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EINSPRITZER TRIFFT ELEKTRIKER


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 19/2022 vom 12.05.2022
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Alte Welt trifft neue Welt: Der VW Golf GTI steht für Verbrenner- Freude, der BMW i4 für elektrischen Fahrspaß vom Feinsten

ES PASSIERT EINIGES beim Auf-und Ausbau der Elektromobilität hierzulande. Abzulesen zum einen an den mas-Esiv gestiegenen Zulassungen der Teil-und Vollzeitelektriker. Allein in den letzten fünf Jahren hat sich deren Anteil in Deutschland mehr als verdreizehnfacht, während die reinen Verbrenner im gleichen Zeitraum fast 40 Prozentpunkte ihres Marktanteils einbüßten (siehe Grafiken rechts unten).

! E-Autos legen gerade ein rasantes Wachstum hin – die Verbrenner verlieren, bleiben aber wichtig

Das zweite klare Indiz dafür, dass wir künftig immer stärker unter Strom stehen werden, zeigt sich in den zahlreichen zusätzlichen Ladestationen allerorten. Laut Statista gab es im April 2017 entlang deutscher Straßen 7234 Stromtankstellen, 690 davon schnellladefähig (Gleichstrom bis 300 kW).

Fünf Jahre später finden Elektromobilisten hierzulande schon insgesamt 58 926 öffentliche Adressen zum Stromfassen. ...

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... Wechselstrom bis 22 kW fließt dabei in 50 203 Fällen, 8723 Ladepunkte sind Gleichstrom-Schnelllader. Bedeutet also eine Verachtfachung der Stromtankstellen innerhalb der letzten fünf Jahre, die fürs Reisen wichtigen Schnelllader haben sogar um fast 1200 Prozent zugelegt. Diesen Wandel belegen auch unsere zehn wichtigsten Stromer.

Fakt ist aber auch: Das Gros der Autos auf unseren Straßen fährt immer noch mit Benzin und Diesel. Deshalb stellen wir allen Elektroautos auch die für uns wichtigsten Verbrenner gegenüber.

DIE COOLEN

Toyota GR Yaris

GRELLES DESIGN TRIFFT GROSSEN SPASS

GIERIG-GARSTIGER AUFTRITT, heftig-biestiger Motor, knackig-trittfestes Fahrwerk, wenig Gewicht – in ein einziges Adjektiv gepresst hieße das: furios. In einen Namen geschnürt: GR Yaris. Kaum zu glauben: So etwas Schnelles und auf positive Weise Ungestümes kommt von Toyota. Tatsächlich haben sich die Japaner mit der Auflage des schärfsten aller Kleinwagen eine echte Ikone ins Schaufenster gestellt. Diesen prallen Mix aus 261 PS starkem Downsizing-Dreizylinder (!), lustvoller Sechsgangschaltung und variablem Allradantrieb lieben die Fans – trotz der speziell transformierten Yaris-Karosserie. Ihn himmeln zudem die Youngster an, ihm verfallen Kenner. Stecken schließlich Rallye-Gene drin. Zu viele Fans waren sogar bereit, ab 34 000 Euro dafür zu bezahlen – das Auto ist nämlich ausverkauft. Kein Wunder, spätestens eine Probefahrt mit der Knallerbse überzeugt endgültig. Das Auto lässt sich durch Kurven feudeln wie kein anderer Kleiner, der 1.6er bellt und beißt sich heiser durchs Drehzahlband, die erstaunlich griffigen Bremsen stauchen den Mini-Boliden herrlich zuverlässig zusammen. Machen wir es kurz: Saftiger geht es in dieser Liga nicht – nicht einmal mit 10 000 Volt.

