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Eine Legende wird 75


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Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 06.04.2022

BUCHKRITIK

Unter den besten Gitarren (Gibson, Martin, Rickenbacker, Gretsch, Taylor, Guild u. a.) gehören die von Fender zu den beliebtesten, weil sie jahrzehntelang von prominenten Rockmusikern favorisiert wurden. Muddy Waters und James Burton spielten sie. Für Surf-Music-Legende Dick Dale wurden, wie Dave Hunter in seiner „Festschrift“ erzählt, Verstärker so modifiziert, dass er damit nicht vor 300, sondern 3.000 Fans auftreten konnte! Der Klang von Jimi Hendrix’ Gitarre bei der „Stars & Stripes“-Hymne in Woodstock dürfte vielen Musikliebhabern in Erinnerung sein. Bonnie Raitt, Keith Richards und Jeff Beck musizierten grandiose Aufnahmen auf Fender-Gitarren. Richtige Garagenrock-Gewitter entfesselte Jack White auf seiner. Hunter erinnert daran, dass Mark Knopfler in frühen Dire-Straits-Jahren eine „Fiesta Red Stratocaster“ von 1961 spielte. Das Buch ist eine lange Reportage, die chronologisch ...

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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 5/2022

Dave Hunter, 75 Jahre Fender Hannibal Verlag, Höfen 224 Seiten, 50 ?
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... minuziös alle Entwicklungen bei den diversen Linien der Instrumente wie auch der Verstärker referiert.

Franz Schöler

Singer-Songwriter

Musik ★★★

Klang ★★★

HD LP

Hurray For The Riff Raff Life On Earth Nonesuch

Nach Punkrock-Anfängen, Abstechern in Folk-Music, Americana und dem Tribute an Idole der Singer-Songwriter-Zunft wie Townes Van Zandt war der Protestsong „Pa’lante“ auf ihrem Konzeptalbum „The Navigator“ (2017) ein so wortgewaltiges Statement, dass man sich fragen durfte, wie Alynda Segarra an dies Niveau anknüpfen würde. Auch wenn von The Clash und Ideen der „guerilla gardening“ empfehlenden Aktivistin Adrienne Maree Brown inspiriert, klingen viele ihrer neuen „naturepunk songs“ (O-Ton Segarra) optimistisch wider alle Vernunft. Den Titelsong hat Brad Cook wunderbar als akustische Hymne produziert.

Franz Schöler

Singer-Songwriter

Musik ★★★★

Klang ★★★★

LP

Janis Ian The Light At The End Of The Line Rude Girl Records

Mit 16 profilierte sie sich als frühreifes Wunderkind mit dem Hit „Society’s Child“ über eine „mixed race“-Liebesbeziehung. „At Seventeen“ war der Ohrwurm auf der Trilogie von LP-Meisterwerken Mitte der 1970er-Jahre. In „I’m Still Standing“ hadert Janis Ian (Jahrgang 1951) nicht mit ihrem Alter, beeindruckt vielmehr mit ihrem unglaublich jung gebliebenen Mezzo. „I cannot be your virgin and /I will not be your whore“ („Resist“) ist eines der Bekenntnisse in einem Songzyklus, der mit außerordentlicher Sensibilität und poetischer Kraft der Kompositionen ein bewundernswertes Spätwerk geworden ist.

Franz Schöler

Crossover

Musik ★★★★

Klang ★★★★

HD LP

Joe Satriani The Elephants of Mars Ear

Technisch ist Joe Satriani einer der besten Gitarristen seiner Generation. Den Beweis dafür liefert der Amerikaner in den Soli seiner neuen Songs, mit denen er sich immer wieder vom klassischen Rock entfernt. Bei „Pumpin’“ blüht cineastischer Fusion-Vibe auf, in „Dance Of The Spores“ scheint erst die Gitarre zu explodieren, dann fügt sich ganz überraschend Kirmesmusik in die mehr als sechsminütige Komposition ein. Auch bei „Sailing The Seas Of Ganymed“ ist die Gitarre prominent, trotzdem darf sich das Keyboard mit sphärischen Klängen angemessen präsentieren – ein abwechslungsreiches Album.

