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Einschneidender Eingriff


Gehirn & Geist - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 02.11.2019

LOBOTOMIE Mitte des 20. Jahrhunderts unterzogen Ärzte tausende Menschen – oft ohne deren Zustimmung – einer kruden Hirnoperation, die psychische Leiden dämpfen sollte. Ein Irrweg, der zahlreiche Opfer forderte.


Howard Dully weiß nicht, was ihn an diesem Tag im Dezember 1960 erwartet. Sein Arzt, Walter Freeman, hatte ihm gesagt, er müsse einige Tests an ihm durchführen. Der Neurologe begleitet den damals zwölfjährigen Jungen in einen Behandlungsraum des Doctor’s General Hospital im kalifornischen San Jose. Dort wird Howard am Bett fixiert und anschließend mit mehreren Elektroschocks narkotisiert. Mit ...

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Bildquelle: Gehirn & Geist, Ausgabe 12/2019

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... nagelartigen Instrumenten, die Eispickeln ähneln, sticht Freeman nacheinander unter die Falten von Howards rechtem und linkem oberem Augenlid und schiebt die Werkzeuge langsam Richtung Gehirn. Als die Spitze auf den Widerstand des Schädelknochens trifft, stößt er sie mit leichten Hammerschlägen in das Stirnhirn, insgesamt rund sieben Zentimeter tief. Durch kreisende Bewegungen in bestimmten Winkeln durchtrennt er dann beidseitig Nervenstränge, die in den präfrontalen Kortex führen. Der gesamte Eingriff dauert nur etwa zehn Minuten. Selbst nachdem Howard wieder zu sich gekommen ist, weiß er noch nicht, was ihm gerade widerfahren ist; erst später wird er erfahren, dass Freeman an ihm eine so genannte transorbitale Lobotomie durchgeführt hat.

UNSE RAUTOR

Christian Wolf ist promovierter Philosoph und Wissenschaftsjournalist in Berlin.

Lobotomien kennen viele Menschen heute vor allem aus Erzählungen und populären Darstellungen wie dem Film »Einer flog über das Kuckucksnest« von 1975, in dem der von Jack Nicholson gespielte Kleinkriminelle McMurphy wegen seines rebellischen Verhaltens in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und schließlich gegen seinen Willen einer Hirnoperation unterzogen wird. Seine Persönlichkeit scheint daraufhin wie ausgelöscht, und er wirkt wie ein willenloser Automat. Lobotomien gelten mittlerweile als brutaler Eingriff, der Menschen zu gefühlslosen Zombies macht.

Das war einst ganz anders. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Verfahren weithin als neurochirurgischer Durchbruch gefeiert, dessen Entwickler António Egas Moniz sogar 1949 »für die Entdeckung des therapeutischen Wertes der präfrontalen Leukotomie bei gewissen Psychosen« mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde. Der portugiesische Neurologe war überzeugt gewesen, dass Geisteskrankheiten auf »zwanghaften Ideen« beruhen, die von übermäßig »stabilisierten« Nervenbahnen und Synapsen ausgehen. Da Egas Moniz annahm, dass der Stirnlappen für die Psyche von besonderer Bedeutung sei, visierte er in seinen Behandlungen diesen Bereich des Gehirns an. Die ersten Leukotomien, wie er die Eingriffe nannte, führte ein Neurochirurg unter seiner Anleitung Ende 1935 durch. Schon damals war der Ansatz vor allem unter seinen europäischen Kollegen umstritten.

Der Neurologe Walter Freeman führt an einem jungen Patienten die von ihm entwickelte »Eispickel-Methode« der Lobotomie durch – ambulant und ohne Unterstützung eines Chirurgen.


Auf der anderen Seite des Atlantiks, in den Vereinigten Staaten, griffen Walter Freeman und der Neurochirurg James W. Watts Egas Moniz’ Methode auf. 1936 behandelten sie damit an der George Washington University die 63-jährige Hausfrau Alice Hood Hammatt, die unter Depressionen und Ängsten litt – die erste Leukotomie in den USA. Watts, der als eher konservativ galt, war sich des Wagnisses ihres Unternehmens bewusst. Der Medizinjournalist Jack El-Hai zitiert Watts in seinem Buch »The Lobotomist«: »Als ich die erste Operation durchführte, wurde mir klar, dass ich ein großes Risiko einging. Ich wusste: Sobald ich eine Geisteskranke operierte und in ein physisch normales Gehirn schnitt, würde ich von manchen Leuten als radikal angesehen werden.« Freeman hingegen bereitete die Aussicht auf ein solches Image weniger Probleme. Sie spornte ihn vielmehr an, schreibt El-Hai. Freeman sei voller Tatendrang gewesen und zudem bereit, neue me- dizinische Wege zu beschreiten. Sein Enthusiasmus litt auch nicht, als schon sein erster Eingriff die Schattenseiten der Methode offenbarte: Sechs Tage nach der Operation begann die Patientin zu stottern und verlor die Fähigkeit, leserlich zu schreiben. Ihre Ängste waren allerdings verschwunden, und sie konnte nach Hause zurückkehren. Freeman verbuchte den Eingriff deshalb als Erfolg. Seine Überzeugung wirkte auf andere ansteckend und sollte zur Verbreitung der Technik beitragen.

