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Einer für die Ewigkeit


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 23/2022 vom 03.06.2022

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 23/2022

Ein Leben für die Musik: Am 18. Juni wird Paul McCartney 80 Jahre alt

R und1000 Songs hat Paul Mc-Cartney im Lauf seiner langen Karriere geschrieben, allein 300 für die Beatles. Nicht umsonst bezeichnete der große US-Komponist Leonard Bernstein das Duo Lennon/McCartney in den 1960er-Jahren als „Schuberts und Schumanns des 20. Jahrhunderts – weil ihre Songs überdauern werden“. Der Einfachheit halber hatten sich John Lennon und Paul Mc-Cartney beizeiten darauf geeinigt, stets gemeinsam als Urheber zu firmieren, ganz gleich, wer tatsächlich den Löwenanteil an der Komposition geleistet hatte. „Hey Jude“ etwa wird ihm zugeschrieben, und natürlich „Yesterday“ – der meistgespielte Popsong der Welt. Das Musikmagazin „Rolling Stone“ führt McCartney auf Platz 2 der besten Songwriter aller Zeiten – vor John Lennon, aber nach Bob Dylan, der wiederum sagt: „Paul McCartney ist der Einzige, vor dem ich Ehrfurcht habe.“

Ein Komponist, der keine Noten kann

Der Autodidakt ...

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... Paul McCartney kann Noten weder lesen noch schreiben, daraus hat er nie ein Hehl gemacht. Wenn er mit Orchestern zusammenarbeitet, bedarf es persönlicher Vorbereitung, mit einer Partitur kann der Künstler wenig anfangen. Er greift Songs buchstäblich aus der Luft. „Das mache ich schon mein ganzes Leben. Ich versuche, eine Kleinigkeit zu entdecken, die schön klingt“, erzählt er in der grandiosen Dokuserie „McCartney 3, 2, 1“ (bei Disney+). Wie er mit nur sechs Akkorden Melodien für die Ewigkeit geschaffen hat, demonstriert McCartney hier ebenso charmant wie eindrucksvoll am Klavier. „Mozart soll einmal gesagt haben: ,Ich schreibe Noten, die sich mögen.‘ Das gefällt mir.“ Sein Klassikfavorit, der ihn am stärksten beeinflusst hat, ist allerdings Johann Sebastian Bach – deutlich zu hören beim Trompetensolo in „Penny Lane“.

McCartneys Auszeichnungen und Würdigungen aufzählen zu wollen, würde den Rahmen sprengen. In den Künstleradel wurde der Brite bereits 1997 erhoben und darf sich seitdem Sir nennen. 2018 folgte die Aufnahme in den erlauchten Order of the Companions of Honour. Das Motto des Ordens, als goldene Lettern in ein Medaillon eingeprägt, darf für sich sprechen: „Im Handeln treu und in Ehre klar.“

Kaum jemand hat die Popkultur mehr geprägt als „Macca“, so McCartneys Kosename. Als Sänger und Bassist der Beatles, als Kopf der Gruppe Wings, die 1977 mit „Mull Of Kintyre“ einen weltweiten Nummer-1-Hit landete, der sich in Großbritannien sogar häufiger als jeder Beatles-Song verkaufte. Seit 1981 ist er als Solokünstler umtriebig, arbeitet aber immer wieder mit Stars diverser Musikrichtungen zusammen, von Stevie Wonder („Ebony And Ivor y“, 1982) oder Michael Jackson („Say Say Say“, 1983) bis hin zu den Foo Fighters und Rapper Kanye West. Längst könnte sich Sir Paul auf seinem Ruhm ausruhen, sein Vermögen wird auf 900 Millionen Euro geschätzt. Er war aber nie weg, weil er immer ambitioniert und vor allem neugierig geblieben ist. „Das ist es, was ich liebe: die Musik, das Leben. Vorankommen. Da ist immer der nächste kleine Song, an den du denkst.“

James Paul McCartney wird am 18. Juni 1942 in Liverpool geboren. Die Familie gehört nach eigenen Angaben zur gehobenen Arbeiterschicht. Vater James spielt privat in einer Jazzband. Im Wohnzimmer steht ein Klavier, an dem Paul sich mehr oder weniger selbst das Spielen beibringt. Ironie des Schicksals: Auf den Wunsch seiner Eltern singt er an der Liverpool Cathedral für den Knabenchor vor, wird jedoch abgelehnt! Mit 14 Jahren bekommt Paul eine Gitarre geschenkt und beginnt, Songs zu schreiben. Der erste heißt „I Lost My Little Girl“. Von Anfang an verarbeitet Paul in seiner Musik Gefühle, die er sonst nur schwerlich zum Ausdruck bringen kann, so auch den Krebstod seiner Mutter.

