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Eine miese Masche


Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 33/2020 vom 10.08.2020

So etwas ist auch im Betrugsdezernat neu: Der Interessent auf ein Wohnungsinserat im Internet wird mit freundlichen E-Mails dazu gebracht, eine Kaution zu überweisen – und weg ist das Geld! So ist es Valerie passiert, die jetzt zerknirscht vor Kommissar Felix Berner sitzt. Aber hat er eine Chance, ihr zu helf en?


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Bildquelle: Das goldene Blatt, Ausgabe 33/2020

Der Weg ins Polizeipräsidium fiel Valerie nicht leicht. Wem fiel es schon leicht, die eigene Dummheit einzugestehen? So musste sie sich einen Ruck geben, als sie endlich einem jungen Kripo-Beamten gegenüber saß. Er stellte sich als Felix Berner vor und lächelte sie über seinen Schreibtisch ...

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... hinweg an.

„Was kann ich für Sie tun?“

„Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin“, begann Valerie etwas unsicher. „Ich möchte eine fiese Betrugsmasche anzeigen.“

Er sah sie gleichbleibend freundlich an. „Ich denke, da sind Sie genau richtig“, entgegnete er. „Betrugsdelikte sind mein Tagesgeschäft. Worum geht es?“

Sie seufzte tief, dann brachte sie ein ziemlich klägliches Lächeln zustande. „In erster Linie geht es wohl um meine eigene dumme Leichtgläubigkeit“, entfuhr es ihr.

Sein Blick lag aufmerksam und fest auf ihr. Wahrscheinlich lernte man das schon in der Grundausbildung, schoss ihr durch den Kopf.

Beobachten. Leute einschätzen. Da war aber auch Anteilnahme in seinen Augen, und Valerie entspannte sich ein wenig. „Möchten Sie mir davon erzählen, Frau …?“

„Fürst. Valerie Fürst. Also. Es ging um ein Immobilienangebot.“ So sachlich, wie es ihr in ihrer aufgewühlten Gemütsverfassung möglich war, schilderte Valerie die ganze Geschichte. Angefangen mit der Kündigung ihres Mietvertrages, dann wie sie seit Wochen vergeblich nach einer bezahlbaren Wohnung suchte, von Massenbesichtigungen und Mondpreisen.

„Das nur zum besseren Verständnis“, versuchte sie zu erklären. „Ich war schließlich völlig zermürbt und verzweifelt von all diesen Rückschlägen. Da greift man nach jedem Strohhalm.“

Felix Berner nickte, ohne die Augen von ihr zu nehmen. „Ja, verstehe. Was ist dann passiert?“

„Ich habe weitergesucht. Auf sämtlichen Immobilienportalen im Internet. Ich dachte, irgendwann muss es doch klappen. Und da bin ich auf diese Anzeige gestoßen. Es hat einfach alles gepasst. Ausstattung, Lage, Preis. Ich habe also hingeschrieben, und eigentlich mit einer Absage gerechnet. Oder dass gar keine Antwort käme, wie so oft. Stattdessen erhielt ich postwendend diese freundliche Mail.

Die Frau hat sich noch entschuldigt, dass die Fotos nicht perfekt wären, aber sie hätte keine gute Kamera, nur ihr Handy. Das war mir egal, verstehen Sie? Meine Hoffnung ging durch die Decke.“

Valerie machte eine Pause und sah ihn an. Er nickte wieder. „Kann ich mir vorstellen. Und weiter?“

„In der Folge gingen mehrere E-Mails hin und her. Es entstand ein fast freundschaftlicher Kontakt. Die Frau fragte nach meinen Lebensumständen und erzählte auch von sich. Smalltalk im Grunde.“

„Hat Sie das nicht gewundert?“, warf der Kommissar ein. „In diesem Zusammenhang ist das doch eher ungewöhnlich.“

„Ja, schon“, räumte Valerie ein.

„Aber ich wollte diese Wohnung so unbedingt, dass ich mich auf die Plauderei eingelassen habe.“

„Hatten Sie denn dabei auch einen Besichtigungstermin vereinbart?“, wollte er wissen.

„Zweimal sogar. Bloß kam immer etwas dazwischen. Das hat sie aber so plausibel begründet, dass ich es hingenommen habe. Weil sie gesagt hat, dass ich ihre Wunschmieterin wäre. Ich dachte echt, das ist es jetzt. Verstehen Sie?“

Sie brach ab und warf ihm einen eindringlichen Blick zu. Er hielt ihn einen Moment fest, ehe er den Kopf auf den Block vor sich senkte und sich Notizen machte. Valerie beobachtete dabei den störrischen Haarwirbel oberhalb seiner Stirn und musste unwillkürlich lächeln.