Auf einen Blick: Eispickel gegen Psychose

1 Nachdem António Egas Moniz 1935 seine »Leukotomie« vorstellte, gewannen psychochirurgische Eingriffe in den 1940er Jahren an Popularität. Vor allem der amerikanische Neurologe Walter Freeman, der Egas Moniz’ Eingriff vereinfachte, trug dazu bei.

2 Ab 1946 setzte Freeman die von ihm entworfene transorbitale Lobotomie, die »Eispickel- Methode«, ambulant an tausenden Personen ein. Die irreparablen Hirnschäden, die er ihnen zufügte, sind ein trauriges Beispiel für Untaten im Namen der Medizin.

3 Ab den 1950er Jahren nahm die Zahl der Lobotomien stetig ab. Freeman führte seine Behandlung aber noch bis 1967 durch, sogar an minderjährigen Patienten und teils ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung zum Eingriff.

Populäre Psychochirurgie

1937 stellten Freeman und Watts ihre »Präzisionsmethode « der Lobotomie vor, die in den folgenden Jahren zum Standardverfahren avancierte. Die Behandlung beruhte auf der von Egas Moniz vorgestellten Technik, zielte jedoch insbesondere auf die Verbindungen zwischen Vorderhirn und Thalamus ab. Dabei bohrte der Chirurg auf beiden Seiten des Schädels Löcher, in die er ein Messer oder ein so genanntes Leukotom einführte, um einen Teil der weißen Substanz des Stirnhirns mit gezielten Bewegungen zu zerschneiden. Die Methode setzen die Ärzte zunächst bei Depressionen mit starker Unruhe ein, bald aber auch bei Patienten mit Psychosen. 1942 veröffentlichten Freeman und Watts ihr Buch »Psychochirurgie «, das dazu beitrug, die Lobotomie weiter zu popularisieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden rund 200 solche Eingriffe durchgeführt und konnten nun mit Fallreihen und Statistiken auftrumpfen. Ihren Analysen zufolge besserte sich der Zustand von 63 Prozent der Patienten nach der Operation.

In ihrem Buch boten die Ärzte aber auch einen möglichen Erklärungsansatz dafür, wie die Lobotomie wirken könnte. Das Stirnhirn galt als Kontrollinstanz, als Zentrum des Denkens und Handelns; den Thalamus sah man dagegen als Zentrum für die emotionale Di- mension. Freeman und Watts gingen nun davon aus, dass bestimmte Verbindungen zwischen Frontallappen und Thalamus die Stärke von Emotionen regulieren. Bei Psychosen etwa führe eine übermäßige Betonung der Gefühle wie Ängsten zu emotional aufgeladenen zwanghaften Ideen – obsessiven Vorstellungen, die sich den Betroffenen aufdrängten und sie nicht mehr losließen. Kappe man aber einen Teil der Verbindungen zwischen Thalamus und Stirnhirn, werde der Gefühlsaspekt einer Psychose beseitigt. Im Vorwort ihres Buchs gebrauchten die beiden eine Metapher, die bald rege Verbreitung finden sollte: Der Störung werde durch eine Lobotomie ihr Stachel genommen. Auch bei anderen psychischen Störungen wie Depressionen sollte die Durchtrennung der Verbindungen zwischen Thalamus und Stirnhirn die starken Emotionen lindern.

Um eine frontale Lobotomie nach der Freeman- Watts-Methode durchzuführen, bedurfte es weiterhin eines Chirurgen und eines Operationsraums, in dem der Arzt Löcher in den Schädel des Patienten bohren konnte. Inspiriert von der Arbeit des italienischen Psychiaters Amarro Fiamberti entwickelte Freeman 1946 ein neues, weniger aufwändiges Verfahren: die transorbitale Lobotomie, die »Eispickel-Methode«, die er Jahre später auch am jungen Howard Dully anwenden sollte. Die Technik stellte eine starke Vereinfachung der Präzisionsmethode dar – Neurologen oder Psychiater konnten damit fast überall und ohne Hilfe eines Chirurgen eine Lobotomie durchführen.