In Hamburg beginnt eine Weltkarriere

Aus der Schülerband The Quarrymen werden 1960 die Beatles. John Lennon, Mc-Cartney, George Harrison, Bassist Stuart Sutcliffe (der 1961 aussteigt) und Drummer Pete Best spielen im „Kaiserkeller“ auf der Großen Freiheit, später im legendären „Star-Club“. Im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli, wo nicht nur Seeleute feiern, ist Rock ’n’ Roll gefragt. In Deutschland herrscht jedoch Mangel an guten Bands. Also werden die Tanzmusiker aus England geholt. Ein Knochenjob: Die Beatles spielen bis zu acht Stunden, schlafen in einer Besenkammer, halten sich mit „Prellis“ nächtelang wach. Die Preludinpillen sind eigentlich als Appetitzügler gedacht. „Das Zeug brachte einen zum Reden“, erinnert sich McCartney. Doch Quasselstrippe Paul kommt in der Regel ohne aus. Er ist der kommunikativste Beatle, der am meisten auf das Publikum eingeht. Mit der harten Hamburger Schule im Gepäck begeistern die Beatles auch in Liverpools angesagtem „Cavern Club“, wo sie von Musikmanager Brian Epstein entdeckt werden.

Pilzköpfe als Idole einer ganzen Generation

Nachdem in Hamburg seine Gitarre zu Bruch gegangen ist, wechselt Multiinstrumentalist Paul McCartney zum Bass. Auf der Reeperbahn haben die Beatles auch Ringo Starr kennengelernt, der 1962 Pete Best am Schlagzeug ersetzt – kurz bevor die Gruppe ihren ersten Plattenvertrag unterschreibt. „From Me To You“ erreicht 1963 Platz 1 der britischen Hitparade. Die Boygroup steigt rasant zum Aushängeschild der neuen Jugendkultur auf. Die „Working Class Kids“ aus Liverpool, die es mit Talent und Energie nach ganz oben geschafft haben, werden zu Idolen einer ganzen Generation, prägen die Mode und das Phänomen Kreischalarm. 1964 gelingt den „Fab Four“ der weltweite Durchbruch, von Paris aus starten sie eine Welttournee. „Es war magisch. Keine Gruppe hätte sich so lange halten sollen“, sagt McCartney rückblickend. „Ein paar Jahre vielleicht – und dann zurück in die Fabrik.“ Stattdessen erreicht die Beatlemania ihren Höhepunkt.

Wo die vier auftauchen, f lippen die Fans aus. Mädchen fallen in Ohnmacht. Die Hysterie nimmt bedenkliche Züge an.

Auch deshalb entscheiden die Beatles 1966, nicht mehr zu touren und sich wieder mehr auf ihre Musik zu konzentrieren. Im Studio erfinden sie sich neu, 1967 etwa als „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“.

Das Album ist ein Gesamtkunstwerk, der Name – McCartneys Idee – geht auf ein Missverständnis zurück: Im Flugzeug fragt ihn jemand nach Salz und Pfeffer (salt and pepper). Er versteht „Sergeant Pepper“.

Nach der Auflösung der Beatles 1970 sucht McCartney Abstand, zieht mit Ehefrau Linda und den Kindern auf einen Bauernhof in Schottland und züchtet Schafe. Ein Schlüsselerlebnis macht ihn erneut zum Trendsetter: „Es gibt nichts Niedlicheres als ein Feld voller Lämmer, die von einem Ende zum anderen rennen. Da fiel bei mir der Groschen: ,Moment mal, wir essen sie doch gerade!‘“ Es gab Lammkeule. Seitdem lebt der Star f leischlos, engagiert sich für Tier- und Umweltschutz. Seit 1991 gibt es die Veggie-Lebensmittelmarke „Linda McCartney’s“. Tochter Stella, erfolgreiche Modedesignerin, wird für ihre veganen Kollektionen (ohne Leder) geschätzt.

Der Jubilar lässt feiern: live auf der Bühne

Wie viel mehr gäbe es noch zu erzählen! Paul McCartney hat allerdings nie die Zeit gefunden, seine Memoiren zu schreiben. „Meist war ich auf Tournee oder zog Kinder groß.“ Sohn James ist ebenfalls Musiker, aus der zweiten Ehe mit Ex-Model Heather Mills hat er Tochter Beatrice Milly. Nun lässt McCartney, wie so oft, anstelle einer klassischen Autobiografie seine Lieder sprechen: In „Lyrics“ (siehe Buchtipp l.), erschienen 2021, blickt er anhand von Songs auf sein Leben und sein Werk zurück, von 1956 bis heute.

Seinen runden Geburtstag wird er wohl nicht in seinem Londoner Haus feiern, übrigens ganz in der Nähe der Abbey Road mit den berühmten Tonstudios. Denn Sir Paul ist mal wieder unterwegs. Seine aktuelle „Got Back“-Tour („Bin zurück“) durch die USA beschließt der dann 80-Jährige am 25. Juni aber beim berühmten Glastonbury Festival in der englischen Heimat. Auf dem Programm stehen selbstverständlich auch Beatles-Klassiker: „Love Me Do“, „Get Back“ und „Let It Be“, aber auch das Stück „Helter Skelter“, das als Wegbereiter des Heavy Metal gilt. Und der Oscar-nominierte Bond-Song „Live And Let Die“ der Wings, aus „Leben und sterben lassen“ (1973) mit Roger Moore. „Es ist irre, Paul McCartney zu sein! Aber ich liebe es“, sagt der Jubilar. Happy Birthday, Sir!

ULRIKE SCHRÖDER