„Was passierte dann?“, fragte er. Sie seufzte. Das Lächeln erstarb. „Dann hat sie mir diese Story aufgetischt, dass sie unverzüglich ins Ausland muss. Eine dringende Familienangelegenheit und ungewiss, wann sie zurückkommen würde.

Sie war ganz unglücklich, dass das jetzt mit der Besichtigung der Wohnung doch nicht klappen würde!“ Valerie schnaubte verächtlich.

Voller Hoffnung Valerie kann ihr Glück kaum fassen – eine Wohnung wie für sie geschaffen


„Ich war auch unglücklich, das können Sie mir glauben“, fuhr sie fort. „Deshalb erschien mir der Vorschlag wie die Lösung aller Probleme. Sie hat es auch so dargestellt, als wäre sie gerade erst draufgekommen. Sie würde mir den Schlüssel zuschicken, und den Mietvertrag gleich mit. Weil ich eine so vertrauenswürdige Person sei.“ Diese letzten Worte verknoteten sich schier in Valeries Mund.


„Ich war so dumm“, stöhnte Valerie. „So erbärmlich dumm!“


„Dafür sollten Sie bezahlen“, ergänzte Felix Berner trocken.

„Genau. Drei Monatsmieten als Kaution“, stöhnte Valerie.

Der junge Kommissar sah sie mitfühlend an. „Kam Ihnen das denn nicht sehr merkwürdig vor?“ Sie erwiderte seinen Blick.

„Nein. Das ist ja das Verhängnis. Ich war total geblendet von der Aussicht auf meine Traumwohnung, eingelullt von der Freundlichkeit dieser Frau. Mit einem Wort: dumm. Himmelschreiend, erbärmlich, beschämend dumm.“

Sie schüttelte den Kopf und starrte einen Moment auf die Tischplatte. Deshalb sah sie diesen Ausdruck nicht, der kurz über sein Gesicht huschte. „Seien Sie nicht so streng mit sich“, hörte sie ihn sagen und sah wieder hoch, direkt in sein warmes Lächeln. „Bestimmt war diese Frau ein Profi. Die wissen, wie das funktioniert. Und wahrscheinlich hat sie das auch nicht zum ersten Mal gemacht.“

Valerie brachte ein kleines Lächeln zustande. „Danke. Nett, dass Sie das sagen. Meinen Sie denn, eine Anzeige hätte Erfolg?“

Er schien seine Worte abzuwägen. „Dass Sie Ihr Geld wiedersehen, kann ich leider nicht versprechen. Zur Anzeige sollte man die Sache aber auf jeden Fall bringen.

Wenn die Daten erst im System sind, kann man abgleichen, ob es schon ähnliche Fälle gegeben hat. Tut mir leid, dass ich Ihnen nicht mehr Hoffnung machen kann“, fügte er hinzu, als er die Enttäuschung auf ihrem Gesicht sah.

„Schon gut“, sagte sie rasch. „Danke. Sie haben viel getan.“

Tatsächlich fühlte Valerie sich besser, als sie kurz darauf das Gebäude verließ. Die verständnisvolle Art des Kommissars hatte sie ein wenig aufgebaut. Er hatte alle Fakten genau aufgenommen und ver- sprochen, sich um die Sache zu kümmern. Und sich zu melden, wenn es Neuigkeiten oder noch Fragen gäbe. Sie müsste jetzt versuchen das ganze abzuhaken, ihre Lehren daraus zu ziehen und nach vorne zu schauen – und weiter auf Wohnungssuche gehen.

An seinem Schreibtisch im Präsidium saß Felix Berner noch eine ganze Weile und starrte auf seine Notizen. Es fiel ihm nicht leicht, sich zu konzentrieren. Immer wieder sah er diese großen Rehaugen und das zarte Lächeln vor sich.

Valerie Fürst. Mechanisch malte er mit dem seinem Kugelschreiber Kringel um diesen Namen auf dem Papier, während seine Gedanken kreiselten. Wie gerne hätte er ihr etwas anderes gesagt! Dass er die Betrüger bestimmt schnappen und ihr Geld zurückholen würde.

Doch die Aufklärungsquote bei derartigen Fällen war leider gering. Die Tiefen des Internets boten beliebig viele Schlupfwinkel und erschwerten der Polizei die Arbeit.

Jetzt pochte der Kugelschreiber verdrossen auf die Tischplatte. Das einfach so hinzunehmen war für ihn höchst unbefriedigend.

Vielleicht wäre es auch im Sinne der Öffentlichkeitswirkung gut, an dieser Front mehr Erfolge aufzuweisen. Man müsste eben einen höheren Ermittlungsaufwand investieren.

