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Einer für alle und alle für einen


blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 26.07.2018

»3 Musketiere« beim Musicalsommer Winzendorf


Artikelbild für den Artikel "Einer für alle und alle für einen" aus der Ausgabe 4/2018 von blickpunkt musical. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Jungspund D’Artagnan (Christopher Dederichs, r.) will es gleich mit den drei gestandenen Musketieren Porthos (Dirk Siebenmorgen), Aramis (Florian Fetterle) und Athos (Christoph Apfelbeck) aufnehmen


Foto: Philipp Bernhard

Mit schwingendem Degen stolpert der junge D’Artagnan in sein erstes Abenteuer. Von seinem behüteten Zuhause im Süden Frankreichs hat er sich mit seinem geliebten Pferd »Pomme de terre« auf den Weg gemacht, um in Paris sein Glück zu finden. Doch ehe er sich versieht, verteidigt er den König, an der Seite der von ihm hochverehrten Musketiere ...

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... Athos, Porthos und Aramis, gegen böse Mächte. Mit starken Stimmen, spektakulären Stunts und schwungvollen Schauspielszenen heizt der Musicalsommer Winzendorf im alten Steinbruch in diesem Jahr mit »3 Musketiere« den Zuschauern ein. Trotz kleiner Optimierungsmöglichkeiten ist die Sommer-Spielstätte auf dem besten Weg, sich neben den etablierten Festspielen in Amstetten und Staatz in der warmen Jahreszeit zu einer der festen niederösterreichischen Musiktheaterinstitutionen rund um Wien zu mausern.

Für die neue Inszenierung des Klassikers, der 2003 seine Uraufführung im niederländischen Rotterdam feierte, wurde ein beachtlicher Cast gefunden. In die Rolle des etwas unbeholfenen, aber nicht minder mutigen D’Artagnan schlüpft Blondschopf Christopher Dederichs. Mit dem mitreißenden Song ›Heut’ ist der Tag‹ setzt der Darsteller, der zuletzt in »Schikaneder« und »Tanz der Vampire« zu sehen war, gleich zu Beginn seines neuen Engagements hohe Standards, denen aber auch die nachfolgenden Solisten durchaus gerecht werden. Sehr gut spielt er die Entwicklung von dem tagträumerischen und etwas unbeholfenen Landburschen hin zum mutigen Musketier. Dabei erhält D’Artagnan die Chance, zu zeigen, was in ihm steckt. Noch gar nicht richtig in der französischen Hauptstadt angekommen, trifft er seine erste große Liebe in Gestalt von Constance. Sie wird von der Sängerin Zoë Straub verkörpert, die – nach der Teilnahme beim Eurovision Song Contest 2016 für Österreich mit ›Loin d’ici‹ – in Winzendorf ihr Musicaldebüt gibt und unter Beweis stellt, dass sie nicht nur stimmliche, sondern auch darstellerische Qualitäten zu bieten hat. Ganz nebenbei purzelt D’Artagnan in sein erstes Abenteuer. Mit mehr Mut als Verstand fordert er gleich drei gestandene Musketiere zum Duell heraus. Christoph Apfelbeck spielt den Gentleman Athos, Florian Fetterle den humorvollen Aramis und Dirk Siebenmorgen den Genussmenschen Porthos. Die drei sind auch auf der Bühne ein eingespieltes Team und schaffen es, jedem der Leibgardisten einen ganz eigenen Charakter zu verleihen und dennoch eine verschworene Einheit zu bilden. Die hastig ausgemachten Duelle zwischen dem Greenhorn und den erfahrenen Kämpfern finden nicht statt, da die Leibgarde des Kardinals unter der Leitung von Rochefort (Lorenz Sandmaier) dazwischen geht. Statt gegeneinander kämpfen die vier in der folgenden Degen-Szene, die spannend und energiegeladen von Stunt-Choreograph Josef Schützenhofer umgesetzt wurde, zusammen. Gekonnt schwingen die Darsteller die Klingen. Ihnen gegenüber steht als Highlight des Casts Armin Kahl in Form des legendären Kardinals Richelieu. Dieser bewegt sich mit einer bewundernswerten Natürlichkeit im scharlachroten Ornat. Wer genau hinschaut, kann die zwiegespaltene Persönlichkeit, die zwischen der katholischen Liebe zu Gott und dem Hass auf die protestantischen Hugenotten schwankt, in seinen Augen blitzen sehen. Der Mann mit dem spitzbübisch- dämonischen Lächeln hat in Winzendorf offenbar ein Zuhause gefunden, hat Armin Kahl doch im letzten Sommer bereits Zorro verkörpert. An seiner Seite ist in diesem Jahr Lisa Antoni zu sehen. Mit ihrer beeindruckenden Stimme, die sie besonders bei ›Männer‹ unter Beweis stellt, begeistert sie das Publikum als Milady de Winter und vermeintliche Komplizin des dubiosen Kirchenmannes.

