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EINZIGARTIGE VERBINDUNG


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 14.06.2022
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„Mein Spiegelbild war monatelang die einzige Person, die ich zu Gesicht bekam. Wo ich schon dabei war, verrückt zu werden, konnte ich auch einen Song darüber schreiben.“

Alissa White-Gluz

Als wir Alissa White-Gluz und Michael Amott erreichen, befinden sie sich inmitten ihrer US-Tournee – die ersten Auftritte nach zweieinhalb Jahren Zwangspause liegen hinter ihnen. Eine Stunde vor unserem Gespräch sind sie in dem Hotel angekommen, in welchem sie einen Zwischenstopp einlegen und einen konzertfreien Tag verbringen werden. Womöglich deswegen hält sich die kanadische Sängerin zu Beginn unseres Gesprächs noch ein Stück zurück – es darf seine Zeit brauchen, vom Bühnen- zum Reise- und in den Interview-Modus zu wechseln. Doch lange dauert es nicht, bis sie aufblüht und sich auf die Themen stürzt, für die sie brennt: Sobald es um Gesangstechniken, Inhalte und philosophische ...

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... Hintergründe geht, sitzt die quirlige, umtriebige und meinungsstarke Person, die man kennt, vor der Zoom-Kamera. Bis dahin zeigt Michael Amott sein Talent, sich trotz seiner ruhigen Art zum Wortführer aufzuschwingen. So bedächtig wie an seinen Riffs schmiedet er an seinen Ausführungen und steckt jederzeit mit seiner schwelgerischen Musikbegeisterung an.

Zurück im

LEBEN

Die Rückkehr von Arch Enemy auf die Bühne hat er bereits verarbeitet: „Wir waren definitiv nervös, als wir uns in Los Angeles zum Proben trafen und uns klar wurde: Diese Konzerte werden wirklich passieren“, gibt der Gitarrist unumwunden zu. „Ich dachte, es dauert länger, bis man wieder in Fahrt kommt – aber es fühlte sich sofort natürlich an, und nach ein paar Shows war alles wie immer.“ Eigentlich kaum möglich, aber falls es in den zurückliegenden Jahren jemand vergessen haben sollte: Arch Enemy sind eine Liveband! Entsprechend viel Wert legt das Quintett auf sein Auftreten auf der Bühne, wenngleich die Band im Vergleich zum derzeitigen Tourneepartner Behemoth ihre Schwerpunkte anders setzt. „Behemoth haben eine viel theatralischere, thematische Show“, beobachtet der Gitarrist die polnischen Kollegen. „Ich denke, bei uns steht die Musik im Fokus, aber natürlich möchten wir dabei gut aussehen und etwas bieten. Präsentation ist ungemein wichtig; entsprechend haben wir eine Menge Leute, die sich um das Licht, die Bühnendekoration und so weiter kümmern – ich selbst halte mich dabei jedoch etwas zurück.“ Wohingegen Alissa White-Gluz als Frontfrau im Rampenlicht jede Menge Zeit, Gedanken und Mühen auch in das Erscheinungsbild und Drumherum steckt. „Ich unterhalte mich mit unserem Bühnen-Designer und unseren Licht-Jungs und koordiniere. Zum Beispiel, ob mein Outfit und der Aufdruck des Backdrops miteinander stimmig sind“, führt die Sängerin aus, und betont, wie wichtig es ist, gemeinsam mit anderen auf ein Ziel hinzuarbeiten. „Wichtig ist, dass alles funktioniert: Wir haben Ideen und sprechen ab, ob sie umzusetzen sind, wie sie mit den Bewegungen, die ich auf der Bühne mache, zusammengehen, und so weiter. All das, um die Songs bestmöglich zu präsentieren.“

Welche Songs das sind, ist ein immer vertrackter werdendes Puzzle. „Setlists zu bauen, ist nicht meine Stärke“, lacht Amott, wissend, dass er in diesem Feld auf jemand anderen bauen kann: „Sharlee ist ziemlich gut darin“, heimst Bassist Sharlee D’Angelo ein Lob ein. „Das überlasse ich also ihm, und hinterher sprechen wir die Zusammenstellung noch mal durch. Wir nennen ihn Sharlee-Pedia, weil er genau weiß, was wir wann wo gespielt haben. Ich muss mich dahingehend auf setlist.fm verlassen.“ So erfüllt er wie jedes Band-Mitglied seine Aufgabe zusätzlich zum Instrument – ein Rad greift ins andere, und jeder kann sich auf den Einsatz des anderen verlassen. Eine Konstellation, die Arch Enemy am Laufen hält und immer weiter vorantreibt.