„Im Honda ist die Devise: Weniger ist mehr. Der Yaris setzt auf das Motto: Mit vollen Hosen ist gut stinken. Beides top!“

Jan Horn, Redakteur

Honda e

LÄSSIG STROMERN MIT GANZ EIGENEM STIL

KLAR, ES GIBT STÄRKERE E-Autos. Auch Typen mit dickerem Akku im Bauch. Prunk und Prestige überlässt der kleine Honda zudem Tesla und Konsorten. Aber: Der 3,90 Meter kurze Stromer macht es so schlau wie kaum ein anderer. Statt sich an mehreren Hundert Kilogramm schweren Batteriezellen schwach zu schleppen, trägt der Honda ein unheimlich bescheidenes Akkublöckchen unter sich her. Das ist dann nicht so teuer, nimmt kaum Platz im Innenraum weg; außerdem ist das 35-kWh-Strombündel recht schnell wieder aufgeladen. Der resultierende Aktionsradius des Honda e mit 136 PS Leistung (es gibt auch noch eine 154 PS starke Version) ist mit 222 Kilometern nach WLTP zwar vergleichsweise bescheiden – doch absolut auf den gewollten Einsatzzweck des kleinen Elektrikers geeicht: Extrem wendig und mit variabler Rekuperationsmöglichkeit bestückt geht’s durch die Stadt, kostensparend über die Pendlerdistanz, dank Spitzen-Sperre (145 km/h) schafft er aber auch die typischen Autobahnetappen zwischen den gängigen Schnellladestationen ohne zu viel Angstschweiß auf der Kupferseele.

DIE GÜNSTIGEN

Dacia Duster TCe 130 2WD

DIESES SUV IST FÜR VIELE EIN ECHTER SUPERHELD

SIEHT NACH MEHR AUS – spätestens seit dem Facelift voriges Jahr macht der Duster richtig was her, bleibt aber natürlich das günstigste aller SUV hierzulande. Der empfehlenswerte TCe 130 – handgeschaltet und frontgetrieben – erweist sich als hervorragender Begleiter für Alltag und Abenteuer. Weshalb der 1,3-Liter-Vierzylinder zuweilen Gastspiele in Mercedes-Modellen gibt. Im robusten Rumänen zeigt er sich von der gemütlichen Seite, ohne wirklich lahm zu sein. Auf jeden Fall geht er als genügsam durch. Der 20 PS stärkere TCe 150 muss das allerdings nicht sein, der kommt als Fronttriebler nämlich nur mit Doppelkupplung oder als Handschalter immer mit Allrad. Das Fahrwerk beweist eine sanfte Seite, präsentiert sich französisch weichgespült und belästigt nicht mit detaillierten Straßenzustandsberichten – sehr angenehm. Sportlichkeit steht beim Duster ganz hinten im Lastenheft, und das ist auch gut so. Besitzer einer Nordschleifen-Dauerkarte fahren in der Regel andere Autos. Dynamischere, aber auch deutlich teurere. Unser Duster steht schon für 17 850 Euro in der Preisliste. Also, das ganze Auto, nicht nur Teile …

Renault Zoe EV50 110hp

„Zoe und Duster machen Mobilität für viele greifbar, sind so gesehen die wahren Volkswagen.“

Gerald Czajka, Redakteur

FRANZÖSISCHER MINI FÜR METROPOLEN

KLEINES AUTO, GROSSER ERFOLG – der bereits seit einem Jahrzehnt auf der Elektrobühne auftretende Zoe gehört immer noch zu den meistverkauften Stromern. In Europa musste der französische Mini voriges Jahr nur das Tesla Model 3 vorbeilassen. Das hat natürlich Gründe. Nur wenig länger als vier Meter, setzt sich der Zwerg vor allem im urbanen Umfeld bestens in Szene. Wenn dann noch der „kleine“ 108-PS-Motor mit dem großen 52-kWh-Akku gemixt wird, steht einer prickelnden Beziehung nichts mehr im Wege. Sie kostet 33 140 Euro, von denen aber noch 9570 Euro Umweltbonus abgehen. Der aktive Notbremsassistent gehört jetzt serienmäßig dazu – dem Euro-NCAP-Debakel sei Dank. Ansatzlos, ruckfrei und ausreichend flott setzt sich der Zoe in Bewegung, schnürt dank tiefem Schwerpunkt sehr erwachsen über die Piste und lässt maximal ein sanftmütiges Surren vernehmen. So leichtfüßig und leise durch den Stadtverkehr zu wuseln bringt richtig Spaß. Das Beste dabei: Du musst kaum bremsen. Beim Lupfen des Fahrpedals wird der E-Motor zum Generator, lädt den Akku und verzögert den Zoe nachhaltig.

DIE VERNÜNF TIGEN

Opel Astra 1.5 Diesel Aut.

