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Einmal mit allem, bitte


LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 05.07.2019

Clearaudios Einsteigerplattenspieler „Concept“ war seinerzeit ganzlich neues Terrain fur den Erlangener Analog-Vollsortimenter. Der anhaltende Erfolg des Modells hat nun zu einer Losung gefuhrt, die dem aktuellen Zeitgeist gerade recht sein sollte


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Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 5/2019

Mitspieler

Phonovorstufen:
・ MalValve preamp three phono

Vorstufe:
・ NEM PRA-5

Endstufen:
・ Bryston 4BSST2
・ Yamaha P2200

Lautsprecher:
・ JBL 4355

Gegenspieler

Plattenspieler:
・ TechDAS Air Force III

Tonarm:
・ Reed 3p

Tonabnehmer:
・ Lyra Atlas

Gespieltes

Led Zeppelin
How the West Was Won

The Spacelords
On Stage

Dominic Miller
Absinthe

John Coltrane
A Love ...

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Der Plattenteller ist innen hohlgedreht, damit die Antriebstechnik dort hineinpasst


Schlicht und formschön: Dem Concept Active sieht man die pralle Ausstattung kaum an


Der Zeitgeist diktiert: Schlicht muss es sein. HiFi-Anlagen, die aus umfangreichen Sammlungen von Bausteinen im 43-Zentimeter-Format bestehen, sind heutzutage den beinharten Fans vorbehalten, „normale“ Menschen hätten‘s gerne deutlich reduzierter. Der Concept Active ist genau für diese Klientel gedacht, stecken hier doch gleich drei Geräte im Kleid eines hübschen, schlichten Plattenspielers. Clearaudio brachte nämlich nicht nur eine leistungsfähige Phonovorstufe für MMund MC-Abtaster in der zierlichen Zarge mit unter, sondern auch noch einen ambitionierten Kopfhörerverstärker. Wer‘s mit dem Platzsparen und dem Plattenhören ernst meint, der braucht außer diesem Gerät und einer „Schallmütze“ – genau: gar nichts mehr. Elementarer Bestandteil des „Concept-Konzeptes“ ist außerdem eine möglichst einfache Inbetriebnahme des Gerätes, einzustellen gibt es auch bei der aktiven Version nach dem Auspacken nämlich genau gar nichts.
Zwei Metallklammern versperren zunächst den Weg zum Schallplattenglück, aber derer wird man auch ohne Werkzeug Herr. Nach dem Zurückklappen der Kartondeckel gilt es noch ein Schaum-Formteil zu entnehmen, dann lässt sich der Dreher ohne Probleme aus seiner Verpackung lösen und auf die auserkorene Stellfläche bugsieren.
Wenn die schon exakt horizontal ist, dann braucht man den verstellbaren Gerätefüßen keine weitere Beachtung zu schenken, die dürfen dann in Ursprungsposition bleiben. Eine etwaige Justage würde ich erst bei zusammengebautem Plattenspieler empfehlen, das geht per beiliegender Dosenlibelle auf dem Plattenteller. Auf die Mittelachse aufgespießt ist eine Plastiktüte mit dem Antriebsriemen, Typ flacher Gummiriemen.
Das ist gut, da gehört er hin und man muss ihn nicht erst suchen. Bevor der Riemen einerseits aufs Pulley des unter dem Teller angeordneten Motors und andererseits auf die äußere Kante des Metall-Subtellers wandert, werfen wir einen Blick auf Letzteren.
Ein solides Aluminium-Drehteil mit eingesetzter Achse. Unten schaut der Lagerdorn heraus. Das ist ein harter Stahlstift mit angeschliffenem Radius, der in einer Messinghülse als Gegenstück läuft, die in der Plattenspielergrundplatte montiert ist. Das Lager läuft trotz Fettschmierung sehr leicht und verfügt über relativ viel Spiel: Das soll so, dafür funktioniert‘s überall auf der Welt und bei allen haushaltsüblichen Temperaturen. Auf den Innenteller wandert der eigentliche Plattenteller, in bewährter Manier eine 30 Millimeter starke Scheibe aus dem Kunststoff Delrin, eine zusätzliche Tellermatte ist nicht vorgesehen.
Der Antriebsmotor versteckt sich unter dem Teller und wird von einer separaten Platine angesteuert. Dort verstecken sich auch die drei Trimmpotis zur Drehzahlfeineinstellung, mit denen Sie als Anwender in der Regel nichts zu tun haben dürften. Drei sind‘s übrigens deshalb, weil das Gerät lobenswerterweise auch 78 Umdrehungen pro Minute beherrscht. Als Tonarm kommt der bewährte magnetisch gelagerte Concept-Tonarm zum Einsatz, der seinen Dienst völlig klaglos versieht. Wem das ganze Magnetgedöns nicht geheuer ist, der kann das Gerät auch mit dem klassisch gelagerten „Satisfy Kardan“ ordern.
Natürlich gehört zum Komplettpaket auch ein Tonabnehmer: Clearaudio montiert wahlweise „Concept MM“ oder „Concept MC“ – beide haben wir seinerzeit schon an dieser Stelle gewürdigt. Mit MM-Abtaster ist unser Testgerät zu einem Listenpreis von 2.020 Euro zu erstehen, mit MC-Tonabnehmer für 2.430 Euro.
Bis hierhin ist das alles wohlbekanntes Concept-Terrain. Was jetzt kommt, das ist hingegen neu – nämlich die eingebaute Elektronik in Gestalt einer Phonovorstufe und eines Kopfhörerverstärkers. Beide Entwicklungen sind komplett neu und so ganz anders, als man das bis dato von Clearaudio-Elektronik gewöhnt war. Das liegt an dem dafür verantwortlichen Mann, den die Erlangener nunmehr in ihren Reihen haben: Marco Borovac verdiente sich seine Sporen zuvor bei Audio Note in England und ist ein im besten Sinne Elektronikverrückter, der gerne gegen den Strich gebürstet denkt. Die ersten in Serie gefertigten Ergebnisse seiner Bemühungen sind eingebettet in die MDF-Zarge des Concept Active. Die Phonovorstufe ist ein diskretes Design mit JFET-Transistoren. Mit ein paar sehr interessanten Kniffen hat der Entwickler ihr ein ausgezeichnetes Übertragungsverhalten anerzogen und zu-dem die Tür für einen schön farbigen und transparenten Sound geöffnet. Ähnliches gilt für den Kopfhörerverstärker, der sich trotz Single-Ended-Class-A-Technik auch vor niederohmigen Kopfhörern mit 20 Ohm Impedanz nicht bange macht. Vom Kopfhörerverstärker bemerkt man nur die seitlich am Chassis angeordnete Klinkenbuchse, die Phonovorstufe kann man auf den verwendeten Tonabnehmer einstellen. Rückseitige Kippschalter erlauben die Wahl zwischen MC-und MM-Betrieb, was praktisch auf die Wahl der Eingangsimpedanz hinausläuft: 47 Kiloohm für MMs, 110 Ohm für MCs. Letzteres ist ein Kompromiss, der mit möglichst vielen Abtastern harmonieren soll, mit dem Wert bin ich einverstanden. Ein zweiter Kippschalter erlaubt die Umschaltung zwischen drei Verstärkungsfaktoren: 40, 54 und 60 Dezibel stehen zur Auswahl, das ist absolut praxisgerecht und für alle Abtaster außer extrem leisen exotischen MCs passend. Mit jenen wird ein solcher Plattenspieler aber wohl eher selten bestückt. Schalter drei aktiviert das optionale Subsonic-Filter, Nummer vier bestimmt, was an den Cinch-Ausgangsbuchsen ankommt: Entweder das unverstärkte Tonabnehmersignal, das korrekt entzerrte und verstärkte Signal mit vollem Pegel oder selbiges, aber über den eingebauten Lautstärkesteller geführt. Den gibt‘s vorne rechts auf dem Chassis und der ist beim Betrieb mit einem Kopfhörer natürlich Pflicht.

