 Punkte 1-; 9–12 Punkte 2+; 13–16 Punkte 2; 17–20 Punkte 2-; 21–24 Punkte 3+; 25–28 Punkte 3; 29–32 Punkte 3-; 33–36 Punkte 4+; 37–40 Punkte 4; 41–44 Punkte 4-; 45–48 Punkte 5+; 49–52 Punkte 5; 53–56 Punkte 5-; ab 57 Punkte 6

FAZIT

GERALD CZAJKA, TIM DAHLGAARD

DA GIBT’S KAUM WAS ZU MECKERN. Der Focus zeigt nach 100 000 Kilometern nur wenig Alterungsspuren, wirkt insgesamt noch erfreulich frisch. Beim kompakten Kombi handelt es sich um ein ebenso praktisches wie sparsames Auto.

DIE AUTO BILD-DAUERTEST-RANGLISTE

AUTO BILD bewertet nicht nur die Zuverlässigkeit. Auch technischer Zustand bei der Abschlussuntersuchung (Kriterien gemäß Tabelle links) und Praxiseindrücke der Tester gemäß Fahrtenbucheintragungen werden bepunktet. Bereits 68 Autos wurden so beurteilt. Nur die aktuellsten finden hier Platz.

Die komplette Liste: www.autobild.de/dauertest