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Einmal Jolle zum Mitnehmen, bitte!: KURZTEST: EPOH UND TIWAL


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Ein Segelboot, das in zwei Tragetaschen passt? Und segeln tut es auch noch? Interessant als eigenständige Jolle sowie auch als Beiboot für die Fahrtenyacht


Laut Gründungsmythos von Tiwal untersagte Vater Excoffon einst seiner Tochter Marion die Nutzung der elterlichen Bénéteau First 30. Trotzig antwortete ihm die Designstudentin, dann werde sie eben ihr eigenes Boot entwerfen und bauen. Man weiß nicht, was ihr Vater nach dieser Erwiderung dachte. Jedenfalls hat Marion Excoffon bisher mehr als 800 Stück von ihren aufblasbaren Segelbooten abgesetzt. Inzwischen darf sie mit ihrer ...

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... Familie auch Vaters Yacht nutzen.

Der Clou von Tiwal liegt in der Einfachheit: weder Liegeplatz noch Trailer noch Halle sollen zum Segeln nötig sein. Darum besteht das Boot aus einem aufblasbaren Rumpf, einem Rahmen mit Stecksystem, einem zerlegbaren Mast und einem rollbaren Segel. Das Ganze passt in zwei Tragetaschen, die auf einem Gepäckträger, bei umgelegter Rückbank im Kofferraum oder in einer größeren Backskiste Platz finden. Die Taschen wiegen zusammen gut 50 Kilogramm, längere Strecken trägt man sie besser zu zweit.

Tiwal wirbt damit, dass das Boot in 20 Minuten fertig aufgebaut sei. Das klappt dank der mitgelieferten Akkuluftpumpe. Damit wird der Rumpf im ersten Schritt zu 80 Prozent aufgeblasen. Im zweiten Schritt wird das Rückgrat aus Alu-Schwertkasten und Alu-Auslegern zusammengesetzt und mit Doppelklettband am Rumpf befestigt. In Schritt drei bringt man mit einer Hochdruck-Luftpumpe den Verbund aus Rahmen und Rumpf auf die Endfestigkeit. Standard ist dabei eine manuelle Pumpe.

Wer sich dagegen die optionale Akku-Hochdruck-Luftpumpe leistet, kann währenddessen schon den Kohlemast zusammenstecken, das Segel drüberziehen und aufriggen. Tiwal bietet drei verschiedene Segel an: ein kleines mit 5,2 Quadratmetern, ein großes mit sieben und ein reffbares mit sieben beziehungsweise 5,2 Quadratmetern Segelfläche. Marion Excoffon hat die reffbare Variante dabei. Wir entscheiden uns für Vollzeug,

Fotos: Jan Maas

Pinne, Schot und zwei Trimmleinen: Die Tiwal ist bewusst einfach gehalten und bietet viel Segelspaß


Das Gummiboot segelt sich fast wie eine Jolle mit festem Rumpf


Das Boot passt in zwei Packtaschen, die auf Gepäckträgern oder im Kofferraum Platz finden


Rumpf aufpumpen, Rahmen zusammenstecken, aufriggen – die Tiwal ist in 20 Minuten einsatzbereit


weil sich auf der Bucht von Quiberon in der französischen Bretagne leider kaum ein Lüftchen regt.

Im Laufe des Nachmittags steigert sich die Windgeschwindigkeit auf ganze fünf Knoten, doch am Anfang ist noch kräftiger Leetrimm gefordert. Tiwal ist eben eine echte Jolle und reagiert empfindlich auf falschen Gewichtstrimm. Wir nutzen eine kleine Bö, um das Boot zu kentern. Es lässt sich kinderleicht aufrichten mit den Füßen auf dem Ausleger und der Hand am Schwert. Auch der Einstieg klappt wegen des niedrigen Freibords völlig problemlos.

Grundsätzlich ist das Handling genauso einfach wie der Aufbau: Das Ruderblatt wird mit einem Bolzen entweder oben oder unten arretiert, das Steckschwert mit einem Gummizug. Am Mast gibt es eine Cunningham-Leine, einen Baumniederholer und die Schot, fertig. Nun ist die Idee eines zerlegbaren Segelboots nicht neu. Schon die Klepper-Faltboote konnten mit einem Treiber und Seitenschwertern ergänzt werden. Und Schlauchboote mit Mast gibt es auch von anderen Herstellern.

Der Unterschied ist dieser: Falt-und Schlauchboot sind Boote mit Hilfssegeln und segeln entsprechend. Tiwal dagegen ist ein echtes Segelboot, nur eben zum Zusammenlegen und dank des Rahmens entsprechend steif. Im Netz kursieren Videos von Tiwals, die mehr Glück mit dem Wind hatten und über das Wasser surfen. Natürlich merkt man, dass man auf einem Gummiboot sitzt, besonders am Wind gegen die Welle. Aber dafür bekommt man eine Jolle zum Mitnehmen.