Ob durch Gehirnschmalz oder digitale Hilfestellung: Mit über 25 Jahren Band-Geschichte und jetzt bald elf Alben, auf die zurückzugreifen ist, um Fan-Wünsche zu erfüllen, Erwartungen zu bedienen und Überraschungen einzustreuen, sind anderthalb bis zwei Stunden im Handumdrehen gefüllt. Ein Luxusproblem, das Amott mit Freude weiter ausbaut: „Beim Schreiben habe ich immer vor allem das Publikum vor dem inneren Auge. Mit WAR ETERNAL hatten wir rund 300 Liveshows, mit WILL TO POWER ähnlich viele. Ich glaube, wir werden immer besser darin, einschätzen zu können, was live gut rüberkommt – zugleich haben wir immer Songs, die eher für ein Album als für eine Liveshow gedacht sind.“

Festes

BÜNDNIS

Welche das im Fall von DECEIVERS sein sollen, kann man nur raten – denn jede der elf Nummern ist ein Kracher mit Live-Qualitäten und Headbang-Potenzial. Typisch Arch Enemy – und doch einzigartig, neu und frisch. Sich weiterzuentwickeln statt zu wiederholen, liegt in ihrer DNS und stellen sie durch ihre kooperative Arbeitsweise sicher. „Der Ursprung liegt normalerweise in meinen Riffs und Melodien“, analysiert der Band-Gründer. „Dazu muss ich einfach in die richtige Stimmung kommen – dann kann ich sieben oder acht Riffs und Song-Grundlagen schreiben; dann vielleicht wieder zwei Monate überhaupt nicht.“ Das große Geheimnis, die Magie, ergibt sich aber erst im Austausch mit seinen Mitmusizierenden: „Mit Daniel setze ich mich an die ersten Demos, versuche, etwas Vorzeigbares daraus zu machen. Dann kriegt es Alissa zu hören. Sie macht dann so – oder so“, Daumen hoch oder Daumen runter, führt er vor, „kommt mit Texten dazu, und alles fügt sich ineinander. Diese Phase macht jede Menge Spaß: Wir erschaffen etwas aus dem Nichts. Es verblüfft mich immer wieder, dass wir diese Gabe haben. Wir sagen zuerst zu allem ja, gehen offen an die Ideen von jedem heran, und die schwierigen Entscheidungen treffen wir später im Prozess.“ Erneut wird deutlich: Arch Enemy funktionieren nur als eingespieltes Team, in dem jeder seinen Beitrag leistet und sich an der richtigen Stelle einbringen kann.

Dass das klappt, kann durchaus verblüffen. Immerhin besteht die Band aus fünf einzigartigen Musikschaffenden und starken Charakteren. So viele Gruppen, vom Hobby-Projekt bis zum Platin-Act, ächzen oder zerbrechen unter großen Egos oder unklaren Verhältnissen innerhalb der Gemeinschaft. Vielleicht möchte ein Jeff Loomis mehr Gitarrensoli spielen als Michael Amott, ein Sharlee D’Angelo genauso viele Interviews geben dürfen wie Daniel Erlandsson, und ein Michael Amott nicht die zweite Geige hinter Alissa White-Gluz spielen? Nichts davon scheint ein Problem zu sein, beruhigt die Sängerin: „Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: den besten Song, das beste Album, die beste Show. Jeder trägt einen Teil dazu bei, verlässt sich auf den anderen und füllt Leerstellen. Wir zählen aufeinander an jedem Abend, bei jeder Studiositzung, und alle sind hochmotiviert.“

Das hört der Fan gerne. Und auch Michael Amott darf sich zurücklehnen, denn der große Band-Umbau vor acht Jahren (mit der Bekanntmachung von Alissa als neuer Frontfrau und später dem Einstieg von Jeff Loomis) hat sich längst als goldrichtig und passgenau herausgestellt. Natürlich habe sich die Band durch die Konstellation verändert, bemerkt er: „Alissa ist eine einzigartige Person, und dabei gibt es immer eine Lernkurve, sich kennenzulernen. Der gemeinsame Sinn für Humor in der Gruppe ist besonders wichtig, weil wir mit großem Ernst arbeiten, aber auch viel miteinander lachen, um sorglos und positiv zu bleiben.“ Manchmal, gesteht er ein, müsse man vermeintliche Floskeln bemühen, um einen Zustand akkurat zu beschreiben: „Ehrlich gesagt glaube ich, die Atmosphäre ist jetzt besser, als sie jemals war. Jeder ist mit seiner Rolle zufrieden, und wir fühlen uns entspannt und sicher.“ Selbst Alissa ist Gelassenheit pur – obwohl man sich denken könnte, der Einstieg bei und Karrieresprung mit Arch Enemy sowie die erhöhte Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung könnten sich belastend anfühlen. „Es ist toll, diese stabile Grundlage mit erfahrenen Musikern zu haben, mit denen man sich Ideen hin und her spielt. Gemeinsam tragen wir das Gewicht der Musik“, zeigt sich White-Gluz begeistert, und fasst den Grund ihrer Zufriedenheit in einem lakonischen Satz zusammen: „Ich singe in Liedern.“

