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Eine zeitgenössische Fälschung des Paderborner Apfelgroschens von 1612 des Münzmeisters Jacob Pfahler


Münzen Revue - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 25.03.2020
Artikelbild für den Artikel "Eine zeitgenössische Fälschung des Paderborner Apfelgroschens von 1612 des Münzmeisters Jacob Pfahler" aus der Ausgabe 4/2020 von Münzen Revue. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Münzen Revue, Ausgabe 4/2020

Arnold Schwede veröffentlichte nach mehreren Vorwegpublikationen im Jahre 2004 sein vorzügliches Standardwerk „Das Münzwesen im Hochstift Paderborn 1566-1803“, das die veralteten unzulänglichen Vorläufer reibungslos ablöste und zum gängigen Zitierwerk avancierte. Ein Nachtrag wurde 2012 Peter Ilisch zum Geburtstag dargebracht (in: Nummi docent!, Osnabrück 2012).
Trotz intensiver Recherche tauchen bei einem derart prägefreudigen Münzstand immer wieder neue Exemplare auf, die bei häufigen variantenreichen Typen nicht so sehr ins Gewicht fallen wie bei seltenen, ungewöhnlichen Exemplaren. Die hier zu ...

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... besprechende zeitgenössische Groschenfälschung ist ein weiteres Beispiel.
Im Folgenden wird für den Münzmeister die Schreibweise Jacob Pfahler gewählt, obwohl er seinen Namen selbst sowohl mit als auch ohne H schrieb.

Münzmeister Jacob Pfahler (*1568, † nach 1632)

Als Kind angesehener und vermögender Eltern wurde Jacob Pfahler 1568 im thüringischen Saalfeld geboren. In der Saalestadt bestand seit 1571 eine äußerst produktive Kreismünzstätte des Obersächsischen (fünften) Reichskreises, in der kleinere Münzstände wie z. B. Reuß oder einige Ernestiner ihr Geld schlagen ließen.

Die Pfahlers stammen ursprünglich aus Eichstätt, kamen dann nach Saalfeld, wo der Großvater Bürgermeister gewesen war. Die Familie hatte Beziehungen zum heimischen Bergbau und brachte mehrere Münz - wardeine und Münzmeister hervor. So kam der junge Pfahler schon früh mit dem regen Treiben um eine Münzstätte in Berührung. Lauschte er als Knabe etwa den kräftigen Hammerschlägen, die aus der im Volksmund „Münzkirche“ genannten Prägestätte hallten, einem ehemaligen Zisterzienser- kloster? Schaute er den schmutzigen, ungesunden, schweißtreibenden und lauten Arbeitsprozessen zu und keimte vielleicht schon früh in ihm der Wunsch auf, mit Geld machen sein Glück zu machen, selbst Münzmeister, also Chef eines so bedeutenden Betriebes, zu werden?

Sein (wohl älterer) Bruder Johann war von 1580 bis 1616 Münzer, nicht Münzmeister in Saalfeld, denn dieses Amt bekleideten im fraglichen Zeitraum Gregor Bechstedt (1578-1603), dessen Sohn Barthel Bechstedt (1604) sowie Wolf Albrecht d. J. (1604-1632). Ein eventuell anderer Bruder namens Alexander Pfahler wurde 1625 in Berlin als Wardein bestallt.

Weitere Münzfachleute, über deren Verwandtschaftsverhältnisse zu Jacob Pfahler nichts Näheres bekannt ist, stellte die Familie mit Christoph (um 1650 Münzmeister in Liegnitz), Samuel (1673-1678 Münzmeister in Öls) und Jacob (1668-1672 Münzer in Schleswig und 1673/74 Münzmeister der Stadt Emden). Weiterhin wurde Jacob Pfahlers Sohn Ernst Wardein in Halle (1615/16) und Quedlinburg. Diese Fakten verdanken wir Emil Bahrfeldt (S. 315).

