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Einsatz am Asphalt: SCHWEISSARBEIT NACH WILDUNFÄLLEN


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 24/2018 vom 20.12.2018

Nachsuchen nach Wildunfällen stellen besondere Anforderungen an Hund und Führer. Vier Experten erläutern, auf was Sie achten müssen, wenn Sie zum Unfallort gerufen werden.


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Akribisch wird nach Hinweisen zum Abgang gesucht


Foto: Michael Stadfeld

Nur selten ist der Kollisionsort so deutlich zu erkennen (r.). Häufig laufen Wildunfälle gänzlich ohne Schweiß ab.


Auf der Bundesstraße, die Mitten durchs Revier führt, hat es letzte Nacht gekracht – ein Wildunfall. Eine alltägliche Situation für viele Nachsuchenführer. Neben Schlumpschüssen ist der Verkehr Hauptarbeitgeber vieler Gespanne.

1. Informationen und deren ...

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Für die anstehende Schweißarbeit am Asphalt ist es zunächst wichtig, so viele Informationen wie möglich zum Unfallhergang zu erhalten. Eine detailierte Ortsangabe als Startpunkt, die Wildart, Uhrzeit und Fluchtrichtung sowie im besten Fall auch den Abgang des kranken Stücks. In der Praxis erhält der Hundeführer oft nur einen Bruchteil der wertvollen Hinweise und muss sich am Straßenrand das Puzzle selbst zusammensetzen. „Häufig können Autofahrer die Wildart nicht richtig ansprechen. Statt einer Sau liegt dann ein Dachs oder anstelle eines Rehs ein Stück Rotwild am Ende der Fährte. Zudem ist es wichtig, ob ein oder mehrere Stücke beteiligt waren“, erklärt Berufsjäger Helmut Hilpisch. Ihm zufolge ist es auch entscheidend, ob das Stück frontal oder seitlich mit dem Fahrzeug kollidierte. Ein frontaler Zusammenprall ist meist mit schwereren Verletzungen verbunden.

„Man muss den Unfallbeteiligten zugestehen, dass die Wahrnehmung oft durch das Schockmoment stark von der Realität abweicht. Ich bin mittlerweile schon glücklich, wenn ich eine ungefähre Ortsangabe und die Fluchtrichtung genannt bekomme“, ergänzt der gräfliche Jagdverwalter Ralf Dirks, durch dessen 3000Hektar Jagdfläche mehrere Bundesstraßen führen und keine Woche ohne Wildunfall vergeht. Daher gilt auch für den Nachsuchenexperten Stefan Mayer von der Schweißhundestation Südschwarzwald bei jedem ungeklärten Anschuss und insbesondere bei Wildunfällen: „Höre dir alles an und glaube nichts.“

Meist stellt sich heraus, dass die Situation gänzlich anders war. Entweder weil Tatsachen falsch verstanden werden oder der Fahrer aufgrund von Stress und Schock ein völlig verzerrtes Wahrnehmungsvermögen hat. Dass selbst die Angabe zum Unfallort von der Realität total abweicht, liegt vor allem an den Reaktionszeiten, der Geschwindigkeit und den Stressfaktoren für den Unfallfahrer. Außerdem ist es meistens dunkel.

Allerdings ist es nicht nur für ihn, sondern oft auch für die Polizei schwierig, den genauen Bereich der Kollision zu lokalisieren, vor allem nachts. Doch dieser „Anschuss“ ist als Startpunkt für die Suche mit das Wichtigste für die Gespanne. Bis der Fahrer sein Fahrzeug sicher zum Stehen gebracht hat, sind häufig mehrere 100 Meter zurückgelegt. Dabei sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass der Anhalteweg und das Ausmaß der Kollision durch die Geschwindigkeit des Fahrzeugs bestimmt werden (s. Grafik).