Und warum nicht mit diesem Fall anfangen? Er würde gleich mal mit den Kollegen der Abteilung Cybercrime darüber reden. Mit seinem Chef auch.

Entschlossen sprang Felix auf und machte sich auf den Weg. Zwei Tage darauf saß Valerie abends zu Hause am Rechner. Sie hatte ihre Suche wieder aufgenommen, durchstöberte gerade die Wohnungsangebote im Internet, als es klingelte. Kürzlich war der Vermieter aufgekreuzt. Er wollte im Badezimmer schon mal Maß nehmen für die Umbauten, die er nach ihrem Auszug plante. Entsprechend misstrauisch ging Valerie öffnen – und staunte gleich darauf, als Felix Berner vor der Tür stand.

„Oh, äh, hallo“, brachte sie hervor.

„Sie? Gibt’s was Neues?“

Er lächelte verhalten. „Ja und nein. Darf ich reinkommen?“


Felix stand dicht hinter Valerie, als sie die E-Mails öffnete


„Ja, klar“, sagte sie und gab die Tür frei. Dabei sah sie schnell an sich herunter. Waren die Leggins mit dem Leopardenmuster zu aufreizend? Aber sie hatte schließlich keinen Besuch erwartet. Und er schien es gar nicht zu registrieren.

„Hübsche Wohnung“, bemerkte er stattdessen und sah sich um. Valerie seufzte. „Ja. Aber bald nicht mehr meine. Was gibt es?“

Sie führte ihn ins Wohnzimmer, wo in einer Ecke ihr Schreibtisch stand. Felix streifte den Rechner darauf mit einem Blick und trat dann davor. „Hier haben Sie all die E-Mails verfasst?“ Als sie nickte fragte er: „Kann ich sie sehen?“

„Sicher“, meinte Valerie. „Moment.“ Sie setzte sich auf den einzelnen Stuhl und startete das Mail- Programm, während Felix hinter ihr stand und ihr über die Schulter sah. „Hier. So fing alles an.“

Valerie öffnete die erste Mail, und Felix beugte sich noch ein Stück näher heran. Sein Gesicht so dicht neben ihrem und der schwache Hauch eines erdigen Rasierwassers fuhr ihr als kurzes Flattern in den Bauch. Dann schob sie dieses Gefühl energisch beiseite und konzentrierte sich wieder auf den Bildschirm. „Das hat sie geschrieben.

Und hier meine Antwort. Möchten Sie sich vielleicht noch einen Stuhl heranholen?“

Spurensuche Gemeinsam mit Felix gehen sie den gesamten E-Mail-Verkehr durch


Sie wies auf die geöffnete Tür zur Küche. Felix ging hinüber und holte einen Stuhl vom Esstisch. Valerie rückte ein Stück zur Seite, und gemeinsam gingen sie den gesamten Briefverkehr durch.

„Das klingt nach System“, bemerkte Felix beim letzten Schreiben.

„Sie hat es von Anfang an darauf angelegt, Sie dahin zu bekommen, dass Geld fließt. Vertrauen aufbauen, eine quasi persönliche Beziehung herstellen – das ist wie der Enkeltrick, nur anders.“

Valerie lächelte gequält. „Und hat ja funktioniert“, stellte sie fest. Felix lehnte sich zurück und warf ihr einen entschlossenen Blick zu. „Deshalb werden wir mit Nachdruck ermitteln. Ein Signal setzen, dass man mit dieser Masche nicht so leicht durchkommt.

Mein Chef hat mir jegliche Unterstützung zugesagt. Und er will natürlich Erfolge sehen.“

„Erfolge sehen?“, echote Valerie. „Heißt das, Sie werden diese Betrüger schnappen?“

Fasziniert beobachtete Felix, wie die Rehaugen vor Aufregung blitzten. Er schmunzelte. „Das ist das Ziel. Wir haben Spezialisten, die verschleierte Mailadressen rückverfolgen können. Da setzen wir an. Leiten Sie mir bitte die E-Mail weiter, in der die Bankverbindung durchgegeben worden ist. An diese Adresse.“ Er zog eine Visitenkarte aus der Tasche und reichte sie ihr.

Valerie blickte kurz darauf und nickte. „Ja. Das mach ich.“ Plötzlich lachte sie laut auf. „Wow, ist das aufregend. Wie im Krimi.“

Auch war Felix war aufgeregt.

Nicht wegen der Aussicht, eine Betrügerei aufzudecken, eher wegen der Rehaugen. Aber es tat gut.

„Ich würde gerne in Kontakt bleiben“, sagte er zum Abschied an der Tür. „Falls noch irgendwelche Fragen auftauchen. Oder um Sie auf dem Laufenden zu halten.“ Dabei sah er noch einmal fest in diese wundervollen Augen.

