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EISANGELN: LOCH-HOPPING AUF HECHT


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 20/2020 vom 10.01.2020

Am Loch sitzen und warten, dass der Hintern kalt wird? Eisangeln geht auch anders! Jarmo Kuisma hat eine aktive Variante zum klassischen Ansatz entwickelt. Er sucht, bohrt – und fängt.


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So in etwa könnte eine Skizze von Jarmo aussehen. An interessanten Stellen bohrt er bis zu 100 Löcher.


FOTO: ADOBE STOCK / M. G. SIPA

Das Eis knirscht unter unseren Stiefeln. Es ist mit 15 Zentimetern für schwedische Verhältnisse nicht besonders dick, aber dafür hart wie Granit, weiß vom frischen Pulverschnee. Wir müssen unser Gerät selbst zum See schleppen, bei dem bisschen Schnee macht unser Transportschlitten nicht mit. ...

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... Trotzdem sind wir voller Energie, die Bedingungen sehen sehr gut aus. Trotz der Minusgrade in der Luft kommt mir meine warme Jacke überflüssig vor, und sobald die Sonne über den Kiefernspitzen aufsteigt, ziehe ich sie aus. Jarmo geht mit seinem Bohrer in der einen Hand und einer fertig montierten Rute in der anderen voran. Wir sind heute allein auf dem See, der für uns alle neu ist. Wir wissen also nicht, wo die Hechte stehen, und müssen uns einen Überblick verschaffen.

ÜBER 100 LÖCHER

Der See ist recht klein, das ist gut. Wir hoffen, dass wir die Hechte so schneller finden. Jarmo will uns eine neue Methode vorstellen: Er hatte es satt, still am Loch zu sitzen und darauf zu warten, dass ein Hecht zufällig an seinem Köderfisch vorbeischwimmt und ihn sich einverleibt. Er will lieber aktiv angeln – statt also auf die Fische zu warten, sucht er gezielt nach ihnen. Das geht auch beim Eisangeln!

Jarmo macht mit seinem Akkuschrauber und Bohraufsatz den Anfang. Max und ich bauen währenddessen unser Basislager für den Tag auf. Das dünne Eis ist für Jarmos Bohrer kein Hindernis, und in weniger als 20 Minuten hat er mehrere Löcher an zwei interessanten Ecken des Sees angelegt.

„Pro Tag kommen schon ein paar Löcher zusammen“, sagt er und setzt sich zu uns. „Wenn man eine vielversprechende Fläche effektiv befischen will, sind 100 Stück nicht ungewöhnlich. Aber so wird einem zumindest nicht kalt.“ Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und lacht.

TAKTIK UND TECHNIK

Jarmo schnappt sich einen Stock und zeichnet eine Skizze in den Schnee. Er sagt, dass es optimal ist, eine grobe Vorstellung von der Struktur des Sees zu haben, bevor man dort Eisangeln geht. Nun trifft dieser Optimalfall aber bei unserem Trip nicht zu – wir kennen das Gewässer nicht. Deshalb müssen wir uns den See erst erarbeiten. Oft kann man schon anhand des Ufers erkennen, wo interessante Bereiche liegen.

SICHER BOHREN! +

Moderne Eisbohrer sind extrem stark. Wenn Sie am Tag 50 bis 100 Löcher bohren, kann es leicht passieren, dass die Konzentration nachlässt. Eine Handgelenksverletzung passiert schnell, aber sie verheilt nur langsam! Sicherheit steht beim Bohren deshalb an erster Stelle.

Zum Beispiel sind verengte Bereiche immer einen Versuch wert. Landzungen, Buchten und der umliegende Grund sind ebenfalls vielversprechende Stellen.

Wenn der See diese Strukturen nicht bietet, arbeitet man sich einfach von einem Ufer zum anderen vor und fischt in verschiedenen Tiefen. So erhält man einen Hinweis darauf, welche Wassertiefe für den Tag die beste ist. Manchmal bohrt Jarmo auch in einer unregelmäßigen Zickzack-Strecke am Schilfrand entlang, mit wechselnden Abständen zwischen zwei und acht Metern zum Schilf.