AUF DAUER GLÜCKLICH IM KOMPAKTEN DIESEL

DIE HÜRDEN DER ERSTEN BEGEGNUNG sind beim neuen Astra fast im Handumdrehen überwunden. Vieles ist neu, Cockpit und Bediensystem sind schließlich eine Eigenentwicklung und mit den Systemen von Peugeot, Citroën und DS nicht vergleichbar. Dennoch gibt die Bedienung keine Rätsel auf. Und genau deshalb fühlt man sich in diesem Opel schnell wohl. Neben der simplen Menüführung passen auch Qualität und die vielen haptischen Knöpfe. Der Startknopf, der lange gedrückt werden will, bis der Selbstzünder zu kurbeln beginnt, sowie die Bedienknöpfe der Automatik sind dagegen unverkennbar von Peugeot. Wer aus einem Stromer umsteigt und den Diesel zum Leben erweckt, mag von der rauen Geräuschkulisse kurz eingeschüchtert werden. Doch dann fällt der Blick auf die Reichweitenanzeige: Der 130-PS-Diesel kommt vollgetankt über 1000 Kilometer weit. Mit diesem Wissen klingt der Selbstzünder gleich viel geschmeidiger. Zudem unterstützen die gemütlichen AGR-Sitze alle Fernreisepläne. Dazu federt der Astra bekömmlich und schluckt mit über 400 Litern eine Tasche mehr als ein Golf – mehr als vernünftig.

„Vernünftig, weil effizient, günstig und dazu bodenständig. Trotzdem vernachlässigen Astra und Born den Fahrspaß nicht.“

Stefan Novitski, Redakteur

Cupra Born 170 kW 58 kWh

SO AUFREGEND KANN EIN ALLTAGSHELD SEIN

DASS VERNUNFT NICHT IMMER langweilig aussehen muss, beweist Cupra mit dem elektrischen Born. Zweifelsohne haben die Spanier einiges gemacht aus dem, was der VW-Konzern ihnen gab – einen hinreißend aussehenden kompakten Stromer mit viel Platz und knackigem Fahrwerk, bei dem der Komfort nicht auf dem Altar der Sportlichkeit geopfert werden musste. Nein, auch dieser Cupra ist kein knüppelharter Kurvenkratzer, beherrscht ebenso die kommode Gangart. Für angenehme Aufregung sorgt hingegen die interessante Materialauswahl des Innenraums inklusive geschmacklich überzeugender Farbgestaltung. Werden die 231 PS von der Leine gelassen, geht der Hecktriebler leise, aber ansatzlos und sehr nachdrücklich nach vorn. Und der Magen wundert sich, wie leicht sich über 1,8 Tonnen Leermasse anfühlen können. Nicht ganz so leicht gelingt dagegen die Bedienung des großen Touchdisplays. Zu sensible Slider und die verschachtelte Menüführung sind schuld daran. Viel angenehmer: Selbst durch enge Innenstädte gleitet der Cupra Born gelassen dank seines kompakten Wendekreises von nur 10,4 Metern.

DIE BEEINDRUCKENDEN

Mercedes C 300 d

PERFEKTE MISCHUNG AUS KRAFT UND KOMFORT

DIE SORGE WAR GROSS, aber völlig unbegründet. Wo die Premiumkollegen meist schon sechs Zylinder auffahren, setzt Mercedes auf einen Vierzylinder. Und das ist auch gut so. Denn der C 300 d lässt mit seinen 265 PS in keiner Phase einen Leistungsmangel erkennen. Ganz im Gegenteil. Das Ding schiebt und büffelt durch das Drehzahlband, dass es nur so eine Freude ist. Vor allem wenn es an die Futterstelle geht. Eine Fünf vor dem Komma gehört zu den leichtesten Aufgaben, ohne Schleichfahrt oder Schummelei. Der integrierte Startergenerator sorgt für butterweiche Startvorgänge, und wer will (und kann), kommt mit dem 300 d über 1200 Kilometer weit – nonstop. Downsizing kann also wirklich funktionieren. Eine zweite Sorge galt dem Fahrwerk, das inzwischen auf die lässigen Luftkammern verzichten muss und auf stabilen Stahl setzt. Doch Entwarnung auch hier. Die watteweichen Federn nehmen sowohl kleinen als auch großen Blessuren unserer Straßen jeden Schrecken, stehen einer Luftfeder kaum nach. Und nur wenn es ganz wild kommt, wankt der Benz für unseren Geschmack etwas heftig. Sorgenfalten macht das aber nicht wirklich.

