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Einsamkeit: Der kalte Wind im Herzen


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Lea - epaper ⋅ Ausgabe 38/2021 vom 15.09.2021

Report

Jeder 10. in Deutschland leidet an dem Gefühl

Artikelbild für den Artikel "Einsamkeit: Der kalte Wind im Herzen" aus der Ausgabe 38/2021 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 38/2021

Dagmar (48) lebt ganz alleine „Seit die Kinder aus dem Haus sind, ist alles leer“

Sie liebt lange Spaziergänge am Meer. Was ihr dabei besonders gefällt, ist die Ruhe und dass man nichts hört, außer dem Wind und dem leisen Klappern der Dünung am Strand. So war es jedenfalls. „Als die Kinder noch bei mir gewohnt haben, habe ich diese Zeit genossen. Ein paar Stunden am Tag nur für mich. Herrlich.“ Nun sind Max und Bea ausgezogen. „Und mir fällt die Decke auf den Kopf. Keiner ist mehr da. Zum Lachen und Streiten, zum Bekochtwerden und zum Umtüddeln.“ Selbst ihre geliebten Strandausflüge gehen der Hausfrau jetzt mächtig auf die Nerven.

Seit knapp fünf Jahren ist sie nun schon geschieden und hat keinen Kontakt mehr zu Bernd, ihrem Ex. „Und das ist auch gut so!“ Ihre beiden besten Freundinnen Verena und Kathi sind ...

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... verheiratet. Und Freundin Marianne ist frisch verliebt. Da kommt sich Dagmar oft vor wie das fünfte Rad am Wagen. Also verbringt sie ihre Abende meist allein. „Am schlimmsten sind die Wochenenden. Da ist Pärchen-Time. Und im Prinzip stört man da nur als Single“, Dagmar atmet tief durch. „Wenn die Kinder anrufen, sage ich öfter, dass ich etwas vorhabe, obwohl es nicht stimmt. Sie sollen sich keine Sorgen um mich machen. Aber damit ist jetzt Schluss. Ich habe mich bei einem Stoffladen beworben und werde dort bald Nähkurse geben. Dann komme ich mal raus.“

„Die Einsamkeit wäre ein idealer Zustand, wenn man sich die Menschen aussuchen könnte, die man meidet.“

– Karl Kraus (1874-1936) –

Sandra (67) ist in Rente „Ich hätte nie gedacht, dass Arbeiten mir so viel bedeutet“

Mein Job als Lehrerin war mein Leben“, als Sandra das sagt, strahlt sie. Tagsüber die Schule, nachmittags die Arbeiten korrigieren, sich fortbilden, so sah ihr Alltag aus. Zeit für einen Partner hatte sie nicht. Freunde? Warum denn? „Das war auch alles kein Problem, denn ich bin ja in meinem Job aufgegangen.“ Nun ist sie seit einem Jahr in Rente und: „Das ist wie ein Pensions-Schock. Alles fühlt sich anders an. Keiner braucht mich mehr.“ Ihre Augen werden feucht.

„Zuerst dachte ich noch, wenn ich keine täglichen Verpflichtungen mehr habe, dann mache ich es mir so richtig schön.“ Doch dann hat sie schnell festgestellt. „Wie denn?“ Spazieren gehen, ein kleiner Ausflug am Wochenende. Immer alles solo. Da war keiner, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen konnte. „Aber wie soll ich denn plötzlich eine beste Freundin finden? Meine Nachbarn denken: Der geht es doch gut. Stimmt leider gar nicht. Ich habe richtig Sorge, in eine Depression abzurutschen.“

Louisa (24) studiert in der Großstadt „Manchmal fühle ich mich richtig vergessen von der Welt“

Für ihr Studium ist sie extra nach Berlin gezogen. In eine Großstadt. Sie wollte den Trubel und ein reges Leben. Freunde und Familie waren weit weg, genau wie die ländliche Idylle. Louisa hat diese Freiheit genossen. „Bis Corona kam“, sie schaut mehr als ernst, als sie das sagt. „Ich hatte hier noch nicht so viele Freunde. Plötzlich war Lernen ausschließlich zu Hause angesagt. Keine Kommilitonen. Nichts!“ Zuerst ging es ja noch, aber 10 Monate Lockdown ware schon eine harte Zeit. Da bin ich in ein Loch gefallen, hab kaum noch was auf die Reihe gekriegt.“ So ähnlich wie ihr ging es rund 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland. Das erste Mal in ihrem Leben hat sie sich total alleine gefühlt. „Was ich gespürt habe, war ein tiefes Einsamkeitsgefühl, jeden Tag von früh bis spät. Schrecklich! Zum Glück können wir bald endlich wieder in die Uni gehen. Kommt mir beinah komisch vor. So als ob ich menschenscheu geworden wäre.“

Fotos: iStockphoto (3)/Martin Dimitrov/halbergman/MixMedia

TIPPS UND INFOS ZUM THEMA

So kommen Sie aus der Krise

Stellen Sie sich der Situation Dann ist der erste Schritt aus der Einsamkeit schon fast gemacht. Erst wenn man erkennt, dass man sich in einer ernst zu nehmenden Isolation befindet, kann man auch aussteigen.

Machen Sie einen Bogen um soziale Medien Facebook, Twitter & Co. schaffen nicht etwa Nähe. Viele Posts gaukeln das perfekte Leben vor. Das macht unzufrieden, gibt uns das Gefühl, dass mit uns etwas nicht stimmt.

Behandeln Sie sich selbst wie eine gute Freundin Fragen Sie sich: Was fehlt mir? Hätten Sie gern ab und zu einen netten Abend? Suchen Sie das Gespräch oder Gleichgesinnte für ein Hobby? Stöbern Sie danach in Stadtteilmagazinen, achten Sie auf die Aushänge im Supermarkt.

Werden Sie aktiv Schauen Sie sich um nach einem Verein, einem Ehrenamt oder einer Beschäftigung. Holen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie das nicht aus eigener Kraft schaffen. Es gibt Trainings an Volkshochschulen oder bei Psychotherapeuten. Auch die Telefonseelsorge hilft.

Frischen Sie alte Kontakte auf Schon ewig nicht mehr bei der Schulfreundin gemeldet? Greifen Sie einfach zum Telefon, und rufen Sie an. Vielleicht ergibt sich ja etwas daraus.

Leihen Sie sich einen Hund Tierheime freuen sich über Menschen, die mit ihren Schützlingen Gassi gehen. Und gehen Sie raus. Sie werden sich wundern, wie schnell Sie über so eine Fellnase mit anderen ins Gespräch kommen.

Geben Sie sich Zeit Vorübergehende Gefühle des Verlassenseins hat jeder mal. Hält das an, brauchen Sie Geduld, um sich davon wieder zu befreien. Gönnen Sie sich zwischendurch öfter mal etwas Gutes.

Was sind die Risikofaktoren?

Der Tod von Lebenspartnern, ein Umzug, sich auflösende Familienstrukturen, finanzielle Enge oder schwere Erkrankungen können dazu führen, dass man sich zurückzieht. Gefährlich, denn: Wissenschaftler der Brigham Young University in Idaho/USA haben Daten von mehr als drei Millionen Teilnehmern analysiert. Ihr Ergebnis: Einsamkeit kann das Sterberisiko um 50% erhöhen.