Lesezeit ca. 2 Min.

Eine Pestizidabgabe für Deutschland


bioland - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 06.04.2021

April 2021

Artikelbild für den Artikel "Eine Pestizidabgabe für Deutschland" aus der Ausgabe 4/2021 von bioland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Wenn der nächsten Bundesregierung die Artenvielfalt am Herzen liegt, muss sie eine Pestizidabgabe als ein wichtiges Instrument einsetzen“, fordert ein Bündnis aus Umweltorganisationen und landwirtschaftlichen Verbänden. Nach einer neuen Studie ist eine Pestizidabgabe in Deutschland möglich und wirkungsvoll.

Die EU-Kommission will die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln gemäß ihrer Farm-to-Fork-Strategie bis zum Jahr 2030 um die Hälfte reduzieren. Ein großer Schritt, waren doch bisherige Reduktionsbemühungen wenig wirkungsvoll: Bereits seit 2014 ist der Integrierte Pflanzenschutz in der EU Pflicht, wonach die Anwender nichtchemischen Methoden den Vorzug geben sollen. Das Konzept wurde nie wirklich umgesetzt und auch der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz der Bundesregierung von 2013, der die Risiken von Pestiziden auf Gesundheit und Naturhaushalt mindern soll, gilt als gescheitert.

Zudem sind die Zulassungs- und Anwendungsbestimmungen notgedrungen Kompromisse zwischen Wirkung und Nebenwirkung der Mittel. Neben den Schädlingen sterben auch andere Insekten; kumulative, langfristige und indirekte Effekte von Pestiziden bleiben unberücksichtigt. Pflanzenschutzmittel wehen auf andere Flächen, auch weit. Der intensive und breitflächige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat deshalb nach wie vor gravierende Auswirkungen auf Natur und Umwelt.

Externe Kosten mindern

Die Anwendungsmengen und -intensitäten von Pestiziden sind in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich zurückgegangen, abgesehen von den zuletzt zwei trockenen Jahren. Anders in Dänemark und Schweden: Dort wurden Abgaben auf Pestizide eingeführt, in Schweden 1984, in Dänemark 2013. Die ausgebrachte Menge von Pestiziden je Hektar liegt in beiden Ländern bei rund der Hälfte des deutschen Niveaus.

Auch in Deutschland wird seit Langem eine Pestizidabgabe diskutiert. Eine solche würde auf der einen Seite die ausgebrachten Mengen reduzieren, auf der anderen Seite wäre Geld da, um Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz zu fördern. Eine risikobasierte Abgabe, gestaffelt nach der Gefährlichkeit der jeweiligen Produkte, würde mittelfristig zu Innovationen in Richtung weniger gefährlicher Mittel und alternativer Verfahren führen.

Um der Diskussion um die Pestizidabgabe neuen Schwung zu verleihen, hat die GLS Bank eine Studie zur Umsetzbarkeit eines solchen Instruments beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Auftrag gegeben. Unterstützt wurde das Vorhaben von Greenpeace, dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, Bioland und weiteren Organisationen. Die Studienautoren haben den Pflanzenschutzmitteleinsatz in Deutschland sorgfältig untersucht und verschiedene Modelle einer Pestizidabgabe auf kurz- und langfristige Wirkungen analysiert. Eine Abgabe auf Pestizide könnte – je nach Ausgestaltung – den Absatz von Pflanzenschutzmitteln langfristig um bis zu 49 Prozent verringern, rechnen die Autoren vor. Noch wirkungsvoller wäre sie bei den problematischen Herbiziden, darunter das umstrittene Glyphosat.

Die Forderungen der beteiligten Organisationen an die Politik sind daher eindeutig: Eine Pestizidabgabe muss kommen. Das Reduktionsziel der Farm-to-Fork- Strategie könne so in greifbare Nähe rücken. Gleichzeitig könne es gelingen, die externen Kosten des chemischen Pflanzenschutzes zu mindern, ob sie nun der Wasserwirtschaft, der Umwelt oder dem Gesundheitssystem entstehen. Zudem stünden durch die Pestizidabgabe erhebliche Finanzmittel bereit, um pestizidfreie Anbauverfahren in der Landwirtschaft zu unterstützen. Die Abgabe wäre ein wichtiger Baustein der dringend nötigen und geforderten Agrarwende.

Der Blick nach Dänemark übrigens zeige, dass sich die Erträge durch die dortige Pestizidabgabe nicht verringert haben, darauf wies die Greenpeace-Sprecherin bei der Studienvorstellung hin. Eine Studie aus Frankreich kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Die Studie des Helmholtz-Zentrums hier: www.kurzelinks.de/ufz-pestizidabgabe

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Nachbessern beim Klimaziel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachbessern beim Klimaziel
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Tierwohl in der Warteschleife. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Tierwohl in der Warteschleife
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Absolut unzureichende Vorschläge. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Absolut unzureichende Vorschläge
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von Wie steht es eigentlich …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wie steht es eigentlich …
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von BESTÄNDIGER FORTSCHRITT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BESTÄNDIGER FORTSCHRITT
Titelbild der Ausgabe 4/2021 von SCHON IMMER AM PULS DER ZEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHON IMMER AM PULS DER ZEIT
Vorheriger Artikel
Absolut unzureichende Vorschläge
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Wie steht es eigentlich …
aus dieser Ausgabe