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Einmal mit Profis arbeiten


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 06.10.2021

VORVERSTÄRKER

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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 11/2021

Eine Bedienungsanleitung von nahezu 50 Seiten findet man abseits von Heimkino-Receivern nicht alle Tage. Damit nicht genug, macht es beim MTX Monitor auch tatsächlich Sinn, sich diesem Druckwerk zu widmen.

Denn der sympathische Berliner Thomas Funk erklärt nicht nur die Fülle der Möglichkeiten, sondern gibt dem Käufer auch gleich noch ein kleines technisches Seminar an die Hand, in dem er ausführlich und weitestgehend auch für Nichttechniker mit verständlichen Worten darlegt, was er wie und warum konstruiert hat – inklusive Messergebnissen und Grafiken. Brauchen Sie nicht, Sie kennen sich mit HiFi aus? Das wird trotzdem nicht viel helfen, denn die Studiotechnik ist allenfalls eine professionelle Cousine mit oft sehr viel genauer definierten Impedanzen, Arbeitspunkten und Bezugspegeln.

Oder was sagen Ihnen Begriffe wie PostSP, DIM, LEV FIX? Und was verbirgt sich hinter Bezeichnungen wie ...

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... ALT SPK oder SPK ON? Sehen Sie – und damit haben wir noch längst nicht alle Bedienungs- und Ausstattungsgeheimnisse des „Berliner Kindl“ gelüftet…

Während der Lektüre des Manuals wird alsbald klar, dass Funk seine Kreation gründlich durchdacht hat, und dass die Kostenbremse bei Entwicklung und Bauteileauswahl auf Urlaub war.

Kompromissloser Berliner

Schnell – erst recht im persönlichen Gespräch – begreift man, dass Thomas Funk nicht viel von blumigen Worten, sehr wohl aber einiges von unverfälscht natürlichem Klang hält.

Unbedingte Präzision führt zu einem entsprechend geradlinigen Klang

Sein Vorverstärker ist zweifellos getrieben von der Idee, sämtliche Parameter, die sich messtechnisch erfassen lassen, an die Grenzen zu treiben und den Standard neu zu definieren. Dass es ihm trotzdem gelingt, die Preise dabei im Zaum zu halten und nicht ins Uferlose abdriften zu lassen, grenzt fast schon an ein Wunder.

Zumal es auch an Praxistauglichkeit keinesfalls fehlt: sei es der in der Lautstärke separat zu regelnde, sehr kräftig und impedanzunempfindlich ausgelegte Kopf hörerausgang oder die Phalanx an beleuchteten Tipptasten zur Eingangs- bzw. Tape-Ausgangswahl, die an der Rückseite durch je vier Eingänge in XLR und Cinch sowie je einen Ausgang in symmetrischer und unsymmetrischer Form ergänzt werden.

Völlig unüblich für den HighEnder ist auch die als optionales Sonderzubehör (500 Euro Aufpreis) erhältliche Pult-Fernbedienung, die mittels Kabelverbindung (!) den Vorverstärker steuert. Sie kommt standardmäßig mit acht Metern Kabel, aber auch beliebige andere Längen bis zu 50 Metern sind auf Wunsch realisierbar. Die großen Tasten sollen im Studiobetrieb Fehlbedienung vereiteln.

Steht der Funk – wie bei mir daheim gerade – zwischen zwei Revox B77-Tonbandmaschinen, ähneln sich deren Tasten unübersehbar.

Was zunächst etwas antiquiert erscheint, stellt sich zuweilen als ziemlich pfiffig heraus. Die ständige Sucherei nach dem drahtlos arbeitenden Bedienzepter entfällt hier – ein Blick auf das dünne Kabel offenbart zügig, wo der Geber sich derzeit aufhält. Die Tastaturbelegung ist fast ein Spiegelbild der Frontelemente des MTX Monitor, weshalb das Pult auch so groß ausfällt.