Unterschrift des Jacob Pfahler mit H nach dem im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Original des Stadtarchivs Northeim (Mertens Beilage B)


Das Münzmeisterzeichen des Jacob Pfahler, ein von einem Zainhaken diagonal durchbohrtes bekreuztes Herz. Beim Zainhaken handelt es sich um ein charakteristisches Werkzeug einer Münzprägestätte, nämlich um eine lange Stahlstange mit einem Haken. Diese wurde benutzt, um glühende Zaine, d. h. in Stangenform gegossenes Metall, greifen und gefahrlos zur Weiterverarbeitung transportieren zu können.

Schloss Neuhaus, Kupferstich aus Matthäus Merian: Topographia Westphaliae …, Frankfurt a. M. 1647, S. 89. Das prächtige Wasserschloss im Stil der Weserrenaissance ist heute noch ein beliebtes Touristenziel.


Jacob Pfahler tritt erstmals anno 1605 in einer Funktion im Münzgewerbe in Erscheinung, nämlich als Münzmeister der im Herzogtum Westfalen gelegenen Stadt Marsberg. Wo er das Handwerk erlernt und wo er eventuell zuvor in Diensten stand, ist nicht bekannt. Nachzuweisen ist er als Münzmeister respektive Münzunternehmer wie folgt:

1605-1611 herzoglich westfälische Stadt Marsberg, Münzstätte (Ober)Marsberg
1611-1614 Hochstift Paderborn, Münzstätte Paderborn
1612-1615 calenbergische Landstadt Hameln, Münzstätte Hameln
1614 calenbergische Landstadt Northeim, Münzstätte Northeim, seit 1609 unter Vertrag
1614-1617 herzoglich westfälische Stadt Marsberg, Münzstätte (Ober)Marsberg
1618-1619 Grafschaft Lippe, Münzstätte Detmold
1619-1620 Reichsstift Corvey, Münzstätte Höxter
1631-1632 Reichsstift Corvey, Münzstätte Höxter

Das „Steigen des Talers“ in der Vor-Kipper-Periode an verschiedenen Orten stellt das Hauptproblem dar, mit dem dieser aktive „Münzunternehmer“, wie Schwede Pfahler betitelt, zu leben und zu arbeiten hatte.

Jacob Pfahler arbeitete zunächst von 1605 bis 1611 in der herzoglich westfälischen Stadt Marsberg in der Münzstätte (Ober)Marsberg und prägte fast ausnahmslos Apfelgroschen. Nach diversen anderen Tätigkeiten kehrte er vorübergehend zum Prägen 1614 zurück und versah dann neben seinen anderen Engagements bis 1617 eventuell bis 1618 das Münzmeisteramt in Obermarsberg. Erst 12 Jahre später schlug der neue Münzmeister Urban Felgenhauer städtische 1/28 Taler mit der Jahreszahl 1630. Ab 1631 prägte er in Marsberg, nun als landesherrliche Prägestätte, regelmäßig Jahr für Jahr bis 1650 für den Kölner Erzbischof und Kurfürsten Ferdinand von Bayern. Anno 1638 schlug Felgenhauer zum letzten Male städtische Kupferpfennige als Scheidemünzen, die 1639 teilweise mit einem Gegenstempel „1639“ gezeichnet wurden, um ihren Wert und ihre Gültigkeit zu bestätigen. Felgenhauer zog 1655 nach Höxter, wo er als Münzmeister für den Corveyer Abt arbeitete und von Jacob Pfahlers Erben dessen Wohnhaus, die ehemalige „Alte Münze“, erwarb.

Monetäre Verhältnisse im Fürstbistum Paderborn

Im Osten des fünften oder Westfälisch-Rheinischen Reichskreises gelegen, hatte die Stadt Paderborn 1571 rund 5400 Einwohner. Heute sind es rund 150000. Erstmals erwähnt wurde Paderborn 877, als Karl der Große dort einen Reichstag beging. Im Jahre 799 wurde das Bistum begründet und 1028 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Paderborn, die 1614 die erste westfälische Universität innerhalb ihrer Mauern unterhielt. Der Bischof zog 1255 zeitweise ins Schloss Neuhaus, 1370 endgültig.

