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EINFACH MAL DURCHATMEN


Natürlich - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 03.09.2021

Kostbar: klare Luft

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Bildquelle: Natürlich, Ausgabe 5/2021

Ehrlich, ich liebe es, wenn es im Sommer regnet. Oder besser gesagt: Meine Nase ist ganz verrückt danach, wenn Regentropfen auf trockenen Boden fallen. Es riecht dann so herrlich klar und frisch nach feuchter Erde! Dieser Effekt hat sogar einen Namen: Petrichor nennt die Wissenschaft den Geruch, der durch Bakterien im Boden und Aerosole in der Luft entsteht.

Mir zeigt das immer wieder, wie selten wir uns eigentlich auf unsere Nase verlassen. Und welche direkten Auswirkungen die Luft, die wir atmen, auf unsere Stimmung, das Wohlbefinden und damit auf unsere Gesundheit hat. Dieser Zusammenhang lässt sich wunderbar an besonderen, naturnahen Orten erspüren: zum Beispiel an der Küste, im Wald oder in den Bergen. Die Meeresluft ist deshalb so gut, weil sie wenig Schadstoffe und Feinstaub enthält und weil sie nahezu frei von Pollen ist – ein Segen für alle Heuschnupfengeplagte. Das ...

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... Seeklima an der Nordsee zum Beispiel profitiert von Jod und Mineralien im Wattboden, die über Aerosole ebenfalls in die Luft gelangen können.

EINE STEIFE BRISE. STIMULIERT DIE SINNE

Wenn wir bei ausgedehnten Strandspaziergängen einen salzigen Geschmack auf der Zunge spüren, ist das also keine Einbildung. Es zeigt vielmehr, wie wir wirklich mit allen Sinnen die luftförmige Umwelt erleben. Dazu gehört übrigens sogar der Tastsinn, wenn die frische Brise auf das größte Organ unseres Körpers, die Haut, trifft und diese entsprechend stimuliert. Auch im Landesinneren lässt sich der Seelufteffekt genießen: In zahlreichen Kurorten sorgen Salinen für ein salzhaltiges Mikroklima, das der Seeluft ähnelt und ebenso wohltuende Wirkungen für Atemwege und Haut entfalten kann. Ein Erlebnis ist zum Beispiel das Gradierwerk im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach, das sich mit einer Gesamtlänge von mehr als einem Kilometer als Europas größtes Freiluftinhalatorium bezeichnet. Eine weitere Variante, sich eine Extraportion salzhaltige Atemluft zu gönnen, bieten künstliche Salzgrotten. Sie erzeugen aufgrund ihrer Bauweise ebenfalls eine Art Meeresluft im Kleinen. Da die Grotten oft beruhigend ausgeleuchtet sind und einen Ort der Ruhe darstellen, können sie zu einer Oase der Entspannung auch mitten in der Großstadt werden.

Verlassen wir die maritimen Einflüsse auf die Atemluft und tauchen wir ein ins Waldbad. Waldbaden? Hinter dem Modewort steckt mehr als ein schnelllebiger Trend. Denn egal, wie wir es nennen: Kaum ein Ort bietet sich zum Entschleunigen geeigneter an als der Wald. Das hat neben einer gedämpften, beruhigenden Geräuschkulisse und dem weichen Untergrund beim Gehen vor allem mit dem Mikroklima zu tun, das von den Bäumen erzeugt wird. In der Waldluft ist deutlich weniger Staub enthalten, die Luftfeuchtigkeit ist höher als im städtischen Umfeld, Wind und Sonne werden durch das Blätterdach abgeschirmt. Gerade im Sommer wirkt die feuchte Kühle eines Waldes schon beim ersten Atemzug erfrischend angenehm. Der Effekt ist sogar in größeren Parkanlagen mit einem entsprechenden Baumbestand in den Herzen von Metropolen spürbar. Nicht zufällig werden diese Zonen gerne auch die grüne Lunge der Stadt genannt. »Sobald wir einen Forst betreten, schlägt unser Herz ruhiger, der Blutdruck sinkt, im Körper zirkulieren weniger Stresshormone«, sagt Deutschlands bekanntester Förster Peter Wohlleben in einem Beitrag für das Naturmagazin Geo. Weiter erklärt er: »Neuere Forschungen belegen gar, dass bestimmte Duftstoffe, die die Bäume ausdünsten, unser Immunsystem stärken. So steigt nach Aufenthalten im Wald die Anzahl wichtiger Abwehrzellen messbar an.« Um sich ganzheitlich etwas Gutes zu tun, ist der Weg in den Wald also immer eine gute Idee. Lediglich in Flussniederungen oder engen Talkesseln kann sich bei bestimmten Wetterlagen die Luftqualität verschlechtern. Aber schon wenige Kilometer entfernt auf der nächsten Anhöhe lässt es sich wieder befreit durchatmen.