Valerie strahlte ihn an. „Natürlich. Sehr gerne. Jederzeit.“

„Auf der Karte habe ich auch meine private Handynummer notiert. Für dringende Fälle.“

Sie nickte. „Vielen Dank.“

Und mit klopfendem Herzen sah sie ihm nach, bis er verschwunden war. Wow, dachte sie wieder. Was für ein verrücktes Abenteuer.

Auf dem Rückweg ins Büro trug Felix ein zufriedenes Grinsen im Gesicht. Das lief ja wunderbar bis jetzt. Und dieses süße Lächeln war jede Mühe wert gewesen.

Überredungskünste Felix braucht einige gute Argumente, um seinen Chef zu überzeugen


Dass man mit diesem Fall ein Signal setzen wollte, war nämlich allein seine Idee gewesen. Und er brauchte einige gute Argumente, seinen Chef davon zu überzeugen, hier mehr als den üblichen Ermittlungsaufwand zu investieren. Es war doch nur eine von vielen kleinen Gaunereien, die tagtäglich überall passierten! Schließlich hatte er ihn mit Hinweis auf die positive Publicity geködert, und dass man doch irgendwo anfangen müsse. Außerdem standen gerade keine wirklich wichtigen Fälle an.


In der Abteilung Cybercrime kannte man alle Tricks


Dass ihn in Wahrheit der Wunsch antrieb, Valerie zu helfen und auf diese Weise an ihr dran zu bleiben, behielt Felix wohlweislich für sich.

Rico Heise war einer der Spezialisten in Sachen Internetkriminalität.

Cybercrime und digitale Spuren war sein Ressort offiziell betitelt. Er war kaum anderswo als vor seinem Rechner anzutreffen, wo er die verschlungenen Pfade der virtuellen Welt durchforstete.

Felix hatte ihm bereits von dem Fall erzählt und ihm Valeries E-Mails weitergeleitet. Wenig später machte er sich persönlich auf den Weg in Ricos Büro.

„Hey, ich hab dir was geschickt“, sagte er zu Begrüßung.

„Und ich hab es schon durch die üblichen Checks laufen lassen“, erhielt er zur Antwort. „Die Mailadresse gibt nicht viel her. Die liegt bei einem dieser Provider, die keine Überprüfungen durchführen.

Man kann dort beliebig viele Postfächer auf Fantasienamen anlegen.

Das Geld ging auf ein Konto bei einer Online-Bank. Sieht so aus, als würde jeder Eingang darauf sofort automatisch weiter überwiesen. Aber da bin ich noch dran.“

Felix nickte. „Was meinst du, wie stehen die Chancen, dass man diese Gauner drankriegt?“

„Ganz ehrlich?“ Rico wiegte den Kopf. „Fifty-fifty. Kommt drauf an, wieviel Aufwand man betreibt.

Mindestens kann man den Standort des Rechners lokalisieren, von wo aus die Mails verschickt wurden.“ „Ah ja?“, machte Felix.

„Klar. Das heißt aber nicht, dass man dann auch weiß, wer sie verfasst hat. Es sei denn, man erwischt denjenigen, wenn von der Adresse gerade Mails verschickt werden.

Das setzt voraus, dass man den Standort des Rechners ermittelt und gleichzeitig ein Einsatzkommando für den Zugriff parat hat.

Aber ob wir das bewilligt kriegen? Das sind kleine Fische, oder?“ „Nein! Also, nicht unbedingt“, behauptete Felix mutig.

Rico grinste. „Na, wenn es Profis sind, nehmen sie für den nächsten Coup eine andere Adresse.“

Dieses Gespräch ging Felix noch lange durch den Kopf. Rico hatte schon recht. Für die Kleinen wurde kein Aufwand betrieben. Und wenn sie es doch mit Profis zu tun hätten?

Wenn diese Masche im großen Stil praktiziert wurde? Dann wäre ein Ermittlungserfolg umso bedeutender. Er würde morgen mal versuchen, dieser Frage nachzugehen.

Tatsächlich ging diese Frage ihm nach, später am selben Abend. Felix war bereits zu Hause, als sein Telefon klingelte. Es war Valerie.

„Ich bin auf was ganz Irres gestoßen!“, platzte sie heraus.

Dann erzählte sie, wie sie mal wieder rund um das Thema Wohnungssuche im Internet recherchiert hatte. Dabei war sie in ein Forum geraten, wo Leute ihre Erfahrungen austauschen. Und dort hatte jemand vor eben dieser betrügerischen Masche gewarnt, die ihr zum Verhängnis geworden war.

„Es war haargenau das gleiche Muster!“, erzählte sie aufgeregt.