Das Münzrecht, ursprünglich ein Königsrecht, hatte unter Ludwig dem Frommen 833 eine erste Aufweichung erfahren, indem er dieses erstmalig weiter verlieh, nämlich dem an der Weser gelegenen Klos ter Corvey. Weitere Verleihungen folgten zeitnah und auch der Bischof von Paderborn gelangte zu einem nicht verifizierbaren Zeitpunkt, eventuell 822, in diesen Genuss. Unter Kaiser Konrad II. (1024-1039) erfolgte eine Bestätigung. Im 13. Jahrhundert verpfändeten die Paderborner Bischöfe ihr Münzrecht an die Städte, wobei Paderborn und Warburg, die beiden größten, besonders aktiv wurden, bis sie es gegen Ende des 16. Jahrhunderts zurückgaben. Anno 1592 begann, nachdem zuletzt unter Wilhelm von Berg (1400-1414) gemünzt worden war, unter Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg in der Paderstadt mit der Prägung von Reichs- oder Apfelgroschen ein neues Kapitel der Münzgeschichte.

Dietrich IV. von Fürstenberg wurde am 27. September 1546 geboren. Am 5. Juni 1585 zum Bischof von Paderborn postuliert, empfing er am 30. Juli in der Klosterkirche zu Böddeken die Bischofsweihe. Er verschied am 4. Dezember 1618 im sechs Kilometer von Paderborn entfernten Schloss Neuhaus, das er zur Vierflügelanlage hatte erweitern lassen. Im Paderborner Dom wurde sein Leichnam im größten Bischofsgrab Westfalens bestattet. Auf Münzen führte er einen vierfeldigen Wappenschild, jeweils doppelt belegt mit dem Wappen des Fürstbistums Paderborn (goldenes Kreuz auf rotem Grund) und dem Familienwappen. Im evangelisch geprägten Hochstift und der Stadt Paderborn setzte er den katholischen Glauben rigoros durch. Nach Einnahme der Stadt, die sich ergeben hatte, ließ er den evangelischen Bürgermeister hinrichten, seine Leichenteile an die Stadttore nageln. Er betrieb eine intensive Familienpolitik und versuchte, die landesherrliche Macht auszuweiten.

Der Fürstbischof reaktivierte das Münz - wesen im Hochstift. Nach jahrelangen Verhandlungen und Vorbereitungen seit 1588 wurden im Zeitraum von 1592 bis 1596 primär Apfel- oder Reichsgroschen geschlagen. Bei diesen Groschen handelt es sich um sog. „gute“ Groschen zu 12 Pfennig, so tituliert im Gegensatz zu den (schlechten) Mariengroschen zu acht Pfennig, die gleichzeitig umliefen. Sie hatten aus 8-lötigem, also 500/1000er Silber, zu bestehen. Die 12-Pfennig-Groschen kursierten unter verschiedenen Bezeichnungen wie Fürsten-, Reichs- und Apfelgroschen aufgrund des abgebildeten Reichsapfels. Bis ins 18. Jahrhundert waren sie in weiten Teilen Deutschlands das dominierende Kleingeld. Zum Titel des jeweiligen Kaisers in abgekürzter lateinischer Umschrift führten sie auf der Rückseite im Reichsapfel die Wertzahl 24, um deutlich zu machen, dass 24 dieser Münzen einem Reichstaler entsprachen, während sonst 36 Mariengroschen auf den Taler gingen. Oft wurde die 2 als Z geschrieben. Die Vorderseite gehörte dem Münzherrn. Sein Wappen prangte in der Mitte, umgeben von einer meist in Latein verfassten abgekürzten Umschrift, die seinen Namen nannte und seine Titel und Besitzungen aufzählte.

