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EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT


DiscoverME - epaper ⋅ Ausgabe 77/2019 vom 01.10.2019

30 Jahre Mauerfall

Artikelbild für den Artikel "EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT" aus der Ausgabe 77/2019 von DiscoverME. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fotos: Shutterstock

Drei Jahrzehnte ist es her, dass Ostund Westdeutsche in monatelangen gewaltlosen Massenprotesten den eisernen Vorhang niederrissen, die Berliner Mauer zum Fallen brachten und Politiker aus Ost und West dazu bewegten, sich über ideologische Gräben hinweg die Hände zu reichen. Die friedliche Revolution in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war Teil einer Kette von bis dahin kaum vorstellbaren Ereignissen, an deren Ende sich die bipolare Weltordnung auflöste.

Der eiserne Vorhang zur Teilung Deutschlands

Noch am 15. Juni 1961 hatte WALTER ULBRICHT in einer ...

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... Pressekonferenz geäußert: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Tatsächlich hatte die Sozialistische Einheitspartei (SED) aber bereits seit 1958 unter dem Stichwort ‚Operation Chinesische Mauer’ an einer Lösung zur vollständigen Abriegelung West-Berlins von der DDR gearbeitet. Dadurch sollte die Massenflucht in den Westen aufgehalten, die Macht der SED gefestigt und letztendlich einem Zusammenbruch der DDR vorgebeugt werden. Als in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 plötzlich mit der Errichtung von Stracheldrahtzäunen und Ziegelmauern mitten durch Berlin begonnen wurde, bekam das von WINSTON CHURCHILL 1945 geprägte Schlagwort ‚Eiserner Vorhang’ eine konkrete Gestalt: Ein Symbol der Teilung einer Stadt und eines Volkes und ein Sinnbild für den Schrecken des Kalten Kriegs. Von heute auf morgen veränderte der Mauerbau eine ganze Nation.

Innerhalb weniger Tage nach Beginn der Berliner Mauer markierten Hohlblocksteine und Betonpfähle auch die innerdeutsche Grenze, die sich über knapp 1.400 km von der Lübecker Bucht bis zur deutsch-tschechischen Grenze bei Hof erstreckte. Die SEDFührung behauptete, die Errichtung des ‚antifaschistischen Schutzwalls’ diene dem Frieden. Tatsächlich sind mindestens 136 Menschen an der Berliner Mauer getötet worden oder kamen im unmittelbaren Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Der Schießbefehl zählte zu dessen entscheidenden Eckpfeilern: Grenzsoldaten wurde der Einsatz von Schusswaffen vorgeschrieben, wenn sie die Flucht von ‚Grenzverletzern’ nicht verhindern konnten. Nur so war eine abschreckende Wirkung zu erzielen, um die massenhafte Flucht der Bevölkerung zu unterbinden. Die nachts taghell erleuchteten Sperranlagen, die Spanischen Reiter und das freie Schussfeld wurden bis 1989 zur gruseligen Normalität: Für Westdeutsche stellten sie eher eine Unannehmlichkeit dar, für die Bevölkerung im Osten waren sie jedoch die tägliche Erinnerung daran, dass sie wie in einem Hochsicherheitsgefängnis lebten. Auch wenn eine ‚heiße’ Eskalation des Kalten Kriegs vermieden werden konnte: Der brachiale Schritt stellte das sozialistische Lager bloß. Mit dem Beginn des Mauerbaus stand aller Welt vor Augen, wie gering die Attraktivität der DDR unter den Bedingungen der Systemkonkurrenz war. Jene, die unter diesen Verhältnissen lebten, mussten mit Gewalt daran gehindert werden, den Arbeiter-und-Bauern-Staat zu verlassen.

Revolution und Mauerfall: Ein herausragendes Ereignis in der deutschen Geschichte

Auf einem Zeitstrahl betrachtet scheint es, als sei im letzten Jahr der DDR mehr geschehen, als in den vier Jahrzehnten ihres Bestehens. Wandel und Systemkrise waren in sämtlichen Ostblockstaaten spürbar, im Herbst 1989 jedoch wurde die SED-Regierung von der dramatischen Fluchtwelle Hunderttausender, den Botschaftsbesetzern und den monatelangen Massenprotesten der ‚Hierbleiber’ förmlich überrollt. Die Montagsdemonstrationen, die als Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche begonnen hatten, griffen nach und nach auf weitere Städte in der DDR über. Die Protestierenden forderten freie Wahlen sowie Reise-, Presseund Meinungsfreiheit; auch mit Zehnbis Hunderttausenden Teilnehmern verliefen die Kundgebungen friedlich. Währenddessen begann die Autorität der DDR-Führung rapide zu bröckeln: Ein Machtkampf im SED-Politbüro endete am 18. Oktober mit dem Sturz ERICH HONECKERS als SED-Generalsekretär. Sein Nachfolger EGON KRENZ versprach die Aufhebung bzw. Modifikation von „einschränkenden Maßnahmen zum Reiseverkehr in sozialistische Bruderländer“.

