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Einmal AUFTANKEN bitte!


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 90/2022 vom 12.08.2022

DIE KURZE SEITE

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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 90/2022

Die kurze Seite mit ihren beiden Ecken ist oft eine Herausforderung. Korrekt geritten, ist sie aber wertvoll für das Training

Stellen Sie sich einen großen Lkw mit Anhänger vor. Ein solches Gespann ist hierzulande nicht mehr als 18,75 Meter lang und kommt damit dem Maß der kurzen Seite sehr nahe. Zugegebenermaßen fehlen noch 1,25 Meter, aber der Längenvergleich zeigt, wir kurz die kurze Seite im Dressurviereck wirklich ist. „Wenn man die Tritte zählt, wird ein durchschnittlich großes Pferd sie in fünf bis sechs Trabtritten des inneren Hinterbeins passieren. Im Galopp werden es etwa fünf bis sechs Sprünge sein, wenn der Versammlungsgrad des Galopps dem des Trabes entspricht“, macht Dressurausbilder Dr. Thomas Ritter aus Portugal deutlich. Nimmt man die Ecke davor und danach hinzu, kommen noch ein paar Tritte und Sprünge mehr dazu.

Kurze 20 Meter

„Die Ecken sollten (in der Tradition der alten Spanischen Reitschule in Wien) drei Tritte des inneren Hinterbeins aufweisen. Es sind also alles in allem nur elf bis ...

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... zwölf Tritte bzw. Sprünge. Bei sehr großen Warmblütern werden es unter Umständen weniger sein“, so der Experte. Kürzt das Pferd jetzt noch die Ecke ab, verringert sich die Zahl weiter, und damit bleibt noch weniger Zeit, um das zu reiten, was man sich vorgenommen hat, merkt er an. „Durch die begrenzten Platzverhältnisse wird man also gezwungen, sehr bewusst zu reiten und sehr effizient in der Hilfengebung zu werden. Jede Hilfe, die nicht durchgeht, bedeutet einen Verlust von ein bis zwei Tritten, was dazu führen kann, dass einem am Ende der Platz ausgeht“, sagt er. Vielleicht ist es dieses Platzproblem, das die kurze Seite zu einem Schattendasein verdammt. Oder findet sie wenig Beachtung, weil die meisten Lektionen an der langen Seite oder auf der Diagonalen geritten werden? Genau das vermutet Ritter. „Es gibt im Turniersport zwar ein paar Aufgaben, in denen an der kurzen Seite durchpariert und rückwärtsgerichtet wird oder ein fliegender Wechsel bei A oder C stattfindet, aber an den meisten kurzen Seiten wird keine Lektion verlangt“, weiß er.

Pferdewirtschaftsmeisterin Katja von Rönne stimmt ihm zu und ergänzt, dass einzig noch das Abwenden von der kurzen Seite auf die Mittellinie verlangt wird. Ihrer Meinung nach liegt der reiterliche Fokus zu sehr auf dem Trainieren von Lektionen an der langen Seite. „Die Reiter bemühen sich, diese sehr konzentriert und möglichst gut zu absolvieren. Wie ein prall mit Luft gefüllter Ballon sind Körperspannung und Konzentration von Reiter und Pferd in hohem Masse vorhanden. Doch nach Beendigung der Lektion fallen sie in ein Konzentrationsloch. Das Pferd läuft unausbalanciert durch die Ecken und die kurze Seite entlang – so als ob die Luft aus dem Ballon mit einem Schlag entweicht. Die kurze Seite wird als Reit- und Gedankenpause benutzt“, sagt sie. Dabei stellt die Ecke als Viertelvolte gleich die nächste Lektion dar und sollte genauso so sorgfältig und fokussiert geritten werden. „Erst nach der kurzen Seite wieder mit dem korrekten Reiten anzufangen ist wenig sinnvoll. Dann muss der Reiter den Luftballon ja erneut aufpumpen. Im Parcours muss ich mich auch gleich wieder auf das nächste Hindernis einstellen. Das ist beim Dressurreiten nicht anders. Vor der Lektion ist nach der Lektion“, gibt die Expertin zu bedenken. Zudem könne man hier – besonders auf dem Turnier – das Pferd im Seitenbild optimal präsentieren.

