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Eins mit der Natur


Atrium - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 18.04.2019

Umgeben von einer üppig blühenden Landschaft hat sichGraham Paarman einen lange erträumten Zufluchtsort geschaffen, der mit den Bäumen zu verschmelzen scheint.


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Bildquelle: Atrium, Ausgabe 3/2019

Das Baumhaus, mit rotem Zedernholz bekleidet, befindet sich auf einer Lichtung mitten in den Winelands bei Kapstadt.


Über eine metallene Brücke mit Holzdeck gelangt man ins Innere des Hauses. Der Cortenstahl erhält mit den Jahren eine rotbraune Patina, die mit dem hellen Zendernholz harmoniert.


Sitzt man im Wohnraum mit Küche und Essbereich, scheint man hoch in den Baumwipfeln zu schweben. (Sessel, Sofa und Stühle von Flexform, Esstisch von ...

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... Moooi, Beistelltisch von Roche Bobois)


Dem doppelstöckigen Wohnraum vorgelagert befindet sich eine kleine Terrasse mit Weitblick.


Die schlichte Küche mit Holzverkleidung stammt vom italienischen Hersteller Valcucine.


«Ich habe mir schon immer einen Zufluchtsort in den Baumkronen gewünscht.» GRAHAM PAARMAN, BAUHERR


Das Anwesen der Familie Paarman liegt weich eingebettet im Herzen der Winelands, einer der bekanntesten Weinbauregionen Südafrikas. Umgarnt von weitläufigen, üppig blühenden Landschaften liegen ein Herrenhaus sowie eine Reihe von Bauernhäusern, die, modern interpretiert, im Cape-Dutch-Stil erbaut worden sind. In dieser beinahe märchenhaften Umgebung, unweit des Kaps der Guten Hoffnung, auf einer Lichtung mit vier quadratischen, mit Cortenstahl eingefassten Wasserpflanzenbecken, hat sich Graham Paarman einen Traum verwirklicht: «Ich habe mir schon immer einen Zufluchtsort in den Baumkronen gewünscht.» Graham, der mit seiner Mutter Ina eine kleine, aber feine Kochschule zu einem florierenden Hersteller von hochwertigen Lebensmitteln machte, wollte keinesfalls ein Gebäude, dass sich lauthals in der Umgebung breitmacht. «Es sollte nichts Symmetrisches entstehen. Ich habe gehofft, dass sich der Entwurf wie selbstverständlich an diesen Ort einfügt, diesen gar verbessert.»

Diese Waldlichtung mit ihren quadratischen Wasserbecken war für die Architekten von Malan Vorster der Ausgangspunkt für den Entwurf. Da sich Bauherr und Architekten bereits von anderen Projekten, die das angesagte Büro bereits auf dem Anwesen der Paarmans verwirklichen konnte, kannten, gestaltete sich die Zusammenarbeit für das geplante Baumhaus äusserst fruchtbar, auf gegenseitigem Vertrauen basierend.

Klare Geometrien im Wald

Die organische Form des Waldes einerseits und die scharfkantige Geometrie der Teiche andererseits inspirierten Malan Vorster. «Die Wertschätzung von Carlo Scarpa für die Natur, das Spiel von geometrischen Formen und die Architektur des Lichts im Werk von Louis Kahn beeinflussten unser Schaffen im Allgemeinen und in grossem Masse auch beim Haus für Graham Paarman», beschreibt Pieter Malan und führt weiter aus: «Wir haben ein rigoroses, geometrisches Gerüst entwickelt, das vom Quadrat der Wasserbecken ausgeht. An dessen Seiten befinden sich vier Kreise, die vier Bäume symbolisieren. So entsteht ein vielschichtiger, scheinbar streng geometrischer Grundriss aus den überlagerten Grundformen Quadrat und Kreis.»

Die vertikalen Zedernholzlamellen sind unterschiedlich dicht angeordnet. So ist der Blick frei in die Landschaft oder es entsteht Privatsphäre.


Die Wendeltreppe aus Zedernholz und Stahl ist ein handwerklich geschaffenes Kunstwerk.