Erster neuzeitlicher Münzmeister in der fürstbischöflichen Münzstätte Paderborn wurde Hans Eickhoff, der von 1592 bis 1594 dort arbeitete. Stempel mit seinem Münzmeisterzeichen waren allerdings auch noch von seinen Nachfolgern bis 1596 im Gebrauch. Ihm folgte 1594 der Braunschweiger Bürger Hans Mühlradt, der von seinem Vater Thomas, der von 1554 bis 1573 in Braunschweig Münzmeister gewesen war, nach langer Prägepause 1591/92 das Münzmeisteramt der Stadt Braunschweig übernommen hatte. Sein redendes Münzmeisterzeichen war ein gezähntes Mühlrad.

Hans Mühlradt arbeitete in mehreren relativ nah beieinander liegenden westfälischen Münzstätten, nämlich 1589 bis 1599 (mit Unterbrechungen) in Rinteln für den Grafen von Schaumburg, dann 1591 bis 1592 für die Stadt Braunschweig, 1593 bis 1594 in Minden für den Bischof von Minden aus dem Hause Holstein-Schaumburg und schließlich in Paderborn 1593 bis zu seinem Verschwinden 1594. Ein unbekannter Münzmeister musste bis 1596 das angefangene Werk dann zu Ende bringen. Anno 1597 wurde die fürstbischöfliche Münzprägung in Paderborn eingestellt, nicht zuletzt aufgrund der Querelen, die Dietrich IV. von Fürstenberg diesbezüglich mit dem Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis als Aufsichtsbehörde hatte.

Die von 1592 bis 1596 in Paderborn geschlagenen Münzen gelten streng genommen als unrechtmäßig ausgebracht, da die beiden Münzmeister nicht vom Kreis vereidigt und akzeptiert worden waren. Auch hatten sie ihre Gepräge nicht - wie gefordert - in der Fahrbüchse zur Probation gebracht. Auf Schrot und Korn ungeprüft kursierten sie, was zu Klagen aus dem östlich gelegenen benachbarten Niedersächsischen Kreis führte.

Dort wurden die Apfelgroschen nämlich in höherem Silbergehalt ausgemünzt, sodass der „gemeine“, des Schreibens und Lesens untüchtige Mann, betrogen wurde, akzeptierte er diese zum vollen Werte von 12 Pfennigen. Gerade in der Grenzregion, z. B. in der calenbergischen Landstadt Hameln, nur durch die Weser von Westfalen getrennt, drangen derlei unterwertige Groschen ein, die in Minden für das Bistum, in Altona (bei Hamburg) und in Rinteln und Oldendorf für die Schaumburger Grafen sowie in Bielefeld für die Grafen von Ravensberg in riesigen Mengen geprägt wurden. Von 1594 bis zur Kipperzeit standen diese unter argwöhnischer Beobachtung. Vor ihrer Annahme wurde gewarnt, ihr Kurswert reduziert.

Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg hatte sich deshalb der Ausübung seines Münzrechtes bis 1611 ganz enthalten, doch 1605 seiner Stadt Paderborn die Ausbringung von Kupfergeld gestattet. Diese - leider nicht selten recht unscheinbaren und dann noch schlecht erhaltenen - Kupfermünzen spielten in Westfalen eine wichtige Rolle. Sie drangen erstmals in die Domäne des üblichen Silbergeldes im 16. Jahrhundert ein, als nämlich zuerst Münster 1532 und dann Soest 1559 Kupferpfennige - auch Mehrfachwerte - als sogenanntes STAT GELDT von begrenztem Gültigkeitsradius herausgaben. Dem Beispiel wurde bald Folge geleistet, auch im benachbarten Niedersächsischen Reichskreis 1582 durch die Stadt Hameln. Kupferpfennige waren damals keine regulären Münzen nach der Reichs- bzw. Kreismünzordnung, also Gepräge, deren Nennwert durch das enthaltene Silber verkörpert war, sondern Kreditmünzen ohne eigentlichen inneren Wert.