Metal-Welt

IM WANDEL

Sich gegenseitig so viel Sicherheit zu geben und mit Arch Enemy ein gemachtes Nest sein Eigen nennen zu können, ist durch nichts aufzuwiegen; vor allem in Zeiten, in denen sonst so wenig verlässlich zu sein scheint. Diese beschränken sich dabei gar nicht auf die vergangenen zwei, bald zweieinhalb Jahre: Die Musikindustrie ist seit über einem Jahrzehnt im Wandel. Und obwohl in der traditionell veranlagten Metal-Szene die Uhren langsamer ticken, läuft die Zeit auch hier nicht rückwärts. „Ich bin jetzt seit über 30 Jahren in der Metal-Szene aktiv und spiele in einer etablierten Band; daher werde ich häufig gefragt, was ich anderen raten würde, die das gleiche tun möchten wie ich. Das Umfeld ist heute ein anderes als damals“, gerät Amott ins Grübeln. „Ich war sehr ambitioniert und wie getrieben, das hat damals ausgereicht. Ich hatte die Zugänge, meine Musik zu verbreiten und mit Leuten in Kontakt zu kommen – aber ganz andere als heutzutage, da es in mancherlei Hinsicht einfacher zu sein scheint.“ Aber nur, weil etwas den Anschein hat, muss es nicht so sein, gibt er zu bedenken: „Die Musikszene ist definitiv übersättigt, womöglich auch die Metal-Szene. Vielleicht hatte es etwas Gutes, dass A&Rs und Plattenfirmen eine stärkere Filterfunktion hatten und eine Vorauswahl getroffen wurde. Aber dazu gibt es verschiedene Meinungen. Auf jeden Fall sind Streaming und Playlists heutzutage ein großes Thema, und wir gehen nicht mehr auf Tournee, um ein Album zu promoten, sondern veröffentlichen Alben, um die Tour zu befeuern – vieles hat sich gewandelt.“

Aber Arch Enemy wären nicht, wer und wo sie sind, wenn sie keinen Dreh gefunden hätten, diese Veränderungen für sich zu nutzen, anstatt darüber zu lamentieren. 1,5 Millionen Follower auf Facebook, eine knappe Million auf Instagram und Twitter, und ähnlich viele über die Social Media-Kanäle einzelner Mitglieder, bescheren der Band eine massive Reichweite in den sogenannten Neuen Medien. Speziell Alissa White-Gluz spielt hierbei ganz vorne mit: „Die Sozialen Medien sind eine großartige Möglichkeit, Leute auf unsere Musik aufmerksam zu machen“, erklärt die Frontfrau, die sich auch über Patreon (eine Art Premium-Fan-Plattform) ausgiebig mit ihren Anhängern vernetzt. „Wir sind wie unser eigenes Street-Team. Früher hat man Sticker und Poster an Telefonmasten gepappt, heute erreicht man die Leute anders – nämlich auf ihrem Telefon.“ „Derart aktiv zu sein, ist Mittel zum Zweck, um zum Beispiel unser Album zu verbreiten“, ergänzt Amott. „Ich kenne Musiker, die sich vor Social Media verschließen und sich breitbeinig dagegenstemmen: ,Nein, wir machen so etwas nicht!‘, und das ist in Ordnung. Aber man verpasst dadurch viele Gelegenheiten, ist nicht dort präsent, wo die Leute ihre Zeit verbringen. Dadurch machen sich manche Bands kleiner, als sie sind.“