Das Leading-Team rund um den erfahrenen Regisseur Andreas Gergen, der nicht nur im vergangenen Jahr in Winzendorf, sondern auch in Tecklenburg und anderen Theaterhäusern zahlreiche Ensuite-Erfolgsproduktionen aus der Taufe gehoben hat, hat auch beim Ensemble aus Schülern und Absolventen des Performing Center Austria in Wien eine gute Auswahl getroffen. So macht besonders Kilian Berger nicht nur im Ensemble, sondern auch in der Nebenrolle des König Ludwig eine tadellos gute Figur. Auch seine Bühnen-Gattin, die Newcomerin Sarah Zippusch, zeigt ihr Können und vermag beim Terzett ›Wer kann schon ohne Liebe sein‹, mit den erfahrenen Kolleginnen mitzuhalten.

Alle Darsteller stehen vor der Herausforderung, die große Bühne von Winzendorf zu bespielen. Der alte Steinbruch bietet schon seit Jahren für die Winnetou-Festspiele dem Publikum eine einzigartige Kulisse. Im letzten Sommer nutzte der Musicalsommer die Kulisse erstmals mit »Zorro« für ein Musical. Durch die Überdachung wetterfest, nimmt der Zuschauer in gemütlichen Kino-Sesseln Platz. Die besonders breite Bühne bietet ein kinoähnliches 16:9-Erlebnis. Viele einzelne kleine Schauplätze, wie eine Höhle, ein Salon, der zum Schloss umfunktioniert wird, und eine Brücke verbinden sich zu einem harmonischen Ensemble und bieten nicht nur dem Orchester unter der musikalischen Leitung von Lior Kretzer die Möglichkeit, sich direkt auf der Bühne zu positionieren, sondern auch mannigfaltige Auftrittsmöglichkeiten für Pferde und Kutschen. Die prunkvollen Kostüme der Musketiere oder auch von Königin Anna (Kostümbild: Gerlinde Höglhammer) können hier ihre ganze Pracht entfalten. Auch der Sound ist in diesem Jahr deutlich besser als noch beim Debüt des Musicalsommers vor zwölf Monaten. Glasklar ist jede Stimme zu hören, die rockigen Rhythmen aus der Feder des niederländischen Komponistenbrüderpaares Rob und Ferdi Bolland gehen in Mark und Bein.

Wie im vergangenen Jahr haben die Produzenten Jérôme Berg und Benedikt Karasek auch in diesem Jahr nicht nur bei der Stückwahl, sondern auch bei den Engagements ein glückliches Händchen bewiesen.

Eine Bemerkung zum Schluss: Auch Schattenseiten bringt dieses kinohafte Erlebnis für die ganze Familie mit sich. So muss sich der erfahrene Musical-Besucher vermutlich erst daran gewöhnen, dass so manche beachtenswerte Reprise ungewohnt durch Popcorn-Geraschel vom hungrigen Nebensitzer gestört wird.

1. ›Männer‹ – Milady de Winter (Lisa Antoni mit Ensemble) ist nicht gut auf die Herren der Schöpfung zu sprechen


2. Kardinal Richelieu (Armin Kahl, Mitte mit Ensemble) hat nicht nur die Zügel, sondern auch das Königspaar (Kilian Berger, l. und Sarah Zippusch, r.) fest in der Hand


3. Erstes Aufeinandertreffen und charmante Blicke zwischen D’Artagnan (Christopher Dederichs) und Constance (Zoë Straub)


4. Constance (Zoë Straub, l.) und D’Artagnan (Christopher Dederichs, Mitte) strahlen vor Glück und haben auch den Segen von Athos (Christoph Apfelbeck, r.)


Fotos (4): Philipp Bernhard