Der Lautstärkesteller ist insbesondere im Kopfhörerbetrieb von entscheidender Bedeutung


Kopfhörer werden rechts an der Seite eingestöpselt


Der Innenteller ist ein Aluminium-Drehteil und wird per Flachriemen angetrieben


Das Concept MC erweist sich als ausgezeichnete Wahl für die Aktivversion des Plattenspielers


Das Lager arbeitet mit einem Stahlstift mit angeschliffener Rundung


Das ist die Unterseite des ausgezeichneten Kopfhörerverstärkers des Gerätes


Der Gleichstrommotor ist eher von unauffälliger Bauart


Wer nicht ganz so viel Geld ausgeben will, der kann den Concept Active auch mit MM-Abtaster ordern


An der Rückseite des Gerätes gibt es eine ganz Menge Bedienoptionen


Die ersten klanglichen Eindrücke lieferte der Concept Active über die eingebaute Phonovorstufe an die Cinchbuchsen. Beim Ausprobieren des MC-und des MM-Abtasters stellte sich das Concept MC schnell als das überlegene Mittel der Wahl heraus, es harmoniert ganz großartig mit der extrem flüssig und lebendig agierenden Verstärkerelektronik. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, eine Clearaudio-Kombination in diesem Preissegment schon einmal so geschmeidig, rund und flüssig gehört zu haben, gleichzeitig mit sehr tiefer und bestens abgegrenzter Raumabbildung versehen. Das ist so fern von jeglicher Analytik und Vordergründigkeit, dass der Wunsch nach „mehr“ überhaupt nicht aufkommt. Ja klar, das geht mit dem Concept MM prinzipiell auch, aber da wird‘s mir hier und da gar ein wenig zu „kuschelig“. Schön sonor und kräftig ohne Zweifel, aber an die Spritzig-und Lebendigkeit des MCs reicht das MM nicht ganz heran. In jedem Falle hat mich der Sound dieses Paketes ziemlich beeindruckt, und damit nicht genug: Der eingebaute Kopfhörerverstärker ist ebenfalls ein Volltreffer. Er bevorzugt ohne Zweifel Kopfhörer mit eher niedriger Impedanz, für hochohmige Vertreter steht letztlich einfach nicht genug Spannung zur Verfügung – das ganze Gerät wird ja nur mit einer einzelnen Zwölf-Volt-Versorgung gespeist. Normalerweise zwingt der geschlossene Audeze LCD-XC mit seinen nominellen 20 Ohm so ziemlich jeden Amp in die Knie – diesen nicht, aber so gar nicht. Tatsächlich geht der dicke Audeze hier ungeheuer kräftig und kernig zu Werke und tut weit mehr, als unter diesen Voraussetzungen zu erwarten gewesen wäre. Wer den Clearaudio Concept Active lediglich für eine platzsparende Notlösung hält, der irrt gewaltig: Die exzellente hier eingesetzte Elektronik hilft dem bewährten Plattenspieler mächtig auf die Sprünge.

Der Concept-Tonarm hängt unten an einem Seil und oben in einem Magnetfeld – man beachte den horizontalen Spalt


Das ist die Motorsteuerelektronik mit der Geschwindigkeitsfeineinstellung


Und am Horizont deutet sich noch ein mutmaßlich sehr interessantes Tuning an: Clearaudio hat eine Akkuversorgung für die Concept-Reihe praktisch serienreif. Wir sind gespannt!
Holger Barske