„Sowohl C 300 d als auch Model 3 faszinieren – jeder auf seine eigene Art und Weise, beide aber sehr nachdrücklich.“

Gerald Czajka, Redakteur

Tesla Model 3 (Basis)

HIER BEGLEITET UNS DER REIZ DER REICHWEITE

EINE BASIS, DIE BEGEISTERT – Tesla stattet schon das günstigste Model 3 mit 325 PS aus, die fröhlich an den Hinterrädern reißen und den inzwischen durchaus vertraut wirkenden US-Stromer sehr souverän durch den Verkehr summen lassen. Das liegt natürlich auch am vergleichsweise geringen Gewicht. Und bringt neben angenehmer Agilität günstige Verbräuche sowie hohe Reichweiten. Okay, wenn die Mittelklasse im Eiltempo über die Autobahn gescheucht wird, reicht der 60-kWh-Akku natürlich nicht mehr für die versprochenen knapp 500 Kilometer – aber wer nagelt das Fahrpedal schon konsequent auf den Boden? Und wenn es doch mal mit Ihnen durchgeht, saugt selbst das Basismodell mit bis 250 kW Strom aus der Ladesäule. An aktuellen Tesla-Superchargern warten Sie im Idealfall also kaum länger als zehn Minuten. Ob Sie die Bedienung des Model 3 so schnell erlernen, lassen wir mal offen. Digital Natives kommen mit dem radikal reduzierten Cockpit (großes Zentraldisplay, zwei Scroll-Bälle im und zwei Hebel am Lenkrad, das war’s) vermutlich sofort zurecht. Ich (57) hab etwas länger gebraucht …

DIE SPORTLICHEN

Porsche 911 GT3

HIER STECKT DIE MAGIE VOR ALLEM IM MOTOR

ES IST DAS EINZIGE Auto in diesem Artikel, das kein Auto ist. Denn ein 911 GT3, der Elfer mit Präzisionsschliff, ist nämlich eher so etwas wie ein fahrendes Sinneserlebnis, ein Kitzel auf Rädern, eine Überdosis Glücksgefühl, eine kaum begreifbare Begegnung. Nix schnöde A-nach-B-Kalesche. Fahr-Spaß-Fühl-Maschine! Dafür sorgen, klar, dieser physikalisch kaum erklärbare Klebegrip seines Fahrwerks, sein geniales Kurven-und Einlenkkönnen und natürlich die hautenge Anschmiegsamkeit eines jeden Elfers. Noch viel wichtiger aber: Im Motor wohnt die Kunst. Der Boxer darf frei atmen, kein Turbo hemmt den Drehwillen, keine Aufladung stört den Klang und die Kantigkeit im Lastwechsel. Direkt, drehfreudig, elastisch, homogen, in der Spitze stark und zum Niederknien vulgär meckernd im Begrenzer – so wie es halt kein Turbomotor kann.

Absolute Besonderheit: Das für diesen Test ausgesuchte Modell begeistert mit einer Handschaltung. Sechs Gänge, jeder einzelne lässt sich bis zum Äußersten in Richtung roter Bereich „auswringen“ – da vermischen sich Oldschool-Fahrgefühl und moderne Temporegionen zu einer einzigartigen Berauschung.

„Alte Welt trifft auf neue Welt – mit über 500 PS. In diesem Duell prallen die Extreme mit voller Wucht aufeinander.“