Gute Vorbereitung

Die kurze Seite dient der Vorbereitung von Lektionen. Je sorgfältiger man Ecken und kurze Seite reitet, desto besser werden die Lektionen auf der kommenden langen Seite oder Diagonale gelingen, ganz gleich ob Tritte verlängern, Viereck verkleinern und vergrößern, Traversalen, fliegende Wechsel oder Serienwechsel, sind sich beide einig.

Um die kurze Seite beim nächsten Training nicht links liegen zu lassen, hat Ritter einen guten Tipp parat: „Es hilft zum Beispiel, wenn man sich vorstellt, dass die Traversale, der Mitteltrab oder die Serienwechsel in Wahrheit in der zweiten Ecke der kurzen Seite beginnen, da jede

Übungen an der kurzen Seite

Katja von Rönne und Thomas Ritter haben ein paar Übungsvorschläge für die kurze Seite zusammengestellt. Beim Gestalten der 20 Meter sind der Fantasie aber kaum Grenzen gesetzt. Also, seien Sie selbst kreativ!

Übergänge: Ein Übergang vor der Ecke, die Ecke ausreiten, ein Übergang Mitte der kurzen Seite, dann die zweite Ecke ausreiten und einen weiteren Übergang nach der Ecke anlegen. „Das sind Lektionen in geballter kurzer Form. Dann hat man auf wenigen Metern schon richtig gut gearbeitet“, so Katja von Rönne.

Eine Hinterhandwendung lässt sich mit Volten in der Ecke gut kombinieren

Ganze Paraden: „Nach dem Durchreiten der Ecke ist ein Pferd gut für ein ganze Parade, die immer zum Halten führt, vorbereitet. Damit lässt sich ein geschlossenes Stehen, sofortiges Antworten auf Reiterhilfen, Durchlässigkeit, Leichtigkeit und eine verbesserte Anlehnung erreichen“, sagt sie.

Rückwärtsrichten: Bei A oder C kann der Reiter ein Rückwärtsrichten einplanen. „Durch die erste Ecke ist das Pferd bereits vermehrt versammelt. Trabt man direkt daraus an, wird der Trab schwungvoller, verbessern sich die Schulterfreiheit und die gesamte Ausstrahlung des Pferdes“, weiß die erfahrene Ausbilderin.

Vorhandwendung: Eine Übung für eine geschmeidige Hinterhand ist die Vorhandwendung in der Bewegung. „Dazu hält man ca. fünf Meter vor einer Ecke an und lässt das Pferd mit Biegung gegen die Bewegungsrichtung auf einem Kreisbogen seitlich von der langen zur kurzen Seite (oder umgekehrt) übertreten. Die Vorderbeine beschreiben dabei einen kleineren Kreisbogen, die Hinterbeine einen größeren“, erläutert Thomas Ritter.

Passade: Das Gegenstück zur Vorhandwendung in der Bewegung ist die Passade, eine Art überdimensionierte Hinterhandwendung. „Hier hält man mit den Hinterbeinen ca. fünf Meter nach einer Ecke an und lässt das Pferd mit Biegung in Bewegungsrichtung ebenfalls von der kurzen zur langen Seite oder umgekehrt übertreten. Die Hinterbeine bewegen sich auf einem kleineren Kreisbogen und die Vorderbeine auf einem größeren. Das mobilisiert die Pferdeschultern und überträgt das Gewicht der äußeren Schulter auf das innere Hinterbein“, erklärt der Experte.

Expertentipp:

„Sowohl die Vorhandwendung in der Bewegung als auch die Passade lassen sich sehr gut mit den Volten in der Ecke bzw. mit Achten kombinieren. Viele Pferde finden diese Lektionen aber anfangs sehr schwierig. Da muss man eventuell das Pferd durch einfache Formen des Übertretens auf dem Zirkel vorbereiten.“