Die Fürstbischöfe hatte ihre Residenz in der Stadt Paderborn 1370 endgültig aufgeben müssen und ihren Regierungssitz im nahegelegenen Schloss Neuhaus, einer repräsentativen Wasserburg, etabliert. Seit der Reformation war es zu Spannungen zwischen den lutherisch gesinnten Stadtbürgern Paderborns und den katholischen Landesherren gekommen. 1604 eskalierte die Lage, es gelang dem Fürstbischof die nach Emanzipation strebende Stadt einzu- nehmen und ihr wesentliche Rechte zu nehmen bzw. diese zu beschneiden. Aufgrund der militärischen Auseinandersetzung und deren Folgen verarmte die Stadt.

Als Gnadengeschenk genehmigte schließlich Dietrich IV. 1605 die Emission von städtischen Kupfermünzen als Kreditgeld, verteilt über sieben Jahre bis zu einer Gesamtsumme von 8000 Talern. Die Geltung dieses Stadtgeldes war räumlich auf das Stadtgebiet und zeitlich begrenzt. Hergestellt wurden es seit 1606 mittels Walzenprägung im baufälligen, 1613 abgerissenen Rathaus über Jahre hinweg mit denselben Stempeln und gleichbleibender Jahresangabe 1605. Bis 1620 waren die Kupferlinge im Werte von zwölf, sechs, vier und einem Pfennig im Umlauf, wurden allerdings von der Bevölkerung nur ungern genommen. Man bevorzugte reguläre Zahlungsmittel aus Silber(legierungen). Sie gehören zur großen Gruppe westfälischen Stadtgeldes aus Kupfer, dessen Emission 1532 in Münster und 1559 in Soest ihren Anfang genommen hatte. Ungewöhnlich, dass die Paderborner Exemplare auf Griechisch in der Umschrift als „Geschenk Dietrichs“ benannt wurden.

Nach 15-jährigem Stillstand aktivierte Dietrich IV. schließlich 1611 das Münzwerk. Es wurden fortan in Paderborn reichlich Reichs- oder Apfelgroschen emittiert, nämlich 82.080 Stück im Zeitraum von 1611 bis 1615. Diese sind durch eine große Anzahl von Varianten charakterisiert. Bei einer Auflage von etwa 20.000 Exemplaren pro Jahr kein Wunder, denn bei damaliger Hammerprägung war der Stempelverschleiß erheblich. Schwedes Typen- und Variantenübersicht (S. 82-84) bietet ein treffliches Hilfsmittel bei der Auffindung (und Bestimmung) einzelner Exemplare in seinem Katalog (S. 87-111).

Die Groschenfälschung

Als dritter neuzeitlicher Münzmeister nahm also Jacob Pfahler die Münzprägung für den Fürstbischof wieder auf. Seine beiden Vorgänger sind vom Westfälischen Kreis unvereidigt geblieben, hatten streng genommen nicht nur unberechtigt, sondern auch unterwertig geprägt. So hatte der Fürstbischof Schwierigkeiten, die Münzprägung wieder in Gang zu setzen.

Obwohl Pfahler 1611 tüchtig und variantenreich münzte, so z. B. fünf Typen an Apfelgroschen (Schwede-Nr. 18-22), war er erst im Mai 1612 auf dem Münzprobationsstag in Köln als qualifiziert anerkannt und für sein Paderborner Amt vereidigt worden. Aufgrund der Verluste im Dreißig jährigen Krieg fehlen Unterlagen aus Marsberg, die eine eventuelle frühere Vereidigung auf den Oberrheinisch-Westfälischen Kreis belegen könnten. Für seine gleichzeitige Tätigkeit in Hameln war eine ordnungsgemäße Vereidigung nicht erfolgt, was der Generalkreiswardein des Niedersächsischen Reichskreises Jobst Brauns in seinem Visitationsbericht vom 2. Juni 1614 monierte: „Demnach dieser Münzmeister mit Namen Jacob Pfaler diesem hochlöbl. Niedersächs. Kreise noch nicht beeidigt, als werden die anwesenden Hrn. Räthe von demselben gebührliche Eidespflicht zu fordern wissen.“ (von Bahrfeldt, S. 267).