Dass Social Media-Präsenz kein Selbstläufer ist, weiß jeder, der mit eigenen Posts um Likes und Aufmerksamkeit buhlt – dazu kommen asoziale Unarten der Kommunikation, auf die Arch Enemy in ihren Songs und wir später zu sprechen kommen. Auch die von Michael bereits erwähnte Übersättigung des Musikmarkts wird hier sichtbar. Alissa belegt das mit ganz konkreten Beobachtungen: „Man postet ,Danke für die fantastische Show, Houston!‘, und in den Kommentaren darunter heißt es ,Kommt nach Houston!‘. Es ist so viel los, dass die Leute einiges verpassen. Das geht Bands jeder Größenordnung so.“ Darum kann ein noch so starker digitaler Auftritt nie ersetzen, worum es eigentlich geht. Vor allem im Metal werden Künstler und Künstlerinnen noch immer am Live-Handwerk gemessen und kennen nur einen Weg an die Spitze: Spielen, spielen, spielen! „Als ich anfing, waren auch diese modernen Werkzeuge nicht verfügbar“, erinnert sich die Kanadierin an den Ausgangspunkt ihrer fast zwanzig Jahre umfassenden Karriere zurück. „Man begann etwa mit einer lokalen Show, bei der jemand aus dem Nachbarort war, der einen dorthin einlädt. Man lädt ihn und ein paar Weitere wiederum zu sich ein, wo wieder andere Leute zu Besuch kommen, und so wächst der Kreis Mal um Mal. Die Grundlage von Metal, mehr als bei jedem anderen Genre, ist nun mal die Liveperformance, so vieles sich auch geändert haben mag. Und es ist ein gewaltiger Unterschied, live zu spielen, eine Streamingshow umzusetzen oder ein Album aufzunehmen.“

„Das Internet schien eine utopische Welt – aber die Menschen können keine schönen Dinge haben.“

Alissa White-Gluz

Des Schädels

KLANG

Somit gilt für die Öffentlichkeitsarbeit, Konzertauftritte und fürs Studio der gleiche Grundsatz: Neue technische Hilfsmittel erleichtern vieles, ersetzen aber nie ehrliche Arbeit und direkten Austausch. Dass auch während der globalen Pandemie Alben veröffentlicht werden konnten, verdanken wir den digitalen Errungenschaften, die es nicht mehr zwingend notwendig machen, alle Mitglieder einer Band in einem Raum, einer Zeitzone oder gar auf einem Kontinent zu versammeln. Trotzdem war es Arch Enemy wichtig, so viel wie möglich vor Ort aufzunehmen – eine besondere Herausforderung für eine international besetzte Gruppe mit zwei Mitgliedern jenseits des Atlantiks. Während Jeff Loomis in den USA wiederholt am Flughafen abgewiesen wurde und er seine Soli letztlich aus der Ferne beisteuern musste, schlug sich Alissa White-Gluz von Kanada aus durch alle Kontrollen. „Sieben Monate lang ging gar nichts“, rekapituliert Amott. „Dann gab es ein Zeitfenster, in dem Flüge von Kanada nach Deutschland möglich waren, und wir schlugen zu.“ – „Dann aber“, erzählt White-Gluz weiter, „kam der komplizierte Teil: in Deutschland zu landen und nach Dänemark zu fahren, innerhalb des einen Tages, an dem das erlaubt war.“ Allen Widrigkeiten zum Trotz kam die Sängerin wohlbehalten in Jacob Hansens Aufnahmestudio an – ein Aufwand, der es wert war, betont der 52-Jährige. „Wir konnten von Angesicht zu Angesicht arbeiten, an Texten feilen und an Gesangs-Arrangements arbeiten. Es war fantastisch. Obwohl es heutzutage funktioniert, ferngesteuert miteinander zu arbeiten, ist das durch nichts zu ersetzen.“