Jan Horn, Redakteur

BMW i4 M50

ECHT GEWALTIG UND DOCH SO GELASSEN

SO LEISE KANN TEMPO sein. Ein Tritt auf das „Gaspedal“ des i4 – und der Horizont zoomt näher. Mächtig, nachdrücklich, gleichzeitig gruselig unspektakulär. In unter vier Sekunden frisst der Elektro-Gleiter den Spurt von 0 auf 100 km/h in sich rein, mit stoischem Nachdruck erreicht er dann 225 km/h Endgeschwindigkeit. Selten muss man sich so zwingen, immer wieder auf den Tacho zu schauen. Dabei ist diese abartige Spurtkraft des immerhin 2,3 Tonnen schweren Viertürers nur ein Randaspekt seiner Faszination. Es ist schlicht beeindruckend, wie sanft er gleiten kann, wie fein er durch Innenstädte schweben mag, wie samtig er eine kurvige Landstraße inhaliert. Fährst du i4, fühlst du dich als aktiver Fahrer und Umweltengel gleichzeitig – das ist ein seltenes Erlebnis. Auch technisch ragt der i4 M50 heraus: zwei Motoren, insgesamt 544 PS Leistung, bis zu 500 Kilometer Reichweite, saubere Balance, tiefer Schwerpunkt. Auf Knopfdruck sogar künstlich generierte, aber beeindruckend lebendige Klanguntermalung der E-Maschinen – macht das modernste M-Fahrerlebnis. Applaus – aber laut, bitte!

DIE KLASSIKER

Land Rover Defender 90 D300

VOM GELÄNDE-GRINCH ZUM GENTLEMAN

WER IM ALTEN DEFENDER Komfort empfand, muss aus anspruchslosen Verhältnissen gekommen sein. Das Ungeschliffene gehörte zum Charme der Legende. Der Neue fasziniert dagegen mit edler Attitüde. Kaum zu glauben: Des Fahrers Füße finden genug Platz, die Sitzposition ist exzellent, und die Lauscher erfreuen sich am Sound des bärig anschiebenden Reihensechser-Diesels mit satten 300 PS. 200 km/h erreicht der kurze Riese damit problemlos, und dank hoher Spurtreue und effektiver Bremsen reist es sich entspannt. Sonst ist es still geworden, die lärmige Mischung aus Rumpel-Diesel, aufdringlichem Fahrtwind (so ab 40 km/h) und jaulenden Differenzialen ist verstummt. Überraschend gut ist zudem die Bedienung, das frei konfigurierbare digitale Kombiinstrument gehört zu den besten. Obendrein bietet schon der kurze 90er Hinterbänklern überraschend viel Platz. Knirpse springen beim Ausstieg aber besser in Papis Arme, 91 cm Sitzhöhe sind nicht ganz alte Schule (97 cm), aber immer noch gewaltig. Killt der ganze Luxus den Charme? Schon, aber: Der Kunststoffboden des Innenraums lässt sich wie früher auskärchern. Mit den richtigen Reifen sind richtige Abenteuer weiter möglich.

„Zwei Legenden erfinden sich neu: Defender mit Quantensprung beim Komfort, der EQS ein Elektro-Erbe der famosen S-Klasse.“

Stefan Novitski, Redakteur

Mercedes EQS 450+

VOLL UNTER STROM, ABER TOTAL STRESSFREI

DIE PFORTE ZUM ROLLENDEN TEMPEL der Entspannung öffnet sich über einen simplen Bügelgriff. Der versenkbare Plastikhebel ist dann aber das Letzte, was Unbehagen bereitet, danach folgt ein automobiles Verwöhnprogramm der besonderen Art. Schon die dicken Ledersessel mit Flausche-Kissen im Nacken bringen die Seele in Balance. Die Augen verköstigt das kunstvoll illuminierte und hochmoderne Cockpit. Platz gibt es in alle Richtungen. Kein Wunder, dieses Schiff misst über 5,21 Meter. Deshalb Stress bei der Ausfahrt aus der engen Tiefgarage? Mitnichten, die Hinterräder lenken beim Rangieren zuvorkommend mit. Die optionale Allradlenkung macht sich auch bei hohem Tempo bemerkbar, wenn die Limousine auf der Autobahn weichengleich die Spur wechselt. Seidig, elegant und souverän schwebt man durch die Welt, bis man aus dem Kokon verbannt wird, weil der 108-kWh-Akku Nachschub fordert. Bis es so weit ist, kann es aber dauern: Bei Richtgeschwindigkeit sind fast 500 Kilometer drin! Die hervorragende Aerodynamik (cw 0,22) kompensiert das hohe Gewicht. Haben wir ganz entspannt getestet und dabei nicht schlecht gestaunt.