In den 1940er Jahren tritt die Psychochirurgie in ihren verschiedenen Varianten in den USA und in Europa einen regelrechten Siegeszug an. Laut der Wissenschaftshistorikerin Marietta Meier von der Universität Zürich gibt es dafür verschiedene Erklärungen. In ihrem Buch »Spannungsherde. Psychochirurgie nach dem Zweiten Weltkrieg« hat sie sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Ein Faktor sei sicherlich, dass die Methode neu war. »Die Lobotomie galt damals als State of the Art, und man hat sich von ihr viel versprochen «, erklärt Meier im Interview. Bei den meisten neuen Therapien könne man Ähnliches beobachten – anfangs setzen Menschen große Hoffnung in die Verfahren.


In den 1940er Jahren tritt die Psychochirurgie in den USA und in Europa einen regelrechten Siegeszug an


Doch warum wurde ein derart invasiver Eingriff, der zudem oft mit schweren Nebenwirkungen einherging, so beliebt? Nicht wenige Lobotomien endeten tödlich, und selbst nach vermeintlich erfolgreichen Operationen entwickelten Patienten oft neurologische Probleme wie epileptische Anfälle oder Hirnblutungen. Zudem veränderte die Methode die Persönlichkeit der Menschen oft massiv und langfristig. Viele Behandelte waren nach dem Eingriff apathisch und teilnahmslos. Einige taten sich nach der Operation schwer, klare Gedanken zu fassen, oder ihr Erinnerungsvermögen wurde immer schlechter.

Das Streben nach »sozialer Heilung«

Marietta Meier sieht den zentralen Grund, warum der Eingriff trotzdem einen Boom erlebte, in der generellen Einstellung der Nachkriegsgesellschaft. Damals habe die Vorstellung vorgeherrscht, dass ein Individuum dem Ganzen zu dienen hat. »Und deswegen hatte man vergleichsweise wenig Bedenken, die Individualität, die Persönlichkeit eines Menschen zu ›opfern‹, um nach der Operation, so die Hoffnung, wieder eine soziale Eingliederung zu ermöglichen.« Letztlich sollte die Operation den Gefühlshaushalt bei den Patienten herunterregulieren und deren »asoziales« Verhalten auslöschen. Von »sozialer Heilung« sprachen Psychiater, wenn die Betroffenen zwar noch Symptome zeigten, sie aber arbeiten und in ihr früheres Leben zurückkehren konnten. Frauen wurden viel häufiger operiert als Männer. »Meiner These nach hat man Frauen anders wahrgenommen und beurteilt«, sagt Meier. »Erregung, Lärm und Gewalt hat man bei Männern in einem viel höheren Grad akzeptiert als bei Frauen.« Im Grunde habe man eine ganze Weile lang vermeintlich positive Effekte einer Lobotomie eindeutig über die Nebenwirkungen gestellt. Verschiedene Statistiken zeichneten bald ein sehr uneinheitliches Bild vom Erfolg der Behandlung, und trotz zahlreicher Studien blieb unklar, was die Lobotomie genau bewirkte.

Gegen Ende der 1940er Jahre mehrten sich die kritischen Stimmen. In Fachkreisen entbrannten Debatten darüber, ob die Nebenwirkungen nicht ein zu hoher Preis für die Effekte seien. Insbesondere Freemans Eispickel- Methode war heftig umstritten – das Verfahren hatte schon James Watts dazu bewogen, mit Walter Freeman zu brechen. Wegen der Einfachheit käme es zu einem wahllosen Einsatz, behaupteten Kritiker. Manche beklagten auch, der Einsatz von Lobotomien erfolge in den USA und in England nach weit weniger strengen Kriterien als in Kontinentaleuropa, wo man damit nur schwerste Fälle behandle.

Bei der transorbitalen Lobotomie nach Walter Freeman stößt der Arzt ein langes, spitzes Instrument, genannt Leukotom, von der Augenhöhle durch den Schädelknochen hindurch ins Gehirn des Patienten.