Das Ergebnis spricht für sich: DECEIVERS ergänzt den archetypischen Arch Enemy-Sound um weitere Nuancen, variiert den Stil im Detail, beeindruckt durch kunstvoll mit der Brutalität verwobenen Melodien – und überrascht mit neuen Ansätzen beim Gesang. Dass Alissa White-Gluz mehr als „nur“ Brüllen kann, ist seit jeher bekannt. Zum ersten und bisher einzigen Mal profitierten Arch Enemy beim WILL TO POWER-Song ‘Reason To Believe’ davon – der ersten Power-Ballade der Band. Auf DECEIVERS findet diese mit ‘Poisoned Arrow’ einen Nachfolger; aber auch in heftigen Songs wie ‘Handshake With Hell’ kann White-Gluz ihren Stimmumfang ausspielen. Wohlgemerkt, ohne die Stücke oder die Platte aufzuweichen oder in ein Muster à la „harte Strophe, softer Refrain“ zu verfallen! Vornehmlich wird wie gehabt gegrowlt. Und selbst hierbei wirkt der Beitrag der 36-Jährigen variabler, energetischer und, ja, selbstbewusster als zuvor. Schon klar, mangelndes Selbstbewusstsein konnte man White-Gluz sowieso nie unterstellen. Doch ist die Steigerung hör- und spürbar – und sie kommt nicht von ungefähr: „Zwischenzeitlich habe ich mir ein Heimstudio eingerichtet und beigebracht, mich selbst aufzunehmen“, machte die Frontfrau aus der Not der Coronazeit eine kreative Tugend. „Dadurch, dass ich täglich dort arbeiten und herumspielen konnte, entwickelte ich ein Bewusstsein dafür, nicht nur zu singen, sondern auch die technischen Aspekte zu bedenken – die kleinsten Details von verschiedenen Mikrofonen, unterschiedlichen Kompressoren, Abständen zum Mikrofon oder wie die Form meines Schädels den Klang meiner Stimme beeinflusst. Ich glaube, dadurch bin ich selbstbewusster geworden, im Sinne einer selbst produzierenden Sängerin. Das nahm ich auch mit in Jacobs Studio. Somit hatte ich die Kontrolle und den Ansporn, neue Dinge zu probieren.“ Wer DECEIVERS und Songs wie die frühe Single ‘Handshake With Hell’, die übermächtige Metal-Hymne ‘The Watcher’ oder das Heavy Rock-gefärbte ‘One Last Time’ hört, kommt nicht umhin zu bemerken, dass die melodischen und harschen Elemente natürlicher als auf jedem bisherigen Arch Enemy-Album ineinanderfließen. Die persönliche Fortbildung hat sich also gelohnt, ebenso wie die Zusammenarbeit mit Jacob Hansen. Der Däne (der unter vielen anderen schon für Destruction, Volbeat und Hatesphere tätig war) durfte erstmals Hand an ein Arch Enemy-Album legen – und ist überhaupt neben Michael Amott und Daniel Erlandsson seit Langem der erste Produzent für die Band. „Er bringt so viel Erfahrung mit“, schwärmt der Schwede. „Vor allem, was den Umgang mit Growls und klarem Gesang angeht. Es hat wirklich Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten.“

Melodisch

EXTREM

Der Gesang ist bei Weitem nicht die einzige Stellschraube, an der die Band für DECEIVERS drehte. Das elfte Album geht direkter nach vorne als das ambitionierte, in manchen Passagen aber auch verkünstelte WILL TO POWER. Mehr noch: das Songwriting trieft vor deutlich vernehmbaren Einflüssen aus klassischem Rock und Metal – sei es im Aufbau der Stücke, in der Melodieführung oder Gitarren-Licks und -soli. „In den letzten Jahren habe ich viel älteren Metal gehört“, bestätigt Amott den Verdacht der Einflussnahme. „Ich bin Plattensammler und habe zur Entspannung viele meiner Vinylscheiben aufgelegt. Von Judas Priest bis slowakischem Achtziger Jahre-Metal. Es ging also bunt in alle verrückten Richtungen – und dabei stößt man auf etwas, das ziemlich cool klingt, einem gefällt und auf die Idee bringt, ein Stück auch mal auf diese oder jene Weise beginnen zu lassen. Daniel und ich schicken uns fortwährend Links hin und her, von altem wie auch neuem Zeug. Und irgendwas bleibt immer hängen.“ Zugleich verwehrt sich der Herr der Riffs vor der Lesart, das aktuelle Album bewusst in eine Richtung gesteuert zu haben. Zwischen jeder Veröffentlichung vergingen ein paar Jahre, sodass die Song-Schreiber mal um mal andere Dinge im Kopf hätten. „Eine bewusste Entscheidung ist es nur insofern, als dass wir immer neue Elemente einbauen möchten, um es spannend zu halten – auch für uns selbst. Ob nun mehr klassischer Metal darin steckt und es mehr geradeaus ist also zuvor, ist subjektiv – ich bin immer überrascht, wenn Leute über unsere Alben sprechen und sagen, dieses sei heavyer, jenes sei technischer... Wir bemühen uns schlicht, großartige Songs zu schreiben, die bestmöglichen in dem Genre, welches wir bespielen – dieser extremen Form von Heavy Metal: immer kraftvoll, heftig, intensiv und energetisch!“ Geschickt umschifft Amott dabei eine konkrete Genre-Beschreibung, die bei Arch Enemy längst nicht mehr leichtfällt. Die Kategorisierung als Melodic Death Metal missfällt dem Schweden; lieber spricht er von Extreme Metal, was dem filigranen, technischen und vor allem melodischen Ansatz aber kaum gerecht wird. Die Einflüsse und Weiterentwicklungen während der vergangenen 26 Jahren und elf Alben lassen sich so schwer mit Worten greifen wie der musikalische Kern der Band. „Wir haben unsere Wurzeln nie verleugnet; es steckt tief in uns – aber zugleich bewegt man sich vorwärts und verändert sich auf sehr organische Weise“, versucht Amott zusammenzufassen. „Anlässlich des 25. Jubiläums habe ich unsere alten Alben ausgiebig gehört und mich zurückerinnert. Natürlich klang es Anfang der Neunziger ganz anders als das, was wir heute machen. Es wäre arg seltsam, wenn das nicht so wäre. Wir haben uns entwickelt, aber immer mit der gleichbleibenden Idee, mordsmäßige Metal-Musik zu machen – schnellen Thrash und Death Metal, temporeiche Rhythmen, tiefgestimmt, aber mit Einflüssen aus klassischem Metal, melodischer und harmonischer Gitarrenarbeit – wir verfeinern das lediglich fortwährend.“ Nur folgerichtig, dass DECEIVERS hörbar die nächste Entwicklungsstufe darstellt.