Pfahler agierte in Paderborn flexibel und zeitnah: Im Jahr des Kaiserwechsels 1612 münzte er sowohl Groschen mit Titel Matthias (regierte 1612-1619) als auch mit dem des bereits am 20. Januar verstorbenen älteren Bruders Rudolf II. (1576- 1612). Rudolfs Münzen überwiegen deutlich. Wahrscheinlich brauchte der Münzmeister bereits vorhandene Prägestempel im Laufe des Jahres noch auf. Münzen prägen war nicht zuletzt eine Kostenfrage.

Der verwendete Wappenschild ist geviert und dreifach behelmt. Als Helmziere dienten ein wachsendes Kreuz, der Inful und die zwei fürstenbergischen Fasanenfedern. Auf Kleinmünzen begnügte man sich oft mit dem einfachen gevierten Schild, manchmal von der Mitra gekrönt und mit Schwert und Krummstab unterlegt.

Der Schild des jeweiligen Fürstbischofs bestand aus dem Hochstifts- und dem Familienwappen. Traditionell war das zweite und dritte Feld mit dem Familienwappen, das erste und vierte mit dem des Hochstiftes belegt. Der Paderborner Wappenschild zeigt auf rotem Grund ein goldenes Kreuz und Dietrich IV. von Fürstenberg führte als Familienwappen zwei waagerechte rote Balken auf goldenem Grund.

Arnold Schwede führt unter Nr. 28.2 ohne Abbildung und ohne die Legenden anzugeben eine Apfelgroschenfälschung mit der Jahreszahl 1612 aus dem von Peter Berghaus publizierten Fund Hemer (verborgen um 1620) aus schlechtem Silber auf. Im Titel Rudolfs erscheint das U als U (vgl. Schwede S. 114). Bei dem hier zu besprechenden Exemplar steht das V fürs U und: es ist nicht aus Silber.

Bei der Apfelgroschenfälschung von 1612 handelte es sich um ein Exemplar mit Titel Rudolfs und rechts und links des Reichsapfels getrennt angebrachter Jahreszahl. Es ist scharf geprägt aus Messing, das dann versilbert bzw. verzinnt (um Silber vorzutäuschen) wurde. Nur spärliche Res - te sind in den Zwischenräumen einzelner Buchstaben erhalten geblieben. Offensichtlich haftete die „Veredelung“ nicht sehr fest, rieb sich schnell beim von Hand zu Hand gehen ab und mutierte im Laufe der Zeit in eine krustige schwarze Patina, setzte partiell sogar Grünspan an. Mit 1,66 Gramm ist die Münze um 0,10 Gramm minimal zu leicht, was damals durchaus gang und gäbe war.

Während Schwede 1611 fünf Typen, zwei (Schwede 18, 19) mit der Jahreszahl über dem Reichsapfel und drei (Schwede 20, 21, 22) mit der Jahreszahl in der Umschrift katalogisiert, kennt er fürs Folgejahr 1612 lediglich zwei Typen, einen häufigen mit Titel Rudolfs (Schwede 28) und einen selteneren mit Titel Matthias‘ (Schwede 29), beide mit der Jahreszahl über dem Reichsapfel.

Anno 1613 führen seine drei Typen (Schwede 30, 31, 32) den Reichsapfel über der Jahreszahl.

Bis auf wenige Ausnahmen an Reputationsgeprägen (z. B. Goldgulden, Taler) und süddeutschen Kreuzern (die in betrügerischer Absicht außer Landes verschoben wurden) schlug Pfahler Apfelgroschen. Die Stempelschneider variierten die Wappenform (mit und ohne Insignien), die Platzierung von Jahreszahl und Münzmeisterzeichen und gestalteten mit oder ohne Umkreis (Kerb-, Faden- und Perlkreis) die diversen Vorder- und Rückseiten.

Ab 1614 kommen die weltlichen (Schwert) und geistlichen (Mitra, Bischofsstab) Herrschaftssymbole verstärkt ins Münzbild. Nun fehlt Pfahlers Münzmeisterzeichen, denn er war dabei, sich in Paderborn aufgrund erhobener Vorwürfe aus dem Staub zu machen. 1614 und 1615 setzte wohl ein unbekannter (Aushilfs-) Münzmeister seine Tätigkeit fort, bis im Jahre 1616 die fürstbischöfliche Prägestätte in Paderborn abbrannte und in der Stadt Brakel, die schon 1227 eine Münze in ihren Mauern gehabt hatte, 1617 eine neue in Betrieb genommen wurde.