Dagmar Leischow

Rock

Musik ★★★★

Klang ★★★★

LP

Jack White Fear Of The Dawn Third Man

Wenn Rockmusik sich dieser Tage immer wieder den Vorwurf gefallen lassen muss, zu angepasst zu sein, dann liefert Jack White dazu die Antithese. Der Amerikaner (White Stripes) pfeift auf jegliche Kompromisse und läuft mit seinem vierten Soloalbum knallhart Sturm gegen die Verflachung dieses Genres. In Stücken wie „That Was Then (This Is Now)“ haut er seiner Hörerschaft deswegen äußerst aufgepeitschte Gitarrenriffs um die Ohren. Für „Hi De Ho“ steuert der Rapper Q-Tip seinen Sprechgesang bei. Dazu heult der Synthesizer auf. Hier gibt es also ordentlich was zu entdecken – und dabei immer auch etwas auf die Ohren.

Dagmar Leischow

Folk Rock

Musik ★★★

Klang ★★★

LP

Jerry Leger Nothing Pressing Latent Records

Dem Fangeschenk „Songs From The Apartment“, das er im Laufe der Pandemie daheim im LoFi-Stil auf einem Kassettenrekorder aufnahm, lässt Jerry Leger ein reguläres Studiowerk folgen. Besonders gut klingt das aber auch nicht, obwohl es von Cowboy Junkie Michael Timmins betreut wurde. Legers Stärken als Songwriter liegen klar im Textbereich. In gescheiten Versen behandelt er zentrale Existenzfragen des Menschenlebens: Liebe, Sterblichkeit, Sinn. Musikalisch fällt dem Kanadier nicht viel Individuelles ein, da bedient er sich lieber auffällig bei seinen Idolen Neil Young und Tom Petty, vor allem aber Bob Dylan.

Harald Kepler

Tribute

Musik ★★★★

Klang ★★★★

HD

Joey Landreth All That You Dream Birthday Cake

Sehr kurios: Mit „Whiskey“ und „Hindsight“ legte Bruder Joey als eine Hälfte der kanadischen Bros. Landreth zwischenzeitlich zwei „Soloalben“ (auch hier Bruder David an Bassgitarre!) vor – weil er anscheinend die Pausen zwischen Platten der Band mit neuen Songs füllen wollte. Wenn etwas bedauerlich ist, dann, dass er für das vorliegende Little-Feat-Tribute-Projekt ganze sieben eigene Lieblingssongs aufnahm. Denn für seine Begleiter hat er alle fabelhaft arrangiert, seine Qualitäten als Slide-Virtuose dabei fast etwas unterschlagen und die Songs durchaus passend auch mal mit diversen Gospel-und Soulelementen unterfüttert.

Franz Schöler

Blues

Musik ★★★

Klang ★★★

HD LP

Jon Spencer & the HITmakers Spencer Gets It Lit Bronzerat

Seit seinen Anfängen mit der nach der „vergoldeten“ Pussy Galore in „Goldfinger“ benannten Band schärfte er sein Profil als Enfant terrible aller möglichen Spielarten des Rock 'n' Roll. Nach der Rückkehr zum Punkrock mit „Spencer Sings The Hits!“ erklärt er diesmal in „Get It Right Now“ seine Abneigung gegen Mark Zuckerberg, lässt sich zu „Death Ray“ von Duane Eddy und Captain Beefheart inspirieren und wütet in „The Worst Facts“ gegen Fake-Gläubigkeit. Alles zweifellos ehrenwert, allerdings in der Schärfe des Protests und auch musikalisch nicht annähernd so brillant und radikal wie der junge Frank Zappa mit den Mothers.

Franz Schöler

Avantgarde

Musik ★★★★

Klang ★★★★

HD

Lavinia Meijer Are You Still Somewhere? Sony Classical

Lavinia Meijer ist seit jeher bekannt für Schritte in musikalisches Neuland. Auch auf dem herrlichen „Are You Still Somewhere?“ erobert sie der Harfe Repertoire, das man dem Klassikinstrument kaum zugetraut hätte. Neben eigenen Stücken interpretiert die Niederländerin mit ihrer brillanten Spieltechnik diesmal betont ruhige, zur Versenkung einladende Ambient-Werke von Pianisten wie Ryuichi Sakamoto, Ólafur Arnalds und Alexandra Stréliski. Dass gerade Punkpionier Iggy Pop als Gedichtrezitator zu der stillen Stunde hinzugebeten wurde („Mom & Dad“), darf man einen gelungenen Coup nennen.