Philosophen der

APOK ALYPSE

Um sowohl die Bandbreite des Albums als auch die Vielfalt von Arch Enemy zu erfassen, höre man nur ‘Poisoned Arrow’, ihre zweite Power-Ballade, die abgerundeter und schlüssiger klingt als ihr geistiger Vorgänger ‘Reason To Believe’, und ‘Deceiver, Deceiver’, den hardcore-punkig-rockenden sowie metallisch-bebenden Quasi-Titel-Track. Was die beiden musikalisch so unterschiedlichen Songs verbindet (neben dem beschriebenen, allgegenwärtigen Arch Enemy-Faktor), sind die Texte: Beide Stücke spielen auf einer sehr persön-lichen, zwischenmenschlichen Ebene, beschäftigen sich mit dem, was man heute toxische Beziehungen nennt, mit missbrauchtem Vertrauen und Enttäuschung. „Ähnliche Ansätze hatten wir schon in ‘No More Regrets’ und ‘Never Forgive, Never Forget’ (beide auf WAR ETERNAL – Anm.d.A.), das ist also nicht völlig neu für uns“, entkräftet Amott die Theorie, vermehrt bodenständigere oder persönlichere Themen zu verarbeiten. „Diese Texte stammen von mir; das heißt aber nicht, dass es mir genauso ergangen wäre. Es ist nur interessanter, aus der Ich-Perspektive zu schreiben – es kann sich um generelle Beobachtungen handeln oder einem Freund zugestoßen sein, der mir davon erzählt, und ich spinne die Geschichte in Gedanken weiter. Generell habe ich eine Vorliebe für emotionalere Blickwinkel statt intellektueller Herangehensweisen – das gilt für Texte wie Musik; am wirkungsvollsten ist doch, wenn sich beides miteinander vermählt.“ Erneut kommt zum Tragen, dass bei Arch Enemy viele Köche mit unterschiedlich geprägten Geschmäckern gemeinsam einen erstklassigen Brei anrühren. Alissa White-Gluz steuert nicht nur eigene Texte aus einer ganz anderen Richtung bei, sondern scheut sich auch nicht, ihre Note in den Stücken ihrer Kollegen einzubringen. Nicht zuletzt die an William Shakespeares ‘Macbeth’ angelehnte Zeile „Thou beest slain, tyrant, show thy face!“ in ‘Deceiver, Deceiver’ stammt aus ihrer Feder. „Als ich es endlich nach Europa geschafft hatte, gingen wir alles gemeinsam durch“, lässt sie ins Dichterstübchen blicken. „Das Zitat und der Song-Titel standen da noch nicht fest. Anders als Michael habe ich eine Vorliebe für verkopfte statt emotionale Texte – ich bin keine sehr romantische Person, sondern habe beim Singen lieber ein Lehrbuch vor mir. Wir warfen uns gegenseitig Wörter zu, und blieben an ,deceiver‘ (englisch für Betrüger, Schwindler – Anm.d.A.) hängen. Wir verfolgten das weiter und sponnen diese Zeile von Shakespeare aus, die vom Rhythmus und Reimschema perfekt passte – diesen geradlinigen, brutalen Refrain mit dieser poetischen Zeile zu beschließen, gefällt mir sehr gut.“