Pfahlers (und die der Nachfolger) Apfelgroschen galten als unterwertig und wurden von Bayern, Franken, Niedersachsen, Sachsen und Schwaben valviert, d. h. in ihrem Kurswert reduziert. Vom Eid nicht entbunden, arbeitete Jacob Pfahler fortan in der Stadt Marsberg weiter.

Stadt Hameln, Münzstätte Hameln, Apfelgroschen 1572. Das echte silberne Exemplar wiegt 1,79 Gramm, das falsche aus Messing 1,82 Gramm.


Grafschaft Regenstein, Münzstätte Blankenburg, Apfelgroschen 1598. Das echte silberne Exemplar wiegt 1,73 Gramm, das falsche aus Blei 2,03 Gramm.


Grafschaft Schauenburg-Holstein, Münzstätte Altona, Doppelschilling (1⁄16-Taler) 1609. Das echte silberne Exemplar wiegt 2,98 Gramm, das falsche aus Blei 2,37 Gramm.


Ausklang

An Dietrich IV. von Fürstenberg (1585- 1618) knüpfte Fürstbischof Ferdinand von Bayern (1618-1650) nahtlos an. Es gab keine Sedisvakanz, die für ein Machtvakuum gesorgt hätte. Auf Münzen führte er einen fünffeldigen Wappenschild, jeweils doppelt belegt mit den Wappen der Pfalz und von Bayern sowie mittig als Herzschild das des Fürstbistums Paderborn. Die Prägung der Apfelgroschen wurde 1619 in seinem Namen fortgeführt.

Zeitgenössische Groschenfälschungen wurden zu der Zeit entweder in einer Zinn- bzw. Bleilegierung oder aus versilbertem Messing bzw. Kupfer hergestellt. Sie wurden geprägt oder gegossen. Relativ leicht waren sie im frischen Zustand am Klang zu erkennen: Auf eine Holzplatte geworfen, klingen echte geprägte silberne Münzen hell, falsche, besonders gegossene, machen ein dumpfes „Plopp“. Zinnhaltige verursachen auf weißem Papier einen gräulichen Abrieb, im Gegensatz zu Silbergeprägen.

Die Fälscher waren bemüht, in Größe und Gewicht den echten Exemplaren zu entsprechen. Beim Aussehen wurde es schwierig. Eine Versilberung rieb sich relativ schnell ab, das „böse Kupfer“ lugte hervor oder ein dumpfer „Grauschleier“ überfing die sonst im Geldverkehr kursierenden silberhellen Münzen. Auch bereitete es Probleme, bei Falsifikaten im Münzbild scharfe Konturen zu erreichen.

Abschließend seien drei zeitgenössische Verkehrsfälschungen, also keine Falsifikate zum Schaden der Sammler, präsentiert und jeweils mit einem echten ähnlichen Stück verglichen: Die calenbergische Landstadt Hameln an der Weser mit einem versilberten Apfelgroschen von 1572 aus Messing, die Grafschaften Regenstein am Harz und Schauenburg-Holstein mit bleiernen Münzen.