Harald Kepler

Bluegrass

Musik ★★★★

Klang ★★★★

LP

Molly Tuttle & Golden Highway Crooked Tree Nonesuch Records

Bluegrass-Musikern sagt man gerne eine gewisse Rückständigkeit nach. Molly Tuttle zählt gewiss nicht zu denen, auch auf dem famosen neuen Album spielt sie wieder eine moderne, mitunter sogar feministische Variante dieser Musik vom Lande (z. B. im spaßigen, Gleichberechtigung einfordernden „Side Saddle“ mit Kollegin Gillian Welch). An Akustikgitarre und Banjo verblüfft die Künstlerin einmal mehr mit ihrer wieselflinken Finger-und Flat-Picking-Technik. Co-Produzent Jerry Douglas hat sämtliche Songs, darunter „Flatland Girl“ mit Gastsängerin Margo Price, klanglich kristallklar gestaltet.

Harald Kepler

Blues

Musik ★★★★

Klang ★★★

HD LP

Larry McCray Blues Without You Keeping The Blues Alive Rec.

Joe Bonamassa hält ihn für einen der ganz Großen im aktuellen Blues. Wenn sich schon eine Autorität wie er für Larry McCray stark macht, dann sollte man die besser beim Wort nehmen. In der Tat besticht der Traditionalist aus dem Arbeiterstaat Michigan auf dem ersten Album seit sieben Jahren mit einem urwüchsig-deftigen Blues im Geiste der drei Kings (Albert, B. B. und Freddie). Sobald der Shouter mit seiner Rustikalstimme und einer förmlich „sprechenden“ Gitarre aus seinem Leben erzählt, riecht es förmlich nach Schweiß und Tränen. Zu erleben ist das beispielsweise in „Arkansas“ und „Down To The Bottom“.

Harald Kepler

Folk/Rock

Musik ★★★

Klang ★★★

LP

Max Paul Maria Paradigm Beach Devilduck Records

Bislang hat sich Max Paul Maria meist als Alleinunterhalter mit Gitarre in Berlins Clubszene durchgeschlagen, auf dem guten neuen Album schöpft er nun geschickt die Ausdrucksvielfalt einer ganzen Band aus. Die Klangbandbreite erstreckt sich denn auch von Dylan-eskem Folk über Rock in der Nähe der Dire Straits bis zu Punk à la Black Flag. Grundehrlich und glaubwürdig singt der Künstler dazu von der Unbeständigkeit der Liebe („A Sport And A Pastime“), dem Gewaltmonopol des Staates („Cops“) sowie dem Wunsch, dem Trubel unserer verrückten Welt wenigstens zeitweise zu entfliehen („The Big Vacation“).

Harald Kepler

Pop

Musik ★★★★

Klang ★★★★

HD

Papooz None Of This Matters Now Half Awake

Auf dem dritten Album bekennt sich die französische Band lustvoll zur eigenen Retromania, nicht zuletzt beim Titelsong, musikalisch eine Hommage an George Harrison – der Text eher nicht. Verse wie „The Planet’s burning, why would I care? / Since sex offenders are everywhere“ fielen dem Beatle nie ein. Mehr als einmal kann man sich dennoch fragen: Von welchem seiner Songs genau ließen sich Ulysse Cottin und Armand Penicaut fallweise inspirieren? Bei „Reminiscence“, eine in Nostalgie schwelgende Pianoballade wie auch die „Piano Sonata“, standen musikalisch Harry Nilsson und die Beach Boys Pate.

Franz Schöler

Rock/Pop

Musik ★★★★

Klang ★★★★

LP

Placebo Never Let Me Go So

Schon für „Forever Chemicals“ lohnt es sich, in das neue Placebo-Album reinzuhören. Ein verzerrter Harfenloop eröffnet den Song, bevor die Gitarre einsetzt. Synthesizer spielen diesmal eine zentrale Rolle und scheinen den Gitarren ebenbürtig. „Beautiful James“ erschafft eine Popatmosphäre. „Sad White Reggae“ erinnert irgendwie an Visage. In „Surrounded By Spies“ geht es um die Verletzung der Privatsphäre – das Stück setzt auf Sprechgesang. Bei „This Is What You Wanted“ kommt das Klavier zum Einsatz. Verständlich, wenn das Album durch die Decke geht – Brian Molko und Stefan Olsdal packen einen immer noch.