Es bleibt nicht bei diesem einen Zitat. Auch der französische Dramatiker und Philosoph Jean-Paul Sartre (1905- 1980) kommt zum Zug: Seine klassische Zeile „Die Hölle, das sind die anderen“ aus ‘Geschlossene Gesellschaft’ schmückt ‘Handshake With Hell’. „Das Zitat wird gerne diskutiert, und ich liebe es, mich mit Derartigem zu beschäftigen. Philosophie und die menschliche Psyche faszinieren mich“, bekräftigt White-Gluz. Sartres existentialistisches Drama bekommt bei Arch Enemy einen zeitgemäßen Dreh – der Song lässt sich gesellschaftskritisch, gar antikapitalistisch interpretieren. „Wir befinden uns in einer Phase, in der die gesamte Welt miteinander vernetzt ist – egal, wer man ist, in welchem Land man lebt, welche Sprache man spricht, alles ist auf Knopfdruck verfügbar. Das Internet schien eine utopische Welt mit einer globalen Gemeinschaft zu sein. Aber aus meiner Perspektive hat sich das in den letzten Jahren in eine Dystopie gedreht – statt dieses wunderbare Ding zu haben, wo wir alle zusammenarbeiten, ist fast alles polarisierend, spaltend und voller Hass. Jeder gegen jeden – aber so ist die Natur des Menschen, oder? Wir können keine schönen Dinge haben. Das ist die Welt, in der wir leben, voller Hürden, Ängste und Probleme – die Sorgen der gesamten Welt prasseln wegen der Leichtigkeit der Kommunikation auf uns nieder, und wir sinken gemeinschaftlich in die Hölle herab, wo es keine Wahrheit und nur noch Hass gibt.“

Schlechte Zeiten,

GUTE ZEITEN

Dies bleibt nicht die einzige Stelle auf DECEIVERS, in der sich Arch Enemy mit der aktuellen Weltlage beschäftigen und sie dabei einen Schritt weiter in Richtung Abgrund drehen. Epochal, feierlich und zugleich wuchtig wird in ‘Exiled From Earth’ die menschgemachte Apokalypse besungen.

„Die Musikszene ist definitiv übersättigt, womöglich auch die Metal-Szene.“

Michael Amott

Die gute Nachricht: Der Planet überlebt den Weltuntergang. Seine Bewohner hingegen bekommen ihr Fett weg. „Hintergrund des Stücks ist der Klimawandel“, erklärt die vegan lebende Sängerin, die auch hierfür den Text geschrieben hat. „Die Umwelt liegt mir am Herzen, und der Song wurde zum Weckruf: So weit könnte es kommen, wenn wir jetzt nicht die Kurve kriegen, falls es nicht sowieso schon zu spät ist. Ich fand es interessant, mich ins Präsens dieser dystopischen Zukunft zu versetzen – vielleicht auch als eine Art Vorbereitung darauf.“ Zudem ist das Stück ein Beispiel dafür, wie sich Musik und Text beeinflussen und ergänzen, auch wenn sie von unterschiedlichen Band-Mitgliedern stammen: „Es klang so mürrisch. Dann aber hat es diesen aufstrebenden Rhythmus, durch den ich das Bild bekam, wie die Menschheit ins Exil aufbricht und den sterbenden Planeten hinter sich lässt, ohne zu wissen, wohin es geht. Unsere Gier und unsere Industrie wuchsen schneller als unsere technologischen Möglichkeiten, anderswo hinzugelangen.“ So finster das klingt, versucht die Texterin aus der wenig aussichtsreichen Zukunftsvision doch auch etwas Positives zu schöpfen: „Indem ich darüber schreibe und wir ein Kunstwerk, einen Song erschaffen, machen wir etwas Gutes daraus.“ Im Schlechten noch das Gute sehen – darin konnten wir uns alle während der Pandemie üben. Der Ausnahmezustand der vergangenen Jahre war für jene, deren Lebensinhalt es ist, fortwährend unterwegs zu sein, besonders hart spürbar. Das brachte Kunstschaffende wie Alissa White-Gluz in ungewohnte und bizarre Situationen, die sie in ‘House Of Mirrors’ verarbeitet, und dabei intime Einblicke in ihre Psyche gewährt: „Als tourende Musikerin ist das Konzept eines Zuhauses nebulös“, holt sie aus. „Wir fühlen uns zu Hause, wenn wir auf der Bühne stehen oder im Tourbus sind. Sich dann zu verabschieden und tatsächlich getrennt nach Hause zu kommen, fühlt sich seltsam an. Während der Pandemie war ich erstmals seit zehn oder mehr Jahren weder längere Zeit daheim. Ich habe es gehasst – es war die Hölle.“ Dabei möchte sie nicht kleinreden, dass die zurückliegenden Jahre jeder und jedem viel abverlangt und bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und es andere härter getroffen hat als sie selbst. Doch zwang sie die Abschottung zur unfreiwilligen Selbstbeobachtung. „Ich war in einem Land mit besonders strengen Lockdowns und Restriktionen. Also habe ich mich mit den psychologischen Effekten davon befasst, im eigenen Zuhause eingesperrt zu sein. Ein Luxusproblem, und doch wird dieser Ort der Entspannung und Gelassenheit gewissermaßen zu einem Käfig. Während der Isolation habe ich mich dabei ertappt, mehr als gewöhnlich in den Spiegel zu sehen – wie auf der Suche nach Gesellschaft. Mein Spiegelbild war monatelang die einzige Person, die ich zu Gesicht bekam. Wo ich schon dabei war, verrückt zu werden, konnte ich auch einen Song darüber schreiben.“ – „Geht es dir wieder gut?“, fragt Amott schelmisch grinsend. „Nein“, gibt White-Gluz lakonisch zurück – muss dann aber doch loslachen.

