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EINE WIRKLICH GUTE GELEGENHEIT: Fehlausbrüche aus Schulter-Kopf-Schulter-Formationen


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 25.06.2020
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Bildquelle: Traders, Ausgabe 7/2020

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Mike Seidl
Mike Seidl ist gelernter Bankkaufmann und handelt seit Ende der 1990er-Jahre an den Kapitalmärkten. Seit 2013 verwaltet er hauptberuflich sein eigenes Vermögen und gibt in Seminaren und Coachings sein Wissen an Menschen weiter, die ihre finanziellen Ziele eigenständig erreichen wollen.

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Die Entstehung von Schulter-Kopf-Schulter-(SKS)-Formationen wurde in TRADERS´ 02/2019 und 03/2019 ausführlich beschrieben. In der klassischen Formation treten sie am Ende von Aufwärtstrends auf. Die inverse Variante hingegen stellt ein Umkehrmuster in laufenden ...

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... Abwärtstrends dar. Die gängige Chartliteratur weist darauf hin, dass ein Durchkreuzen der Nackenlinie das Handelssignal auslöst. Das folgende mittelfristige Kurspotenzial des Chartmusters wird anhand der Formationstiefe von der Nackenlinie bis zum Kopfende gemessen. Die kurzfristigere Variante misst den Raum von der Nackenlinie bis zum Ende der rechten Schulter.Diese Messungen gelten als recht zuverlässige Indikatoren für den eingeleiteten Richtungswechsel. Doch von Zeit zu Zeit kommt es zu Situationen, bei denen dieses Potenzial nicht ausgereizt wird und die Kurse nach dem Ausbruch recht zügig wieder in den Bereich vor der Nackenlinie zurückkehren. Diese Fehlausbrüche sind ärgerlich, weil sie für die meisten Trader einen Verlust bedeuten. Doch wer genau hinschaut, kann darin auch eine zweite Chance entdecken.

Ihre Chance bei SKS-Fehlausbrüchen

Der wichtigste Teil der SKS-Formation (Bild 1) ist – neben der Nackenlinie – die Entstehung der rechten Schulter. Während dieser Zeit ist es von enormer Bedeutung, das Verhalten der Händler im Trend richtig zu lesen. Denn die Ausbildung eines tieferen Hochs im Aufwärtstrend oder eines höheren Tiefs im Abwärtstrend sind erste Anzeichen für die Abschwächung der vorherrschenden Trenddynamik.
Mit Blick auf die Entstehung der rechten Schulter wird auch ersichtlich, dass sich im Ablöseprozess des alten Trends ein neuer Trend ausbildet, der in die Gegenrichtung läuft. Wird die Nackenlinie durchschritten, kommt es zur Wachablösung: Der alte Trend zählt als gebrochen und die Kursrichtung wird nun vom neuen Trend bestimmt. Technisch gesehen fließen mit dem Durchkreuzen der Nackenlinie nicht nur die Orders der Gegentrendhändler in den Markt, sondern häufig auch die Absicherungsorders der alten Trendhändler. Während ein starker Verkaufsüberhang die Kurse im neuen Abwärtstrend nach einer SKSFormation stark fallen lässt, befeuert ein hoher Anstieg der Nachfrage den Richtungswechsel im neuen Aufwärtstrend nach einer inversen SKS-Formation. Die Nackenlinie einer SKS hat nun die Funktion eines Widerstandes. Bei einer inversen SKS wird sie zur Unterstützung. Die nach dem ersten Schub einsetzende Korrektur flaut bei funktionierenden Formationen spätestens am Nackenbereich wieder ab. Denn hier warten oft noch limitierte Orders der großen Händler, die dann für den nächsten Schub in Richtung des neuen Trends sorgen. Geschieht das nicht, schlägt die Stunde für den Handel des Fehlausbruchs. In diesen Fällen laufen die Kurse wieder durch die Nackenlinie in den Bereich der Formationsentstehung. Die Widerstands- beziehungsweise
Unterstützungsfunktion der Nackenlinie hat versagt, was zur Umkehr der Funktion führt. Aus dem Widerstand wird eine Unterstützung und umgekehrt.
Dieser Prozess verändert den gesamten Blick auf den Chart. Wenn schon beim ersten Test des Ausbruchslevels erkennbar ist, dass die Händler anscheinend nicht an einer Fortsetzung des neuen Trends interessiert sind, sollte man sich folgende Frage stellen: Steht der vorangegangene Trendwechsel auf so wackeligen Füßen, dass es zur Wiederaufnahme des alten Trends kommen kann? Wenn ja, ist eine neue Trading-Gelegenheit nicht weit entfernt.
Zur sicheren Beantwortung dieser Frage schaut man am einfachsten auf das Chartverhalten an der Nackenlinie. Bei einer SKS-Formation sind die Kurse wieder über diesen Bereich angestiegen. Kommt es nun zu einer Stabilisierung der Preise über diesem Level, wirkt die alte Nackenlinie wie eine Unterstützung. Kursanstiege führen in der Folge zum Bruch des noch laufenden Abwärtstrends und irgendwann zur Ausbildung eines neuen Aufwärtstrends. Es besteht also ein gutes Potenzial für deutliche Kurssteigerungen. Denn die Händler, die noch im laufenden Abwärtstrend investiert sind, müssen irgendwann aus ihren Positionen raus. Das sorgt für ordentlichen Kaufdruck und lässt die Kurse steigen.
Im Fall eines Fehlausbruchs aus einer inversen SKS verhält es sich genau umgekehrt: Die Kurse fallen nach anfänglichen Anstiegen über die Nackenlinie wieder darunter. Aus der unterstützenden Nackenlinie wird ein Widerstand, der weitere Kursanstiege verhindert. Mit fortlaufenden Kursverlusten wird der Druck auf die Händler mit bestehenden Long-Positionen so groß, dass sie die Positionen schließen. Der damit initiierte Verkaufsüberhang sorgt so für die Wiederaufnahme des alten Abwärtstrends und hebt das Potenzial für weiter fallende Notierungen.