2. Unfallstelle und Vorsuche

„Trotz allem wird zunächst an der benannten Stelle gesucht und auch in die angegebene Fluchtrichtung“, so Mayer. Besonders auf eintönigen Überlandstrecken ist häufig nur ein Bereich von 100 bis 200 Metern eingrenzbar. „Zunächst mache ich mir ohne Hund ein Bild von der Situation und der Lokalität. Sind Wrackteile oder Flüssigkeiten zu finden, die auf den genauen Kollisionsort hinweisen? Bestenfalls findet sich Schweiß oder eine Stelle im Straßengraben, an der das Stück kurz im Wundbett gelegen hat. Sind alle Informationen gesammelt, wird die Begleitperson und die Polizei zur Verkehrssicherung instruiert“, erklärt Mayer.

Die Vorsuche beginnt in einem gewissen Sicherheitsabstand zur Straße. „Der Hund wird am Unfallort verweisen und eine Fährte anfallen. An der Straße verzichte ich auf das obligatorische Ablegen am Anschuss, da es dort aus Sicherheitsgründen keinen Sinn ergibt“, so Dirks. „Wenn das Gelände es hergibt, kann man mit dem Hund parallel zur Straße die Vorsuche durchführen und den Abgang suchen. Muss das direkt am Straßenrand geschehen, ist eine Straßenabsicherung für das Gespann überlebenswichtig. Bei einer einsamen Kreisstraße reicht oft ein Warndreieck, ein Auto mit eingeschaltetem Warnblinker oder ein Posten mit Warnweste. Allerdings sollte man hierbei die Polizei informieren“, ergänzt Hilpisch. Auch Stefan Mayer lässt den Schweißhund zunächst auf beiden Seiten des Verkehrswegs am Bankett entlang suchen. Häufig liegen dort Pirschzeichen, wie Haare oder Borsten, die vom Fahrtwind der vorbeifahrenden Fahrzeuge mitgerissen wurden und sich in der Bankettvegetation verfangen. „Falls es das Gelände nicht hergibt, in 15 Metern Abstand parallel zur Straße vorsuchen“, ergänzt Dr. Michael Frowein vom Verein Hirschmann.

Da bei Wildunfällen meist hohe Geschwindigkeiten im Spiel sind, können die Distanzen zwischen Aufprall und Fluchtstrecke erheblich sein. Das Wild kann einige Meter mitgeschleift oder weggeschleudert werden. „Eine weitere Möglichkeit, die Unfallstelle genauer einzugrenzen, ist das Verhören des vorbeifahrenden Verkehrs, denn am Kollisionsort befinden sich häufig kleinere Plastikteile und Glasscherben auf dem Asphalt. Die Abrollgeräusche der Reifen vorbeifahrender Fahrzeuge sind beim Überfahren dieser Wrackteile deutlich unterschiedlich zum normalen Fahrgeräusch. Daher stehe ich immer zuerst im vermeintlichen Bereich des Unfalls und lausche dem Verkehr. Überraschend häufig lässt sich die Unfallstelle auf diese Weise lokalisieren“, rät Mayer.

Grafik: Deutscher Jagdverband und ADAC

Foto: Jörg Fischer

Bis Tempo 80 kann ein Autofahrer sein Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen bringen, wenn in 60 Meter Entfernung plötzlich Wild die Straße überfällt. Die Stücke können bei einer Kollision noch Hunderte Meter mitgeschleift werden, wodurch der Abgang nicht am Unfallort liegen muss.

Pirschzeichen können bis in die Straßenbegleitvegetation geschleudert werden und wertvolle Hinweise geben.


Foto: Tobias Thimm

Hund und Führer befinden sich in Straßennähe immer in einem Gefahrenbereich.


