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Eine gemeinsame Mission


FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 09.09.2021

Der Verein „mission equal e.V.“ hat sich in Sachen Gleichberechtigung und Empowerment viel vorgenommen und will für den Frauenfußball in die Offensive gehen. Mitgründerin Svenja Grundl erklärt uns im Interview, wohin die Reise des spannenden Projekts hingehen soll.

Hallo Svenja! Schön, dass Du bei uns bist, um mit uns über den „mission equal e.V.“ zu sprechen, den Du vor kurzem mit ein paar Gleichgesinnten gegründet hast. Auf welche Mission wollt ihr euch denn begeben?

Danke, dass ich hier sein darf! Als Mutter einer ambitionierten Spielerin, bekommt man über die Jahre zwangsläufig so einiges mit. Es gibt vieles, was sich im deutschen Fußball mit Blick auf die Mädchen- und Frauen verändern muss. Unser Ziel ist es daher, dem Frauenfußball und den Spielerinnen mit „mission equal“ im Fußballland Deutschland endlich zur verdienten Anerkennung sowie einer Angleichung der Bedingungen zu verhelfen. Der Weg dahin führt über mehr mediale Präsenz und dadurch sichtbare weibliche Vorbilder, mit denen sich junge Mädchen und Frauen identifizieren können. Wir wollen erreichen, dass das Spiel für alle Beteiligten noch attraktiver und erlebbarer und letztlich besser vermarktet wird.

Wo liegen Eurer Meinung nach denn die Defizite bezüglich des Frauenfußballs in Deutschland?

Fußball ist in Deutschland wahnsinnig dominant. Selbst wenn man sich nicht dafür interessiert, kann man der Informationsflut kaum entgehen. Nicht nur unsere eigenen Statistiken zeigen, wie übermäßig viel die Medien über Fußball berichten – Männerfußball wohlgemerkt. Dem Frauenfußball hingegen wird nahezu keine Beachtung geschenkt, kein Forum gegeben. Die Öffentlichkeit weiß fast nichts über den Frauenfußball, der Markt ist nahezu unerschlossen. So platzt der große Traum Profi zu werden – und den haben Mädchen genauso wie Jungen – schon bevor er richtig angefangen hat.

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Svenja Grundl (Mitte) ist Vorstandsvorsitzende des ?mission equal e.V.?.

“ Die Frage ist nicht ob, sondern wie in den Frauenfußball investiert werden soll.“

Und was ist der Grund für diese Abseitsstellung des Frauenfußballs?

Sicherlich hängt vieles noch mit alten Rollenbildern zusammen. Zum Beispiel wird leider immer noch viel zu oft der Vergleich zwischen Männer- und Frauenfußball gezogen – und das macht allein mit Hinblick auf die physischen Gegebenheiten schon keinen Sinn. Wie will man etwas miteinander vergleichen, wenn sich schon die Rahmenbedingungen grundlegend unterscheiden? Mädchen können ihren Sport und dessen Protagonisten in der Öffentlichkeit nicht ansatzweise so verfolgen, wie es die Jungs können. Die Mädchenund Frauenmannschaften werden bei den Trainingsmöglichkeiten in den Vereinen häufig benachteiligt. Ein Teil der Frauen im Profibereich muss nebenbei arbeiten, um über die Runden zu kommen. Und schließlich erhält die Mehrzahl der Fußballerinnen der 1. und 2. Bundesliga nicht annähernd die Unterstützung aus den Vereinen, der Gesellschaft und von Marketingpartnern, wie die Männer. Unter diesen Aspekten ist es noch verwunderlicher, dass immer wieder zwischen Frauen- und Männerfußball verglichen wird.

Ja, da müssen wir Dir leider Recht geben. Aber hat sich in der jüngeren Vergangenheit nicht etwas geändert?