Die Stadt Paderborn, Kupferstich aus Matthäus Merian: Topographia Westphaliae …, Frankfurt a. M. 1647, S. 56.
„Paderborn / Padelborn. Diß ist die Haupstatt im Westphaelischen Bischthumb dieses Namens, so nahend dem Fluß Lippe gelegen, unnd auch eine auß den Hansee=Staetten, und fein erbawet ist. … Es hat dieses Bischtumb mit der Zeit an Reichthumb gewaltig zugenommen, also, daß es in seinem Umbkreyß vier unnd zwanzig Staettlein, unnd Marckflecken, zwanzig Schloesser, unnd Aempter, sechzehn Kloester, unnd vier und fünfffzig Pfarren, begriffen… Dieterich, oder Theodoricus von Fuerstenberg; bey dessen Regierung es zu Paderborn in Anno 1604. wunderlich hergangen ist,… Und hat er, der Bischoff, im folgenden 1605. Jahr, die Statt eingenommen, unnd den Burgermeister Liborium Vichardum, lebendig zu viertheilen befohlen. Anno 1616. seyn allie fuenffzig Haeuser abgebronnen, sampt dem Capuciner Kloster, so durch das Wetter geschehen…Anno 1622. hat Hertzog Christian von Braunschweig, Bischoff zu Halberstatt, sich fast des gantzen Bischthumbs, etlich wenig Ort außgenommen, bemaechtiget; und sonderlich in der Statt Paderborn, reiche Beuten gemacht: Fuernemlich aber, des heiligen Liborii Bildnuß, von purem lauterem Gold, auff achtzig Pfunbd schwaer, bekommen …“ (Merian, Topographia Westphaliae, S. 56-58)

Fälschung des Paderborner Groschens von 1612 (zu Schwede 28.2)
Vorderseite: Der vierfeldige ovale Wappenschild in Kartusche zur
Umschrift: Mz: THEO A . FVRS . D . G . E P. E (Theodorus A Fürstenbergensis Dei Gratia Eclesiae Paderbornensis
Episcopus; zu deutsch: Dietrich [IV.] von Gottes Gnaden Bischof der Kirche Paderborns).
Rückseite: Der Reichsapfel mit der 24 (Z4) zur abgekürzten Umschrift: IZ RVD . II . RO IMP . S . A . 16 (Rudolfus II. Romanorum Imperator Semper
Augustus; zu deutsch: Rudolf II. Kaiser der Römer allzeit Mehrer [des Reiches]).
Gewicht: 1,66 Gramm Stempelstellung: 5 Uhr

Paderborner Groschen des Jacob Pfahler von 1611, 3. Typ (Schwede 20 C / d)
Vorderseite: Der vierfeldige Wappenschild in Kartusche im Umkreis zur
Umschrift: THEO . A . FURS . Mz. D . G E . P E . (Theodorus A Fürstenbergensis Dei Gratia Eclesiae Paderbornensis
Episcopus; zu deutsch: Dietrich [IV.] von Gottes Gnaden Bischof der Kirche Paderborns).
Rückseite: Der Reichsapfel mit der 24 (Z4) im Kreis zur abgekürzten Umschrift: 11 RUD . II . RO . IMP . S AU 16 (Rudolfus II. Romanorum Imperator Semper Augustus; zu deutsch: Rudolf II. Kaiser der Römer allzeit Mehrer [des Reiches]).
Gewicht: 1,65 Gramm Stempelstellung: 5 Uhr

LITERATUR

Bahrfeld, Max von: Niedersächsisches Münzarchiv, Bd. IV. Halle 1930.
Berghaus, Peter: Der Münzschatz von Hemer-Westig 1949. Hemer 1967.
Merian, Matthäus: Topographia Westfaliae. Das ist, Beschreibung der vornembsten, und bekantisten Stätte, und Plaetz. Im Hochlöbl: Westphälischen Craiße, …
Frankfurt/Main o. J.
Merian, Matthäus: Topographia Superioris Saxoniae
Thüringiae / Misniae Lusatiae etc. Das ist Beschreibung der Vorn. und bekantesten und Plaetz, … Frankfurt/Main 1650.
Mertens, Eberhardt: Münz- und Geldgeschichte der Stadt Northeim. Halle 1928.
Schwede, Arnold: Das Münzwesen im Hochstift Paderborn 1566-1803. Paderborn 2004.
Schwede, Arnold: Nachträge zu den Korpuswerken
„Paderborn 1566-1803“ und „Corvey 1541-1794“. In:
Nummi docent! Festschrift für Peter Ilisch zum 65.
Geburtstag. Osnabrück 2012, S. 343-350.