Foto: Michael Stadfeld

3. Pirschzeichen

Der Kollisionsort von Wildkörper und Kraftfahrzeug ist mit herkömmlichen Anschüssen und den Verletzungen durch die Geschosswirkung kaum vergleichbar. Dennoch können Indizien und Pirschzeichen gesucht und gedeutet werden. „Schnitthaar oder Schweiß lassen manchmal gewisse Rückschlüsse auf die Art und Schwere der Verletzung zu. Es gibt hierbei jedoch nie eine Garantie, wie zum Beispiel beim Lungenschweiß am Anschuss“, so Dirks. Schweiß im Kollisionsbereich lässt auf eine offene Wunde, Knochensplitter auf offene Frakturen schließen. Nach Mayer laufen jedoch viele Wildunfälle völlig ohne Schweiß ab. „Meist sind es innere Verletzungen oder geschlossene Brüche, die das Wild erleidet. Diese liefern in aller Regel keine Pirschzeichen. Gelegentlich vorhandener Schweiß kommt häufig von Nasenbluten oder durch verletzte Lecker, da starke Schläge auf den Träger oder das Haupt wirkten und dabei auf den Lecker gebissen wurde. Selten ist auch Losung oder Mageninhalt auf der Straße festzustellen. Das beobachtete ich dann, wenn die Stücke breit angefahren wurden und durch den enormen Druck auf dem Körper Losung aus dem Enddarm gedrückt oder auch Mageninhalt über den Äser auf die Straße gelangt. Allerdings kann nur selten eine sichere Schlussfolgerung über den Verletzungsgrad geschlossen werden“, so der Schwarzwälder Nachsuchenprofi.

4. Verhalten von Unfallwild

Angefahrenes, krankes Wild zeigt je nach Ausmaß der Kollision ein völlig unberechenbares Verhalten. „Der Aufprall, der auf den Wildkörper wirkt, beeinträchtigt das periphere Nervensystem, und mit diesem Schock liegt es dann im Straßengraben oder in der nächsten Deckung im Wundbett. Sind keine inneren Organe schwer verletzt oder liegt keine Fraktur vor, kann es sich schnell vom Schock erholen und ist sofort fluchtbereit, wenn ein Mensch sich nähert. Die Praxis zeigt, dass angefahrenes Wild, das später erlegt wurde, sogar mit Lungen- oder Leberrissen erst nach Tagen körperliche Probleme bekam“, sagt Hilpisch. „Generell muss man bei Wildunfällen auf alles gefasst sein: Eine hochgemachte Sau kann sofort annehmen“, warnt Frowein.

Niemals darf der Vierläufer an Verkehrswegen geschnallt werden.c


Foto: Michael Migos

Für die Arbeit der Gespanne ist es besonders kontraproduktiv, wenn das kranke Wild direkt nach dem Unfall durch umherlaufende oder suchende Personen, beispielsweise den Unfallfahrer, aufgemüdet wird und daraufhin weit flüchtet. „In solchen Situationen passiert all das, was wir nach dem Schuss auf Wild vermeiden wollen. Denn nach dem Schuss wird das Stück in aller Regel in Ruhe gelassen. Bei Verkehrsunfällen geschieht aber oft genau das Gegenteil. Somit lernt es zwangsläufig recht schnell, mit seiner Verletzung mobil zu sein. Das erschwert die Nachsuche erheblich, “so Dirks. Stücke, die im Rudelverband über die Straße wechseln, versuchen auch manchmal, nach dem Unfall den Anschluss zu halten. „Komischerweise habe ich es vielfach erlebt, dass Wild nach der Kollision mehrmals über die gleiche Straße hin und her gewechselt ist. Ein Rudel, das von einem Hochsitz aus beschossen wurde, meidet den Ort lange und nachhaltig. Bei Straßen sieht das anders aus: Ich habe schon mehrfach Stücke aus einem Rudel nach Wildunfällen nachgesucht, und in den nächsten Nächten gab es wieder Unfälle mit demselben Rudel“, berichtet der Jagdverwalter.