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Andere verteidigten die Technik, wie der deutsche Psychiater Anton von Braunmühl, den Marietta Meier in ihrem Buch zitiert: »Man vergisst, dass hierzulande wenigstens die für die Leukotomie infrage kommenden Patienten, durch Jahr und Tag geängstigt und von Wahnideen eingenommen, ein schreckliches Dasein führen.« Gerade psychisch schwer kranken Menschen wie solchen mit chronischer Schizophrenie sprachen Befürworter der Methode ohnehin eine Persönlichkeit, die man noch zerstören könne, teilweise oder ganz ab.

Pharmakologische und gesellschaftliche Wende

Im Lauf der 1950er Jahre nahm die Zahl der Operationen langsam ab. Meist erklärt man den Rückgang mit der psychopharmakologischen Wende. 1953 kam nämlich das erste Neuroleptikum zur Behandlung von Psychosen auf den Markt, in den Jahren darauf folgten weitere Wirkstoffe mit zusätzlichen Anwendungsbereichen. »Das ist zwar ein Faktor, es kann aber nicht die ganze Erklärung sein«, meint dagegen Marietta Meier. Denn der Rückgang der Lobotomie habe schon früher eingesetzt. »Umgekehrt wurden auch nach der Einführung der Neuroleptika noch Lobotomien durchgeführt.« Mit Dokumenten aus jener Zeit konnte sie nachverfolgen, wie man den Nebenwirkungen der Therapien zunehmend Beachtung schenkte. Außerdem begann man während der 1950er Jahre, Persönlichkeit und Individualität mehr Gewicht zuzumessen. Die durch die Operation verursachte Apathie rückte dadurch ebenfalls stärker in den Vordergrund. »Gewisse Patienten zogen sich nicht mehr selbst an, gingen nicht mehr von allein zur Toilette, was auch keine Erleichterung für die Pflege brachte. Man merkte mit der Zeit, dass die Operation zwar – im besten Fall – kurzfristig eine Besserung brachte, die Patienten etwa weniger aggressiv waren«, sagt Marietta Meier. »Man musste jedoch auch feststellen, dass solche Besserungen über kurz oder lang wieder verschwanden.«

Zeitgleich sank schließlich der Stern von Walter Freeman, dem größten Verfechter der Methode. Nach rund 2500 Behandlungen führte er 1967 an der Hausfrau Helen Mortensen seine letzte transorbitale Lobotomie durch. Sie starb drei Tage nach der Operation an einer Hirnblutung. Freemans Karriere war vorbei. Der einst gefeierte Neurologe verbrachte seine letzten Jahre damit, durch die Vereinigten Staaten zu reisen und ehemalige Patienten zu besuchen. Verzweifelt wollte er beweisen, dass seine Eingriffe unzählige Leben verbessert hätten.

Der mittlerweile 70-jährige Howard Dully, den Freeman 1960 lobotomiert hatte, weiß bis heute nicht, was die OP genau mit ihm gemacht hat. In seinem 2007 veröffentlichten Buch »My Lobotomy: A Memoir« blickt er auf sein Leben zurück. »Der Eingriff schädigte mich in vielerlei Weise, aber er ›reparierte‹ mich nicht«, schreibt er. Sein Leben sei nie gut verlaufen, er hatte fast immer Schwierigkeiten, sei es im Beruf oder in Beziehungen. Dully verbrachte viele Jahre in Nervenheilanstalten und im Gefängnis. Er fühlte sich anders als seine Mitmenschen, und immer wieder fragte er sich, ob es an der Lobotomie lag. Man merkt Dully auf den ersten Blick nicht an, dass er als Junge lobotomiert wurde, in Interviews und Videos wirkt er eloquent und reflektiert. »Ich hatte aber immer das Gefühl, dass etwas von mir genommen wurde. Dass ein Teil fehlen würde.«

QUELLEN

Caruso, J. P., Sheehan, J. P.: Psychosurgery, ethics, and media: A history of Walter Freeman and the lobotomy.Neurosurgical Focus 43, 2017

Dully, H., Fleming, C.: My Lobotomy. A Memoir.Crown, 2007

El-Hai, J.: The Lobotomist. A Maverick Medical Genius and His Tragic Quest to Rid the World of Mental Illness.Wiley, 2005

Freeman, W., Watts, J.W.: Psychochirurgie. Intelligenz, Gefühlsleben und soziales Verhalten nach präfrontaler Lobotomie bei Geistesstörungen.Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft M. B. H., 1949

Meier, M.: Spannungsherde. Psychochirurgie nach dem Zweiten Weltkrieg.Wallstein, 2015

Dieser Artikel im Internet: www.spektrum.de/artikel/1678250


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