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Eine Insel unter Strom


emotion - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 01.09.2021

Reise

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Bildquelle: emotion, Ausgabe 10/2021

Sylt elektrisiert. In doppelter Hinsicht: Als wir mit dem Autozug von Niebüll nach Westerland übersetzen – links und rechts von uns nur Watt und Wind, über uns ein blau-weiß getupfter Himmel, vor uns die Insel – da wird unser Reiseherz aus Vorfreude auf unser klimafreundliches Mikroabenteuer schon mal unter Strom gesetzt. Und wenig später dann auch unser Auto, an der ersten Sylter Ladestation, die wir in Westerland ansteuern.

Wir, meine Frau Mia und ich, Christian, wollen zum ersten Mal länger mit einem Elektro-Wagen unterwegs sein. Dementsprechend nervös waren wir noch bei unserer Abreise in Hamburg, wo wir das Hybridauto über Nacht an unseren Hausstrom gehängt hatten: Wie weit würden wir mit der Ladung wohl kommen? Doch schon ein kurzer Blick auf die Ladepunkte-Karte im Internet beruhigte uns: Auf Sylt gibt es bereits ziemlich viele Ladestationen, die alle über eine App zu bedienen sind. ...

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... Außerdem sind die Strecken auf der Insel in jede Richtung so kurz, dass es fast unmöglich ist, ein E-Auto unterwegs leer zu fahren.

Der nächste Tag beginnt nordisch frisch, aber strahlend sonnig, das gute Wetter treibt uns schon kurz nach Sonnenaufgang aus den Betten unseres Hotels in Morsum. Vom östlichen Zipfel der Insel fahren wir über noch weitgehend menschenleere Straßen nach List, dem nördlichsten Ort Sylts. Erst dominieren noch grüne Wiesen und Obstbäume, doch mit jedem Kilometer wird die Landschaft schroffer.

Strandhafer und Heidekraut bedecken die Dünen, Windböen rauschen über uns hinweg. Da bemerken wir zum ersten Mal den großen Vorteil des elektrischen Fahrens: Am lautesten ist hier der Wind. Das Auto hingegen ist so leise, dass wir zwischen den Böen auch immer wieder mal eine Lerche zwitschern hören können. Selbst mit heruntergelassenen Fenstern ist unsere Fahrt so ruhig, als wären wir mit dem Fahrrad unterwegs. So gucken nicht mal die Schafe hoch, die an der Strecke grasen, wenn wir an ihnen vorbeiziehen.

Unser Ziel ist ein Parkplatz kurz vorm Strand in der Nähe des Ellenbogens – dem Nordteil der Insel. Bevor wir durch die Dünen zum Meer wandern, soll sich unser Auto, das ja quasi eine fahrende Batterie ist, in einer anderen Disziplin bewähren: Frühstück machen. Wir haben extra eine Kaffeemaschine eingepackt; und tatsächlich versorgt uns die eingebaute Steckdose im Fahrzeug mit ausreichend Strom für einen frisch gebrühten Kaffee. E-Mobilität kann ganz schön wach machen.

Auch die Insel selbst überrascht uns. Da wir sie zum ersten Mal besuchen, hatten wir vorher die üblichen Sylt-Vorurteile im Gepäck: Hier machen nur Reiche Urlaub, die den ganzen Tag Champagner in sich hineinschütten und die langen Strandpromenaden zum Sehen und Gesehenwerden entlangflanieren. Das Klischee finden wir jedoch nur in Westerland wirklich erfüllt (weshalb wir den Ort auch schnell und leise wieder hinter uns lassen). Im Südosten zeigt uns Sylt dafür seine sanfte und warmherzige Seite: mit langen, weißen Sandstränden und einem sehr weiten Blick über beinah türkisblaues Wasser. Statt in Westerland überteuerte Meeresfrüchte zu essen, suchen wir uns hier lieber einen windgeschützten Platz hinter den Dünen und packen das Picknick aus.

Wer braucht schon Hummer auf Westerland, wenn er in den Dünen picknicken kann?

Obwohl: Für die kräftigen Suppen von Franzi Schubert würden wir jederzeit wieder nach Westerland fahren. Die Wahlsylterin betreibt dort den Foodtruck „Eintopf Sylt“. Sie habe etwas für die Insulaner machen wollen, die in der Mittagspause Lust auf eine schnelle Mahlzeit haben, aber nicht schon wieder Fischbrötchen essen möchten, erzählt sie uns. Tatsächlich kommen auch viele Nachbar*innen einfach auf einen kleinen Insel-Schnack bei ihr vorbei, stellen wir fest, während wir gemütlich unseren Erbseneintopf „mit Pfiff“ löffeln. Die Suppenkönigin kennt sie alle beim Vornamen.

Was für unseren klimafreundlichen Trip besonders interessant ist: Franzi Schubert produziert ihren eigenen Strom, mit einem Windrad, das direkt neben ihrem Truck steht. Das bietet sich auf Sylt natürlich an, auch wenn der Wind teilweise so stark weht, dass sie aufpassen muss, dass es nicht umgestoßen wird. Überhaupt entdecken wir auf Sylt immer wieder Orte, die mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Zum Beispiel den einzigen Hühnerhof der Insel, den Hansenhof. Dessen Besitzer Andreas Hansen setzt auf Sonnen- Energie – das riesige Dach des Hühnerstalls ist mit Solar-Panels bedeckt, die genügend Strom für die Eierproduktion liefern. Hansen liegt auch das Wohl seiner Hühner sehr am Herzen. Sie können auf 12 000 Quadratmetern frei herumlaufen, bekommen nur hochwertiges Futter und keine Chemie. Zum Dank legen sie die Sylter Eier, die mittlerweile auch über die Inselgrenzen bekannt sind.

Kreuz und quer sind wir durch die Landschaft gefahren, und unser Strom-Auto hat uns nicht einmal im Stich gelassen. Zum Abschluss unserer dreitägigen Reise wollen wir noch zum Morsum Kliff im Osten. Hier ist die Natur wieder wilder und rauer. Der Sand ist rötlich eingefärbt – nicht umsonst heißt die Gegend bei den Insulanern auch „Klein-Afrika“. Lange stehen wir an dieser schroffen Küste und schauen nur aufs Wasser.

Sylt? Lädt uns definitiv auf.

Tipps

ESSEN

Feine Gerichte aus Sylter Zutaten können in der „Kochinsel“ in List nicht nur genossen, sondern unter Anleitung von Koch Alexandro Pape auch selbst zubereitet werden (kochinselalexandropape. de). Wer nicht selber den Löffel schwingen will:

Regionales „Food Porn“ gibt es im gleichnamigen Bistro in Westerland (foodporn-sylt.de).

BEWEGEN

Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden?

Kann man, wenn man beim Strandspaziergang Plastikmüll einsammelt.

Z. B. mit dem Surf Club Sylt (im März) oder mit der Lokalgruppe von #byebyeplastik. Wer einfach entspannen will, bucht einen Achtsamkeitsspaziergang bei Johanna Katzera (einfachachtsam.de>).