Lektion eine Vorbereitungsphase, eine Einleitung, einen Mittelteil und einen Abschluss hat.“ Das heißt, Lektionen, die auf der Diagonalen geritten werden, werden in der zweiten Ecke der kurzen Seite vorbereitet und finden ihren endgültigen Abschluss in der ersten Ecke der nächsten kurzen Seite. „Wenn man es sich zur Gewohnheit macht, alle Ecken und alle kurzen Seiten sehr bewusst und sehr präzise zu reiten, erspart man sich im späteren Training viel Kummer, da sie einen entscheidenden Beitrag zur Geraderichtung, Geschmeidigkeit, Durchlässigkeit und Balance leisten“, meint der erfahrene Ausbilder. bereitet. Schwung entfaltet sich, Kraft wird gesammelt. Hinzu kommen eine verbesserte Koordination und Feinabstimmung der Reiterhilfen, zählt die Ausbilderin auf.

Doch wie gelingt das Durchreiten einer Ecke? Vor allem durch sehr aufmerksames und vorausschauendes Reiten. „Geben Sie in den letzten beiden Tritten vor der ersten Ecke der kurzen Seite halbe Paraden ins äußere Hinterbein, um dieses mit dem Boden und dem Gewicht zu verbinden. Dadurch wird das Pferd so ausbalanciert, dass es die Ecke mit guter Biegung und ohne sich in die Kurve zu legen durchschreiten kann. In der zweiten Ecke der kurzen Seite wiederholt sich der Vorgang“, rät Dr. Thomas Ritter.

Unsere Expertin Katja von Rönne meint auch, dass gutes Training von guter Planung lebt. „Schon bevor wir das Ende der langen Seite erreichen, konzentrieren wir uns auf das Durchreiten der Ecke und sammeln uns mental, da sie sowohl reiterlich als auch für die Balance und Biegung des Pferdes eine große Aufgabe darstellt. Unser Pferd kann nur so gut sein, wie auch der Reiter vorbereitet ist“, erklärt sie.

Geschieht dies sehr sorgfältig, können in der Viertelvolte alle Punkte der Skala der Ausbildung erarbeitet werden, ohne dass es zu anstrengend für das Pferd wird.

Anstrengend wird es eventuell nur für den Reiter, verrät sie augenzwinkernd. „Nicht ohne Grund gibt es rechteckige Reithallen und Reitplätze und keine runden oder ovalen“, meint Katja von Rönne.

Ecke als Viertelvolte

Auch für von Rönne bringt die Ecke einen hohen gymnastizierenden Effekt mit sich:

Die Vorhand wird leicht auf die Hinterhand eingestellt und die Hinterhand mehr an die Vorhand herangeschlossen. Die Anlehnung wird sicherer und leichter. Stellung, Biegung und Balance verbessern sich. Die Aktivität und Tragkraft werden ohne Überbelastung des inneren Hinterbeins gefördert, und das Pferd wird auf mehr Versammlung vor-

UNSERE EXPERTIN

Pferdewirtschaftsmeisterin KATJA VON RÖNNE hat ihre Karriere als Vielseitigkeitsreiterin begonnen und war bis zum Grand Prix erfolgreich. Heute bildet die Schülerin von Arthur Kotass-Heldenberg Pferd und Reiter bis zur höchsten Klasse aus. Die Autorin des Buches „Dressur richtig vorbereitet“ bietet auf Gut Hasental in Geesthacht sowie deutschlandweit und international Unterricht und Lehrgänge sowie Onlineseminare und -kurse an.

www.von-roenne-dressage.com

Sie bezeichnet die Viertelvolte als Tankstelle. „Hier wird das Pferd mit Energie gefüllt, aber freundlich gebeten, diese noch nicht herauszulassen, sondern für die nachfolgende Lektion aufzusparen“, sagt sie.

Ihr Tipp für das Gelingen lautet: „Gehen Sie im leichten Schultervor in die Ecke hinein. Mit etwas mehr Druck des inneren Beines regen Sie den inneren Hinterfuß des Pferdes zum vermehrten Untertreten an. In der Ecke lassen Sie dann den inneren Zügel leicht werden. Mit dem äußeren Knie wenden Sie die Schulter des Pferdes, und mit dem äußeren Schenkel, der jetzt dichter am Gurt liegt, reiten Sie wieder aus der Ecke heraus.“ Der Sitz sorgt ferner dafür, dass das Pferd in Balance, im Takt und in Gelassenheit bleibt sowie mit genügend Schwung und Aktivität durch die Ecke geht. „Mit Konzentration hinein und mit Freude heraus“ ist ihr Motto.