Dagmar Leischow

Blues

Musik ★★★★

Klang ★★★

HD LP

Ry Cooder & Taj Mahal Get On Board: The Songs Of Sonny Terry and Brownie McGhee Nonesuch

Der Untertitel ist irreführend: Auf dem ersten gemeinsamen Album seit den Rising-Sons-Sessions ist „Drinkin’ Wine ...“ der Jump-Blues von Stick McGhee, „Packing Up, Getting Ready To Go“ der berühmte Gospelklassiker und „What A Beautiful City“ das uralte Spiritual. „The Midnight Special“ und das auf das frühe 19. Jahrhundert datierte „I Shall Not Be Moved“ sind Traditionals wie „Pick A Bale Of Cotton“ – eine der besten Interpretationen des Albums – immer assoziiert mit Lead Belly. Originale des Duos sind „Cornbread, Peas & Black Molasses“ und der „Pawn Shop Blues“.

Franz Schöler

Stahlberger Lüt of Fotene Irascible Music

Progressive Rock

Musik ★★★

Klang ★★★★

LP

Die von der Covid-Pandemie verordnete Auszeit von Tourneen nutzten Stahlberger für lange Jamsessions. In denen hatte die Band immer wieder Spontaneinfälle, die sie zu guten Stücken ausfeilen konnten. Laut „Promowaschzettel“ hat man dafür albtraumhafte, ja dystopische Düstertexte in schwyzerdütscher Mundart erdacht. Das leuchtet einem sofort ein, sobald man die wahrlich unheilvollen Sounds dazu gehört hat. Aus dem idyllischen Helvetien sendet das Quintett allerlei dunkle Songkreationen der Stilsparten Progressive („Gar nöd i“) und Postrock („I ha min Name ghört“) in die Welt hinaus. Sinister-schön!

Harald Kepler

Blues

Musik ★★★★

Klang ★★★

LP

Popa Chubby Emotional Gangster Dixiefrog

Von den meisten Bluesern unterschied sich Popa Chubby durch den stets unverkennbaren Hardrock-Background: Auch wenn er auf dieser Platte mit Klassikern wie „Hoochie Coochie Man“ oder „Dust My Broom“ den Urvätern Willie Dixon und Elmore James Tribut zollt, macht er dies natürlich mit dem ihm eigenen, grummelnden Blues und beeinflusst von Led Zeppelin, Canned Heat oder Cream. Trotz balladesker Töne wie in „Fly Away“ rast „Emotional Gangster“ – übrigens Chubbys drittes Album innerhalb von drei Jahren – wie ein außer Kontrolle geratener Sattelschlepper in Hochgeschwindigkeit dahin. Eine wahre Naturgewalt!

Peter Bickel

Pop

Musik ★★★★

Klang ★★★

LP

Selah Sue Persona Because/Virgin

Besonders produktiv ist Selah Sue nicht gerade. Die Belgierin veröffentlicht jetzt ihr drittes Album – das sieben Jahre auf sich warten ließ. Qualität geht der Musikerin eben über Quantität. Daran lassen ihre neuen Songs auch keinerlei Zweifel: „Pills“, ein Lied über Antidepressiva, macht einen Schlenker in Richtung Disco-Pop. Das lässig groovende „Try To Make Friends“ handelt von den Ängsten der 32-Jährigen. Diese beiden Stücke sind repräsentativ für die gesamte Platte, mit der Selah Sue alle Facetten ihrer Persönlichkeit auszuleuchten versucht. Ihre Musik ist dabei ebenso eingängig wie unvorhersehbar. Bravo!

