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Eine Wohltat für den Darm


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 32/2022 vom 03.08.2022
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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 32/2022

Stefanie Giesinger, 25 Hat eine Darmkrankheit

„Das Leben ist mehr als nur Schönheit“

Die scheinbar dauerfröhliche Influencerin hat es nicht leicht. Denn der Darm macht ihr das Leben immer wieder schwer. Am 15. März 2018 postete sie sich nur sieben Tage nach einer OP mit Bauchnarbe.

Dazu schrieb sie: „Life’s bigger than beauty“ (Das Leben ist mehr als nur Schönheit). Die Gewinnerin der neunten „GNTM“-Staffel leidet an Volvulus durch Malrotation. Die Erkrankung führt dazu, dass sich ihr Darm verdreht und es zum Darmverschluss kommen kann. Bereits als Kind wurde sie deshalb operiert.

Zahl der Woche

70 % unserer Immunzellen sitzen im Darm. Sie schützen uns vor den meisten Infektionen

Solange in unserer Körpermitte alles gut flutscht, schenken wir dem Verdauungsorgan nur wenig Aufmerksamkeit. Dabei ist der Darm ein echter Leistungsträger und für unser Rundum-Wohlbefinden entscheidend. Denn er ...

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... zerlegt nicht nur unermüdlich Nahrung in die für uns lebenswichtigen Nährstoffe. ei n eigenes Nervensystem. Und

Er ist auch Heimat für die Abwehrkräfte: 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Darm und 80 Prozent aller Immunreaktionen laufen dort ab. Der Darm steht mit der Lunge in engem Austausch. Außerdem besitzt er dieses Bauchhirn kommuniziert – vor allem über den Vagusnerv – unermüdlich mit unserem Oberstübchen im Kopf. Deshalb können Stress, Ängste oder Sorgen schon mal Bauchweh machen. Und umgekehrt Beschwerden im Verdauungstrakt die Stimmung vermiesen. Es lohnt sich also, den Darm zu pflegen. Wie das geht, verrät Gastroenterologe Dr. Pox im Interview.

Dr. Pox, kann ich mit einem Darmflora-Test sehen, ob mit meinem Darm wirklich alles in Ordnung ist?

Dr. Pox: Diese Stuhluntersuchungen, die im Internet angeboten werden, empfehle ich nicht. Das Problem ist, dass die Tests derzeit nicht standardisiert sind, daher können wir Ärzte aus den Ergebnissen nur wenig Rückschlüsse ziehen.

Wie merke ich dann, dass mit meinem Darm etwas nicht stimmt?

Dr. Pox: Wir müssen nur aufmerksam sein.

Wenn ich sonst eine normale Verdauung hatte und auf einmal treten immer wieder Blähungen, Verstopfungen oder Durchfall ohne Auslöser auf, sind das Anzeichen, die abgeklärt gehören. Dazu können dann auch Stuhluntersuchungen auf krankheitserregende Keime wie Salmonellen gehören. Da machen sie schon Sinn. Alarmsignale sind auch eine starke Gewichtsabnahme und Blut im Stuhl – damit sollte man unbedingt zum Arzt gehen.

Der Experte

DR. CHRISTIAN POX, Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt der Medizinischen Klinik am Krankenhaus St. Joseph-Stift in Bremen

Was ist denn eine „normale“ Verdauung?

Dr. Pox: Da gibt es eine große Bandbreite, von einmal alle drei Tage bis dreimal am Tag ist alles möglich. Manche Menschen haben eben einen trägen Darm, andere einen flotten. Man muss nicht jeden Tag Stuhlgang haben. Wenn ich aber darunter leide, ist es was anderes. Bei Verstopfung darf ich auch mal ein Abführmittel nehmen. Heute wissen wir, dass dadurch etwa der Kaliumspiegel nicht gefährdet ist. Wichtig ist aber, sich an die Dosierung zu halten, damit es kein Durchfall wird.

Es heißt immer, dass Probiotika dem Darm guttun, stimmt das?

Dr. Pox: Ja, Probiotika aus zum Beispiel Joghurt und sauer Eingelegtem haben einen guten Einfluss auf unsere Darmflora oder das Mikrobiom. Bei gesunden Menschen reicht in der Regel eine ausgewogene Ernährung mit Milchprodukten, Gemüse und Vollkornprodukten aus, um die Flora im Gleichgewicht zu halten. Präparate sind da nicht nötig. Nach einer Antibiotika-Therapie sind sie dagegen schon sinnvoll. Und auch beim Reizdarm kann man durch l

Anastacia, 53 Leidet an Morbus Crohn

„Es hat mir geholfen, mich selbst zu entdecken“

Die Soul-Sängerin lebt seit ihrer Kindheit mit der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Sie ließ sich davon aber nie unterkriegen.

Sie lernte Tanzen und war schon als 20-Jährige in Videos der Hip-Hop-Band Salt ’n’ Pepa zu sehen. Über ihre Erkrankung sagte sie: „Was manche als einen Fluch ansehen, ist für mich ein Geschenk. Die Krankheit hat mir geholfen, mich selbst zu entdecken.“ Mit dieser Haltung meisterte sie später auch den Brustkrebs.

WAS LEISTEN PROBIOTIK A?

Dass sie eine wichtige Rolle für einen gesunden Darm spielen, wird Wissenschaftlern immer klarer. Aber was sind Probiotika überhaupt? Die Mikroorganismen – etwa im Joghurt – gelangen noch lebend in den Darm und wirken dort. . Immunsystem: Je bunter die Bakterien-Besiedlung im Verdauungsorgan, desto besser scheinen die körpereigenen Abwehrkräfte zu funktionieren.

