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EINE MILLIARDE GRÜNDE, GLÜCKLICH ZU SEIN


Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 31/2021 vom 29.07.2021

KOLUMNE

Artikelbild für den Artikel "EINE MILLIARDE GRÜNDE, GLÜCKLICH ZU SEIN" aus der Ausgabe 31/2021 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
SUSANNE KALOFF

GESTERN SASS ICH UNTER EINEM SCHIRM IM CAFÉ. Es gab Regen und Wiener Frühstück. Neben mir nahmen zwei Männer Platz, die sich Zigaretten drehten und über die Dinge unterhielten, die ihnen Mühe machen. Der eine sagte, er werde keine „harten Projekte“ mehr annehmen. Jobs, ja, das schon, das ginge, aber nichts mehr, was ihn krank macht, er müsse mehr auf sich achten, habe nun auch diese Meditations-App. Der andere meinte, Ritalin bekäme ihm nicht gut, Kiffen habe er sich endlich abgewöhnt, das mit dem Kettenrauchen wäre halt noch blöd, ...

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... aber er arbeite daran. Ich checkte meine Mails mit der einen Hand, während meine andere Marillenmarmelade aufs Brötchen verteilte. Eine Redakteurin schrieb mir, dass mein Text „richtig geil“ geworden sei, und ich beschloss, nie wieder harte Projekte anzunehmen. Die Eier im Glas waren zu weich, ein Junkie lief vorbei, den ich vom Sehen seit zwanzig Jahren kenne, er hatte die Haare frisch geschnitten und aß ein belegtes Brötchen im Gehen. Er wirkte, als ginge es ihm besser. Ich saß da zwischen Fremden und dachte an Taylor Swift, deren Doku ich am Abend zuvor gesehen hatte. Wir ringen alle, auch jene, denen man es nicht ansieht. Selbst solche, die alles haben. Um was also geht es dann eigentlich, fragte ich mich, als mich der Mann am Nachbartisch um ein Taschentuch bat. Ich hatte keins, ich hatte nichts, weder einen Plan noch Antworten auf all meine Fragen. Wie muss es einem gehen, wenn man alles verliert, wenn einem nichts mehr bleibt, an das man sich klammern kann, wenn alles weggespült wird?

MEINE WOCHE

WAS MICH GLÜCKLICH MACHT:

• Auch wenn ich mich nie für Taylor Swift interessiert habe: Die Doku auf Netflix über ihr Leben ist richtig gut

WAS MICH NERVT:

• Diese „Good Vibes Only“- Kultur, die uns unter Druck setzt, dass alles in unserem Leben immer super sein muss

Früher, als ich ein Kind war, konnte ich manchmal nicht einschlafen, weil ich darüber grübelte, was ich mitnehmen würde, wenn ein Feuer in unserer Wohnung ausbrechen würde. Ich fragte mich, was ich mir schnell schnappen sollte, ob die Zeit wohl reichen würde, all meine Affen mitzunehmen, ob es nicht schlau wäre, meinen Kinderausweis neben das Bett zu legen… Eines Abends kam ich auf die Idee, ich würde all meine Stofftiere blitzschnell auf mein Bett werfen, das Bettlaken an allen vier Ecken zusammenraffen, das ganze Bündel wie einen Sack über meine Schulter werfen und rausrennen. Es traf nie ein, aber noch heute schlafe ich nicht gerne in einem höheren Stockwerk als dem ersten und meide Spannbettlaken. Was in New York ein Problem ist, was zurzeit aber nicht zu meinen Sorgen zählt, weil es auf der Welt ganz andere gibt. Manchen Menschen steht das Wasser bis zum Hals, während ich darüber nachdenke, ob ich mir eine türkisfarbene Vintage-Haarspange in Form eines Delfins in Gibraltar bestellen soll.

Der eine Mann am Nachbartisch sagte zum anderen, er übe, nichts mehr zu bewerten. Weder positiv noch negativ, neutral zu bleiben, erst mal zu staunen, zu schweigen. Das habe er aus dem Buddhismus. Ich übte mit ihm, ohne dass er es ahnte, saß still neben ihnen, während von irgendeinem geheimen Ort in mir Wasser nach oben stieg und aus meinen Augen rann. Ich fand eine Serviette und Milliarden Gründe, warum es schön ist, am Leben zu sein. Auch jetzt. Dass die Alternative wäre, nicht am Leben zu sein. Ich schrieb mit Kuli auf die aufgeweichte Serviette: Schöne Dinge verschwinden. Jeden Moment. Genieße sie, wenn sie da sind. Als ich das Café verließ, hörte ich einen von beiden sagen: „Guck’ mal, jetzt kommt doch noch die Sonne raus.“ ■