WALDBADEN STÄRKT DAS IMMUNSYSTEM

Zum Luftholen in die Höhle abtauchen

Während der Wald uns quasi im Vorbeigehen mit guter Atemluft versorgt, können wir diese auch ganz gezielt zur Gesundheitsförderung einsetzen. Der Schlüssel hierzu liegt unter der Erde – im sogenannten Heilstollen. »Besonders reine Luft, ohne äußere Einflüsse, sorgt für ein einzigartiges Mikroklima tief unter der Erde. Keine Schadstoffe, kein Schwebestaub, keine Keime oder Allergene wie Pollen oder Pilzsporen – Ihre Atemwege können aufatmen«, so beschreibt der Deutsche Heilstollenverband die Vorzüge eines Aufenthalts unter Tage (Überblick über die Orte unter www.deutscher-heilstollenverband.de).

WAS IST EIGENTLICH EIN

LUFTKURORT?

Eine deutschlandweit einheitliche Regelung für den Begriff Luftkurort gibt es gar nicht. Verbindliche Vorgaben finden sich ausschließlich auf Länderebene. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise legt das Kurortegesetz fest, unter welchen Voraussetzungen sich ein Ort »staatlich anerkannter Luftkurort« nennen darf. So muss »ein wissenschaftlich anerkanntes und therapeutisch anwendbares Bioklima sowie eine entsprechende Luftqualität« vorhanden sein, die regelmäßig überprüft werden muss. Darüber hinaus gibt es eine Reihe an Vorgaben, die die Infrastruktur der Ortschaft betreffen, wie Grünflächen, öffentliche Bäder und behindertengerechte Ausstattung. Da vor diesem Aufwand und den damit verbundenen Gutachterkosten manche Kommunen zurückschrecken, ist also nicht zwingend jeder Ort mit gesunder Luft auch »staatlich anerkannt«.

Daneben gibt es noch offizielle »heilklimatische Kurorte«, hier sind die Hürden für die Anerkennung deutlich höher, denn nötig sind »der Nachweis der besonderen therapeutischen Eignung des Klimas und seiner Wirkung durch wissenschaftliche Begutachtung« sowie »eine Klimastation zur ständigen Überwachung der Eigenschaften des Klimas«.

TIPP ZUM »LUFTKUREN«

Wer unter Atemwegserkrankungen, Allergien oder bestimmten Hautproblemen leidet, profitiert möglicherweise von einer Luftkur – fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis danach.

Wer auf der Suche nach reiner Luft ist, wird überirdisch auf jeden Fall fündig, wenn es wirklich ganz hoch hinaus geht, nämlich im Hochgebirge, beispielsweise in den Alpen. Das Hochgebirgsklima bildet neben dem Seeklima und dem Mittelgebirgsklima, in dem die meisten Wälder liegen, die drei in Deutschland anzutreffenden bioklimatischen Zonen. Allergiker:innen wird es freuen, dass die Luft hier sehr pollenarm ist und vor allem, dass Haus- staubmilben oberhalb von 1.500 Metern nicht mehr vorkommen. Neben der reinen Luft, deren Qualität mit der Seeluft vergleichbar ist, gibt es zwei gesonderte Gesundheitsfaktoren, die bei einem Aufenthalt im Hochgebirge beachtet werden sollten: die intensive

DIE BERGLUFT LOCKT UNS HOCH HINAUS

Sonnenstrahlung und der abnehmende Sauerstoffgehalt in der Luft, je höher es hinaufgeht. Die Sonnenstrahlung ist in der Höhenlage nicht nur intensiver, auch die Sonnenstunden sind im Durchschnitt zahlreicher als im Flachland. Sonnenlicht wirkt sich grundsätzlich positiv auf die Psyche aus – zu früheren Zeiten wurde im Alpenraum noch häufiger die Heliotherapie angeboten – und kann wohldosiert das Hautbild zum Beispiel bei Neurodermitis verbessern. Ein Schutz vor zu viel UV-Strahlung ist im Hoch gebirge aber unabdingbar. Bezüglich des Sauerstoffgehalts ist bis zu einer Höhe von 2.000 Metern eigentlich keine Veränderung im Vergleich zum Tiefland zu beachten; darüber hinaus sollte sich die körperliche Anstrengung den Gegebenheiten anpassen. Aber wenn es um den Erholungswert geht, spricht ohnehin nichts dagegen, auf den Gipfeln einfach die Blicke schweifen zu lassen und das Bergpanorama zu genießen – naturnaher können die eigenen Akkus nicht aufgeladen werden.

Atemübungen in den eigenen vier Wänden

Wenn wir nach dieser Reise durch die drei Bioklimazonen wieder in die Niederungen des Alltags hinabgestiegen sind, können wir festhalten, dass kleine Fluchten oft nur wenige Atemzüge entfernt liegen. Selbst in den eigenen vier Wänden kann der eigene Atem für Entspannung und Wohlbefinden sorgen. Sei es mit atemtherapeutischen Übungen – diese können sowohl beruhigend als auch aktivierend eingesetzt werden –, sei es mit dem Inhalieren von Dampfbädern, gerade mit Blick auf die Erkältungswelle im Herbst.

Und ich freue mich – nach meiner Vorliebe für den eingangs erwähnten Sommerregen – schon jetzt auf den Winter: Da riskiere ich zwar eine kalte, rote Nase – aber was gibt es Schöneres als den Geruch von frisch gefallenem Schnee?