„Modular“ ausbaufähig

Als rein analoge Steuerzentrale lässt sich der MTX freilich mit weiteren Funk-Gerätschaften kombinieren und kann dann selbstredend auch auf ihn geroutete digitale Zuspieler steuern, aber das nur am Rande. Auch der Blick ins Innenleben offenbart, dass Thomas Funk über reichlich Erfahrung in der sorgfältigen Optimierung eines Platinen-Layouts verfügt. Da ist nichts nachträglich modifiziert oder ergänzt worden – der Mann denkt zu Ende, bevor er sein „Go“ für die Produktion gibt. Ist unser Exemplar tatsächlich komplett von Hand gefertigt, so wird die Kleinserie üblicherweise von Hand bestückt und dann im „Dampfphasen-Lötverfahren“, auch Kondensationslöten genannt, weiterverarbeitet. Die Kupferleiterbahnen sind übrigens mit 70µ doppelt so stark wie üblich und alterungsbeständig vergoldet.

Keine Frage, das ist alles sauber gemacht und von der technischen Seite her kaum besser zu verwirklichen. Die Vorliebe für Operationsverstärker ist zwar nicht gerade typisch im High End-Bereich, aber sie ist selbstredend pragmatisch und damit wiederum Studiotechnik. Gibt es hier etwas Neues, Besseres, gibt es auch eine neue Version des MTX.

Wer jetzt aber denkt, Funk hätte die Technik zum Selbstzweck erklärt, irrt. Thomas Funk, Jahrgang 1951, der bei Telefunken die Lehre absolvierte und danach auch bei Sony im Service und in der (Video-)Entwicklung arbeitete, zudem auch Tontechniker/-ingenieur ist sowie privat reichlich beispielsweise Marshall-Röhrenverstärker befreundeter Musiker reparierte, bevor er um 1978 offiziell seine heutige Firma gründete, geht bei allem technischen Anspruch stets mit offenen Ohren an die Optimierung seiner Geräte. Der Wegfall von Rauschen und Brummen, eine „schnelle“, also für einen sehr weiten Übertragungsbereich (bis in den Megahertz-Bereich) ausgelegte Schaltung ist ihm als Grundvoraussetzung für natürlichen Klang genauso wichtig wie eine hohe Kanaltrennung und die Abwesenheit von Klirr in all seinen Variationen von k2 bis k9. Damit nicht genug, darf auch die Betriebssicherheit seines MTX Monitor.V3b-4.3.7 (so der vollständige Name unseres Testgerätes) nicht zu kurz kommen. In der Tat sah Funk gerade auch hier noch Verbesserungspotenzial zum schon exzellenten Vorgänger – nun ignoriert er auch starke elektrostatische Aufladungen mit größtmöglicher Gelassenheit. Dass sonstige Störungen weder in den MTX hineinnoch aus ihm herausfinden, auch dafür hat der Berliner alle Gene eingepflanzt bekommen. So setzt er auf die strikte Trennung von Geräte- und Signalmasse, indem er mit insgesamt drei Massen arbeitet, davon zwei „künstlich“.

Der Eingeweihte kennt Ähnliches auch als „Floating Ground“, etwa von symmetrischen Brückenverstärkern wie der hier bei den Hörsessions im Home Office ebenfalls involvierten Bongiorno-Endstufe (Sumo Andromeda). Eine ebenfalls von diesem Super-Entwickler stammende Vorstufe, die gute, zugegeben sehr alte, aber generalüberholte GAS Thaedra, machte sich im Vergleich zum Funk durch minimales Rauschen bemerkbar. Beim Funk dagegen: Totenstille, beim Audible Illusions-Preamp allerdings auch, ohne die Traumwerte des MTX Monitor zu erreichen.

Tatsächlich aber sprengt der Berliner gleich an mehreren Stellen unsere Messgrenzen. Störabstände von 127 (!) dB, (k)ein Übersprechen zwischen den Eingängen oder die Stereo-Kanaltrennung jenseits der 100 dB erleben wir hier sonst kaum. Auch die von uns gemessenen Klirr- oder Intermodulationswerte mit mindestens zwei, aber auch drei Nullen hinter den Kommata sprechen Bände.