Probiotika fördern die Artenvielfalt im Mikrobiom. . Reizdarm: Die ärztlichen Leitlinien empfehlen Probiotika, etwa mit Lakto- und Bifidobakterien (z. B. VSL#3, rezeptfrei, Apotheke). Sie verbessern Symptome wie Schmerzen, Blähungen und Durchfall.

Rebel Wilson, 42 Nahm über 30 Kilo ab

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Die australische Schauspielerin hatte es satt, ewig die lustige Dicke in Hollywood zu sein. Mithilfe einer F.-X.-Mayr-Kur zur Darmsanierung, einem Personal Trainer und einer Stunde moderatem Gehen am Tag nahm Rebel Wilson über 30 Kilo ab. Sie habe zudem viel getrunken und auf Zucker verzichtet, berichtete sie. Außerdem gestand sie: „Ich hätte meinen Lebensstil schon mit 30 und nicht erst mit 40 ändern sollen.“ l die gezielte Einnahme von Probiotika einen gewissen Nutzen erzielen. Hier am besten den Arzt fragen, welcher probiotische Stamm von Vorteil ist.

Was mag der Darm noch?

Dr. Pox: Ganz klar, Bewegung und etwa zwei Liter Flüssigkeit pro Tag. Was auch sehr wichtig ist: auf den Darm hören. Das heißt, auf die Toilette gehen, wenn der Darm das will. Das Unterdrücken, nur weil es gerade nicht passt, ist nicht gesund.

Welchen Nutzen hat die Darmkrebsvorsorge?

Dr. Pox: Einen sehr großen! Das Besondere ist, dass wir dadurch Krebs verhindern können. Viele von uns entwickeln mit zunehmendem Alter Polypen. Das sind Schleimhautvorwölbungen im Dickdarm. Aus der Mehrzahl wird zwar nie etwas Krankhaftes, aus einem Teil der Polypen kann jedoch Darmkrebs entstehen. Wenn ich Polypen aber entdecke – und das geht am zuverlässigsten über die Darmspiegelung –, dann trage ich sie im Rahmen der Untersuchung sofort ab und es kann daraus kein Krebs entstehen.

Gibt es neue Therapieansätze bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?

Dr. Pox: In einigen Sachen bleibt es gleich:

Wir geben Entzündungshemmer und Kortison. Die Medikation wird aber vielfältiger. Wir verstehen immer mehr, wie diese Entzündungen zustandekommen, und können dadurch gezielter angreifen. Trotzdem gibt es nicht die eine Therapie für alle darmkranken Patienten. Es ist vielmehr eine Behandlung, die man ausprobieren muss. Denn:

Nicht alles wirkt bei jedem. Das muss man ganz klar sagen. ◼

DARMKREBSVORSORGE RETTET LEBEN

Darmkrebs ist der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen und Männern. Doch wird er früh erkannt, lassen sich noch 90 Prozent der Patienten heilen, im fortgeschrittenen nur noch sechs Prozent. . Genetische Komponente: Wer Krebsfälle in der Familie hat, sollte schon in jungen Jahren mit einem Gastroenterologen über die Möglichkeiten der Vorsorge sprechen. Die Gene sind bei ca. 5 von 100 Patienten der Auslöser für den Krebs.

. Prävention für alle: Ohne eine familiäre Vorbelastung bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen vom 50. bis 55. Lebensjahr einmal jährlich den Haemoccult-Test, der Blut im Stuhl erkennt, ab dem 56. Lebensjahr die erste Darmspiegelung (Koloskopie), eine zweite zehn Jahre später. . Erfolgsgeschichte: Eine Studie mit Daten von 9207 Person zeigt, dass die präventive Koloskopie die Darmkrebshäufigkeit um 56 Prozent, die Sterberate um 66 Prozent senkt.

Guido Cantz, 50 Gibt ein gutes Beispiel

„Darmkrebs-Vorsorge ist wichtig“

Der TV-Moderator setzt sich immer wieder dafür ein, dass möglichst viele Menschen zur Darmspiegelung gehen. Er sagt: „Vorsorge ist wichtig und gar nicht peinlich.“ Einen Tag vor seiner eigenen ersten Koloskopie rief er im April 2018 via Twitter-Video dazu auf, seinem Beispiel zu folgen.

Für den sonst so lustigen Entertainer hat das Thema Darmkrebs auch privat eine hohe Brisanz. Denn bei seinem Vater und Bruder wurden bei der Darmspiegelung Polypen gefunden.

ERSTAUNLICHE FAKTEN ZUM DARM

Im Laufe unseres Lebens verdaut unser Darm 30 Tonnen Nahrung und 50 000 Liter Flüssigkeit. Der Darm ist 5 bis 7 Meter lang und bringt es mit zahlreichen Falten und Darmzotten auf eine Fläche von 400 bis 500 m2. Der Darm hat ein eigenes Nervensystem mit etwa 100 bis 200 Millionen Nervenzellen, das sogenannte Bauchhirn. Das Glückshormon Serotonin wird zu über 90 Prozent im Darm gebildet und verhindert dort auch bösartige bakterielle Infektionen. Die Bakterien im Darm, das Mikrobiom, beeinflussen unsere Gefühle, den Hunger und die Darmbewegungen.