Er legt den Zeichenstock weg, nimmt sich etwas Kaffee und beschreibt die Technik genauer. „Der Clou beim aktiven Eisangeln mit Köderfisch ist es, einen sterbenden Fisch nachzuahmen, der sich zwischen Boden und Eisdecke bewegt“, sagt er. „Dazu braucht es nur ein paar Meter Wassertiefe, aber in sehr flachen Gewässern ist das passive Eisangeln besser. Im Gegensatz zur klassischen Methode benutze ich nur eine Handangel, nicht mehrere. Ich beginne damit, den Köderfisch auf den Boden sinken zu lassen. Dann hebe ich ihn langsam an und lasse ihn wieder runter, abwechselnd zwischen einem halben und zwei Metern. Der Biss kommt meistens, wenn der Köder langsam über dem Grund tanzt, oder in der kurzen Pause nach dem Sturz. Ich fische an jedem Loch zwei bis vier Minuten, dann wechsle ich zu einem anderen – je mehr Stellen ich vor dem Angeln ‚angebohrt‘ habe, desto besser.“

Die monofile Schnur über dem Blei muss doppelt so lang sein wie das Stahlvorfach. Ansonsten verheddert sich der Köderfisch womöglich in der Hauptschnur.


Seiner Einschätzung nach sollte man in dem Bereich, den man befischen will, bis zu zehn dicht beisammen liegende Löcher bohren und die Technik an jedem ausprobieren, jeweils nur sehr kurz. Wenn sich überhaupt nichts tut, wandert man weiter übers Eis und probiert es an einer ganz anderen Stelle. Die Methode funktioniert am besten beim ersten und letzten Eis des Winters. Klare Tage mit steigendem Luftdruck sind optimal.

Jarmo verwendet 0,40er Monofil aufgrund der Dehnung und Abriebfestigkeit des Materials.


TACKLE & AUSRÜSTUNG +

Jarmo verwendet 70 Zentimeter monofile Schnur (im Bild rot für bessere Sichtbarkeit) mit 0,80 Millimetern Durchmesser. Daran befestigt er ein 30-Gramm-Kugelblei, das er doppelt umwickelt, damit es nicht verrutschen kann, und schließt mit einem Wirbel ab. Dann kommt ein beschichtetes Stahlvorfach, das am Wirbel befestigt und mit einem Schrumpfschlauch überzogen wird. Der Schlauch versteift den Übergang zwischen Stahl und Mono, sodass sich nichts verwickeln kann. Die Hakengröße variiert je nach Größe des Köderfischs: Für 12 bis 15 Zentimeter lange Köderfische kommen ein 4er-Drilling für das Maul und ein 2er für den Rücken zum Einsatz, bei 15 bis 25 Zentimetern verwendet Jarmo zwei 2er-Drillinge.

Neben dem Angelgerät ist eine gute Eisbohrmaschine (200 bis 250 Millimeter) Pflicht! Jarmo benutzt einen Bohraufsatz und einen 115-Nm-Akkuschrauber mit zwei zusätzlichen Batterien (5 Ah). Außerdem hat Jarmo immer eine lange Eisschaufel aus Aluminium, einen großen Plastikbeutel zum Wiegen, eine langstielige Zange, eine Waage, ein Maßband, einen Hakenlöser und eine starke Kneifzange dabei – letztere für den Fall, dass man sich selbst hakt.

„An trägen Tagen mit fallendem Luftdruck und Hechten, die keinen Hunger haben, macht die aktive Methode keinen Spaß“, sagt Jarmo. „Glaubt mir, ich habe es versucht – da ist die traditionelle Variante besser. Setzt euch mit Kaffee und einer warmen Bockwurst ans Eisloch und wartet auf den Biss. Faule Hechte, faules Angeln.“

DIREKTER KONTAKT

Für Jarmo steht fest: Nicht jeder hat Spaß am traditionellen Eisangeln, bei dem man mehrere Ruten „auf gut Glück“ verwendet. Bei seiner Methode steht man dagegen wenige Meter über dem Hecht, und da man ständig in Bewegung ist, kommt keine Langeweile auf. Während wir in Richtung Bucht stapfen, erklärt Jarmo, wie ihm der Gedanke kam.

„Meistens wusste ich beim gewöhnlichen Eisangeln schon, dass ein Biss kommen muss, sobald ich den Köderfisch absenke und die Rute an der Wippe befestige. Ich hatte das Loch gut platziert und das Rotauge dem Räuber quasi ins Maul gelegt. Beim aktiven Eisangeln geht es um genau diesen Moment – aber ich suche ihn gezielt! Ich kann mich gut an den ersten aktiven Eis66 angel-Versuch erinnern: Ich fischte in einer kleinen Bucht, von der ich wusste, dass sich dort gute Hechte aufhalten. Ich bohrte etwa 20 Löcher, und schon beim zweiten Loch kam ein Biss! Nach einem kurzen, aber sehr intensiven Drill hatte ich eine Hechtdame von über zehn Kilo im Arm. Danach klapperte ich die anderen Löcher ab, die ich am Ende der Bucht gebohrt hatte. An einem der letzten landete ich den nächsten Zehn-Kilo-Hecht. Da wurde mir klar, wie viel Spaß das Eisangeln macht, wenn man schon ahnt, wo die Hechte stehen.“

Wer weiß, wo die Hechte stehen, wird mit der aktiven Methode schnell belohnt.