Wenn es einen (Vor-)Verstärker gibt, der dem Idealbild des „Stück Draht mit Verstärkung“ nahekommt, dann ist es wohl dieser, der seit 22 Jahren perfektionistisch weiterentwickelt wird und damals schnell auch in der HighEnd-Szene zum Geheimtipp avancierte.

Enorme Transparenz

Stellt man sich eine Wiedergabekette als Linsensystem vor, eine Analogie, die ich als ehemaliger Fotofachredakteur nebenbei sehr schätze, so ist der MTX Monitor ganz zweifellos eines der Glaselemente mit dem höchsten vorstellbaren Transmissionsverhalten (Durchsichtigkeit) überhaupt. Glamour oder „Sound“ sind dem Funk MTX Fremdworte. Optisch wie akustisch. Schönfärberei muss hier schon von Seiten der Produktion gewollt sein, die emotionale Spielfreude von den Musikern kommen, sonst wird sie schlichtweg nicht übertragen. Wenn die Sängerin schlechte Laune oder der Tontechniker mal keine Lust hatte, ist das dagegen sofort schonungslos hörbar. Kristallklar, bei tiefer und weiträumiger Bühne, mit idealem Fokus und ansatzlosem, absolut überragendem Timing. Das ist wohl die neutralste Instanz jeder beliebigen Wiedergabekette, in der er aufspielt, dafür liefert sie auch den schwärzesten Hintergrund und die unbestechlichsten Voraussetzungen, die man sich nur vorstellen kann.

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

ABBA The Visitors

Nachdenkliches Spätwerk der jüngst wiedervereinigten Schweden. Sollte man ebenso wie „Super Trouper“ besitzen.

AC/DC Highway To Hell

Explosiver Hardrock mit Teufelsöhrchen und mächtig Druck.

Im direkten Vergleich beispielsweise mit einer ebenfalls zur Spitzenklasse zählenden Audible Illusions-Röhrenvorstufe mag diese zwar für manchen subjektiv schöner klingen, aber der MTX Monitor ist mutmaßlich ehrlicher, straffer und sogar noch einen Tick offener. Jedermanns Sache ist das aber nicht. In Sachen Druck oder Farbe ginge da tatsächlich auch noch etwas mehr. Ein sehr schwieriges Duell, vielleicht schon ein „Krieg der Welten“.

Allerdings kann man auch den nüchternen Funk klanglich noch aufhübschen, wenn man das denn will – nur eben mit der Peripherie.

Die – Fans mögen mir verzeihen – neben vielen guten, fröhlichen und kommerziell erfolgreichen vielleicht einzige wirkliche Weltklasse-Single von ABBA, „The Winner Takes It All“ mit Agnethas Stimme sorgt aus aktuellem Anlass des Comebacks dieser Tage auch über den unbestechlich „liefernden“ Funk für Gänsehaut, während extrem beeindruckende Impulse etwa bei AC/DCs „Highway To Hell“ beim Titelstück oder dem ebenbürtigen „Touch Too Much“ das Zwerchfell testen.

Mein Credo, dass Verstärker im Grunde gar nicht schnell genug sein können, allein wegen des überragenden Phasenverhaltens im Hörbereich, bestätigt dieser Vorverstärker jedenfalls überzeugend, wobei Thomas Funk auch zumindest einige High End-Mitbewerber respektiert. Es gebe tatsächlich eine amerikanische Vorstufe, räumt er verschmitzt ein, die ähnlich „schnell“ sei wie seine. Der Mann kennt offenbar auch die Konkurrenz ;-)

TEST-GERÄTE

CD-Player: Lua Appassionato Mk IV Class A NOS

Vorverstärker: Audible Illusions Modulus 3A, Cyrus ACA 7.5, GAS Thaedra

Endverstärker: Sumo Andromeda

Lautsprecher: Canton Karat L800, JBL 4309, Spendor S3/5, Visaton Vox 252

Kabel: Supra

Zubehör: bFly StoneLine Twin Base, MHW Audio Levar Resonance Magnetic Absorber LR5