DIE LANGLÄUFER

BMW 520d Touring

MIT KLEINEM DIESEL AUF GROSSER DIENSTREISE

UNGLAUBLICH, ABER WAHR – selbst bei Tempo 160 fliegt die Landschaft auf der Autobahn so flüsterleise an den einfach verglasten Scheiben des 520d vorbei, als würdest du stehen. Das wirkt fast surreal. Umso mehr, da vorn unter der Haube des großen Kombis ein Selbstzünder werkelt. Ein Vierzylinder mit eher vernünftigen als besonders vergnüglichen 190 PS, die sich schon ein bisschen strecken müssen, um den BMW angemessen voranzutreiben. Schaffen sie aber ganz gut. Vor allem lassen sie dich ihre Anstrengung nicht spüren. Woran auch die sensationelle Achtstufenautomatik samt feiner Segelfunktion ihren Anteil hat. Beim Tanken bleibt der Pilot gelassen, viel mehr als sechs Liter müssen es nicht sein, Reichweiten um 1000 Kilometer dürfen es schon sein. Ja, auf echte BMW-Fans wirkt der Zweiliter womöglich etwas reizarm, doch er reicht. Und wem nicht, der träumt vom 530d mit Reihensechser und 286 PS. Das Fahrwerk darf schon beim Basisdiesel als brillant gelten – gelassener geht es kaum. Nach jedem Geschwindigkeitspoller möchte man applaudieren. Und dank Allradlenkung fährt sich der 4,96 Meter lange Bayer meist außerordentlich entspannt.

„Es nötigt tatsächlich großen Respekt ab, wie lässig und souverän sowohl 5er als auch e-tron die Kilometer abspulen.“

Gerald Czajka, Redakteur

Audi e-tron 55 quattro

Audi e-tron 55 quattro

DER VORREITER SPIELT IMMER NOCH VORNE MIT

EIN GUTER START – Audis erster Vollzeitelektriker hieß schlicht e-tron (Weltpremiere 2018). Und das irgendwo zwischen Q5 und Q7 angesiedelte Elektro-SUV weiß auch heute noch zu überzeugen. Das schlaue Konzept mit je einer Elektromaschine an Vorder-und Hinterachse sowie dazwischen im Wagenboden gelagerten Akkus erlaubt nicht nur Allrad ohne mechanische Verbindung, sondern bringt auch einen tiefen Schwerpunkt. Der ist wiederum gut fürs Platzangebot und fürs Handling. Das 95 kWh große Batteriepaket wiegt zwar stolze 700 Kilogramm, lässt Audi aber auch von bis zu 411 Kilometer Reichweite nach WLTP schwärmen. Wer in solche Regionen vorstoßen möchte, sollte aber wie bei allen Stromern einen leichten rechten Fuß mitbringen. Die 408 PS sind zwar zu allerhand spaßigem Schabernack im Stande, verlangen dann aber häufig nach Ladestopps. Also lieber entspannt cruisen, den vorderen Motor nicht aufwecken und Kilometer fressen. Und unterwegs dann schnellladen mit maximal 150 kW, was den Boxenstopp zumeist auf eine halbe Stunde begrenzt. Gute Reise!

DIE BESONDEREN

Audi RS Q3

DER FÜNFENDER KURVT UND KESSELT FURIOS

ACHTUNG, HIER KOMMT EINE RARITÄT! Nicht dass der Q3 von Audi an sich irgendwie Seltenheitswert hätte. Nein, erst das Kürzel RS verwandelt das kompakte Ingolstädter SUV in ein echtes Sammlerstück. Die Verantwortung dafür trägt einzig und allein der Motor, der seine 2,5 Liter Hubraum auf fünf Zylinder verteilt. Heute kaum noch zu finden. Was schade ist, weil die Halbliterpötte mit der charakteristischen Zündfolge 1-2-4-5-3 einen derart ausdrucksstarken und unverwechselbaren Sound entwickeln, dass sämtliche Körperhärchen gleichzeitig stramm stehen. Das raue, rotzige, fast obszön unrunde Klangbild lässt dich einen Fünfender unter Tausenden von Motoren heraushören. Im RS Q3 kommt Sympathie fördernd dazu, dass der 2.5er mit Aluminium im Block, gebohrter Kurbelwelle oder auch kleinerem Hauptlager streng auf sein Gewicht achtet und 400 PS sowie 480 Nm Drehmoment rausschmeißt. Das macht ihn irre schnell – auf Wunsch läuft das Sport-SUV bis zu 280 km/h. Auch sonst überzeugt der RS mit sportlicher Grundhaltung: Strammes Fahrwerk mit adaptiven Stoßdämpfern, bis zu 21 Zoll große Räder, Schaltblitz und mehr machen Laune.