«Wir haben ein rigoroses, geometrisches Gerüst entwickelt, das vom Quadrat der Wasserbecken ausgeht.» MALAN VORSTER ARCHITEKTEN


Stahlsäulen in Vierergruppen stellen die Stämme der Bäume dar, und Ringe über den «Bäumen» deuten auf Äste hin. Diese Stahlringe und zusätzliche, astartigen Träger aus Holz wiederum stützen die darüberliegenden Etagen. Jeder kreisrunde «Baum» hat je nach Nutzung eine etwas andere Höhe – zweimal einem Erker gleich eine Erweiterung des Innenraums, einmal schlicht eine halbkreisförmige Terrasse und einmal die als Rückgrat des Hauses – eine ausgearbeitete Wendeltreppe als Kunstwerk. Diese statische Struktur ist verglast und mit einem «Schleier» aus vertikalen Zendernholzlamellen bekleidet. «Die Lamellen, die unterschiedlich dicht angeordnet sind, schaffen an bestimmten Stellen Privatsphäre und geben an anderen den Blick in die Natur frei», sagen die Architekten. «Die Linien, die so entstehen, spiegeln die Vertikalität der umgebenden Bäume wieder. Das Gebäude scheint mit der Umgebung zu verschmelzen.»

Vertikale Raumstruktur

Die Perfektion im Detail ist auf Schritt und Tritt zu entdecken. Sämtliche Konstruktionen – vertikal in Stahl, horizontal in Holz – sind sichtbar. Die Architekten und Handwerker bildeten dabei ein perfekt eingespieltes Team, was sich vor allem bei den handgedrehten Messingverbindungselementen der Stahlkonstruktion widerspiegelt.

Über eine Stahlbrücke schreiten Bewohner und Besucher in das Haus, das im Astgeflecht zu schweben scheint. Der Cortenstahl erhält mit den Jahren eine wunderbare Patina, die mit dem ebenfalls wetterfesten Zedernholz wunderbar harmoniert. Vertikal organisiert sind die Innenräume – pro Etage eine Wohnfläche. Auf der ersten Ebene befindet sich der offene, teilweise zweistöckige Wohn- und Essbereich, inklusive einer kompakten Küche aus Holz sowie einer kleinen Terrasse. Auf der nächsten folgt der Lieblingsraum von Graham – das Schlafzimmer mit einem zentralen Bett aus massiver Eiche und Ledereinfassungen sowie einem Bad mit Dusche. Und ganz zuoberst in den Baumwipfeln thront ein Open-Air-Deck. Der Blick in die Natur ist hier einfach phänomenal.

Das Bett mit fein eingearbeiteten Ledereinsätzen sowie die Schränke sind aus massiver Eiche gefertigt. (Matratze und Bettwäsche von Hästens)


Die Armaturen sowie der Handtuchwärmer sind aus Kupfer (beide von Vola) und passen perfekt zu den restlichen Materialien wie Holz und Stahl.


«Das Baumhaus in den Winelands vermittelt auf subtile Weise zwischen Mensch und Natur.» GRAHAM PAARMAN, BAUHERR


Trotz der kompakten Grösse fühlt sich das Baumhaus nicht klein an. Im Wohnraum zum Beispiel lassen sich die hohen, zweistöckigen Glasschiebetüren vollständig öffnen. Die Grenzen zwischen innen und aussen verwischen. «Das Haus ist auch ein Spiel mit Proportionen», sagt Pieter Malan. «Einerseits steht das Haus in der Weite der Landschaft, aber andererseits aber befindet man sich auch beschützt im Haus. Man kann den fantastischen Tages- und Nachthimmel erforschen, den Eichhörnchen auf den Bäumen zusehen und hört die Vögel gar im Innern.»

«Meinem Wunsch für warme Materia-lien mit lebendigen Texturen konnten die Architekten mit dem Einsatz von Holz und Leder, aber auch mit der Stahlkonstruktion sowie dem Steinboden im offenen Wohn- und Essbereich erfüllen», sagt Graham Paarman. Entstanden ist ein perfekt gestalteter Zufluchtsort, der durch seine Materialität eher zurückhaltend wirkt und so den Fokus auf die Farbenvielfalt der Natur legt. «Das Baumhaus vermittelt auf subtile Weise zwischen Mensch und Natur», sagt Graham, «und widerspiegelt für mich die Beziehung der Bewohner zur Natur.»


Fotos: Greg Cox/bureaux.co.za