„Eine tolle Wohnung, ein freundlicher Mailverkehr, dann die Sache mit dem Auslandsaufenthalt, aber man würde den Schlüssel zuschicken. Gegen Kaution natürlich.“

Sie machte eine bedeutungsvolle Pause. Währenddessen hatte sich Felix kerzengerade hingesetzt. Er war auf einen Schlag hellwach.

„Das klingt bekannt“, sagte er. „Ja. Genau. Dieser Typ war nur schlauer als ich und ist nicht darauf eingegangen. Aber das heißt doch, dass das kein Einzelfall war, wie man mich reingelegt hat. Die machen das öfter. Und bestimmt finden sich auch noch mehr Dumme.“

„Gut möglich“, antwortet Felix, während seine Gedanken rotierten. „Wenn das so ist, dann sind bestimmt noch mehr Lockangebote auf dem Markt. Ich werde mich gleich als erstes morgen früh mit unserem Spezialisten beraten.“

Betrug im Internet Rico Heise, Spezialist für Internetkriminalität, durchforstet die virtuelle Welt


„Tun Sie das“, pflichtete Valerie ihm bei. „Und falls mir noch etwas unterkommt, melde ich mich.“


Valerie fühlte sich, als wäre sie in einen Krimi geraten!


Als sie aufgelegt hatte, versuchte Valerie ihre Gedanken zu sortieren. Es war schon seltsam. Lange Zeit plätscherten die Dinge so dahin, und dann passierte alles auf einmal. Nachdem sie ihren anfänglichen Frust überwunden hatte, fand sie die Sache jetzt einfach herrlich aufregend. Das hatte sie auch Felix zu verdanken. Wie engagiert und ernsthaft er den Fall anpackte, tat gut. Und ganz besonders sympathisch war er obendrein! Was könnte sie sich mehr wünschen?

Nur ein paar Straßen weiter in seiner Wohnung saß Felix ebenfalls da, das Handy noch in der Hand, und hing seinen Gedanken nach. Deutlich sah er ihr Gesicht vor sich, die sanften Augen, die so blitzen konnten, das süße Lächeln. Und im Gegensatz zu Valerie wusste er eine ganze Menge Dinge, die er sich wünschen könnte.

Zuerst aber wollte er in diesem Betrugsfall vorankommen. Mit den neuen Informationen sollte es einfacher sein, mehr Mittel auszuschöpfen. Darüber würde er sich morgen mit Rico unterhalten. Und mit einem zuversichtlichen Gefühl legte er die Beine hoch und erlaubte seiner Fantasie, schon mal ein paar Wünsche in Bilder zu fassen.

Rico war nicht überrascht über das, was Felix berichtete. „Klar“, meinte er trocken. „So lange die Masche funktioniert, wird sie durchgezogen. Und richtig lohnen wird sich die Sache ohnehin erst im großen Stil. Ich hab aber auch etwas herausgefunden.“

Das abgezockte Geld floss von dem Onlinekonto auf ein Konto bei einem Geldinstitut in der Türkei, erzählte er. Von dort allerdings verlor sich die Spur. „Wir wissen jetzt, dass wir es nicht mit Hinterhofgaunern zu tun haben“, schloss er.

„Zumindest ist es ein großer Hinterhof“, flachste Felix.

„Dann lass uns mal alle Winkel ausleuchten“, gab Rico zurück. Als nächsten Schritt würden sie versuchen, eines dieser gefälschten Angebote in die Finger zu kriegen. So waren sie verblieben.

Doch noch während Felix sich auf den ersten Immobilienportalen umsah, holten ihn die Ereignisse schon wieder ein. Valerie nämlich war schneller gewesen.

„Ich glaub, ich hab da was!“, sprudelte sie aufgeregt hervor. Sie hatte ihn am frühen Abend auf seinem Handy angerufen. Felix saß noch im Präsidium, war aber im Kopf schon dabei, Feierabend zu machen. Jetzt trat ein konzentrierter Ausdruck trat auf sein Gesicht. „Schießen Sie los.“

Sie wäre auf ein Angebot gestoßen, das dem ersten in Aufmachung und Tonfall stark ähnelte.

Eine tolle Wohnung, ein moderater Preis, und die Beschreibung in den Formulierungen fast identisch. „Ich schreibe da jetzt unter einem anderen Namen hin“, verkündete sie entschlossen. „Und dann sehen wir ja, was passiert.“

Felix musste nicht lange überlegen.

„Geben Sie mir eine Viertelstunde“, sagte er und sprang schon auf. „Ich bin gleich bei Ihnen.“

In ihrer Wohnung erwartete Valerie ihn bereits ungeduldig. „Ich habe fast postwendend Antwort bekommen!“, platzte sie gleich an der Tür heraus. „Und es klingt alles wie eine Wiederholung.“

„Ist es die gleiche Mailadresse?“, fragte er und ging schon nach drinnen an den Schreibtisch, wo immer noch der zweite Stuhl stand.