FOTOS: M. ARNHEM

LEBENDE TOTE

Ein aktiv geführter Köderfisch ist bei dieser Methode die beste Wahl, meint Jarmo. Die ausladenden Bewegungen der Rute erwecken das tote Rotauge wieder zum Leben. Für ihn gehört das aktive Eisangeln zu den besten Methoden des ganzen Jahres – der Köder lässt sich in kürzerer Zeit sehr exakt und tödlich langsam präsentieren. Vor allem Großhechte fallen der Methode besonders oft zum Opfer.

„Das Vorfach ist hier extrem wichtig“, sagt Jarmo und zeigt es an seiner Montage. „Das Blei ist beim Absinken immer schneller als der Köderfisch, deshalb legt er sich parallel zur Schnur. Die beiden Drillinge verfangen sich sofort mit der Hauptschnur, wenn man nicht zwei Sachen beachtet. Zum einen bildet der Wirbel zwischen Mono und Stahl ein flexibles Gelenk. Dieses versteife ich durch einen Schrumpfoder Silikonschlauch, so kommt der Köder im Absinken weiter von der Hauptschnur weg. Außerdem muss die Mono, die ich zwischen Hauptschnur und Stahl schalte und auf der das Blei fest sitzt, sehr steif sein. Und doppelt so lang wie das Stahlvorfach!“

Jarmo verwendet eine einen Meter lange Rute und dazu eine Multirolle mit 0,40er monofiler Schnur. Geflochtene funktioniert bei dieser Kälte nicht gut, da sie starr wird.

Der größte Fang des Tages ist 115 Zentimeter lang und wiegt fast zwölf Kilogramm – der Hecht passt kaum durch das Eisloch, als Jarmo ihn zurücksetzt.


Außerdem bietet Monofil durch ihre Dehnbarkeit einen Vorteil, wenn große Fische direkt unter der Rutenspitze gedrillt werden.

EINE ECHTE TROPHÄE

Wir nähern uns dem Rand einer Bucht, in die ein kleiner Fluss fließt. Bisher konnten wir einige schöne Fische fangen. Jarmo senkt sein Rotauge in eines der letzten Löcher – und sofort biegt sich die Rute durch. Es ist nicht leicht, seine Miene zu deuten, aber der Fisch zieht seitwärts unter der Eisdecke weg. „Dürfte ein Großer sein“, sagt Jarmo und beugt sich vor. „Das Wasser ist so trüb, dass ich den Fisch kaum sehen kann, obwohl er direkt unter mir ist.“

Er drillt weiter, und nach einigen Augenblicken taucht ein großer Schädel in dem Eisloch auf. Jarmo greift entschlossen in die Kiemen und holt einen langen, fetten Fisch an Land. Das Loch ist fast zu klein für den Riesenhecht. Jarmo legt ihn in einen Behälter mit Wasser auf dem Schlitten, damit er sich etwas erholen kann. In einträchtiger Stille bestaunen wir den Hecht. Wunderbare Färbung – schneeweißer Bauch und gelb-rote Flossen. 115 Zentimeter ist der Fisch lang, und dazu 11,9 Kilo schwer. An dieses Tier werden wir uns lange erinnern.

Auf dem Weg zurück zum Auto planen wir schon unsere nächste Reise. Jarmo will die Methode noch weiter optimieren, indem er zum Beispiel gemahlene Köderfische und verschiedene Rasseln oder andere Reizköder einsetzt. Das könnte die Bissfrequenz noch weiter erhöhen.

„Ich kenne da noch einen See, den wir testen können“, sagt er. „Wir brauchen dort kleineres Gerät und Köderfische von etwa zehn Zentimetern. Morgen haben wir klares Wetter und guten Luftdruck.“ Er zwinkert. „Wie wär’s mit Barschen?“

Ein Loch wird nie mehr als zwei bis vier Minuten befischt. Sind die Hechte hungrig, beißen sie sofort.


„JARMO SENKT DAS ROTAUGE AB – UND SOFORT BIEGT SICH DIE RUTE DURCH.“


TOP-TIPPS FÜR ERFOLGREICHES EISANGELN +

1. Ziehen Sie bequeme und warme Kleidung an.

2. Bohren Sie möglichst viele Löcher.

3. Fischen Sie nie mehr als ein paar Minuten an einem Loch!

4. Nehmen Sie Freunde mit aufs Eis – für Spaß und Sicherheit.

5. Fischen Sie auf beliebten Eislaufseen!


FOTOS: M. ARNHEM