„Klangwunder von Audi trifft Flüsterchinesen von Nio. Echte Innovation kommt aus Fernost. Aber ob sich Akku-Tausch durchsetzt?“

Hauke Schrieber, Redakteur

Nio ET7

WOW: CHINA-LIMO MIT WECHSELAKKU

REIN, RAUS, WEITERFAHREN – so kurz wie Tanken, nämlich nur rund fünf Minuten, soll es bald dauern, das Wechseln des Akkus vom ersten Nio-Modell in Deutschland. Die Chinesen bringen den ET7 Ende des Jahres zu uns. Und nicht viel später die erste Akku-Wechselstation. Angeblich in der Nähe von München. Wir haben es schon in Norwegen ausprobiert, es klappt. Aber machen das die Kunden auch? Immerhin: Wer beim ET7 den Akku nur least (und wechselt), zahlt ein paar Tausend Euro weniger (und eine Monatsmiete). Der ET7 selbst? Ein Aerodynamikdesign, das „von Modellen der 70er-Jahre inspiriert ist“ (Chefdesigner Kris Tomasson). Zwei E-Motoren bedeuten Allrad und 653 PS. Akkugrößen von 70, 100 oder 150 kWh sollen für Reichweiten von maximal 500, 700 oder 1000 Kilometer sorgen. Und dann wären da noch zwei weitere Details, die den ET7 so besonders machen: Lidar-und Kamerasysteme auf dem Dach. Sieht komisch aus, funktioniert da oben aber besser. Und Nomi, die sprachgesteuerte Assistenten mit den freundlichen Augen im Cockpit. Preise gibt’s noch nicht. In China kostet die Basisversion umgerechnet 63 400 Euro.

DIE VOLKSHELDEN

VW Golf GTI

SPORT IM HERZEN UND GANZ GROSSER SPASS

TOLLES IMAGE OHNE PROTZ, irres Tempo ohne Drama, großer Spaß auch außerhalb der Kurventour am Wochenende – so die Kurzformel für einen Golf GTI. Tatsächlich mischt der 245 PS starke VW die Freude am leidenschaftlichen Autofahren mit der Vernunft einer Alltagsmühle auf hervorragende Weise. Das ist traditionell so, das ist auch beim achten GTI so. Aktuelles Rezept: Ein Zweiliter-Vierzylinder schubst das Auto so kultiviert wie freudvoll voran, den (über ein hervorragend arbeitendes elektronisches Differenzial in Habacht gebrachten) Frontantrieb hat VW bestens auf Grip, kaum Untersteuern und erträgliche Lenkeinflüsse getrimmt, alles fühlt sich leichtgängig, fließend, einfach rund an. Genau das ist das Geheimnis. Es gibt keine kantige Schrulle am Kompakten, bei allem Tempo ist er auch sicher, und jeder (am liebsten Papi) darf, kann und mag mit ihm mal die Sau rauslassen. Dazu ist er ein fahrender Wohlfühl-Experte: Sitze wie aus einem echten Sportler, Lenkgefühl wie aus vergangenen (weniger synthetischen) Tagen und das Vermögen, auch leise und komfortabel pirschen zu können, geben dir wie sonst selten das Gefühl: Dieses Geld ist gut angelegt.