Valerie folgte ihm. „Das allerdings nicht“, sagte sie. „Aber Text und Inhalt sind fast eins zu eins gleichlautend. Sehen Sie selbst.“ Sie wies auf den Bildschirm.

Felix setzte sich und überflog die Zeilen der E-Mail. Ein grimmiges Lächeln kräuselte seine Lippen. „Bingo“, meinte er und wandte sich zu ihr um. „Wenn das mal nicht gute alte Bekannte sind. Haben Sie schon geantwortet?“

„Ich wollte auf Sie warten.“

„Gut. Hören Sie.“ Er sah sie eindringlich an, während in seinem Kopf eine Idee rasch Gestalt annahm.

„Wir können sie drankriegen.

Wenn Sie mir helfen.“

„Ich?“ Valerie machte große Augen.

„Aber ja! Was muss ich tun?“

Sie ließ sich auf den anderen Stuhl fallen, ihre wundervollen Augen erwartungsvoll auf ihn geheftet.

Felix musste sich zusammenreißen, um sich auf den Fall zu konzentrieren. Allzu gerne wäre seine Fantasie abgeschweift, zu ganz anderen Dingen, die er gerne mit Valerie tun würde … aber er zwang sich zurück zum Thema.


Die Art, wie Valerie ihm lauschte, machte Felix ganz kribbelig


Aufregendes Abenteuer Valerie fühlt sich wie in einem Krimi – nun soll sie zur Aufklärung beitragen


„Und dann?“, forschte Valerie.

Die Art, wie sie an seinen Lippen hing, machte Felix ganz kribbelig.

Er lächelte. „Dann wollen wir mal sehen, wie lange es dauert, bis sie zur Sache kommen.“

„Bis ich zahlen soll, um den Schlüssel zu bekommen.“

Er nickte. „Ja. Wenn es so weit ist, werden unsere Spezialisten versuchen, den Rechner der Betrüger zu lokalisieren. Ihr Job ist es, die Unterhaltung so lange am Laufen zu halten, bis wir ein Einsatzkommando vor Ort haben. Und dann – schnappt die Falle zu.“

„Wahnsinn. Und wie weiß ich, wann es soweit ist? Also, wie lange ich sie hinhalten muss?“

„Ich werde die Sache natürlich von hier aus begleiten“, sagte er möglichst beiläufig. Dabei warf er ihr einen kurzen, prüfenden Blick zu. „Also nur, wenn es Ihnen nichts ausmacht“, fügte er an.

Jetzt strahlte sie so, dass ihm fast schwindelig wurde. „Aber nein!

Sehr gerne. Wenn Sie da sind, kann ich auch nichts falsch machen.“ Valerie lachte, und er beobachtete fasziniert, wie dabei ihre Augen förmlich Funken sprühten. Wie Wunderkerzen. Oder wie ein tiefer stiller See, auf dessen Wellen die Sonne Lichtreflexe tanzen ließ …

„Und wann geht es los?“, fiel sie in seine Fantasien. Felix tauchte blinzelnd daraus hervor und setzte eine entschlossene Miene auf.

„So bald wie möglich. Ich werde alles in die Wege leiten. Sie können so lange den Kontakt aufrechterhalten. Geben Sie sich interessiert, stellen Sie Fragen, bitten Sie um einen Besichtigungstermin. Es soll möglichst realistisch wirken. Sie machen das schon.“ Bei diesen Worten ließ er endlich das Lächeln zu, das schon die ganze Zeit auf seine Lippen drängen wollte.

Valerie lächelte zurück. Sie schien fast enttäuscht, dass er nicht noch länger bleiben wollte. Oder dass sie nicht sofort mit der Verbrecherjagd anfingen. „Darf ich Sie anrufen, wenn ich Antwort bekomme?“, fragte sie zum Abschied.

Er sah ihr ins Gesicht. Noch einmal in diese Augen abtauchen …

„Sicher. Sie halten mich auf dem Laufenden. Und ich kümmere mich um den polizeilichen Teil.“

Für Rico war die Sache kein großes Ding. Er wäre technisch jederzeit startbereit. Jetzt ging es darum, das richtige Zeitfenster zu erwischen.

Dann, wenn die Geldforderung einging und man sich über die Einzelheiten zur Zahlung unterhielt. Diesen Punkt mussten sie treffen und genau dann zuschlagen. Auf frischer Tat sozusagen!

Valerie erschien das alles wie ein herrlich aufregendes Abenteuer.