Ja, natürlich! Zum Glück gibt es schon Bewegungen in die richtige Richtung. Aber hier ein Beispiel: Wenn der DFB allerdings jetzt mit dem Partner ‚Staige‘ sogar alle Spiele der 2. Frauen-Bundesliga übertragen will, dann sollte das doch auch gut vermarktet werden! Wenn davon gesprochen wird, dass der Fußball der Frauen nicht so viel erwirtschaftet, wie der der Männer, dann muss man sich auch anschauen, wie viel von der Jugend in den Männerfußball investiert wird, um am Ende auch so viel Return zu generieren. Wir stehen noch am Anfang, haben jetzt aber die Möglichkeit ein eigenes Image für den Frauenfußball zu kreieren und ihn marktrelevant zu positionieren. Das Spiel der Frauen ist ehrlich, bodenständig, voller Leidenschaft und vor allem als familienfreundliches Erlebnis sehr gut zu vermarkten. Andere Länder haben das schon verstanden und treiben die Entwicklung entsprechend voran – vor allem in Hinblick auf die Inszenierung.

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Wie will „mission equal“ denn nun konkret für den Frauenfußball in die Offensive gehen?

Der Verein ist auf drei Säulen aufgebaut: Umdenken & Gerechtigkeit, Inszenierung & Vermarktung, Networking & Support. Wir werben um Vereinsmitglieder, die uns ideell, finanziell, aktiv und mit ihrer (medialen) Präsenz unterstützen. Die Premiummitglieder, eher Unternehmen, zeigen mit ihrer Unterstützung in der Außendarstellung, wofür sie stehen. Unserem Verein (und somit dem Frauenfußball) helfen sie mit ihrem Namen, Netzwerk und Know-How. Gemeinsam mit ihnen wollen wir unsere Mission nach außen tragen, eine Verbesserung der Medienpräsenz und letztendlich ein Umdenken in der Gesellschaft bewirken. Die Fördermitglieder, mit einem geringen jährlichen Beitrag, fungieren wie eine Lobby für den Frauenfußball und tragen somit auch ein Teil zu den Zielen bei. Unsere Partner sind die Sportvereine. Sie sind keine Mitglieder, um die Neutralität von „mission equal“ zu gewährleisten. Mit ihrer Partnerschaft bekennen sie sich aber zu den Zielen von „mission equal“.

So werden die Partnervereine zu Leuchttürmen mit Signalwirkung. Schließlich haben wir unsere Community. Die Mädchen und Frauen, die mit Spaß und Leidenschaft Fußball spielen. Ganz gleich, ob ihr Verein Partner von „mission equal“ ist, können diese Fußballerinnen von unserem Verein profitieren – von der Arbeit, die wir nach außen tragen und den Aktionen, die wir für unsere Community entwickeln. Das sind zum Beispiel Themenabende, Turniere und Events, die allesamt helfen sollen, die Mädchen und Frauen zu empowern – also sie auf und auch neben dem Platz selbstbewusst und gestärkt in die Zukunft blicken zu lassen. Die Frauenfußballabteilung des FC Bayern München wollte als erster offizieller Partnerverein ein Statement setzen, weshalb wir den „mission equal e.V.“ am 02. September 2021 in einem gemeinsamen Event der Öffentlichkeit vorgestellt haben.

Damit könnt ihr sicher Weichen stellen, hin zu einer gleichberechtigteren Darstellung und Wahrnehmung des Frauenfußballs...

Das ist ein ganz wichtiger Schritt. Fußball ist doch eine ganz tolle Sportart, die so viele Menschen in Deutschland und der Welt begeistert. Wir können noch mehr Fans gewinnen, und viel mehr Menschen können von dem, was der Fußball uns gibt, profitieren: Fans, junge Mädchen, Sportartikelhersteller, Vermarkter usw. Fußball ist entgegen der vorherrschenden Meinung nicht männlich. Leider wurde das der Gesellschaft aber bislang immer so verkauft.

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