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Einfühlsame Geschichte aus dem Leben von Fans


blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 25.05.2019

»The Band« als deutschsprachige Erstaufführung im Theater des Westens Berlin


Artikelbild für den Artikel "Einfühlsame Geschichte aus dem Leben von Fans" aus der Ausgabe 3/2019 von blickpunkt musical. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: blickpunkt musical, Ausgabe 3/2019

1. »The Band«: Die Geschichte von fünf Schulfreundinnen dreht sich rund um die Boygroup, aber der Fokus liegt auf den Fans


2. Vier Freundinnen wiedervereint – die fünfte im Herzen – (v.l.): Yvonne Köstler, Laura Leyh, Heike Kloss, Silke Geertz


Die Boygroup »Take That« beherrschte mit ihren eignen Hits wie ›Back For Good‹ und Covertiteln wie ›How Deep Is Your Love‹ in den 1990ern die Charts. Zugleich löste die Boyband einen ähnlichen Hype bei ihren Fans aus wie ihrerzeit »The Beatles«.

Nicht nur Fans von »Take That« können jetzt mit ...

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... »The Band« ein Stück in die Vergangenheit reisen und eine einfühlsame Geschichte aus dem Leben von fünf Freundinnen auf der Bühne erleben. Denn in dem neuen Musical von Tim Firth, das 2017 bereits erfolgreich in Großbritannien uraufgeführt wurde, bilden zwar die Songs der »Band« die Grundlage, aber in der Geschichte geht es um das »Band« der Freundschaft, das diese Gruppe von Fans miteinander verbindet.

Das Jukebox-Musical oder vielmehr Rachel (schöner Erzähleinstieg: Maria Arnold als junge, Silke Geertz als ihre ältere Version) erzählt von fünf treuen Fans und Schulfreundinnen in Nordwestengland und vom Spaß und Ernst des Lebens. Rachel leitet uns durch die Welt von »Top of the Pops«, Boybands, Teenieschwärmereien und der Schule als Treffpunkt der Freundinnen. Sie erzählt von ihrer großen Liebe, der »Band«, und dem Leben mit ihr zwischen Fernsehshows und zerbrochenen Tellern ihrer sich streitenden Eltern. Wen wundert es da, dass sie sich so in die Musik vertieft, dass die Jungs für sie zum Greifen nah und immer da sind? Witzig ist ihr morgendliches Programm, bei dem die Jungs aus dem Kleiderschrank, unter der Decke und von überall herkommen. In der Schule trifft sie dann Debbie (Ruth Lauer), Heather (Jara Maria Buczynski), Zoe (Laura Saleh) und Claire (Kristin Heil). Eines Tages hat Debbie eine ganz besondere Überraschung für die Mädchen: Sie hat im Radio Karten für ein Konzert ihrer Lieblingsband gewonnen, zu dem sich alle fünf Mädchen gemeinsam in die nächste Großstadt aufmachen. Vorher verspricht Debbie Rachel mit einem »Luftballon-Ehrenwort« – ein steigender Luftballon nimmt das Versprechen mit in den Himmel – , dass sie die Band nach dem Konzert treffen würden, kann dieses Versprechen aber leider nicht einhalten. Dann verpassen die Mädchen auch noch ihren letzten Zug nach Hause, feiern aber aufgeputscht im Nachtbus weiter (›Relight My Fire‹ furios mit Streitwagen und Pyrotechnik) und werden prompt des Busses verwiesen. Sie müssen den Heimweg zu Fuß fortsetzen und machen zwischendurch an einem besonderen Platz, dem Steinfelsen, halt. Dort schwören sie, sich nicht aus den Augen zu verlieren, und sprechen über ihre Zukunftspläne. Doch eine von ihnen kommt nicht zuhause an. Nach Debbies tödlichem Unfall können die jungen Mädchen nicht mit ihren Gefühlen umgehen und eine würdige Verabschiedung ihrer verstorbenen Freundin misslingt. Die Freundinnen entfremden sich und die Musik ihrer Lieblingsband wird zur schlechten Erinnerung.

25 Jahre später sitzt Rachel in ihrer Wohnung und gewinnt im Radio Karten für die Wiedervereinigung der »Band«. Sie nimmt Kontakt zu ihren ehemaligen Freundinnen auf und nach einigen Zweifeln machen sich Zoe (Heike Kloss), Claire (Yvonne Köstler), Heather(Laura Leyh) und Rachel (Silke Geertz) auf die Reise nach Prag zum Konzert.

So legt der erste Akt den Grundstein für Teil 2: Es wird eine Reise in die Vergangenheit, zum Abend des Unfalls und zu sich selbst. Am Ende der Reise haben sie zwar das Konzert verpasst, aber eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Die letzte Szene führt die Freundinnen auf dem Steinfelsen wieder zusammen.