5. Probleme für die Hundenase

Eine weitere Schwierigkeit für Nachsuchen auf Verkehrswegen oder in direkter Umgebung betrifft das wichtigste Sinnesorgan des Vierläufers. Mit bis zu 300 Millionen Riechzellen besitzen Hunde bis zu 60-mal mehr Rezeptoren als der Mensch und sind dementsprechend sensibel. Der Vierläufer ist im Straßenbereich ganz anderen Einflüssen ausgesetzt als mitten im Revier: Es ist laut, oft liegt Müll herum, die Autos fahren mit hoher Geschwindigkeit am Gespann vorbei. „Die Abgase und auch Streugut können Einfluss auf die Nasenleistung des Hundes haben. Wichtig ist daher ein absolut wesensfester und selbstsicherer Hund. Ein unerfahrener, junger Vierläufer kann dort durch die vielen externen Einflüsse schnell an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommen“, warnt Dirks.

6. Sicherheit bei der Fährtenarbeit

Generell muss bei Nachsuchen in Straßennähe beachtet werden, dass das Gespann sich in einem Gefahrenbereich bewegt. Eigensicherung und auch der Schutz weiterer Verkehrsteilnehmer hat oberste Priorität. Es ist unverantwortlich, wenn ein Jäger nachts ohne Lichtquelle auf oder an einer Bundesstraße umherläuft, um Wild nachzusuchen. Auch beim Hund sollte Warnbekleidung selbstverständlich sein. „Ich versuche, die Nachsuche immer mindestens zu zweit und in den meisten Fällen mit der Unterstützung der Polizei durchzuführen. Ein zweiter Mann ohne Waffe begleitet mich, der als Beobachter fungiert oder vorsteht. In solchen Situationen ist ein weiteres Augenpaar oft entscheidend. Die Verkehrsberuhigung erfolgt durch die Polizei. Dies darf nicht durch den Schweißhundführer oder dessen Begleiter erfolgen“, erklärt Dirks. „Fordert man die Beamten zur Unterstützung an, müssen sie kommen, und ich habe noch nie erlebt, dass es hier Probleme gab. Erst wenn der Bereich durch sie gesichert ist, wird gesucht“, so der Jagdverwalter weiter. Berufsjäger Hilpisch rät, abends oder nachts angefahrene Stücke erst am Morgen bei bestem Licht in Ruhe nachzusuchen. Bei Unfällen am Tag sollte zumindest mehrere Stunden abgewartet werden. Es besteht zudem immer die Gefahr, dass durch das Aufmüden des kranken Stücks oder Hochmachen gesunden Wildes in Straßennähe weitere Unfälle entstehen.

Der gekonnte Einsatz der kalten Waffe ist ungefährlicher als ein Schuss aus der Kurzwaffe.


Foto: Michael Stadfeld

„Trifft man mit dem Hund auf das verletzte, dann flüchtende Wild, muss beachtet werden, dass diese Stücke auch den Rückwechsel zurück zur Straße annehmen können. Grundsätzlich ist es schwer einzuschätzen, wie krank das angefahrene Stück ist und welche Energie es bei der Flucht mit einem zur Hetze geschnallten Hund im Nacken noch aufbringt. Ein von mir geschnallter Schweißhund auf einen angefahrenen Überläufer wurde nach fünf Kilometer beim Queren einer Kreisstraße bei der Hetze von einem Auto überfahren“, mahnt Hilpisch.