Umsetzung von Signalen bei Fehlausbrüchen einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Grundsätzlich generiert ein Fehlausbruch aus einer SKSFormation Signale, deren Bestätigung mit steigenden Kursen einhergeht. Ein solcher Signaltrigger kann mittels automatischer Systeme oder mit einem diskretionären Ansatz umgesetzt werden. So kann mit Entstehung des Signals bei erneuten Kursen über der Nackenlinie automatisch eine Long-Position eröffnet werden. Denn genau an diesen Punkten kommt es häufig zu kurzfristigen Bewegungen. Ein diskretionärer Ansatz sieht die Entstehung eines Aufwärtstrends im untergeordneten Trendverlauf vor. Mit Blick auf eine SKS-Formation im Tageschart wird die Long-Position für den Fehlausbruch erst dann eröffnet, wenn sich im Stundenchart ein Aufwärtstrend entwickelt. Aber egal, ob Sie den Trade direkt im Fehlausbruch eröffnen oder mittels des untergeordneten Trendverlaufs: Es ist wichtig, auf ein festes Regelwerk mit Einstiegspunkt, Absicherungslevel und Zielbereich zu setzen. Die praktische Umsetzung kann in diesem Fall wie folgt aussehen:

1. Einstieg: mittels Kauforder beziehungsweise Stoppkauforder zum bestimmten Kurslevel

2. Absicherung: Da Sie die Position direkt mit Entstehung des Fehlausbruchs – beziehungsweise einer untergeordneten Trendentstehung – eröffnen, können Sie sich zur Absicherung an der Unterseite beziehungsweise am Tief der Nackenlinie orientieren. Die Differenz zwischen Absicherung und Einstieg ist das Risiko im Trade, das Sie zur Bestimmung der Positionsgröße nutzen. Die Positionsabsicherung wird mittels Stoppverkaufsorder beim Broker platziert.