Denn Arch Enemy sind keine Band, die sich – weder inhaltlich noch musikalisch – in Trübsinn suhlt oder Hoffnungslosigkeit propagiert. Im Gegenteil stehen vor allem im drückenden und monumentalen ‘Spreading Black Wings’, dem aufputschenden ‘In The Eye Of The Storm’ und dem galoppierenden ‘One Last Time’ Selbsterkenntnis und -ermächtigung im Zentrum der Betrachtung. „Obwohl ich dazu neige, dunkle Songs zu schreiben, meine ich es nicht pessimistisch und bin auch nicht so veranlagt“, so die Blauhaarige. „Mich faszinieren nur diese Form der Selbstanalyse und der Blick auf negative Situationen, die sich objektiv aufbrechen und in poetischer Form neu zusammensetzen lassen.“ – „Egal, wie dunkel es ist“, fügt Amott hinzu, „gibt es in unseren Stücken immer Hoffnung, ein Licht am Ende des Tunnels. Das spiegelt unsere Persönlichkeiten wider.“

Das

VERMÄCHTNIS

Bei so viel innerem Sonnenschein überrascht es nicht, dass Arch Enemy nach über zwei Jahrzehnten und kurz vor der Veröffentlichung ihres elften Albums mit Genugtuung auf ihre bisherige Karriere zurückblicken. Statt sich von hohen Erwartungen erdrücken zu lassen, die von langjährigen Fans womöglich in sie gesteckt werden, nehmen sie ihre Vergangenheit an und blicken zugleich selbstsicher in Gegenwart und Zukunft. „Wir haben das Glück, dass unser neues Material stets sehr gut angenommen wurde“, freut sich Amott. „Unsere Anhänger bleiben uns treu, zugleich kommen neue Fans dazu. Es ist toll, dass wir viele neue Sachen live spielen können – bei vielen andere Bands, die elf Alben draußen haben, interessieren sich die Leute nicht für neue Songs, sondern wollen nur die Klassiker hören.“ Arch Enemy dagegen gelingt es, frisch und interessant zu bleiben, ohne die Vergangenheit als Bürde zu sehen und ihr den Rücken zu kehren: „Wir haben Spaß daran und fühlen uns geehrt, ältere Sachen zu spielen – immerhin sind sie Teil unseres Vermächtnisses. Man muss Glück haben, quer durch seinen Katalog großartige Songs verstreut zu haben, an denen die Leute ihre Freude haben. Wir beenden unsere Show immer mit ‘Nemesis’ von DOOMSDAY MACHINE, das jetzt 17 Jahre alt ist, aber es schlägt jeden Abend wieder ein! Seit der Veröffentlichung spielen wir die Nummer bei jedem Konzert, aber sie wird nicht langweilig, weil die Fans sie so lieben. Der Song ist etwas ganz Besonderes, und mit ‘The Eagle Flies Alone’ von WILL TO POWER ist es so ähnlich – das Stück hatte zuletzt 85 Millionen Views auf YouTube und wird wie ein Klassiker gefeiert.“

DECEIVERS schickt sich jetzt an, der Setlist weitere verpflichtende Songs hinzuzufügen – der Job nicht nur von Sharlee-Pedia ist also auf Jahre gesichert. So wie Arch Enemy schon immer in Jahren und großen Zeiträumen gedacht haben, statt auf schnellen Erfolg zu setzen und sich darauf auszuruhen. „Ich habe Trends kommen und gehen sehen“, bekräftigt Amott, und schließt damit an die Überlegungen zur sich verändernden Musikindustrie und Metal-Szene an. „Sich davon nicht beirren zu lassen, sondern sich und seinem Stil treu zu bleiben, ist vermutlich das Beste. Es ist das eine, früh den Durchbruch zu schaffen und von allen geliebt zu werden, und das andere, sich reinzuhängen, im Spiel zu bleiben, Song um Song, Album um Album, Tour um Tour, Jahr um Jahr. Die Bands, zu denen ich am meisten aufsehe, sind die, die das durchgezogen haben. Das habe ich mir immer für uns gewünscht – und wie es aussieht, haben wir es geschafft.“