Ein bisschen wie damals als Kind, als sie und ihre Freunde die Detektivgeschichten aus Büchern nachspielten. Mit dem Unterschied, dass die Ganoven jetzt echt waren. Und die Polizisten auch …! An diesem ersten Tag telefonierte sie mehrmals mit Felix. Nach jeder neuen E-Mail. Und er hatte immer Zeit für sie. „Wahrscheinlich gibt es diese Traumwohnung gar nicht“, bemerkte sie einmal.

„Gut möglich“, gab Felix zu.

„Darum kümmern wir uns später.“

Sie seufzte. „Was für ein unglaublicher Schwindel. Na ja. Mein Lehrgeld hab ich jedenfalls bezahlt.

Jetzt wollen wir hoffen, dass wir die Betrüger drankriegen. Und ich muss eben sehen, wo ich eine neue Wohnung herbekomme.“

„Das wird schon“, tröstete er.

Am nächsten Tag meldete sich Valerie nachmittags in heller Aufregung.

„Eben kam die Mail mit der Story, dass die Frau dringend wegen einer Familienangelegenheit ins Ausland muss! Unverzüglich!

Jetzt wird sie vorschlagen, den Schlüssel zu schicken.“

„Sehr gut“, sagte Felix grimmig. „Warten Sie. Ich bin gleich da.“

Online-Ermittlungen Felix und Valerie locken die Internet- Betrügerin erfolgreich in die Falle


Valerie empfing ihn schon an der Tür ganz hibbelig. „Gerade ist wieder eine E-Mail eingegangen. Ich hab sie noch nicht gelesen.“

„Dann wollen wir mal sehen.“ Felix ging an den Schreibtisch. Ganz nebenbei klappte er auch seinen Laptop auf und ließ die Finger eilig über die Tastatur huschen.


„Halten Sie die Lady noch hin“, forderte Felix Valerie auf


Valerie kam neben ihn und öffnete die E-Mail. „Hier, wie erwartet. Die Bankverbindung.“

„Perfekt.“ Er warf nur einen kurzen Blick auf ihren Bildschirm und fuhr fort, seinen Laptop zu bearbeiten.

„Ich schicke das jetzt an meinen Kollegen. Und Sie plaudern ein wenig. Fragen Sie nach Einzelheiten. Halten Sie die Lady hin.“

Valerie tippte mit glühenden Wangen. Als kurz darauf Felix‘ Handy klingelte, schrak sie richtig hoch, so stand sie unter Spannung.

Er lauschte, nickte, dann legte sich ein Ausdruck grimmiger Genugtuung auf sein Gesicht. „Das ging ja schnell. Ja. Danke.“

Valerie riss den Kopf herum.

„Haben die sie schon gefunden?“

„Nicht ganz. Aber eingegrenzt.

Die Dame sitzt wohl in Berlin.“

„Berlin!“, rief Valerie aus. „Das ist ja nicht gerade klein.“

„An der Ortung arbeiten die Kollegen noch. Wenn das geklärt ist, wird sofort ein Einsatzkommando losgeschickt, um sie möglichst auf frischer Tat zu ertappen. Und Sie plaudern noch ein bisschen. Die Verbindung muss online bleiben.“

Er drehte den Kopf und fing ihren Blick auf. Einen langen Moment sahen sie sich stumm in die Augen. Bildete er sich das ein, oder glomm da hinter der Aufregung ein anderes, scheues Gefühl? Er ignorierte das Flattern in seinem Bauch und zwang seinen Blick auf den Bildschirm. Konzentriert bleiben! „Mach ich“, sagte Valerie. Ihre Finger tanzten über die Tastatur.

Felix warf ab und zu einen Blick auf seinen Laptop, behielt aber den Text auf ihrem Schirm im Auge.

Valerie erkundigte sich nach dem Mietvertrag, fragte nach Details zu der Wohnung. Sie machte das gut.

Und er hatte kaum bemerkt, dass er so nahe heran gerückt war, dass ihre Schultern sich fast berührten.

„Bingo!“, entfuhr es ihm plötzlich, als eine Nachricht auf seinem Laptop einging. „Der Anschluss ist identifiziert. Ein Internetcafé in Kreuzberg. Die Kollegen sind schon auf dem Weg dahin.“

Sie tauschten einen tiefen Blick.

Die Spannung in der Luft war jetzt fast mit Händen zu greifen.

„Schreiben Sie noch was“, sagte Felix und beugte sich noch näher.