Dagmar Leischow

Pop

Musik ★★★★

Klang ★★★

HD LP

Stromae Multitude Universal

Mit akustischen Instrumenten aus aller Welt musiziert Paul Van Haver alias Stromae diesmal: Bei „Ave Césaria“ kommt die portugiesische Gitarre Cavaquinho, in Brasilien besonders populär, zum Einsatz. Die chinesische Violine Erhu hinterlässt in „La Solassitude“ Spuren. Das südamerikanische Zupfinstrument Charango trumpft in „Mauvaise Journée“ auf. In diesem Stück lotet der belgische Rapper/Sänger Depressionen und Selbstmordgedanken aus. „Santé“ wiederum ist eine Hommage an die Arbeiterklasse. Damit macht Stromae seine Verwandlung vom Dance-Wunder zum ernsthaften Singer-Songwriter perfekt.

Dagmar Leischow

Neofolk

Musik ★★★

Klang ★★

HD LP

Susanna Elevation Susanna Sonata

Zum Verständnis von Susanna Wallumrøds „Baudelaire & Piano“ waren Grundkenntnisse in Vampirismus (ein Thema des Dichters) hilfreich. Für die Fortsetzung „Elevation“ vertonte sie weitere Gedichte von „Les Fleurs du Mal“, diesmal (auch rezitiert oder sprechgesungen) laut „Pressewaschzettel“ weniger über eine „gruselige Schar von Hexen, Heiden, Wölfen, Vampiren und Dämonen“, mehr über „besessene Liebende, die sich nach Ekstase und einem spirituellen Aufbruch sehnen“ wie „Le vin des amants“, „L’invitation au voyage“ und „In Shared Ecstasy“ – leider gänzlich unpoetische „Geräusch-Performances“ einflechtend.

Franz Schöler

Retro-Soul

Musik ★★★★

Klang ★★★

LP

The Dip Sticking With It Dualtone Records

Auf dem großartigen dritten Album nehmen uns The Dip auf eine vergnügliche Zeitreise in die musikalisch goldenen 60er-Jahre mit. Voller Hingabe stürzt sich die siebenköpfige Formation aus Seattle zurück in die Ära von Stax und Volt, schepperndem R 'n' B und herzzerreißendem Soul. Wie sie die Musik von damals wiederbelebt, das ist wahrhaft erste Sahne. Im eigenen kleinen Studio hat man großen Wert darauf gelegt, den Sound möglichst originalgetreu hinzukriegen. Von der trockenen Gitarre ohne Hall bis hin zu den drei um nur ein Mikrofon versammelten Backgroundsängerinnen ist das absolut authentisch gelungen.

Harald Kepler

Pop

Musik ★★★★

Klang ★★★★

HD LP

The Anchoress The Art Of Losing Kscope

Das nur mit Klavier und Cello dargebotene Instrumental-Intro „Moon Rise“ ist das eigentliche Highlight – auch wenn die walisische Sängerin und Multiinstrumentalistin Catherine Anne Davies in den folgenden Songs die musikalischen Gefilde der Beatles, von David Bowie, The Cure, PJ Harvey oder Kate Bush durchschreitet. Dieses Album, das in England schon im letzten Jahr erschien und begeistert aufgenommen wurde, erscheint nun mit fünf zusätzlichen, neuen (!) Acoustic-Tracks. Das ist sicherlich keine Musik für Partys, sondern – trotz der berührenden Stimme – zum Trauern, zum Nachdenken und zum Wütendsein.

Peter Bickel

Weltmusik

Musik ★★★★

Klang ★★★★

Äl Jawala I Way To Äl Jawa Records

Da Äl Jawala 2020 das 20-jährige Bestehen Corona-bedingt nicht angemessen feiern konnte, erscheint das dazugehörige Jubiläumsalbum erst jetzt. Egal. Die eigens dafür zusammengefügte Sammlung von Archivschätzen macht auch mit Verspätung großen Spaß. Zumal die Frühwerke aus der Straßenmusikerzeit, die Konzertmitschnitte, Eindrücke aus dem Probenraum und drei neue Stücke nach einem sorgfältigen (Re-) Mastering ganz frisch klingen. Die wilde Stilmixtur der Freiburger, die Balkan-Beats, Afrikanisches, Arabisches, Jazz und Funk umfasst, sprudelt nur so vor Lebendigkeit. Eine Fundgrube für alle Fans.

Harald Kepler