Die Geschichte wird einfühlsam erzählt. Debbies tödlicher Unfall ist der Dreh- und Ankerpunkt der Geschichte, wird jedoch nicht dargestellt, sondern nur erzählt und mit den Emotionen und Reaktionen der vier Freundinnen und deren weiterem Leben verknüpft. Er erscheint besonders tragisch, weil es sich um die junge, lebenslustige Debbie handelt. Dennoch sprüht »The Band« auch nur so vor Komik und Ideen. So gerät beispielsweise die Ankunft der übrigen Freundinnen am Flughafen zu einer witzigen Szene, in der sich bereits einige Veränderungen offenbaren, mit Humor genommen werden und die Charaktere schlagfertig Sprüche klopfen. Die Darsteller der älteren Frauen lösen dabei ihre jungen Vorbilder nicht nur sinnbildlich ab. Im zweiten Akt treffen sich die Teenies und die gestandenen Frauen im Nachtbus und versöhnen sich mit sich selbst (›Back For Good‹). Debbie tritt später noch in einer Art von durch Projektionen geschaffenem Bilderrahmen auf, um den Weg ihrer Freundinnen zu lenken. Zudem ziehen sich Symbole wie Luftballon-Ehrenworte und Freundschaftsbändchen durch das ganze Stück und schaffen noch ein paar Überraschungen in der schlüssigen Handlung. Die kleinen Details machen dieses Jukebox-Musical liebenswert.

Den passenden Rahmen für die Reise zu den jüngeren Ichs bilden zahlreiche, teilweise überlappende Konstruktionen mit Pinnwandnadeln, auf denen mal Poster, mal das Flughafengelände, Backstein oder auch der blaue Nachthimmel sowie die zum Kreuz verdrehten Ts von »Take That« projiziert werden. Fahrbare Showtreppen oder auch Boardingtreppen, ein Laufsteg, Turbinen, ein Spind und viele Requisiten mehr machen »The Band« zum visuellen Erlebnis. Die Passagiersitze werden schnell heruntergeklappt und schon tanzen Rachel & Co scheinbar auf den Flügeln des Flugzeugs. Sicherlich auch ein Highlight ist die Szenerie am Springbrunnen in Prag. Die Szenen wechseln flüssig, indem einzelne Gegenstände auf der Drehbühne hereinfahren oder von den Darstellern von der Bühne wegtransportiert werden.

Doch weitere Pluspunkte des Abends sind neben der Technik die fünf jungen und vier älteren Frauen sowie die »Band«: Alex Charles, Prince Damien, Taddeo Pellegrini, Helge Mark Lodder und Sario Solomon begeistern tanzend und singend in Konzertszenen, springen aus dem Kleiderschrank, singen aus dem Spind heraus und bezirzen Rachel, damit sie nach Prag fährt. Sie werden aber auch gelungen im Hintergrund oder als Personal am Flughafen eingesetzt (köstlich: singende Statuen eines Denkmals in Prag). Tilman Madaus als Rachels Freund Jeff und Daniel Rossmeisl als sämtliche vorkommende Daves spielen ebenfalls sympathische Rollen rund um das Mädchengespann. Dessen Besetzung ist gelungen. Die fünf Schulgirls und die älteren Fassungen können optisch und charakteristisch unterschieden werden. Die Rolle der Claire bleibt erst etwas farblos, was wohl in erster Linie dem Buch zuzuschreiben ist. Die jüngeren Mädchen versprühen Lebensfreude und Teeniefeeling, ohne bei aller Aufgedrehtheit nervig zu wirken. Die 25 Jahre später agierenden Frauen wirken trotz ihrer nicht ganz so verlaufenen Lebensentwürfe hoffnungsvoll oder gewinnen zumindest einen wichtigen Teil ihres Lebens wieder zurück. Sie spielen authentisch, natürlich-normal und überzeugen sowohl in ausgelassener Partystimmung als auch in Momenten des persönlichen Tiefschlags oder der emotionalen Öffnung.

Die Charaktere singen eher weniger, als man es vom Musical gewohnt ist. Die von der Band in passenden Outfits und Choreographien dargebotenen Songs von »Take That« fügen sich jedoch gut ein. Sie vermitteln die Gefühle und Gedanken der Protagonisten in emotionalen Momenten und werden von den Live-Musikern kraftvoll gespielt. Man fühlt sich stellenweise wie in einem Film mit musikalischer Untermalung. Dass die Lieder im Original gelassen wurden, stört nicht. So kann der ein oder andere vielleicht sogar besser in seine Jugend oder Vergangenheit eintauchen und lautstark mitsingen. Die Tontechnik ist noch ein kleines Manko, aber eins steht fest: Bei »The Band« wäre ein Jeder einerseits gern noch mal vierzehn und kann auf der anderen Seite den Sprung von der Kindheit zum erwachsenen Menschen gut nachvollziehen und sich vielleicht sogar ein Stück weit damit identifizieren. »The Band« mag zwar kein hundertprozentiges Musical sein, aber eine rundum gelungene Show, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen.

Abb. unten:
1. Die »Band« ist überall – (v.l.): Taddeo Pellegrini, Prince Damien, Alex Charles, Helge Mark Lodder, Sario Solomon Foto: Stage Entertainment
2. Die Ladies in jungen Jahren – (v.l.): Debbie (Ruth Lauer), Claire (Kristin Heil), Rachel (Maria Arnold), Zoe (Laura Saleh), Heather (Jara M. Buczynski)


Fotos (2): Stage Entertainment

Foto: Alex Otto Photographie