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Einmal Venedig für alle!


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plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 06.10.2021

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Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 11/2021

Kurzurlaub in der Lagunenstadt: ein Erlebnis für die ganze Familie

Für Emil ist die Sache klar: „Zusammen ist es immer schöner“, sagt er spontan, als ich ihn frage, warum er es gut fand, dass wir mit Opa im Urlaub waren. „Ein bisschen wie zu Weihnachten, nur halt länger und mit Übernachtung“, erklärt mein Siebenjähriger und kichert dabei. „Mama, weißt du noch, wie Opa nasse Füße bekommen hat?“ Das hätte ich beinahe vergessen: Während unserer Reise nach Venedig stand die Lagunenstadt, wie so häufig, ein paar Zentimeter unter Wasser. Fast überall waren Stege aufgebaut, aber manchmal mussten wir auch durchs Wasser waten.

„In dem Urlaub hatten wir viel Zeit für Gespräche“

Gaby Herzog, Journalistin und zweifache Mutter

Ein Loch ist im Stiefel

Kein Problem, bis mein Vater mitten auf dem Markusplatz verkündete: „Meine Gummistiefel haben ein Loch!“ Und nun? Zurück in die Ferienwohnung? Irgendwo ein Paar neue Gummistiefel kaufen? Oder den Ausflug aufgrund gekippter Stimmung ...

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... ganz abbrechen? Mein Vater, 75 Jahre alt, gelernter Betriebswirt, nahm die Panne gelassen. „In meinen Schuhen quaken jetzt die Frösche“, verkündete er, fasste die Kinder an der Hand und platschte mit ihnen gut gelaunt in Richtung Dogenpalast.

Eine kleine Feuer- beziehungsweise Wasserprobe für unsere erste Drei-Generationen-Reise: Opa, Eltern, Kinder. Mein Vater hatte es zunächst abgelehnt, mit uns in den Urlaub zu fahren. Typisch norddeutsch: Papa ist zurückhaltend und will niemandem zur Last fallen. Im Prinzip weiß ich das zu schätzen: dass er sich zurücknimmt und sich nicht in unsere Erziehung einmischt. Gleichzeitig ist er immer zur Stelle, wenn wir ihn brauchen, kümmert sich regelmäßig um die Kinder – ein Anruf genügt und er ist da. Kann man dann nicht auch einfach mal zusammen in den Urlaub fahren?

Ich bin nicht sicher, ob wir ihn umgestimmt hätten, wenn unser Ziel nicht Venedig gewesen wäre. Mit meiner Mutter, die vor Jahren verstorben ist, war er früher kreuz und quer in Europa unterwegs. Er schwärmt von Paris, Wien, Prag, Rom und Florenz. Venedig war immer auf ihrer Wunsch-Liste …

Emil kriegt den Opa rum

Ich habe also einen Bildband von Venedig gekauft und ließ die Kinder das Buch überreichen. „Da können wir ganz viel ,Mensch ärgere Dich nicht‘ spielen, Opa“, schmeichelte Emil und strahlte seinen Großvater an. Bis der endlich antwortete: „Dann werden wir das wohl tun“ – und ich anschließend buchen durfte.

Unsere Unterkunft ist eine Ferienwohnung in der Nähe der Rialto-Brücke. Zwei Zimmer mit Extra-Bad im Obergeschoss, ein Zimmer direkt neben dem großen Wohnraum und ein herrlicher Blick über die Dächer der Stadt und auf den Fischmarkt.

Erinnerungen an früher

Morgens, während wir Eltern oben noch schlafen, schleichen die Kinder zum Opa nach unten. Wenn wir das Frühstück vorbereiten, wird auf dem Sofa bereits die dritte Partie „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt oder aus dem dicken Buch „Wir Kinder aus Bullerbü“ vorgelesen.

Ganz oft werden während der einen Venedig-Ferienwoche Erinnerungen an früher wach: „Weißt du noch, als wir 1992 in Norwegen waren? In dem Haus über dem Fjord? Da hast du von der Küche aus die Fische mit Brot gefüttert. Deine Mutter fand das überhaupt nicht lustig.“ „Weil dieses Brot so schrecklich teuer war?“ „Genau. Geld zum Fenster rausschmeißen – so hat sie das genannt.“ Anders als daheim in Berlin bleiben hier Zeit und Muße für Gespräche. Wenn die Kinder im Bett liegen, sitzen wir bei einer Flasche Rotwein zusammen, reden über den Tag, diskutieren über Massentourismus, sinnieren darüber, wo wohl die besten Köche der Welt leben, oder spielen Skat. Mein Vater ist unser dritter Mann! Ohne ihn ginge nichts, auch weil er alle Regeln kennt.

„Es ist okay, wenn Großeltern auf Reisen ihre Enkel verwöhnen. Das macht die Erziehung nicht kaputt“

Nathalie Krahé, Psychologin und Coach

Ein großer Luxus ist, als uns mein Vater an einem Abend vorschlägt, doch mal was ohne die Kinder und ihn zu unternehmen. Venedig romantisch zu zweit. Özkan und ich schlendern durch die Stadt, lassen uns treiben. Sitzen in einer kleinen Bar am Canal Grande und genießen einen Aperol Spritz, während sich die Sterne im Wasser spiegeln. Kurz kommt das schlechte Gewissen auf. Missbrauchen wir den Opa jetzt auch im Urlaub als Kindermädchen? Als wir ihn darauf ansprechen, lacht er nur. „Ich habe gern einmal ein paar Stunden für mich“, erklärt er. „Den ganzen Tag unterwegs sein, so viele Eindrücke und Gespräche – das bin ich nicht mehr gewohnt. Außerdem habe ich inzwischen mal im Reiseführer nachgelesen und kann jetzt ein paar Dinge, die wir gesehen haben, besser einordnen.“

Tatsächlich profitieren wir immer wieder vom Wissen meines Vaters. „Opa weiß alles“, stellt Emil fest, nachdem ihm sein Großvater erklärt, dass das Wort „Karneval“ aus dem Italienischen kommt. „Carne vale“ heißt übersetzt so viel wie „Auf Wiedersehen, Fleisch“, weil die tollen Tage mit Masken und Verkleidungen die 40-tägige fleischlose Fastenzeit einläuteten. Das wusste ich auch nicht.

Bis zum nächsten Mal!

Ohnehin habe ich den Eindruck, dass mein Vater früher viel weniger Geschichten im Urlaub erzählt hat. „Kann gut sein“, gibt er zu. „Eltern sind doch immer irgendwie mit der Erziehung beschäftigt und kümmern sich darum, dass der Laden läuft. Während ihr jetzt die Tickets für das Vaporetto kauft, nachseht, wann die Museen öffnen, und darauf achtet, dass die Kinder genug zu trinken haben, kann ich mir über andere Dinge Gedanken machen.“

Nach sieben Tagen Venedig begleiten wir Opa zum Flughafen. Wir fahren mit dem Zug nach Hause. Meinem Vater erschien diese Anreise bei der Planung zu anstrengend, aber als er jetzt am Checkin steht, verspricht er uns:

„Wenn wir das nächste Mal nach Venedig fahren, fahre ich auch Bahn. Dann machen wir einen Zwischenstopp in Verona. Wusstet ihr, dass es dort ein Amphitheater gibt, in dem früher echte Gladiatoren gekämpft haben?“