UNSER EXPERTE

Neben seiner erfolgreichen Teilnahme im Turniersport bis zur höchsten Klasse bildet THOMAS RITTER Reiter und Pferde bis zur hohen Schule aus.

Dabei verbindet er die Tradition der alten Wiener Schule mit der deutschen Reitlehre. Gemeinsam mit seiner Frau Shana bietet der Buchautor (u.a. „Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik“, „Reitbahn Navi“) Lehrgänge und verschiedene Onlinekurse an.

„Wenn ich das Pferd derart reite, kann ich an der kurzen Seite überstreichen, weil es ganz leicht in der Anlehnung wird. Viele Reiter wollen aber ganz tief in die Ecke oder mit viel Schwung hinein, kommen dann aber nicht wieder heraus“, weiß die Pferdewirtschaftsmeisterin. Je nach Ausbildungsstand sollte deshalb unterschiedlich tief in die Ecke geritten werden und das Tempo dem Vermögen angepasst werden. „Wenn ich E- oder A-Reiter bin, muss ich die Ecken abrunden, weil ich nur Zehn-Meter-Volten in Balance schaffe. Das gilt auch für junge Pferde. Alles sollte immer im angemessenen Rahmen stattfinden und zur Gesunderhaltung des Pferdes dienen“, sagt die Expertin.

Halbe Bahn und Quadratzirkel

Wer die Vorteile der kurzen Seite und der beiden Ecken noch effektiver nutzen möchte, kann sich auf die halbe Bahn begeben, empfiehlt von Rönne. Dabei wendet man Mitte der langen Seite (bei E oder B) ab, reitet auf den jeweils anderen Bahnpunkt zu und wendet dann erneut ab, um auf derselben Hand zu bleiben. „Das reitet heute kaum noch einer. Dabei ist auch die Halbe Bahn eine wertvolle Übung“, so die Ausbilderin. Ritter hat noch einen weiteren Vorschlag: „Man kann auch ein 10 x 20-Meter- Rechteck reiten, das aus der kurzen Seite, der Zirkelpunktlinie und den langen Seiten von den Ecken bis zum Zirkelpunkt besteht.

Diese kleineren Rechtecke machen die Pferdeschultern mobil und beugen das innere Hinterbein. Bei etwas fortgeschritteneren Pferden kann man die langen Seiten durch Schulterherein und Kruppeherein anreichern“, so der Ausbilder

Von Rönne nutzt anstelle eines verkleinerten Rechtecks gerne einen Quadratzirkel, der für jede Ausbildungsstufe von Reiter und Pferd eine sehr sinnvolle Übung darstellt. „Auf einem Zirkel mit vier Ecken an den Zirkelpunkten und ohne Anlehnung an die Bande gelingt es meist leichter, die Schulter des Pferdes zu wenden und somit zur schnellstmöglichen Schulterfreiheit und Rückentätigkeit des Pferdes zu kommen“, sagt sie.

Fortgeschrittene könnten den Schwierigkeitsgrad der Figur mit Außengalopp und fliegenden Galoppwechseln steigern. „Es hat sich in meiner 40-jährigen Berufsreiterlaufbahn gezeigt, dass diese Basisübung für alle Reitdisziplinen in kurzer Zeit ein positives Ergebnis für Reiter und Pferd bringt“, erzählt die Pferdewirtschaftsmeisterin. Wer es wirklich wissen will, kann auf einem großen (Spring-)Platz einen 20-Meter-Quadratzirkel anlegen. Ohne Bande und ohne Bahnpunkte ist das eine echte Herausforderung für den Reiter.