Funks MTX Monitor ist Perfektion pur und auch für HighEnder eine echte Delikatesse, die zudem trotz ihrer enormen Güte, ja Weltklasse, den Geldbeutel schont. Die klanglichen Fähigkeiten sind fast schon von überirdischer Qualität, und wenn jemand keinen Tuning-Spieltrieb verspürt oder ihn auf Quelle, Zubehör oder Lautsprecher verlagern kann, sollte er sich dieses Juwel aus der Studiowelt unbedingt näher ansehen – und nach Möglichkeit natürlich anhören. Man muss nicht diskutieren, ob man eine solche Perfektion braucht.

Das macht auch der Besitzer einer mit der Atomuhr in Braunschweig verbundenen Funkuhr nicht. Wer will, kann hier eine ganz ähnliche Perfektion bekommen, mit der sich manch anderes Gerät sogar kalibrieren ließe.

Exakt wie ein Messgerät

Mit dieser unbedingten Präzision eines delikaten Messgerätes dürfte der MTX als High End-Vorstufe eigentlich locker das Doppelte kosten – und dort oben spielt er auch mit.

Zum Messgerät passen dann auch Einstellungen wie Monoschalter und „Phase“ in Kombination, die einen Kanal phaseninvertieren und im Idealfall der Kanalgleichheit das Signal komplett auslöschen. Am Funk lassen sich aber bei Bedarf beispielsweise auch zwei Eingänge (stereo) aufsummieren, was man daheim mutmaßlich nie braucht.

Das sind halt die Studiogene, und sie enden damit auch noch lange nicht. Deren ausführlichere Beschreibung würde allerdings hier den Rahmen sprengen.

Den Pfad der soliden, im HiFi/High End-Umfeld schon verblüffend günstigen Studio-Kalkulation – oder Tugend? – möchte Thomas Funk ganz und gar nicht ver- und es auch bei 3,5 Kilogramm im flachen und pragmatisch gestalteten Gehäuse mit Kunststofftasten belassen. Er weiß natürlich, dass er eigentlich höhere Preis verlangen könnte, verzichtet also ganz bewusst auf „mehr Lametta“.

Freilich macht der HiFi-Umsatzanteil bei Funk mittlerweile schon etwa die Hälfte des Geschäfts aus, Tendenz eher steigend – wenn auch insgesamt weniger konstant als der Profisektor. Ein Blick ins Angebot, auch bei den Kabeln, lohnt sich. Der Studio-Exot im High End-Teich ist uns auf jeden Fall eine satte Empfehlung wert. ■

Funk MTX-Monitor V3b-4.3.7

Preis: um 3300 € (HiFi-Version schwarz, Fernbedienung optional um 500€)

Maße: 44 x6 x27 cm (BxHxT)

Garantie: 3 Jahre

Kontakt: Funk Tel.: +49 30 38106174 www.funk-tonstudiotechnik.de

Mit diesem professionellen Vorverstärker können Sie erlesene Studioqualität zum bezahlbaren Preis daheim erleben. Unverfälschter geht es nicht, was eigentlich auch bedeutet: Mehr HiFi geht nicht.

Manchem wird bei aller Neutralität aber vielleicht etwas „Make-Up“ fehlen. Preistipp!

Labor-Kommentar

Extrem geringe Verzerrungs-, Rausch-und Übersprechwerte, enorme Bandbreite (bis 1,4 MHz), man beachte auch die Anschlusswerte und die für den Kopfhörerausgang!

Ausstattung 

Fernbedienung (optional, Aufpreis 500 €), vier symmetrische und unsymmetrische Eingänge, symmetrisch und asymmetrisch Pre Out, 2x Rec Out Cinch, Kopfhörerausgang (separat regelbar), Input und Rec Out völlig unabhängig, Pegelanzeige