„Der GTI ist eine Ikone, der ID.4 Vorreiter seiner Klasse – für beide gilt, dass sie eine ganz eigene Fan-Klientel haben.“

Jan Horn, Redakteur

VW ID.4 Pro Performance

FEINER UMGANG, AUCH IN SACHEN UMWELT

IST DAS SCHON „GOLFIG“? In puncto Reichweite, Fahrleistungen, Ladethematik und Verbrauch liegt der ID.4 angenehm mittig, damit spricht das E-Mobil im Grunde jedermann für jeden Einsatzzweck an. So wie es bei einem VW Golf halt ist. Wobei: Der ID.4 steht schon eine Portion drüber. Zwar könnte er hochwertiger gemacht sein (Trommelbremsen hinten und schnöder Schlicht-Kunststoff im Innenraum passen nicht optimal in diese Preisliga), doch das Thema Fahrkomfort beherrscht er aus dem Handgelenk. Klar, als E-Auto ist er vor allem subjektiv besonders leise. Darüber hinaus ist der ID.4 aber auch sehr gemütlich. Gute Sitze und die fein ansprechende Federung verhelfen ihm zu dieser hohen Reisetauglichkeit. Außerdem hat er selbst auf der Rückbank ordentlich Raum zu bieten, auch hier passt die Ausformung angenehm. So richtig dynamisch geht es natürlich nicht zu. Die Höchstgeschwindigkeit ist trotz der Power begrenzt (auf 160 km/h), Sprints lassen das über zwei Tonnen liegende Fahrzeuggewicht erahnen. Schlimm? Ganz und gar nicht – die universelle Gelassenheit passt. Man könnte sagen: „golfig“.

DIE FAMILIENFREUNDE

Skoda Kodiaq 2.0 TDI

DIESER RIESE BIETET REICHLICH RESERVEN

KAUM ZU GLAUBEN: Dieser stattliche SUV-Bär ist mit dem VW Golf verwandt. So steckt die Plattform drunter, die auch den kompakten Wolfsburger trägt oder einem Audi A3 Beine macht. Gut so, denn dadurch erbt das SUV von Skoda das fahrsichere Wesen und die moderne Technik inklusive umfangreicher Multimedia-Versorgung. Und natürlich auch die Kraft des „guten alten“ TDI-Dieselmotors. So hat dann auch der 2.0 mit 200 PS beziehungsweise 400 Newtonmetern Drehmoment so gar keine Mühe, selbst den üppig mit Ladung beschwerten Siebensitzer 4x4 voranzuwuchten. Weniger geht auch. Der 2.0er mit 150 PS, einer Rückbank und Frontantrieb wäre da die feine Wahl. So oder so: Bei Skoda gibt’s was fürs Geld. Riesiger Kofferraum, hervorragende Sitze, klares Bedienkonzept – dieses SUV ist so groß wie vielseitig. Man mag es zudem bei aller Strom-Zapferei fast vergessen haben: Ein TDI kann richtig sparsam sein. Für den 200 PS starken Kodiaq gibt Skoda einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer an. Das relativiert den Kaufpreis. Rund 47 000 Euro nimmt Skoda für das Allradmodell mit Automatik und großem TDI. Kaum zu glauben.

„Skodas XL-SUV hat viele Fans – zu Recht. Hyundais Elektro-Exot wird noch viele Fans finden – auch das absolut zu Recht.“

Jan Horn, Redakteur

Hyundai Ioniq 5 160 kW RWD

EIN TAUSENDSASSA MIT TOLLEN TALENTEN

DAS HABEN TESTS und alle anderen Betrachtungen durch AUTO BILD ergeben: Der Ioniq 5 gehört zu den besonders gelungenen E-Mobilen. An ihm stimmen die typischen Parameter nämlich bestens: Reichweite und Ladekompetenz passen exakt zum Segment, der 217 PS starke Elektromotor schiebt den über 4,60 Meter langen Crossover flüssig und souverän voran. Der 5er rollt dabei angenehm komfortabel und leise, das Ausstattungsniveau ist hoch. Platz für Mann und Material gibt’s zudem reichlich. Außerdem fährt der Ioniq 5 ausgesprochen verbindlich, lenkt sich sauber, folgt spurtreu. Es bereitet richtig Laune, den schnittigen Typen auch mal beherzt eine kurvige Landstraße entlangzutreiben. Dazu beeindruckt das Auto mit witzigen Details. So hat Hyundai den Totwinkel-Assistenten genial gelöst. Kameras in den Außenspiegeln schicken brauchbare Aufnahmen vom Bereich schräg hinter dem Fahrzeug in kleine Bildschirme direkt vor dem Fahrer – genial. Einziger Haken: Wie alle E-Mobile ist der Ioniq 5 kein Sonderangebot. Doch von den 46 000 Euro gehen ja noch knapp 10 000 Euro Förderung ab.