3. Gewinnmitnahme: Zur Potenzialplanung orientieren Sie sich am Hoch der rechten Schulter beziehungsweise am Hoch des Kopfes der SKS-Formation. Hier liegen wie erwähnt häufig Absicherungsorders von Trendhändlern, die beim Überschreiten dieser Marken aktiviert werden und das Orderbuch mit Kauforders befüllen. Das sind also die Stellen, an denen Käufer warten, um Ihnen Ihre Position abzunehmen. Es sind ideale Punkte, die Sie zur Positionsschließung nutzen können. Die Gewinnmitnahme regeln Sie, indem Sie eine Limitverkaufsorder platzieren.

4. Einschätzung des CRV: Erscheint Ihnen das Potenzial nach oben groß genug und die Relation zum Absicherungspunkt in einem vernünftigen Verhältnis dazu, dann sollte der Erwartungswert passen. Einem Trade steht also nichts im Weg. Ist das Chance/Risiko-Verhältnis allerdings zu gering, dann spricht das gegen eine Positionseröffnung. Welche Trading-Variante Sie bevorzugen, hängt wie immer von Ihrem generellen Handelsstil ab – also automatisiert oder diskretionär. Bei der zuerst besprochenen Art sind Sie direkt mit der Rückkehr über die Nackenlinie im Markt und handeln gleich mit dem ersten Schub. Im diskretionären Handel warten Sie auf eine Bestätigung des Signals durch den untergeordneten Trendverlauf. Das sorgt zwar oft für einen etwas teureren Einstieg, doch dafür ist die Wahrscheinlichkeit eines Gewinntrades höher. In der Praxis werfen beide Varianten ähnliche Erträge ab. Der Unterschied liegt lediglich in der persönlichen Präferenz bei der Positionseröffnung.

Umsetzung von Signalen bei Fehlausbrüchen einer inversen SKS-Formation

In diesem Fall generiert der Fehlausbruch ein Signal für weiter fallende Kurse. Bei der Trade-Planung gehen Sie umgekehrt zur oben beschriebenen Long-Variante vor:

1. Einstieg: je nach Ansatz mittels Verkaufsorder oder Stoppverkaufsorder am geplanten Einstiegspunkt.

2. Absicherung: knapp unter der Nackenlinie mittels Stoppkauforder.

3. Gewinnmitnahme: um das Tief der rechten Schulter beziehungsweise das Tief des Kopfes mittels Limitkauforder.

Handel des Fehlausbruchs einer SKS-Formation im EUR/USD

Im Währungspaar EUR/USD (Bild 2) hat sich im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2019 eine inverse SKS ausgebildet. Ihre Nackenlinie verlief im Bereich um 1,1180 US-Dollar. Sie wurde Ende Dezember 2019 kurzzeitig überschritten. Allerdings blieben die Anschlusskäufe aus und die Kurse fielen wieder unter die Marke von 1,1180 US-Dollar zurück. Das war ein erstes Signal für den möglichen Fehlausbruch und die Grundlage des Handelssetups. Als ein wiederholter Ausbruchsversuch ebenfalls ohne Erfolg verlief, konnte das Setup vollständig geplant werden. Als Absicherungslevel wurde das neue tiefere Zwischenhoch um 1,1207 US-Dollar gewählt. Ziel des Trades war der Bereich um das Kopftief der Formation knapp unter 1,1000 US-Dollar. Der Einstieg erfolgte mit der zweiten Bestätigung des Fehlausbruchs bei 1,1125 US-Dollar am 08.01.2020. Der im Anschluss gebildete Abwärtstrend ließ die Kurse weiter fallen und sorgte am 28.01.2020 für die Schließung der Position im Zielbereich bei 1,0998 US-Dollar.

Fazit

Schulter-Kopf-Schulter-Formationen läuten in der Regel einen Wechsel des laufenden Trends ein. Doch kommt es zu einem Fehlausbruch, kann es sich lohnen, genau hinzuschauen. Denn wenn es nach dem Fehlausbruch zu einer Wiederaufnahme des alten Trends kommt, bietet sich oft ein hohes Potenzial für rentable Bewegungen. Das sollten sich aktive Trader nicht entgehen lassen.