7. Abfangen oder Fangschuss?

Ein weiterer heikler Punkt ist das Erlösen von krankem Wild auf oder an Straßen. „Bevor man mit einer Schusswaffe an deröffentlichen Straße aktiv wird, ist darauf zu achten, dass kein Außenstehender mit dem Handy Aufnahmen macht. Mit Nachdruck muss man das verbieten. Es könnte für den Jäger fatale Unannehmlichkeiten nach sich ziehen. Genügend Platz verschafft man sich mit der Begründung der Gefährlichkeit des Schusses. Dabei hilft die Polizei“, so Hilpisch. Dirks empfiehlt einen Fangschuss auf liegendes Wild nur abzugeben, wenn es auf gewachsenem Boden liegt und sich keine weitere Person in der Nähe befindet. Ihm zufolge ist ein Abfangen mit der blanken Waffe oft die bessere Lösung. Vorausgesetzt, der Jäger beherrscht es. „Hier können wir gerade in Bezug auf die nicht jagende Bevölkerung viel Kredit gewinnen, oder verspielen“, so Dirks weiter. „Ein guter Kugelfang muss sein. Bei Fangschüsse ist der gekonnte Einsatz von Kurzwaffen, wegen der geringeren Durchschlagskraft der Kugel, oft ratsam. Wenn machbar, sollte man Rehwild aber dafür an den Straßenrand ziehen. Bei schwerem oder wehrhaftem Wild ist der Fangschuss auf Verkehrswegen nur mit viel Umsicht und absoluter Sicherheit machbar“, so Hilpisch. Mayer hingegen rät vom Kurzwaffeneinsatz eher ab: „Wenn ich die Distanz zum Stück für einen Schuss aus der Kurzwaffe schaffe, kann ich viel einfacher die kalte Waffe – mit etwa zwölf bis 15 Zentimetern Klingenlänge – einsetzen“. Eine Hinterlandsgefährdung oder Geschosssplitter treten beim Abfangen erst gar nicht auf.

Bei Schnee unterschätzen viele Autofahrer den verlängerten Bremsweg.


Foto: Heino Petersen

8. Führende Elterntiere

Gerade nach Wildunfällen kann der Nachsuchenführer mit dem Elterntierschutz in Konflikt geraten. Folgende beispielhafte Situation tritt ein: Ein Kalb steht neben seinem schwer kranken, angefahrenen Alttier. Das Kalb flüchtet. Was ist jetzt zu tun?

„Lebt das angefahrene Alttier noch, muss es erlöst werden. Das Kalb wird sich in der nächsten Zeit in der Nähe der Unfallstelle aufhalten. Hier ist der verantwortliche Jäger gefordert. Es kann helfen, dass man an einer günstigen Stelle in der Nähe der Unfallstelle den Aufbruch vom Alttier auslegt. Das verwaiste Kalb sucht das Alttier, und der gezielte Ansitz über mehrere Tage kann mit etwas Jagdverstand und Geduld zum Erfolg führen“, rät Hilpisch. Jagdverwalter Dirks berichtet, dass er mehrere angefahrene Alttiere hat laufen lassen, da die Kälber im August oder September noch nicht abgesäugt waren. „Wir haben bei uns im Revier mindestens vier Alttiere, die alte Unfallverletzungen, beispielsweise an den Läufen, haben und die jedes Jahr wieder mit gesundem Nachwuchs auftauchen. Ist die Verletzung allerdings so schwer, dass das Stück eingehen wird, ist es ohne Wenn und Aber zu erlösen. Danach müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, das zugehörige Kalb zu kriegen. In der Regel flüchten die Jungtiere nicht allzu weit vom Alttier, sodass ein Ansitz in dem Bereich in der Regel Erfolg verspricht“, so Dirks.

Ralf Dirks, Gräflicher Jagdverwalter auf Gut Lütetsburg, sucht mit einem Bayerischen Gebirgsschweißhund und einer Brandlbracke nach.

Fotos: Privat

Wildmeister Helmut Hilpisch führt einen Hannoverschen Schweißhund (HS) vom Verein Hirschmann im 6. Behang.

Stefan Mayer, Schweißhundestation Südschwarzwald, führt einen HS und eine Steirische Rauhhaarbracke.

Dr. Michael Frowein vom Verein Hirschmann führt einen sechsjährigen HS.

WuH-Exklusiv 52: Spurensuche am Anschuss

Im WILD UND HUND-Exklusivheft 52 „Spurensuche am Anschuss“ erklären unsere WuH-Autoren, wie Sie Pirschzeichen finden und richtig deuten. Den Trailer zur beiliegenden DVD können Sie sich unter anschauen.