Die DDR-Führung versuchte zu retten, was längst nicht mehr zu retten war. In einer dreitägigen Sitzung des SED-Zentralkomitees trat das Politbüro geschlossen zurück. Währenddessen sprach am Abend des 8. November Generalsekretär Krenz zu den Kundgebungsteilnehmern. Einen Tag später verlas er im SED-Zentralkomitee den Reiseregelungsentwurf des Ministerrates. GÜNTER SCHABOWSKI, Sprecher des SED-Zentralkomitees, verkündete anschließend in einer vom DDR-Fernsehen und Hörfunk live übertragenen Pressekonferenz die Öffnung der Grenze. Von da an gab es kein Halten mehr: In der Nacht überwanden Tausende von West- und Ost- Berlinern die Mauer am Brandenburger Tor und spazierten über den Pariser Platz. Der Betonwall blieb von einigen Tausend Menschen besetzt. Von den Übergängen strömten die Menschen zum Kurfürstendamm, der in eine Partymeile verwandelt wurde. Die Mauer, welche die Stadt – und mit ihr Familien, Freunde und Nachbarn – über 28 Jahre hinweg getrennt hatte, war gefallen; bald darauf war auch die DDR Geschichte.

Die Ereignisse des November 1989 jähren sich in diesem Jahr zum 30. Mal. Eine ganze Generation ist seitdem herangewachsen, die das Land, aus dem so viele fliehen wollten, gar nicht mehr kennt. Für die Freiheit ganz selbstverständlich ist. Und die genau deshalb seine Geschichte kennen sollte.

Veranstaltungen zum Jahrestag des Mauerfalls

Heute genießt Berlin einen Ruf als Ort der Freiheit, Individualität und Toleranz. Anlässlich des der Jährung des historischen Ereignisses finden in der Hauptstadt eine Vielzahl an Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die sich mit dem Bau der Berliner Mauer, der Teilung Berlins, dem Kalten Krieg und der Friedlichen Revolution von 1989 beschäftigen.

3. Oktober 2019: Offizielle Feier ‚30 Jahre Mauerfall’ in der Mercedes-Benz Arena

Die Zuschauer dürfen sich auf eine bunte Mischung aus Schlager, Pop, Partyhits und natürlich Geschichte freuen. Zu den Stars, die sich bereits angekündigt haben, zählen Musiker und Produzent Dieter Bohlen, Schlagerstars DJ Ötzi und Roberto Blanco, ‚König von Mallorca’ Jürgen Drews, sowie Boney M für die englischsprachige Unterhaltung. Moderiert wird der Abend von Inka Bause.

4. bis 10. November 2019: Open-Air-Ausstellungen

Sieben Open-Air-Ausstellungen an geschichtsträchtigen Orten in Berlin (Kurfürstendamm, Brandenburger Tor, Palast der Republik, Alexanderplatz, Gethsemanekirche, East Side Gallery und ehemalige Stasi-Zentrale Ruschestraße) erzählen von den Ereignissen der besonderen Nacht. Riesige 3D-Videoprojektionen aus historischem Film- und Bildmaterial versetzen Besucher zurück in die Umbruchzeit von 1989/1990. Untermalt werden die großformatigen Plakate von Soundinstallationen.

9. November 2019: Mauerfall- Konzert am Brandenburger Tor

Das Musikfestival bringt nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler auf die Bühne vor Berlins wichtigstem Wahrzeichen, darunter die Staatskapelle Berlin sowie DJ und Musiker WestBam. Welche weiteren Bands an diesem Abend auftreten werden und wie der genaue Programmablauf aussehen wird, wird in Kürze bekannt gegeben. Sicher ist: alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und deren Songs oder Geschichten werden eng den Ereignissen von 1989/90 verbunden sein.

Täglich von 10 – 18 Uhr: Asisi Panorama ‚Die Mauer’ am Checkpoint Charlie

In dem 2012 eigens errichteten Rundbau präsentiert das monumentale Panorama des in Berlin aufgewachsenen Künstlers Yadegar Asisi Szenen des geteilten Berlins der 1980er Jahre. Asisi thematisiert dabei auf 900 m2 das Alltagsleben an und mit der Mauer in West-Berlin und lässt teils eigene Erinnerungen in die sowohl topografisch als auch zeitgeschichtlich verdichteten Szenen und Details einfließen. Der Besucher taucht von einer Plattform aus in die haushohe Panorama-Installation ein – die perfekte Illusion der Stadt.

Stimmen und Kommentare zum 30. Jahrestag des Mauerfalls

„Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Das ist nun 30 Jahre her. Für mich hat dieser Tag eine tiefe Bedeutung. Als West-Berliner habe ich jeden Tag unmittelbar erfahren, was es heißt, dass die Mauer ein Symbol für die Trennung nicht nur einer Stadt, nicht nur Deutschlands, sondern ganz Europas war. Der Eiserne Vorhang war unmenschlich und hat unserem wunderbaren Europa eine tiefe Wunde zugefügt. Eine meiner Motivationen für den Gang in die Diplomatie war, einen Beitrag dazu zu leisten, dieses Unrecht zu beheben. Zufällig war ich dann beim Mauerfall in Berlin. Der damalige Regierende Bürgermeister Walter Momper hat es richtig formuliert: Wir fühlten uns in diesen Tagen als das „glücklichste Volk der Welt“. Maria und ich waren bei frierenden Temperaturen stundenlang auf den Straßen und haben gefeiert. Einigkeit und Recht und Freiheit. Und Europa!”

(PETER FISCHER, Deutscher Botschafter in Abu Dhabi)

„Die Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum des Mauerfalls sind für Berlin das wichtigste Event des Jahres. Der Mauerfall ist ein Weltereignis von großer Symbolkraft. Wir registrieren eine große Erwartung und Vorfreude in unseren Nachbarländern. Die Menschen wollen dies in der Berliner Atmosphäre von Freiheit und Toleranz feiern.“

(BURKHARD KIEKER, Geschaftsfuhrer von visitBerlin)