Auch am Boden lässt sich die kurze Seite sinnvoll nutzen. „Sie ist bei der Handarbeit sehr wertvoll, da hier Tragkraft und Versammlung schneller und effektiver genutzt werden können. An der langen Seite kommt es häufiger – je nach Können des Reiters – Fotos: Privat (2), slawik.com (7)

zum Schieben anstatt zur Verbesserung der Tragkraft“, sagt die Pferdewirtschaftsmeisterin. Sie lässt Pferde an der Hand gerne Schulterherein gehen, dann in der Ecke antraben und in eine Volte abwenden. Dann folgt ein Übergang zum Schritt, in der zweiten Ecke wieder Trab und eine Volte. „Hierbei lassen sich die Trabtritte verkürzen, die Schulterfreiheit erhöhen und Versammlung verbessern. Das kann bis zu halben Tritten und später zu einer Piaffe führen.“

Der Dressurexperte nutzt sie in ähnlicher Weise für die Handarbeit. „Man kann an der kurzen Seite gut Übergänge ausführen. Viele Pferde traben in einer Ecke sehr leicht aus dem Schritt an. Mitte der kurzen Seite kann man wieder durchparieren zum Schritt oder Halten. Rückwärtsrichten lässt sich ebenfalls gut mit einbauen“, so sein abschließender Tipp. In der Kürze liegt eben die Würze. „Pferde sollten in der Dressur keine Kilometer fressen, sondern besser sinnvoll und effektiv in kurzer Zeit trainiert werden“, rät von Rönne am Ende. Und dafür ist die kurze Seite Gold wert.

Übungen in den Ecken

Fortgeschrittene Reiter können das Durchreiten der Ecken steigern. Die Viertelvolten können verlängert oder mit anderen Lektionen kombiniert werden.

Volten: Das Reiten von Volten in den Ecken (vor allem in der zweiten Ecke) war eine häufige Übung an der alten Spanischen Reitschule und diente als wichtige vorbereitende Lektion, um die notwendige Biegung für die Seitengänge herzustellen. „Die Ecke dient als Viertelvolte dazu, das Pferd seitlich zu biegen, da die Biegung in den Seitengängen dieselbe sein soll wie in der Ecke. Manchmal reicht aber eine Ecke nicht aus, um eine gute Seitenbiegung zu erreichen. Da hilft es, wenn man sie verlängert, indem man eine Volte (oder zwei oder drei) in der Ecke reitet“, sagt Thomas Ritter.

Der Durchmesser der Volte bestimmt dabei den Grad der Biegung und der seitlichen Abstellung im Seitengang. „Für ein Schultervor reicht zum Beispiel eine zehn bis zwölf Meter große Volte, für ein Schulterherein auf vier Hufschlägen wird man eher eine Sechs-Meter-Volte reiten müssen, damit Biegung und Abstellung zueinander passen“, so der Experte.

Achten: Die Volten in den Ecken können zu Achten ausgebaut werden. „Achten machen die Schultern und die Wirbelsäule des Pferdes sehr geschmeidig. Sie sind sehr gute geraderichtende Übungen und bilden eine hervorragende Vorbereitung für den Einsprung in den Galopp, die Traversale oder auch das Zulegen im Trab“, meint der Ausbilder.

In die Ecke kehrt: Bei der Hufschlagfigur In die Ecke kehrt reiten Sie z. B. auf der linken Hand von E Richtung Mitte der kurzen Seite (A) und wenden dann nach rechts in die Ecke ab. Fortgeschrittene können vorher ein Schulterherein an der langen Seite einbauen und beginnen dann erst mit der Bahnfigur. „Wenden der Vorhand bringt Schulterfreiheit und eine feinere Anlehnung. Hinzu kommen Minimierung der Handeinwirkung, mehr Freude und Ausstrahlung“, sagt Katja von Rönne.

Dreierlei: Gehen Sie, aus der ersten Ecke kommend, an der kurzen Seite ins Travers, reiten Sie dann in der zweiten Ecke eine Kehrtvolte, um danach Aus der Ecke kehrt auszuführen. „Das Aneinanderreihen der drei Lektionen fördert die Biegung und Geschmeidigkeit“, so die Pferdewirtschaftsmeisterin.

Angaloppieren: Wenden Sie auf der Mitte der kurzen Seite in eine Volte und galoppieren Sie daraus zum Hufschlag hin an. „Da gleich nach dem Einsprung in den Galopp die Ecke folgt, verbessern Sie Ihre Reaktionsschnelligkeit und verfeinern Ihre Hilfen“, weiß die Expertin.