Valerie tat es mit klopfendem Herzen. Hier mit ihm zu sitzen, mitten in diesem verrückten Abenteuer, war packend und zugleich irgendwie unwirklich. Sie versuchte sich vorzustellen, was dort gerade passieren mochte im fernen Berlin. Wie irgendjemand Wildfremdes sich ins Fäustchen lachte, weil er einen weiteren Dummen drangekriegt hatte, als Felix plötzlich scharf die Luft einzog und sich in seinem Stuhl zurücklehnte.

„Das war’s!“, stieß er hervor.

Sie sah ihn fragend an und entdeckte dann die Nachricht, die auf dem Bildschirm seines Laptops hochgepoppt war. Zwei Worte bloß: „Zugriff erfolgreich“, las sie.

„Was soll das heißen? Wurde jetzt jemand geschnappt?“

„Sieht so aus“, gab Felix zurück.

Er lächelte ihr zu. Valerie war ganz durcheinander. Dass es jetzt vorbei sein sollte, war genauso unwirklich wie ihr Tun eben. Sie betrachtete ihren Text, den sie nun nicht mehr verschicken würde, und langsam fiel die atemlose Anspannung ab. Jetzt die ganze Sache nochmal bereden, dann gemeinsam darüber lachen … Doch gerade als sie Felix dies vorschlagen wollte, klappte er den Laptop zu.

„Ich muss los“, sagte er. „Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an.“ Valerie rang ihre Enttäuschung nieder. Und bevor sie es richtig begriffen hatte war er schon draußen.

Er würde sich melden, hatte er noch gesagt. Es klang aber so, als wäre er mit dem Kopf schon weg.

War er sicher auch. Bei seiner Arbeit, bei neuen Fällen. Ihrer war jetzt wohl abgeschlossen. Kein Grund mehr, sich weiterhin zu treffen.

Diese Vorstellung dämpfte ihre Stimmung gehörig. Sie hatte insgeheim gehofft, dass aus dieser Begegnung mehr werden könnte…

Zwei Tage vergingen, in denen Valerie sich zu nichts so recht aufraffen konnte. Tags im Büro hatte sie Mühe, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Abends zu Hause trödelte sie meistens so lange rum, bis es Zeit zum Schlafen war. Dabei müsste sie jetzt weitermachen mit der Wohnungssuche! Gerade als sie sich aufraffte, die Angebote durchzusehen, klingelte es.

Eine wilde Hoffnung flog sie jäh an. Das würde doch nicht … tatsächlich! Er war es! Felix Berner!


Felix zauberte eine Flasche Prosecco hervor und lächelte


„Hallo“, sagte er mit einem verhaltenen Lächeln. „Stör ich?“

„Aber nein!“ Valerie strahlte breit und ließ ihn eintreten.

Er ging ins Wohnzimmer, sah kurz zum Schreibtisch, und nahm dann auf dem Sofa Platz. Valerie hörte mit Spannung seinen Bericht.

Dass sie es tatsächlich mit einer organisierten Bande zu tun hätten, die europaweit diese Masche abzog. Es hatte bereits Festnahmen gegeben, die türkischen Kollegen wären an den Drahtziehern dran. „Das ist auch Ihr Verdienst“, schloss er mit einem Lächeln.

„Ach was“, murmelte Valerie.

„Doch, doch“, bekräftigte Felix.

„Und ich finde, das sollten wir feiern.“

Dabei zauberte er eine Flasche Prosecco hervor und sah sie ganz merkwürdig an. Scheu fast.

Valerie sprang wie elektrisiert auf. „Ich hol schnell Gläser!“ Sie prosteten sich zu. Der erste Schluck prickelte ihr wie verrückt im Bauch. Oder war es sein Lächeln, das so prickelte?

„Da ist noch was“, sagte er unvermittelt. In seinem Haus würde demnächst eine Zweizimmer-Wohnung frei. Einen neuen Mieter gäbe es wohl noch nicht. Ob sie die vielleicht mal ansehen wollte?

Valerie riss die Augen auf. Ihr Kopf schwirrte. Eine Wohnung in seinem Haus? Das wäre ja … irre wäre das! So irre, dass ihr die Worte fehlten. Sie saß da wie bedröppelt, staunte ihn nur stumm an.

Felix war irritiert. „Was sagen Sie?“, fragte er vorsichtig.

Endlich brach der Bann. Valerie biss sich auf die Lippen, um das Kichern halbwegs zu zähmen.

Nicht zähmen ließ sich das wilde Summen und Brummen in ihrem Bauch. Als hätte sie einen ganzen Bienenstock verschluckt.

Sie hob ihr Glas und prostete ihm noch einmal zu. „Dass wir endlich Du sagen sollten“, sagte sie und lächelte über diese plötzliche prophetische Eingebung, die sie warm erfüllte. Dass die Zukunft nämlich noch nie so rosig ausgesehen hatte wie gerade jetzt.

ENDE

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